Literaturgefluester

2014-05-03

Der Professor

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

Eigentlich sollte hier ja Hans Falladas „Bauern, Bonzen und Bomben“ das Buch über die scheswig-holsteinische Landvolkbewegung, das ich noch diese Woche auslesen wollte, folgen, dann bin ich aber am Mittwoch zum „Wortschatz“ gegangen und habe dort John Katzenbachs Psychothriller „Der Professor“ gefunden, das mich irgendwie angesprochen hat.
Nun halte ich mich ja, seit ich sie habe, ziemlich strikt an meine Leselisten und ziehe nur Rezensionsexemplare bzw. Urlaubsbücher vor, aber dann las ich im Beschreibungstext, daß es darin um einen an Demenz erkrankten Psychologieprofessor geht, der einen Fall aufzuklären hat und ich schreibe ja gerade auch ein Buch wo es um den Kampf gegen eine solche Erkrankung geht.
Da wollte ich nicht Jahre warten und auch den Fallada, obwohl er ja zum Maiaufmarsch ganz passend wäre, nicht erst auslesen und habe das Buch vorgezogen.
Habe es nicht bereut, obwohl ich es am Anfang ziemlich langatmatig und eher belehrend sowie konstruiert als spannend fand, dann hat es mich aber auch von der Handlung mitgerissen und die Themen, die darin bearbeitet werden, sind sowieso interessant.
John Katzenbach las ich ich dann noch bei „Wikipedia“, da ich den Autor nicht kannte, 1950 in Princeton geboren, ist der Sohn einer Psychoanalytikerin und das merkt man dem Buch, das doch einiges an Fachwissen und genauer Fallbeschreibung bringt, an. Er ist außerdem auch ein Bestsellerautor und hat schon eine ganze Reihe von Thrillern geschrieben, die auf Deutsch „Die Anstalt“, „Der Patient“, „Der Fotograf“, etc, heißen.
Das Buch ist 2011 erschienen und schneidet eine Reihe von brisanten Themen an. Da ist einmal Adrian Thomas, ein Mittsechziger, glaube ich, pensionierter Psychologieprofessor, der an Ratten forschte, der zu seinem Neurologen geht, weil er in letzter Zeit viel vergißt und sich auch mit seiner Frau unterhält, obwohl die schon ein paar Jahre gestorben ist.
„Lewy Body Demenz!“, sagt der und schreibt ein paar Rezepte aus und Adrian beschließt sich umzubringen, hat er doch eine Pistole von seinem Bruder in seinem Kasten, der das schon früher tat. Bevor er aber dazukommt, sieht er ein junges Mädchen mit einem Teddybär am Rucksack, die Straße hinuntergehen, die dann in einen Bus verschwindet, nur die rosa Baseballkappe bleibt liegen.
Adrian beginnt nun eine fortwährende Konservation mit seiner Frau, seinem Bruder, seinem Sohn, alle drei schon verstorben, der Sohn fiel im Irak-Krieg, die Frau hatte deshalb einen Unfall, der Bruder ein Anwalt, war in Vietnam und die drei stacheln ihn auf den Fall aufzulösen. So schnappt er die Kappe und stapft damit von Haus zu Haus.
Der zweite Strang ist die sechzehnjährige Jenniver, die von zu Hause, weil sie möglichwerweise von ihrem Stiefvater, einen esoterischen Sexualtherapeuten mißbraucht wurde, ausreißen will, sie wird von einem Paar, namens von Linda und Michael in einen Bus gezerrt und die sperren sie in einen Keller, fesseln und filmen sie und stellen die Aufnahmen ins Internet.
„Whatcomