Literaturgefluester

2014-04-13

Literatur in Göttweig und Krems

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:15
Connie Palmen

Connie Palmen

Robert Menasse

Robert Menasse

Wieder einmal „Literatur und Wein“ das sechzehnte Original, wie Sylvia Treudl in ihrer Eröffnung erkärte und das zweite dem ich beiwohnte, da ich bei literarischen Veranstaltungen nicht so gerne Eintritt zahle und ich allein auch nicht nach Krems und Göttweig fahren würde, da wir voriges Jahr aber nicht in Leipzig waren und auch nicht auf Urlaub fuhren, hat der Alfred Karten dazu gekauft und diesmal wieder,von Robert Eglhofer animiert, der uns extra deshalb anrief, als wir in der U-Bahn saßen und das literarische Event ist auch wieder hervorragend zusammengestellt, dieses Kompliment muß man den Organisatoren machen.
Nur das Beste vom Beste, die Creme de la Creme, im vorigen Jahr waren zwei Büchner-Preisträger, diesmal sind die Bachmannpreisträgerin und der des „Leipziger Buchpreises“ dabei und ansonsten wieder literarische Neuerscheinungen von begabten Jüngeren und schon sehr bekannten Autoren, dazwischen immer Musi zur Aufhellung und diesmal hat es in Göttweig schon, um fünf mit Stiftführungen begonnen, wo man sich das Archiv, die Bibliothek, die Kaiserräume und den Cäcilliensaal anschauen konnte und ein dreigängiges Menu gab es vor der Abendveranstaltung auch.

Das haben wir ausgelassen und sind gleich, um acht in den Brunnensaal gegangen, vorher gab es noch ein Glas Weißwein aus der Stiftkellerei, die Probe um Einzelpreis von 1.90 zu verkosten und dann zwei Star nämlich Connie Palmen und Robert Menasse, nach den Eröffnungsworten vom Abt und Landeshauptmannstellvertreter zu hören, letzter wünschte sich mehr Leser und meinte die Niederösterreicher sind da nicht sehr gut, sein Vorgesetzter ist da ja auch kein besonders gutes Beispiel, aber die Niederländerin Connie Palmen, die wie Sylvia Treudl einleitete, 1991 debutierte und dann bald von der Zeitschrift „Buchkultur“, wo Sylvia Treudl auch Redakteurin ist, vorgestellt wurde.

Soyka&Resetarits&Molden&Wirth

Soyka&Resetarits&Molden&Wirth

Simon&Mannhart&Langenegger

Simon&Mannhart&Langenegger

Ihre Bücher erscheinen bei „Diogenes“ und ihr drittes ist ihrem verstorbenen ersten Mann Ischa Meijer gewidmet. 1913 ist das „Logbuch eines unbarmherzigen Jahres“ in Memoriam ihres zweiten Ehemanns, erschienen. Aus diesen hat sie auch gelesen. Dann kam der Doyen der österreichischen Essayistik, wie Sylvia Treudl einleitete, der gerade den „Max Frisch Preis“ zugesprochen und 2013 den „Heinrich Mann Preis“ bekommen hat.
Von ihm erschien 2012 „Der europäische Landbote“, ein Essayband auf die EU und 2009 „Ich kann jeder sagen“, ein Erzählband, bei dem ich, glaube ich, mit Trude Kloiber in der „Alten Schmiede“ war, aus dem hat er, Connie Palmen zu Ehren, eine Geschichte gelesen, die in Amsterdam spielt, nämlich das „Ende des Hungerwinters“, wo ein Vater beim Begräbnis des Großvaters, wieder einmal die Geschichte erzählt, wie er den Krieg im Schimpansenkäfig von Amsterdam überlebte, ein Affe das Essen „Kugel und Knedel“ und ein Buch brachte, die Eltern Pelzmäntel trugen, ein Papagei Lärm machte und der Leichenschmaus in einer grandios von Robert Menasse rezitierten Farce endete.

Abado&Zivadinovic&Neuwirth&Windhager&Correa

Abado&Zivadinovic&Neuwirth&Windhager&Correa

Hartmut Lange

Hartmut Lange

Am Freitag ist es wieder im Brunnensaal mit der Doppelconference Wein und Literaturbetreuung weitergegangen. Ein Wein, ein Autor und die die Winzer werden interviewt und sagen was dazu und Sylvia liest die jeweiligen Autorenportraits vor. Katharina Hacker, die 2006 den deutschen Buchpreis mit den „Habenichtsen“ gewonnen hat, begann mit einer „Dorfgeschichte“, wo es um spielende Kinder, die Großeltern und ihre Einstellungen zum Krieg ging. Dann folgte Norbert Gstrein, der mit „Einer Ahnung vom Anfang“ 2013 auf der Longlist des dBP stand, in dem es um das Lesen geht, beziehungsweise um einen Lehrer, der in einem seiner Schüler einen Touristen erkennt.
Die Musikbegleitung wurde von Willi Resetarits, Ernst Molden, Walther Soyka und Hannes Wirth in drei Blöcken übernommen, die ihr neues Album „HO RUGG“ vorstellten und dazwischen alte Lieder spielten. In den Pausen konnten man wieder die Weine verkosten, sich auf die Terrasse stellen oder Bücher kaufen und ich nützte die Gelegenheit meine Bücherwünsche, mit denen ich neulich zu Anna Jeller gehen wollte, teilweise zu erfüllen, beziehungsweise ließ ich mir vom Alfred Lukas Bärfuss „Koala“ und Katja Petrowskaja „Vielleicht Esther“ kaufen, die gleich als nächstes las und das Buch ist kein Roman, wie ich glaubte, sondern Geschichten, die in verschiedene Kapitel aufgeteilt sind.

Tanja Maljartschuk

Tanja Maljartschuk

Tanja Maljartschuk

Tanja Maljartschuk

Die Autorin las die erste „Google sei Dank“ und dann noch die „Fahrt nach Mauthausen“.
Erich Hackl, der folgte und aus „Dieses Buch gehört meiner Mutter“ las, habe ich schon in der „Alten Schmiede“ gehört und dann noch seine Besprechung in einer literarischen Soireee in Ö1, wo es allerdings von Jochen Jung und Karin Fleischanderl sehr verissen wurde.
Nach einer weiteren Pause, bzw. Musikeinlage, kamen dann die „Autören“, nämlich Lorenz Langenegger, dessen neues Buch ich gerade gelesen habe, Urs Mannhart und Christoph Simon, die mir bisher unbekannt waren, lasen Texte, blödelten ein bißchen herum, erzählten über ihre Autorengruppe und sind, glaube ich, beim Publikum sehr gut angekommen.
Am Samstag ging es dann nach Krems ins unabhängige Literaturhaus zur ersten Matinee nämlich „Transfair“ mit Susanne Scholl und Juri Andruchowytsch moderiert von Klaus Zeyringer zum Thema „Wie schön ist die Welt“, das ist eine Reihe, im Vorjahr haben Barbara Coudenhove-Kalergi und Ilija Trojanow versucht diese Frage zu beantworten, heuer ging es um die Ukraine und zum Susanne Scholls neues Buch, aus dem sie ein Kapitel las und dann mit Juri Andruchowytch die Unterschiede der Majdan-Besetzung von jetzt und 2004, beziehungsweise die Berichterstattung der Medien diskutiert. Dann las Juri Andruchowytsch ein Kapitel aus einem Essay der die „sieben kritischen Tage im Februar“ beleuchtet, der demnächst erscheinen wird.
Dann gabs eine Mittagspause wo ich mir ein Würstl kaufte, ein bißchen an der Donau spazierenging, bevor es zur Marilenwanderung zu der Familie Aufreiter nach Angern ging.

Lukas Bärfuss

Lukas Bärfuss

Aris Fioretos

Aris Fioretos

Da spazierte man mit einem Wanderbegleiter und der Marillenbäuerin Katharina Aufreiter ein Stück den Marillenweg entlang, ließ sich genau erklären, wie das mit der Wachauer Marille ist und ob Krems noch zur Wachau gehört, dann ging es zur Verkostung von Wein und Marillennektar, beziehungswweise zur Lesung mit Julian Schutting aus seinem neuen Buch „Blickrichtungen“, weil der ja ein begnadeter Wanderer ist, bew Urs Mannhart, der schon am Freitag bei den „Autören“ aufgetreten ist, weil der ein Buch über einen Velo-Kurier geschrieben hat, der las dann auch einen sehr lustigen Text über einen Kapitalisten, der kein Geld verschenken will und für den es immer preisreduzierte Waren in den Regalen geben muß.
Im Bus bin ich neben Lorenz Langenegger gesessen, so daß ich ihn noch zu seinem Buch fragen konnte, zum Beispiel, ob die Stelle mit dem Rasierapparat im Gepäck, der einmal fehlt und dann doch vorhanden ist, so beabsichtigt wurde und am Abend ist es wieder hochkarätig im Brunnensaal weitergegangen, zuerst mit Hartmut Lange, der 1937 geboren ist und von dem ich „Schnitzlers Würgeengel“ auf meiner Leseliste habe, den ich aber sonst nicht kannte. Sylvia Treudl stellte ihn als sehr skurrilen hintergründigen Autor vor und er las eine Novelle aus „Dem Haus in der Dorotheenstraße“, wo einer den Tod seiner Frau nicht verkraften kann und daher in seine ehemalige Wohnung eindringt um dort ein Poster beziehungsweise nach Spuren von ihr sucht.

Abado&Zivadinovic&Neuwirth&Windhager&Correa

Abado&Zivadinovic&Neuwirth&Windhager&Correa

Thomas Glavinic

Thomas Glavinic

Tanja Maljartschuk folgte, im Radio wurde ja der ukrainische Schwerpunkt der heurigen „Literatur und Wein-Veranstaltung“ angekündigt und ich habe nach ihrer Lesung aus der „Biografie eines zufälligen Wunders“ jetzt den Sprachenkonflikt und einiges andere besser verstanden.
Die Musikeinlagen wurden am Samstag wieder von Roland Neuwirth mit internationaler Formation, zum Beispiel mit Marwan Abado aus dem Libanon mit dem ich früher einige Male am Volksstimmefest gelesen habe, gestaltet und Sylvia Treudl betonte, daß Roland Neuwirth die „Literatur und Wein“ die gesamten sechzehn Mal begleitet hat.
Nach der Pause ging es weiter mit Lukas Bärfuss, den ich schon in Leipzig hörte und dessen Buch ich nächstes Jahr lesen werde und Aris Fioretos, den ich schon einmal in der „Alten Schmiede“ traf, der hat ein Buch über seinen Vater, beziehungsweise seine Rolle als Vater geschrieben und auch seine Tochter mitgehabt.
Im dritten Block las dann noch Thomas Glavinic aus dem „Größeren Wunder“, ein Buch das im Herbst auf der Longlist stand und der dritte Teil der Trilogie mit dem Helden Jonas ist, diesmal ein schräger Typ, der von einem reichen Großvater aufgezogen wurde, zwei Jahre eine Wohnung nicht verläßt, weite Reisen macht, nur um dort aufs Klo zu gehen und schließlich den Himalaya besteigt, „Ein Portrait des erlebnisorientierten Größenwahn“, steht in der Beschreibung und Thomas Glavinivc erzählte noch ein bißchen was zu seiner Textauswahl.

Sasa Stanisic

Sasa Stanisic

Dimitre Dinev

Dimitre Dinev

Am Sonntag gings bei der Sektmatinee zum „Balkanfeeling“ ins Literaturhaus nach Krems, da sorgte die „Wiener Tschuschenkapelle“ für die Stimmung, während Sasa Stanisic, der ja seit einigen Tagen, was mich sehr freut, meinen Blog verfolgt, aus seinem in Leipzig gekrönten Roman „Vor dem Fest“, wo es um ein fiktives Dörfchen in der Uckermark, das liegt im Bundesland Brandenburg in der Ex-DDR, geht, das ein Fest feiert, beziehungsweise sich darauf vorbereitet. Die Ostereier, die ihm jemand schenkte, hat der 1978 in Visegrad geborene Autor, der während des Balkankrieges als Kind nach Deutschland gekommen ist, schon in Leipzig bei der Preisverleihung erwähnt.
Jetzt hat er ein sehr spannendes Stück von einer neunzigjährigen Malerin, die immer nur das fiktive Dorf, das, glaube ich, Fürstenfelde, heißt, malt, gelesen, das sehr lustig und gleichzeitig auch berührend war.
Ein Interview im Literaturcafe habe ich auch gehört, da zeigt der Autor sein Buch, in dem es, wie bei Wolf Haas „Verteidigung der Missionarsstellung“ Zeichnungen und besondere Schrifttypen,zu geben scheint, die der Autor dort in die Kamera hielt.
Der zweite Autor aus dem Balkan war, der 1968 in Bulgarien geborene Dimitre Dinev, den ich kürzlich im „MUSA“ hörte, weil er, glaube ich, Canetti-Stipendiat ist und mit seinen „Engelszungen“ schlagartig berühmt geworden ist. Jetzt scheint er einen Roman über den ersten Weltkrieg zu schreiben und las ein Stück wo ein Dienstmädchen namens Eva Nagl oder Nagel, der Alfred hat mir da einen Stoß gegeben, denn er heißt ja so und ich habe eigentlich einen Doppelnamen, in die Donau gehen will, weil sie von ihrer Herrschaft unehrenhaft entlassen wurde, sie landet aber im Schoß eines K.K Lieutnants, der ein ziemlicher Hallodri zu sein scheint, sie aber in ein Asyl statt in ein Bordell vermittelt, so daß sie bald euphorisch als „Rote Kreuz Schwester“ in den Krieg ziehen kann. Spannend, spannend, ich freue mich schon auf das Buch und das weiterlesen. Es kam dann noch ein Stück aus einer Anthologie, die Dimitre Diniv für „Achtzigjahre Radio“ oder so schrieb.

Sarlandziev&Mamudov&Ninic&Torbica

Sarlandziev&Mamudov&Ninic&Torbica

20140412-223619

„Lasst uns Radiohören“, da dreht einer in Bulgarien immer dann das Radio auf, wenn er vögeln will, damit die Vermieterin durch die dünnen Wände nicht das Stöhnen hört. Die langwierigen Parteireden inspirieren ihn, dann ist aber der reale Sozialismus aus und der Held kommt auch nach Wien…
Wir haben dann noch im „Museumswirtshaus“ an der Museumsmeile, wo wir einen Studienkollegen vom Alfred trafen und hörten, daß das Wirtshaus geschlossen werden soll, Mittag gegessen und jetzt ist, wie Sylvia Treudl so schön und treffend sagte, die „Sechzehnte Literatur und Wein auch schon wieder Geschichte!“, die man bei mir nachlesen kann.
Sie lud zum Wiederkommen ein, ob ich das mache, weiß ich nicht, für eine Einladung zum Lesen dort bin ich, wahrscheinlich nicht prominent genug, um eintausendeinhundert zahlende Gäste“, wie die Veranstalter ebenso betonten, anzulocken, aber zum Trost hat mich Irene Wondratsch gestern an unsere Lesung am 6. Mai im „Republikanischen Club“ erinnert und wissen wollen, was ich dort lesen werde?
„Die Frau aus dem Fenster“ aus den „Dreizehn Kapitel“ wird es zum Thema passend werden, ich lade alle zu kommen ein.
Lesezeit wird, hat mir die Irene gemailt, zwölf bis höchstens fünfzehn Minuten sein, so daß ich dann wahrscheinlich auch, wie Sasa Stanisic oder Christa Kern am Mittwoch mitten im Text sagen kann „und wie es weitergeht, lesen Sie am besten selber nach…“

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2014-04-12

Bei 30 Grad im Schatten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:44

Wann gerät ein Mensch aus den Fugen, welche Lebenssituationen können veranlassen, daß er zum Obdachlosen, Aussteiger etcetera wird?
Bei den Hilfsorganisationen hört man immer, daß das sehr leicht geschehen kann, eine Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes, eine Delogierung und schon ist man den Weg nach unten angetreten und von den Aussteigern, die als Touristen nach Kalamata gekommen sind und dann in weiterer Folge die Touristen ausnehmen, habe ich erst vor kurzem in der „Alten Schmiede“ gehört.
Lorenz Langeneggers bei „Jung und Jung“ erschienener Roman ist offensichtlich die Fortsetzung von „Hier im Regen“ 2009, ebenfalls bei „Jung und Jung“ herausgekommen und von mir 2012 beim „Augustin Flohmarkt“ in der Reinprechtsdorferstraße samt Begleitbrief und Karte an Anna Jeller erworben und noch nicht gelesen.
Aber Jakob Walter, der Held, der des Nachts nicht schlafen kann, weil ihm seine Frau Edith nach zehn Jahren Streit und Ehe verlassen hat und offenbar doch nicht, wie erwartet vom wöchentlichen Besuch bei ihrer Mutter in Winterthur zurückkommt, hat schon nach dem Unfalltod seines Freundes Ralf, die Stadt verlassen, um nie mehr zurückzukommen, war dann nach zwei Tagen wieder da, hat geheiratet, fand eine Stelle am Steueramt und dorthin muß er nun auch zu einer Sitzung. Wenn er sich beim Duschen beeilt, kann er es noch rechtzeitig schaffen.
Er steigt stattdessen auf den Dachboden, nimmt seinen Rucksack, steckt ein paar Sachen und den Schlafsack hinein und wirft den Schlüßel in den Briefkasten. Denn die Wohnung gehört seiner Frau, die, das weiß er, erst zurückkommen wird, wenn er draußen ist und das Handy hat er abgedreht, bevor der Chef, die Sekretärin bei ihm anrufen läßt, um zu fragen, wo er bleibt?
Er fährt nach Zürich einen Freund zu besuchen, aber der ist nach der Geburt seines zweiten Kindes umgezogen. So geht er auf den Friedhof, um dort Jonas zu treffen und wenn ich mich nicht irre, ist das die Stelle, die Lorenz Langenegger 2009 beim Bachmannpreis vorgelesen hat, die mich sehr beeindruckte und mich auch für die „Sophie Hungers“ an der ich gerade schrieb, inspirierte.
Der, ein Arbeitsloser, der diesen Zustand zur Profession gemacht hat, nämlich ein Büro in seiner Wohnung, wo er seine Bewerbungen schreibt, rät ihm nach Italien zu fahren und so treffen wir Jakob Walter im nächsten Kapitel auf einer Fähre an. Er denkt öfter an Edith, mit ihr ist er einmal nach Palermo gereist und ich habe, kann ich anmerken, auf einer Reise nach Sizilien sehr viel an der „Sophie“ geschrieben. Jakob Walter tut das nicht, sondern verbringt die Nacht im Schlafsack am Deck, teilt sich das Gyros mit den Fernlastfahrern, beziehungsweise ißt er mit ihnen und landet in Griechenland in einem baufälligen Hotel, mit nur einer betriebsfähigen Toilette, das von einer Natalia geführt wird, die in der Schweiz studierte, bevor sie die Wirtschaftskrise zurückgerufen hat, das Hotel ihrer Eltern zu übernehmen.
Die Reise geht weiter, obwohl, der Chef ist noch immer nicht angerufen, zwischendurch die Idee kommt, am Wochenende zurückzufliegen, um am Montag wieder pünktlich zur Sitzung zu erscheinen. Der Chef wirds schon verzeihen. Dann will er aber auch nach Athen, die Akropolis bewundern und dort bekommt er von einem Engländer den Hinweis, unbedingt nach Kalamata zu müssen, dann steigt ein Hund noch zu ihm in den Bus und begleitet ihn bis an das Ende des Landes, wo nur noch ein einsamer Leuchtturm steht.
Da muß er nolens volens umdrehen, verdreckt, schmutzig, sonnenverbrannt ist er schon, wie wohl noch immer ein Schweizer mit Pensionsversicherung und Geld am Konto er geht an den Löchern vorbei, die Straße entlang, um stehenzubleiben, wenn ein Auto hält, daß ihn zurück in die Stadt und zum Flughafen bringen kann…
Das Buch, beziehungsweise der Klappentext endet mit einem Fragezeichen und ich bin auch schon sehr gespannt, ob ich in fünf Jahren ein weiteres Buch lesen werde, in dem sich Jakob Walter vielleicht kurz vor seiner Pension noch einmal in den Ausstieg begibt.
Spannend diese Art von Fortsetzungsgeschichten und Lorenz Langeneggers zarter feiner Ton und seine genaue Beobachtungsgabe, die sich in schönen Sätzen und dichten Bildern des Alltagslebens ausdrücken lassen weiß, haben mir schon bei seiner Bachmannpreislesung, bei der er leider nicht gut angekommen ist, sehr gefallen. John Updike hat ja, glaube ich, meit seinem „Rabitt“ etwas Ähnliches gemacht.
Bei „Buch und Wein“, konnte ich ihn dann gleich mit den „Autören“, eine Gruppe, mit der er gemeinsam auftritt, hören. Seine Lesung in der Hauptbücherei vorige Woche habe ich versäumt.
Lorenz Langenegger steht noch am Klappentext wurde 1980 in der Schweiz geboren und lebt heute in Wien und Zürich.

2014-04-11

Der Mensch vom Mars

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:35

Ein guter Rat, wenn Sie mit der „New-York Times“ spazierengehen und es hält neben Ihnen plötzlich ein großes Auto und fragt Sie nach dem Wochentag, dann sagen Sie niemals „Freitag“, wenn es „Mittwoch“ ist, denn dann könnte Ihnen passieren, daß Sie plötzlich in den Wagen gezerrt werden und unglaubliches erleben.
Stoff für einen SF-Roman, Stanislaw Lem, hat ihn, wie er im Nachwort von „Der Mensch vom Mars“, 1989 in Krakau schrieb, 1946 noch in Lemberg aus Freude, daß der Krieg zu Ende ist, mit dreiundzwanzig Jahren, seinen Erstling geschrieben, der in einer „Kattowitzer-Romanzeitung“ erschien. Vom Autor vergessen wurde, den dann Lem-Fans in den später Achtzigerjahren entdeckten.
Stanislaw Lem bezweifelt in seinem Nachwort den Sinn solches Tun, meint aber, daß in dem Erstling schon Spuren seines späteren Werkes zu entdecken wäre.
„Der Bayerische Rundfunk“, rät am Buchrücken mit der Lem-Lektüre überhaupt damit anzufangen. Ich habe ja gerade den „Futurologischen Kongreß“ gelesen, wo ich mir mit der unglaublichen Ideenvielfalt und dem Halluzinationsreichtum ein wenig schwer tat, den Inhalt zu verstehen.
Hier ist einfacher, ruhiger bedächtiger und der Mensch vom Mars eigentlich eine Maschine, aber schön der Reihe nach.
Interessant, daß die Werke Lems, zumindestens die, die ich gelesen habe, nicht in Polen oder Lemberg spielen, der futorologische Kongreß in, wie „Wikipedia“ schreibt, einer Bananenrepublik, „Der Mensch vom Mars“, no na, in New York und dort geht der gerade entlassene Reporter Mc Moor hungrig und mit seinen letzten fünf Cent spazieren und kauft er sich davon die „New-York-Times“, von dieser Zeitung wurde er gerade hinausgeworfen. Dann landet er in dem Buick und kommt in ein abgelegenes Gelände, wird in einen Saal geführt, wo sich einige Herren befindet und es stellt sich heraus, seine Entführung war ein Irrtum, denn der „Freitag“ und die Zeitung waren die Codes.
Mc Moor ist in die Falle gegangen und soll sich nun der Herrenrunde anschließen oder es wird ihm sein Gehirn entfernt, er weigert sich und schlägt zu, als er in den OP abtransportiert wird.
Prüfung bestanden und nun wird er eingeweiht, die geheimnisvollen Herren sind Wissenschafter, Mc Moor hat in seiner Jugend, wie auch Stanislaw Lem Medizin studiert und die Herren erzählen ihm , vom „Marsianer“, jener Roboter der vor kurzem in einem Berg gelandet ist und nun von den Herren, ihr Anführer ist ein alter Professor untersucht werden soll und Mc Moor hat keine Wahl, er muß mitmachen und darf das Gelände nicht mehr verlassen, weil ja niemand die Wissenschaftler beim Untersuchen stören soll und wird so zum Erzähler der Geschichte.
Der Marsmensch ist ein Ungetüm, das im Keller untergebracht wird und die Herren stellen nun verschiedene Untersuchungen an. Das klingt ein bißchen wissenschaftlich trocken. Der Professor glaubt aber an das Gute des Eindringlings, will ihn willkommen heißen und mit ihm über Bilder kommunizieren. Das heißt Mc Moor soll das tun. Es gibt auch eine geheimnisvolle Flüßigkeit mit drogenähnlicher Wirkung und mit Stromstößen wird auch hantiert.
Am Ende erkennt der Professor die Täuschung, es gab Visionen so schrecklich, daß sie der Professor dem überlebenden Mc Moor gar nicht mitteilen kann, die beiden können das Monster gerade noch vernichten und reisen im Buck ab, der Chauffeur ist auch noch übergeblieben und Mc Moor kann der Menschheit erzählen…

