Literaturgefluester

2014-04-26

Hebt den Dachbalken hoch, Zimmerleute und Seymour wird vorgestellt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Zwei Erzählungen von J. D. Salinger, dem berühmten Schöpfer des „Fänger im Roggen“, von dem alle sprechen und es vielleicht, wie den „Mann ohne Eigenschaften“ oder den „Ullysses“ nicht gelesen haben. Ich habe das Buch während eines Workcamps im „Westpark Hospital“ in den frühen Siebzigerjahren einmal in Händen gehalten, der Alfred hat es und es steht auch auf einer Leseliste und von Jerome David Salinger, 1919 bis 2010 habe ich einmal gehört, daß er sich nach seinem Erfolg, sehr zurückgezogen hat.
Das Rowohlt Taschenbüchlein aus den Jahr 1985 habe ich im Schrank gefunden und jetzt ergooglet, das J.D. Salinger außer seinem Kultroman noch mehrere Erzählungen über eine Familie Glass geschrieben hat, der vorliegende Band gehört dazu.
Da erzählt der Erzähler Buddy, Sohn einer Artistenfamilie von seinen sechs Geschwistern, Seymour ist sein Bruder und die erste Erzählung beginnt mit der Erinnerung, daß der Bruder der kleinen Schwester Franny als sie Mumps hatte, ein buddistisches Märchen vorlas, an das sie sich später erinnern konnte, obwohl sie erst zehn Monate war.
Die Kinder sind alle in einer Radiosendung „Das kluge Kind“ aufgetreten und haben sich dadurch ihr Studium verdient und als der Erzähler dreiundzwanzig ist, wird das Jahr 1942 geschrieben und er ist zur Armee eingezogen, da bekommt er eine Nachricht von einer seiner Schwestern, sein Bruder Seymour heiratet und er soll nach New York City zur Hochzeit kommen.
Er bekommt von seinem Vorgesetzten drei Tage Urlaub, findet sich in der Wohnung ein, wo der Treffpunkt ist, wird zum Türsteher auserkoren und soll Leute in einen Wagen einweisen, er steigt dann selber ein, gibt sich den Mitfahrenden zuerst nicht als der Bruder zu erkennen, die anderen gehören zur Familie der Braut und schimpfen über den Bräutigam, er soll der Braut gesagt haben, daß er zu glücklich wäre zur Hochzeit zu erscheinen, soll sie auch geschlagen haben, das er schizoid oder homosexuell sei, wird vermutet.
Der Wagen steckt im Stau wegen einer Parade und kann nicht weiter. Schließlich steigen alle aus, um in einem Restaurant was zu trinken und zu telefonieren, das ist aber geschlossen, so gehen sie zu der Wohnung, in der der Erzähler mit Seymour und einer Schwester wohnt, mixt die Getränke, entdeckt im Badezimmer eine Nachricht der Schwester „Hebt den Dachbalken hoch, ihr Zimmerleute, denn gleich kommt der Bräutigam einher, größer noch als ein großer Mannn…“
Er entdeckt auch Seymours Tagebuch und zieht sich damit auf das Klo zurück. Schließlich mixt er die Getränke und die Brautführerin kommt mit der Nachricht zurück, daß alles in Ordnung ist und der Bräutigam die Braut entführt hat. So verlassen alle bis auf einen wieder die Wohnung und der Erzähler kann weiterlesen.
Vor dem zweiten Text „Seymour wird vorgestellt“ wird in den Amazon-Rezensionen gewarnt, weil eine Anekdotensammlung ohne Handlung und der Text als „Qualitäts- und Leistungsabfall“ beschrieben, was ich nicht beurteilen kann, weil ich noch keinen anderen Salinger-Text gelesen habe.
Der Bruder Buddy bemüht sich nach dem Selbstmord Seymours über ihn zu schreiben und tut das in einer sehr theoretischen Art, zitiert dabei Kafka und hält auch eine Zwiesprache mit den Lesern, reflektiert über das Prosaschreibe. Dann beschreibt er den Kinderdarsteller wieder, schreibt über seine Kleider, seine Stimme, seine Frisiergewohnheiten, etc.
Dazwischen gibt es einige Unterbrechungen. Der letzte Satz nachdem der Vorstellungsversuch ge- oder auch mißlungen ist, lautet „Aber jetzt ins Bett. Rasch. Rasch und bedächtig.“
Und ich bleibe wieder etwas ratlos zurück, denn ich bin ja keine Salinger-Spezialistin.
Daß das Buch schwer zu lesen ist, habe ich mir, nach dem, was ich von ihm wußte, schon gedacht und deshalb den „Fänger im Roggen“ bisher auch vermieden.
Jetzt bin ich auf das Buch gespannt und habe vor allem, die zweite Geschichte, nachdem mir ähnlich wie beim Arno Schmidt, die Handlung entglitt, nur mehr überflogen.
Wahrscheinlich müßte man sich auch hier mehr und viel genauer mit dem Autor beschäftigen, von dem ich offenbar das letzte Buch in der Reihe der „Seymour-Erzählungen“ erwischte, die „Amazon-Rezensenten raten auch mit den anderen Büchern zu beginnen und sind wahrscheinlich ebenfalls keine Salinger-Spezialisten.
Nur einer, der den Text positiver beurteilt, bedauert, daß es keine Beispiele von der chinesischen und japanischen Lyrik, die Seymour geschrieben hat, gibt.
„Vielleicht hat sie Salinger ja noch in petto, man munkelt ja daß er 90% seiner Schreibe vor der Veröffentlichung bewahren will“, meint er, in der 1999 geschriebenen Rezension. Ein Wunsch, der sich wahrscheinlich nicht mehr erfüllt lassen wird…
In Wikipedia habe ich noch gelesen, daß J. D Salinger gut Deutsch gesprochen, 1937 einige Zeit in Wien war, dort die Judenverfolgung miterlebte und auch eine Ausbildung in einem Schlachterbetrieb absolvierte.

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