2014-04-10

Der futorologische Kongreß

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:14

Ich habe es ja schon öfter geschrieben, das Tolle an den „Offenen Bücherschränken“ ist, das ich durch sie an Bücher herankomme, die sonst an in mir vorbeigegangen wären, wie beispielsweise jetzt der 1921 in Lemberg geborene und 2006 in Krakau gestorbene, Stanislaw Lem, von dem ich zwei Bücher gefunden habe, die ich jetzt hintereinander lesen werde.
Von den großen Science-Ficton Autor, er hat aber, glaube ich, auch genreübergreifend geschrieben, habe ich 1992 das erste Mal gehört, da hat sich Radek Knapp auf ihn bezogen und er galt für mich seither, als der Doyen des fantastischen Schreibens und das ist im „Futurologischen Kongreß“, 1970 geschrieben, die deutsche Fassung ist ein bißchen später erschienen, gleich zu merken, obwohl wir inzwischen bezüglich der Fantastik und Science schon ein bißchen weiter sind. Der Roman ist jedenfalls sehr rasant und reißt die Leserin in abenteuerliche Geschwindigkeit in die Welt in „Constricana“, wo der achte futorologische Weltkongreß im Hilton Hotel stattfinden soll.
Der Ich-Erzähler ist ein gewisser Ijon Tichy, ein Astronaut, offenbar schon bekannt aus anderen Lem-Romanen und man wird gleich in den Taumel einer ungeheuren Ideenvielfalt hineingerissen.
In dem Kongreß scheint es um die Frage der Überbevölkerung zu gehen, in dem Hotelzimmer gibt es Zwieback, ein Kletterseil und eine Tarnpelerine und die Versicherung der Direktion, daß es garantiert bombenfrei sei.
Auf den Straßen draußen scheint es Gewaltexzesse zu geben, im Hotel hört man von der Entführung von amerikanischen Botschaftsangehörigen.
Es gibt auch noch andere Kongreße, zum Beispiel den der Verleger der befreiten Literatur, die sich sehr freizügig geben oder den der Streichholzschachtelsammler und als Tichy in seinem Zimmer Wasser trinkt, gerät er in einen halluzinatorischen Zustand, denn das Wasser war vergiftet, beziehungsweise war ihm ein „Begütigungsmittel“ beisgesetzt, damit es zu keinem Aufstand der unzufriedenen Bevölkerung kommt. Er muß zuerst mit sich selber kämpfen, dann mit anderen Kongreßteilnehmern, da gibt es zum Beispiel einen Professor Trottelreiner mit Brille und Regenschirm, in die Kanalisationsanlage flüchten, wo es zu weiteren hallizunationsartigen Erlebnissen kommt, Tichy schließlich tiefgefroren wird und im Jahr 2039 in einer schönen neuen Wunderwelt erwacht, wo alles durch Pillen, die Absolventin, Theodizina, Freudian, Mementin etc, heißen, geregelt wird, man nicht mehr stirbt, es keine Bücher mehr gibt, sondern man die Weisheit mittels Lutschtabletten einnimmt, jeder den Nobelpreis für sich beantragen bzw die größten Kunstwerke billig kaufen kann.
Man spricht auch eine andere Sprache. „Wohn“ heißt zum Beispiel Wohnung, „Dings“ das Fernsehen und die Zeitungen zersetzen sich nach einem Tag selber, damit man befreit vom unnützen Wissen wird. Es gibt auch keinen Knast, sondern so was wie eine Fußfessel, die aber um den ganzen Menschen herumgelegt wird, um ihm vom Bösen abzuhalten.
Mißbrauch gibt es natürlich auch, so können sich die Frauen ihrer Männer entledigen, in dem sie ihnen durch Medikamente vorgaukeln, sie befinden sich auf Safari oder Weltreise, in Wirklichkeit liegen sie irgendwo am Dachboden und verhungern. Denn in Wirklichkeit hat das Problem der Überbevölkerung bis 2039 ja noch mehr zugenommen und während die Menschen glauben, sie trinken die teuersten Weine, befinden sie sich in größter Armut und werden durch einen künstlichen Einheitsbrei ernährt.
Tichy, der am Anfang eine wunderschöne Krankenschwester hat, die ihn in die neue Welt einführt, trifft bald Professor Trottelreiner wieder, der sich ihm als „Sachsichtiger“, er wird nicht durch Maskone narkotisiert, outet, sondern nimmt an einem weiteren geheimen Weltkongreß teil, für den er drei Modelle erarbeit, um zu einer Lösung der Probleme zu kommen.
Einen Gegenspieler gibt es auch, Dr. Symington, der Tichy erwischt und bedroht und am Ende erwacht der wiede in dem Abwasserkanal unter dem Hotel, wo er sich mit der Direktion und anderen Kongreßteilnehmern geflüchtet hat.
Trottelreiner ist auch da, der zweite Tag des futorologischen Kongreßes beginnt und Tichy beginnt so laut zu lachen, daß den Wissenschaftler ihre Skripten entfallen und „im schwarzen Wasser in eine unerforschte Zukunft entschwimmen.“
Spannend, spannend, das 2014 zu lesen, wo sich manche von den Phrophezeiiungen schon erfüllt haben, die Menschen aber immer noch mehr oder weniger lustig, depressiv, überwacht, angetörnt, etc vor sich hin und weiterleben.
Siegfried Lenz hat den Text für den Buchumschlag geschrieben und ich freue mich auf das zweite Buch „Der Mensch vom Mars“, das in der Beschreibung, als Einstiegslektüre für Lem-Neulinge empfohlen wird, da bin ich ja schon ein kleines Stückchen darüber hinaus.

2014-04-09

Die Entladungen der Sterne

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:20

Die „Entladungen“ sind eine Literaturzeitschrift, der „AGA-Arbeitsgemeinschaft Autorinnen“, die sich seit 1980 in der Volkshochschule Ottakring wöchentlich treffen, um einander Texte vorzulesen, darüber zu diskutieren, daran zu arbeiten und, um eben die „Entladungen“ herauszugeben und einmal im Jahr daraus vorzulesen.
Entstanden ist diese Idee vermutlich im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ in dem ich ja literarisch sozilisiert wurde, jedenfalls hat Elfriede Haslehner, eine der Arbeitskreisfrauen und Gründerin des „Wiener Frauenverlages“, die Arbeitsgemeinschaft gegründet und eine Zeilang geleitet, später wurde er von Barbara Neuwirth übernommen, die ihn noch heute macht, moderiert und mich auch zu der Präsentation des Heftes „Sterne“ am Donnerstag im Dachgeschoß der „Urania“ eingeladen hat.
Sie war nicht die Einzige und die Erste, die das tat, ist doch Christa Kern seit einigen Jahren eifriges Mitglied, hat in einigen der „Entladungen“ Texte und mich auch schon mehrmals dazu eingeladen, aber da war immer Eintritt für das Buffet zu bezahlen und da ich ja sehr sparsam bin, war das meine erste Teilnahme bei der Zeitschriften-Präsentation und noch etwas war spannend, nämlich die Auswahl der Lesenden, die mir Barbara Neuwirth, nicht Christa Kern, mitschickte, war da ja bei den dreizehn Frauen auch Ju Sophie Kerschbaumer dabei und das ist eine meiner zwei Kritikerinnen, die das „Literaturgeflüster“ prägen.
2011 ist sie auf mich, wahrscheinlich durch meine Kommentare auf Thomas Wollingers Blog aufmerksam geworden und hat mir eine gute Woche lang sehr eifrig und interessant kommentiert. Dann haben wir uns auf der „Studentenlesung I“ getroffen. Da war ich wohl ein bißchen verkrampft, ich bin wahrscheinlich immer noch ein bißchen unsicher und schüchtern und sie hat mir auf meinen diesbezüglichen Artikel zuerst sehr begeistert kommentiert, dann ist es aber gekippt und ich habe mich ein bißchen von ihr angegriffen gefühlt.
Schade eigentlich, denn ich will ja mit keinem böse sein, bin so wie ich bin und schreibe auch so gut wie es kann.
Nachtragend bin ich auch, aber auch sehr neugierig und so bin ich eigentlich sehr gerne zu der Lesung ins Dachgeschoß der Sternwarte, zum Thema passend, gegangen und wäre fast zu spät gekommen. Nicht weil ich zu eifrig korrigerte, da scheine ich im Moment wieder in eine Hemmphase zu kommen, sondern weil ich mir noch unbedingt ein paar Videos zum Thema „Alzheimer“ anschauen wollte und dabei telefonisch ein paar Mal unterbrochen wurde.
Dann aber gleich das Dachgeschoß gefunden, wurde von Christa Kern und Barbara Neuwirth freundlich begrüßt, habe Gabriele Petricek gesehen, die auch eine sehr treue Veranstaltungsbesucherin ist und mit mir wahrscheinlich den Record aufnehmen würde, wer am meisten zu literarischen Veranstaltungen geht.
Barbara Neuwirth hat begrüßt, auf die Rolle der AGA und auf die Bedeutung von Elfriede Haslehner, was ich sehr gut finde, hingewiesen und Doris Fleischmann als erstes lesen lassen, weil die am Donnerstag Geburtstag hatte und 1971 geboren wurde.
Ihr Sternentext, es war nur ein Ausschnitt, war auch sehr interessant, handelte er doch von einer Tochter, deren Vater ihr mit drei Jahren den Sternenhimmel, den großen und den kleinen Wagen, etc zeigte und dann aus ihrem Leben verschwand, so daß sie später nach ihm suchte und dabei auf einige Geheimnisse stieß, die in dem Textausschnitt gar nicht so gut herausgekommen sind. Ein Grund die „Entladungen“ zu kaufen, ich weiß, sie waren aber schon ausverkauft, noch ehe die Lesung begonnen hat und dann begannen die Autorinnen, von Barbara Neuwirth jeweils kurz vorgestellt, im Dreiertakt, jeweils fünf Minuten zu lesen.
Monika Vasik, die 2003 den Lise Meitner Preis gewonnen hat, Christine Kortner und Ju Sophie Kerschbaumer waren die nächsten, die zum Teil Gedichte lasen, zum anderen Teil das Märchen von den „Sterntalern“ neu und weitererzählten.
Dann kamen drei weißhaarige ältere Damen, mit ihren Kriegs-und Nachkriegserinnerungen. Maria Kohlbeck 1923 geboren, erzählte in zwei Fassungen von „Sternenliedern“, wie sie als junge Frau zum Arbeitsdienst nach Polen geschickt wurde und dort statt „Stille Nacht Heilige Nacht“ ein anderes Weihnachtslied singen mußte und am nächsten Tag „Heimat deine Sterne“ im Radio hören konnte.
Die Ärtzin, Inga Wißgott, die sich nach ihrer Pensionierung bei den „Ärzten ohne Grenzen“ engagierte und ein paar Bücher darüber geschrieben hat, wo sie eines, glaube ich, einmal bei „Rund um die Burg“ vorstellte, schrieb von ihren Kindheitserinnerungen in Dänemark, wo sie zum Aufpäppeln hingeschickt wurde und dort erfuhr, wie der König Widerstand gegen die Nazis leistete.
Ilse Krüger-Skelincka, die vom einem Nachkriegsmädchen, das gerne ein großer Star werden will und sich in die Studios ins Sievering als Statistin bewirbt, erzählte, kannte ich ebenfalls schon. Erstens hat sie ein Buch bei „Milena“ oder beim „Wiener Frauenverlag“ oder hat sie mit mir in der „Female Science Facton“ publiziert.
Dann kamen wieder jüngere Frauen und zwar ein ziemlicher Künstlerblock mit Radegund Hain, Josefa Mayer-Proidl und Christa Kern, wo mir vor allem Radegung Hains Text über zwei Frauen, die sich im Abstand von zehn Jahren immer bei einer Sternwarte treffen und dabei ihre Hoffungen und Erwartungen erleben oder auch daran scheitern, am besten gefallen und am Schluß erzählte noch Eva Holzmayr von einem Fest von der Frau von Sternthal, bei der es ähnlich wie bei der „Ariade von Naxos“, der Opter von Richard Strauss zugegangen sein dürfte. Ein Pianist und ein Sänger wurden mit großen Honoraren dazu eingeladen und erlebten dabei einige Überaschungen, nachher gab es auch ein Fest, beziehungsweise Getränke und Knabbereien, der Sternenhimmel, den die Einladung auch noch versprochen hat, war nicht so gut zu sehen. Literatur ist eben doch stärker als die Wirklichkeit und ich habe wieder viel gelernt, einige Bekannte gesehen, mich sehr gut unterhalten und mich auch mit Ju Sophie ein bißchen ausgesprochen.

2014-04-08

Sprachkunst in der Zwischenwelt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:08

Jugend goes „Zwischenwelt“, die Zeitschrift für Kultur und Literatur des Exils und Widerstands der „Theodor Kramer Gesellschaft“ herausgegeben von Konstantin Kaiser, könnte man so sagen oder nicht, denn normalerweise sind die Autoren der Texte die dort enthalten sind, schon sehr betagt oder bereits gestorben, bei der letzten Lesung in der „Alten Schmiede“ war das aber anders, da trat mit Maya Rinderer eine sehr sehr junge Autorin auf und dann bekam ich ein Mail von Konstantin Kaiser beziehungsweise hörte ich im „Leporello“ im Radio, als wir vorigen Montag früh von Harland nach Wien fuhren von der Veranstaltung „Die Welt schreibend erkunden“ wo Vladimir Vertlib, Redaktionsmitglied der Zeitschrift und Lektor der Hochschule für Sprachkunst, drei junge Autorinnen am 8. April im Republikanischen Club vorstellt, die seine Studententinnen waren und deren Texte in der „Zwischenwelt“ erscheinen werden oder schon erschienen sind.
Ich interessiere mich ja für beides, sowohl für die Veranstaltungen der „Kramer-Gesellschaft“, als auch für den Hochschullehrgang für Sprachkunst und habe umdisponiert, obwohl es in der „Alten Schmiede“, glaube ich, eine Veranstaltungsreihe mit Sabine Scholl, die ja auch Professorin an dieser Hochschule ist, gab, die dort auch irgendein Schreibprojekt vorstellte.
Im Republikanischen Club jedenfalls Anja Braunwieser, Ina Ricarda Kolck-Thudt und Sophie Zehetmayer. Konstantin Kaiser legte gerade die „Zwischenwelten“ auf den Büchertisch auf, als ich den Veranstaltungssaal erreichte und Vladimir Vertieb hat sich auf die Veranstaltung sehr gut vorbereitet. Erzählt anfangs wie er zu den Texten und den Autorinnen gekommen ist, dann stellte er sie vor und die Lesung begann mit der Jüngsten, nämlich mit der 1993 in Salzburg geborenen Sophie Zehetmayer, die seit 2011 mit dem Studium für Sprachkunst begonnen hat und ein Jahr später auch noch Musikwissenschaftensstudium begann.
„Losung“ hieß ihr Text, wo eine Mutter ihr Kind jede Woche zum Trafikanten, um ein Los schickt und in ihrem Handy noch drei andere Telefonnummern, die vom Blumenladen, von der Apotheke und die ihres Bruders eingespeichert hat.
Ein sehr eindrucksvoller Text, wo das Kind nickt, verstummt, am Ende auch noch seinen Kopf verliert und sich die Mutter mit Kopfwehtabletten zuzudröhnen scheint. Dann folgten fünf Gedichte aus einem noch nicht ganz vollendeten Zyklus und als zweite Autorin, die älteste des Abends, die 1982 ebenfalls in Salzburg geborene Anja Braunwieser.
Ihr Text hieß „Transit in Dohar“ erschien oder erscheint in der „Zwischenwelt 1/2014 und handelt von den Reisen der jungen Autorin nach Nepal, Bangkok etc, wo sie das ganze Elend der Welt sieht und dazu Stellung nehmen soll oder nicht oder auch nur am Ende hilflos überbleibt und ihre Photos einsortiert. Anja Braunwieser hat, glaube ich, auch noch Fotografie studiert.
Die dritte Autorin Ina Ricarda Kolck-Thudt kenne ich vielleicht schon, hat sie ja zwei Gedichte in der letzten „Jenny“, aber vielleicht habe ich die jungen Frauen auch schon bei den „Studentenlesungen“ gehört. Sie ist die Tochter von Siebenbürger Sachsen, 1992 in Feldbach geboren und in Amstetten aufgewachsen und erinnerte sich in ihrem Essay am Beispiel der „Animal Farm“ an das Rumänien ihrer Eltern, das noch nicht das ihre ist.
Dann kamen ebenfalls ein paar Gedichte, die Renate Welsh sehr lobte und es folgte eine rege Diksussion. Vladimir Vertib hatte sich Fragen vorbereitet, das Publikum war auch sehr eifrig, Konstantin Kaiser fragte nach dem Zorn, mit dem die jungen Frauen nicht so viel anfangen konnte, aber politisch und beeindruckend waren die Texte allemal und toll, wenn sich die „Zwischenwelt“ jetzt auch den jungen Frauen öffnet.
Nachher gabs Wein, was zu Knabbern und Gesprächen, ich unterhielt mich mit Konstantin Kaiser über mein Schreiben, beziehungsweise zeigte ich ihm die „Dreizehn Kapitel“ von denen ich eines ja in einem knappen Monat am selben Ort vorlesen werde, erzählte ihm, das Sasa Stanisic ab heute zu meinen „Blog-Followern“ zählt und von meinen Erfahrungen mit der Lektüre von Ulrich Becher. Da habe ich ja den in der „Zwischenwelt“ erschienen Briefwechsel rezensiert.
Eine Verwechslung ist mir auch noch passiert und in dem kleinen fast leeren Bücherschrank gegenüber der Buchhandlung Kuppitsch habe ich vier „Freiborde“ gefunden. Wer hat die wohl hineingelegt? Das letzte Mal gab es dort ein kleines Bändchen mit Christine Hubers Gedichten. Ob die wohl aus der Buchhandlung stammen?

2014-04-07

NS-Karrieren

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:24

Ludwig Laher, den ich von der GAV beziehungsweise den Sitzungen der IG-Autoren kenne, bei verschiedenen seiner Lesungen war und auch „Einleben“ und „Verfahren“ gelesen habe und den ich in die Jury des „Ohrenschmauses“ brachte, hat einen neuen Roman geschrieben.
„Bitter“, in diversen Blogs, die ich verfolge, bin ich schon darauf aufmerksam geworden, heute wurde das bei „Wallstein“ erschienene Buch in der „Alten Schmiede“ vorgestellt und ich war eigentlich ganz sicher, daß ich nicht hingehen kann, da um sechs Uhr eine Stunde, dann war die früher zu Ende und ich bin noch während Kurt Neumanns Einleitung, der gerade den Moderator und Gesprächsleiter Günter Kaindlsdorfer vorstellte, zurecht gekommen und erfuhr, was ich nicht wußte, daß es sich bei dem Buch, um eine Biografie in Romanform des Nazis und hochrangigen Gestapofunktionnär Friedrich Kranebitter handelte, der nach dem Krieg ein Jahr verurteilt wurde, sich sein Leben aber zurechtlog, so daß auf seiner Parte, als er 1957 an Krebs starb, stand „sein Leben war nur aufopfernde Liebe und Pflichterfüllung“, das habe ich aus Wikipedia und das Buch heißt auch, wie der Held, der darin beschrieben wird „Bitter“ und Ludwig Laher beantwortete als erstes Günter Kaindlsdorfer Frage, warum er sich dafür entschieden hat, die ersten Silben wegzulassen, obwohl man den richtigen Namen, wie ich es tat, ohnehin sehr leicht und schnell ergooglen kann und später wurde noch gefragt, warum er sich für die Romanform entschied und nicht eine Biografie über den Nazi geschrieben hat.
Ludwig Laher hat sich ja schon einmal mit den Nazis in OÖ beziehungsweise, einem Lager in St. Pantaleon, wo Ludwig Laher auch lebt, beschäftigt, da war ich, glaube ich, bei einer Lesung, beziehungsweise habe ich den Autor im Radio darüber sprechen gehört und auf Grund dieses Buch, hat ihm ein Historiker, die Unterlagen über Friedrich Kranebitter übergeben, die er eine Weile liegen ließ, weil er zuerst die Trilogie beschrieben hat, wovon ich die beiden letzten Bände gelesen habe.
Ludwig Laher las sich dann durch das Buch und kommentierte zwischendurch den Lebenslauf des 1903 als Sohn eines Gendarmen in OÖ Geborenen und in Schärding Aufgewachsenen, der sehr sportlich war und ein Tausendsassa, wie seine Schwester Annemarie meinte.
Er war dann im Stiftsgymnasium Wilhering und wurde dort wegen nationalistischer Umtriebe entlassen, hat 1924 in Ried im Innkreis Matura gemacht und war dort auch bei der Burschenschaft Germania, als die 2000 ein Jubiläum feierte, gab es eine Broschüre mit Kranebitters Bild und einem Vorwort vom Landeshauptmann. Friedrich Kranebitter ist dann nach Wien gegangen, wurde Polizist, hat Jus studiert, geheiratet, seine Frau betrogen und als die Nazis kamen, war er am Stephansplatz im Einsatz und hat sehr bald die Nazischleife über seinen Arm gezogen, weil er schon lange illegales Mitglied war. Sein Schwager war auch Polizist und hat die illegalen Nazis verfolgt, so daß er verhaftet und ermodert wurde, während noch seine Schwester und seine Mutter bei ihm für ihn intervenierten.
Er war lange am Morzinplatz tätig und kam dann nach Charkov, wo er für Massentötungen verantwortlich war, darüber hat Ludwig Laher, wie er erzählte, nicht sehr viel geschrieben, weil man das nachlesen, beziehungsweise sich in you Tube die Prozeßberichte ansehen kann, er wollte die kleinen alltäglichen Verbrechen und Folterungen beschreiben und auch den Wahnsinn, daß er den Wagen des jüdischen Rechtsanwaltes Michael Stern beschlagnahmen ließ und fuhr, der ihm dann nach dem Krieg verteidigte und die Freunde aus der Burschenschaft haben ihm auch weitergeholfen. Im Staatsdienst durfte er nicht mehr tätig sein, so hat er bei einer Brandtschutzversicherung gearbeitet und Ludwig Laher dürfte, bei seinen noch lebenden Verwandten, wie bei seiner Nichte Annemarie die inzwischen auch schon gestorben ist, recherchiert haben, die in der Bewähriungshilfe arbeitete und Ludwig Laher, als Grund dafür angab, das es bei jeden Verbrecher etwas Gutes gibt, das fällt bei den Nazi eher schwer zu begreifen.
Ludwig Laher hat mit Günter Kaindlsdorfer aber darüber diskutiert, daß es wohl der Ehrgeiz war, der den Tausendsassa angetrieben hat und daß er, wäre er fünzig Jahre später geboren, vielleicht erfolgreicher Banker geworden wäre. Das will ich mir auch nicht so ganz vorstellen, habe mich aber schon öfter über nette freundliche Damen gewundert, wenn die plötzlich über Ausländer und Türken schimpften und eine Dame hat sich aus dem Publikum, das gar nicht so besonders reichhaltig war, gemeldet und gesagt, daß sie 1938 in Schärding geboren sei und das Klima beschrieben, das sie dort erlebt hätte.
Ein sehr interessantes Buch, das mir fast entgangen wäre und noch etwas habe ich versäumt, nämlich Klaudia Zotzmanns Präsentation ihres Hildeheimers Schokoladekrimis „Mord und Schokolade“ im Cafe Alt Wien, das heißt, da bin ich ich vorbei, beziehungsweise am Rückweg hineingegangen und habe, glaube ich, Anni Bürkl gesehen.
Und Ludwig Laher, der einmal beim Bachmannpreis gelesen hat, wird heuer, wie ich gerade seiner Homepage entnahm, Tutor beim Klagenfurter Literaturkurs sein, was ich besonders spannend finde, da eine realistische dokumentarische Autorenstimme dabeizuhaben und ein Kritiker der Zentralmatura und engagiert bezüglich der Rechtschreibreform ist er auch.

Wann reisst der Himmel auf

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:27

Luis Stabauer, Trainer, Coach mit eigener Beratungsfirma und Absolvent der Leondinger Akademie ist ein sehr politischer Autor, den viele aktuelle und historische, zeit- und gesellschaftlichkritische Themen beschäftigen und die er auch mit seinen Erfahrungen aus seinem Trainer- und Beratungsalltag, er scheint auch Familienaufstellungen zu machen, zu verbinden weiß.
So ist sein erster Roman „Wann reisst der Himmel auf“, soeben bei „Resisdenz“ erschienen, ein Konglomerat davon, „Reise und Entwicklungsroman“ ist die Gattungsbezeichnung. Für eine, die auch am soziale Geschehen sehr interessiert und selber die Literatur mit psychologischen Aspekten zu verbinden versucht, äußerst spannend und Luis Stabauer führt auch sehr fesselnd in das Geschehen ein, obwohl man manchmal von den vielen Dingen, Personen und Geschehnissen, die da angesprochen werden, etwas verwirrt ist, aber das Leben ist eben vielschichtig und das ein junges Mädchen, das vor siebenundzwanzig Jahren in einer Stadt wie Gmünd geboren wurde, viel erlebt, erscheint mir einsichtig, wenn sie dann noch Literaturwissenschaft studiert und sich für Politik und Geschichte interessiert, ist die Vielfalt leicht erklärt.
Julia ist also siebenundzwanzig, in Gmünd bei ihren Eltern und ihren Bruder aufgewachsen und als sie Fünfzehn ist, hat sie ein einschneidendes Erlebnis, ihr Bruder Hartwig kommt und nimmt ihr ihren Walkman und „Gruftie-Posters“ weg und als sie Siebzehn ist, fällt sie in Französisch durch, obwohl sie eine gute Schülerin ist und der Vater schleift sie an den Haaren zu der Mutter, die nicht so recht für die Tochter einstehen kann.
„Hypnosespiele“ des Bruders, die über die üblichen „Doktorspiele“, die ja freiwillig und beidseitig sind, gab es auch und so verstummt Julia in ihrer Familie, vertraut sich in der Schule aber einer jungen Lehrerin an, die sie zu einem Therapeuten vermittelt und der Bruder, der zu diesem Zeitpunkt schon die Priesterweihe hinter sich hat und Chorherr wird, wird aus dem elterlichen Haus verbannt, kommt aber doch manchmal mit einem großen Auto und dem Talar ziemlich salbungsvoll auf Besuch.
Julia flieht nach Wien, beginnt dort Komparatistik zu studieren, hat infolge ihrer Erlebnisse, Schwierigkeiten mit Männern und kann sich ihnen nicht hingeben. In der Therapiegruppe lernt sie Ernst, einen achtzigjährigen Widerstandskämpfer und Spiegelgrundopfer kennen und will seine Geschichte aufschreiben.
Er erzählt ihr von seinem Jugendtraum, sie soll für ihn nach Lateinamerika reisen, weil er das nicht mehr kann und gibt ihr fünfzehntausend Euro dafür. Das wirft einige Fragen auf, die Julia auch in der Gruppe bespricht, darf man so etwas annehmen, Ernst hat auch eine Tochter und eine Enkeltochter, die aber keinen Kontakt zu ihm wollen oder aufnehmen dürfen.
Julia reist schließlich doch nach Argentienen, Chile, Peru und Bolivien und vorher von der Mutter eingeladen auch nach Martinique zu deren Freundin.
Auf der Lateinamerikareise läßt uns Luis Stabauer nun vieles miterleben, was er wohl selbst auf seinen Recherchereisen gesehen hat. Das Buch hat auch eine Widmung: „Ich bekenne: Viele von euch in Lateinamerika, jetzt und seit mehr als fünf Jahrhunderten, litten und leiden unter der schiefen Ebene zwischen Nord und Süd. Meine Zeilen sind Teil meiner Solidarität“ und wir bekommen sehr viel von den Problemen, aber auch von den landschaftlichen Schönheiten und Touristenattraktionen mit, obwohl sich Julia gegen das allzu Touristische, wie eine Schifffahrt durch die Anden oder die, mit einem Luxusschnellzug, der gelegentlich von Cartoneros und Indios mit Steinen beworfen wird, wehrt.
Die Cartoneros sind die, die von Abfalleinsammeln leben. Julia macht da einen Tag aus Solidarität mit und lernt auf ihrer Reise durch Patagonien auch einen rotbärtigen Finnen namens Yrjänä, was Orellana ausgesprochen wird, kennen und lieben und als sich sich von ihm in Chile trennt, weil er da einen Hochschulauftrag hat und alleine weiterreist, bekommt sie von Tilla, das ist die junge Lehrerin, mit der sie inzwischen befreundet ist, eine Nachricht, die Mutter ist gestorben.
Soll sie zum Begräbnis gehen oder nicht? Es gibt da offenbar einen Schwur, nie mehr nach Gmünd zurückzukommen. Sie wäre aber ohnehin zu spät gekommen, bis sie zurückgeflogen wäre. Kann sich mit der Mutter aber aussöhnen, die sie in einem Brief um Verzeihung bittet. Von Ernst und Tilla erfährt sie dann, der Chorherr hätte sich in der Kirche oder Friedhof salbungsvoll auf den Boden geworfen.
So reist sie allein weiter, muß manchmal vor Attacken und Übergriff von Männer aufpassen, ausgeraubt wurde sie schon, als sie Yrjänä spazierenging und mit den alten Nazis, die sich in Patagonien und in Bolivien zurückzogen, wird sie auch gewarnt.
Gibt es ja die „Odessa“ und die „Ustaschi“ und Ernst, den sie danach fragt, smst sofort zurück, die Reise abzubrechen, was sie aber auch nicht tut, sondern ganz normal ihre Route weiterfährt, dazwischen einige Gedichte und Reiseberichte schreibt, die sie, als sie wieder in Wien zurück ist, als Buch veröffentlichen will.
Ernst zahlt ihr dann noch eine zweite Reise nach El Salvador und dort bekommt sie von seiner Tochter die Nachricht, daß er gestorben ist und auch die Mitteilung, daß sie von ihrem Anwalt hören wird, denn Annemarie will das Geld zurück, das ihr Vater für sie gezahlt hat.
Böse Träume gibt es auch immer wieder, die sich langsam auflösen, so daß Julia sich mit ihrem Bruder treffen und um ein Gespräch bitten kann, was ich für eine gute Lösung und eine schöne Entwicklung halte. Ein spannendes Buch und sehr eindrucksvoll beschrieben, so daß man sich nachher noch mit vielen weiterbeschäftigen möchte, sei es mit den „Madres de Piaza de Mayo“, die in dem Buch zwar keinen sehr breiten Raum einnehmen, deren Symbol, das weiße Kopftuch, aber das Buchcover schmückt oder mit der Frage, wer Erich Priebke ist und besonders schön finde ich, wie angedeutet, daß das Buch den „Himmel ein bißchen aufzureissen“ versucht und vom Lösen der Konflikten spricht, was, da sich Luis Stabauer, den ich ja im vorigen Herbst, bei der Selbstpublisher-Messe in Hietzing kennenlernte und sowohl „Der Kopf meines Vaters“, als auch die Anthologie mit Texten, die im Rahmen der „Leondinger Akademie“ entstanden sind, gelesen habe, auch Konfliktlösungstrainings anbietet, auch logisch ist.
Das Buch wird sehr passend in dem lateinamerikanischen Lokal „Andino“ in der Münzwardeingasse 2, 1060 Wien, am 24. April um 19 Uhr vorgestellt und bei den „Textvorstellungen“ in der „Alten Schmiede“ ist Luis Stabauer am 30. Juni auch zu hören.

2014-04-06

Der Mann, der zu spät kam

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:17

„Der Mann, der zu spät kam“, ein Roman von Louis Begley, 1996 geschrieben, ein Buch aus dem Bücherschrank, beziehungsweise ausrangiert von den „Städtischen Büereien Gumpendorferstraße“, handelt, wie am beiliegenden Kärtchen steht von „Ben, einem voll integrierten Amerikaner und erfolgreichen Wallstreet-Banker, der an seiner verleugneten Jugend in Polen, einer Lebenslüge, die ihn beziehungsunfähig macht, leidet und am Ende in den Freitod geht“
Die Lebenslüge wird in dem zweihundertachtzig Seiten dicken „Suhrkamp-Buch“, aber nur am Rande und beiläufig erwähnt, vielleicht will Begley damit die Kunst der Verdrängung zeigen.
Vordergründig geht es um einen mir ziemlich unsympathischen Mann und etwas, was in den Romanen der großen Amerikaner, die auf den Nobelpreislisten stehen, regelmäßig vorkommt, Sex und Geld und gutes Essen, bei Philiph Roth kommen noch die Errektionsstörungen dazu, hier scheint Ben etwas jünger, im Vollbesitz seiner besten Mannesjahre zu sein, das Buch spielt in den Siebzigerjahren und wird von einem Ich-Erzähler, einem Schriftsteller mit einer Frau namens Prudence und zwei Töchtern, von denen eine zum Reitunterricht in ein Nobelcollege geschickt wird, Bens Nachlaßverwalter, erzählt.
Die Beiden haben sich in Harvard, einem Elitecollege kennengelernt. Ben hat sich aber nicht fürs Schreiben, sondern für die Bankkarriere entschieden und ist, wie gleich auf den ersten Seiten steht, eigentlich ein pünktlicher Mensch, zu spät kommt er offenbar nur, wenn es um Entscheidungen geht oder wenn er sicher selbst schadet, so hat er erst dann den besten Schneider, wenn sich dieser bereits am absteigenden Ast befindet.
Beruflich ist er aber sehr erfolgreich, schade, daß seine Eltern das nicht mehr miterleben konnten und er ist geschieden von einer älteren Frau namens Rachel, die hat er als Student kennengelernt, da nahm sie ihn auf eine Europareise mit, damit er auf ihre zwei kleinen Töchter, Zwillinge, aufpasse, während die dann schliefen, vögelten die beiden.
Ben ist ein aufopfernder Vater für die Mädchen, als die Ehe geschieden wird, will er das Sorgerecht, bekommt es aber nicht und die Mädchen wenden sich von ihm ab. So geht Ben nach Paris, um dort Bankgeschäfte zu übernehmen, mietet sich in einer Luxuswohnung ein, hat einen Diener und es werden seitenlang die Nobelrestaurants geschildert, etwas was mich eigentlich nicht so interessiert, in der sich Ben und Jack treffen.
Frauen gibt es auch eine ganze Menge, Ben nennt das „Sexualhygiene“ und es gibt eine Beziehung zu einer Veronique, die verheiratet ist und ein Söhnchen hat. Der Mann kommt auf den Ehebruch drauf, verprügelt Veronique, Ben zischt in Geschäften nach Japan und Brasilien ab und lehnt Veroniques Angebot ihren Mann seinetwegen zu verlassen ab, weil er sich ja nicht entscheiden kann.
In Brasilien trifft er auf einen „Nazi-Zahnarzt“, der ihm ein junges deutsches blondes Mädchen namens Lotte anbietet, mit der Ben sich dann vergnügt. Ich finde das eigentlich sehr widerlich und will mich da nicht wirklich auf psychologische Erklärungen und Abwehrmechanismen einlassen.
Dann kommt Ben zurück nach Europa und Amerika, reist herum, leidet weiter, schließlich besorgt er sich Schlaftabletten, nimmt sie aber nicht, sondern verläßt das Luxushotel, in dem der Freitod passieren sollte und springt ins Wasser.
So weit, so what, das Louis Begley mit diesen Roman seine eigene Biografie verarbeitet, ist klar, daß die amerikanische und europäische Gesellschaft das lesen will, vielleicht auch, aber ich ich finde diese Sexgeschichten von reichen alten oder auch jüngeren Männern, die sich in Luxushotels und Luxusrestaurants herumtreiben und wahrscheinlich nicht immer die lupenreinsten Geschäfte machen, sondern vielleicht die, die Jahre später zur Bankenkrise führten, nicht sehr befriedigend und der Umgang mit den meist sozial schwächeren Frauen gefällt mir auch nicht, auch wenn Ben natürlich was zu verdrängen und zu bewältigen hat, wenn er wie Louis Begley in Polen geboren wurde und nach Amerika kam.
Ich kenne Louis Begley recht gut, habe ihn einmal in der Hauptbücherei gesehen, dann die „Lügen in Zeiten des Krieges“ und „Schmidt“ gelesen. Einen dieser „Schmidt-Filme“ habe ich auch gesehen und „Wie Max es sah“ steht auf meiner Leseliste.
Ein sympathischer, freundlicher Mann mit einer beeindruckenden Biografie, aber mit seinen Romanen scheine ich nicht ganz klar zu kommen.

2014-04-05

Korrigier- und Schreibbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:04

Die letzten Tage habe ich die hundertvier Seiten von „Anna kämpft gegen das Vergessen“ durchkorrigert, auf hundertzwei Seiten, beziehungsweise 48.948 Worte hinuntergebracht und versucht das Ganze auf eine einheitliche Handlung zu bringen.
Was einerseits sehr spannend war und auch flott dahinging. Andererseits war noch einiges zu ändern und ich muß es auch noch einmal durchgehen, weil zeitlich stimmt es noch nicht. Anna ist nach dem Opernball gestorben und Hanni hat dann in relativ kurzer Zeit ihre Alzheimer-Ausbildung gemacht. So habe ich die auf acht Module und zwei Wochen Praktikum hinunterreduziert und da der „Büchner-Preis“ von der „Darmstädter-Akademie“ vergeben wird, entscheidet K.M über einen „Berliner-Kunstpreis“. Daß die Sitzung im Oktober stattfindet, habe ich auch weggelassen, versucht die Namen zu vereinheitlichen und bei den Opernballszenen muß ich noch aufpassen, da einmal Rade mit Anna zu Slavica Jovanovic geht und das andere Mal kommt er erst später nach.
Ansonsten finde ich das Ganze sehr flott erzählt und soweit man es selber beurteilen kann, auch sehr spannend. Am Donnerstag habe ich mit dem Durchkorrigieren angefangen und war am Freitag kurz vor sechs, bis auf cirka zehn Seiten fertig, als Robert Eglhofer angerufen hat und mir mitteilte, daß er Schifahren sei und daher nicht zur Schreibgruppe komme. Da war die Versuchung nicht zu klein, zu Hause zu bleiben und weiterzukorrigeren. Warum soll ich der Gruppe etwas anderers schreiben, wenn ich so schön im Schreibfluß bin. Ich bin aber sehr diszipliniert, habe den Laptop ausgeschaltet und bin losgezogen. Auf dem Weg ins Cafe Ludwig, beim „Hofer“ habe ich noch Milch, Pinze und Bananen eingekauft, ist mir eingefallen, daß ich „Frühling“, aber auch „Kokosnuß“, als Nonsensethema vorschlagen könnten, um einmal etwas Surreales oder auch Experimentelles zu schreiben. Beim letzten Mal in der Gruppe gab es mit der Ruth bzw. der Ilse Kilic ja ein bißchen Schwierigkeiten, weil die meinten, daß ich da keine Romanszene schreiben soll. Das hätte mich zwar nicht gehindert, war aber schon fertig mit dem Rohkonzept Eine Idee wäre ja auch trotzdem noch eine Szene zu schreiben, die dazu passt, zum Beispiel mit der Kokosnuß, aber von der bin ich abgekommen, weil das Ganze schon ziemlich fertig ist und nur mehr korrigiert, aber nicht mehr inhaltlich ergänzt zu werden braucht.
Bevor ich am Donnerstag mit dem Korrigieren angefangen habe, habe ich auch noch den Text für Anton Blitzsteins Zeitung zum Thema „Behindertenkunst“ geschrieben, den hätte ich eigentlich auch in der Gruppe schreiben können, aber das Thema hätte vielleicht den anderen nicht so gefallen und der Text war auch schon fertig.
Also habe ich „Frühling“ und „Kokosnuß“ vorgeschlagen, als ich ins Cafe Ludwig gekommen bin. Doris Kloimstein, Fritz Widhalm, Ruth Aspöck und Peter Czak waren da und da die anderen keine rechten Themenwünsche hatte, wurde „Kokosnuß“ angenommen und das war ein spannendes Schreiberlebnis.

„Kokosnuß, welch ein Hochgenuß, riesengroßer, kugelrunder Kunstgenuß. Es ist ein Kokosgruß mit der Nuß, im Frühling unter den Palmen an der Copa Kagrana, unter Lampions mit dem Hulareifen hoppen, Hulahopp und Holahoh und an die Liebe zu denken. Wo bleibt die Liebe, junge Frau, junger Mann? Wo bleibt sie nur, sag es mir? Ausgerechnet Bananen, Bananen, verlangt sie von mir! Josephine Baker im kurzen Baströckchen, mit der fettig, glänzenden, dunklen Haut. Es ist die Kokosnuß, die runde Kokosnuß, verlangt im Frühling Rum-Kokos von „Casali“ von mir. Kokosnuß und Palmenschnitten, am Strand der Copa Cagrana, in Graz, nein, in Wien, an der schönen blauen Donau, in der, wie ich höre, in letzter Zeit soviel Plastik schwimmt. Vielleicht sind es auch die Dosen von der Kokosmilch. Kokosmilch und Bananen zum Frühstück mit dem Müsli essen. Wo ist die Nuß, wo ist sie nur? Wo bleibt sie denn, wann kommt sie zu mir? Es ist die Liebe an der Copa Kagrana, in den heißen Frühlingsnächten, haben sie gesiegt. Lau ist der Wind und der Pina Colada schmeckt sehr gut. Aber besser noch die Kokosmilch aus der Kokosnuß, in der weißen Schale, eiskalt serviert. Heiß ist die Liebe und die Himbeeren rot, in den lauen Frühlingsnächten in der Copa Kagrana am Donauinselstrand. Es ist die Liebe, die dumme Liebe, die die Bananen von mir abverlangt. Braun und weiß und leicht verrückt, die heißen Frühlingsnächte am Donauinselstrand. Der Carneval in Rio wäre bunter, heißer, feuriger. Also zurück oder dageblieben und die Kokosmilch aus der Nuß geschlürft. Dazu ein paar Rumkugeln von Casali mampfen und der grüne Papagei sitzt auf der Palme und schnattert den Refrain dazu. Es ist die Kokosnuß, die schöne Kokosnuß, die ausgerechnet Bananen von der dummen Frau verlangt.“

Soweit mein Text und interessant, wie unterschiedlich, die der anderen waren. Bei diesem Thema ist mir das so richtig aufgefallen. So schrieb Doris Kloimstein, die telefonisch ein paar Mal unterbrochen wurde, von ihrem Brasilienaufenthalt und den Erlebnissen dort, wenn man mit einem Plastiksack voll Geld am Sandstrand sitzt. Fritz Widhalm fing es wieder ganz pragmatisch an und kam dann zu den Kokosbusserln und den Kokokuppel, während Peter Czak einen Drogenrausch mit viel roter Farbe damit verband und Ruth Aspöck mit dem Pfadfinderlied „Wer hat die Kokosnuß geklaut, begann und bei ihren Kubaerfahrungen landete.
Interessant so eine Schreibgruppe und auch sehr interessant, daß das Nonsenseschreiben Spaß machen kann, aber auch das Korrigieren, des im letzten Monat entstandenen Textes, der mich die nächste Zeit beschäftigen wird.

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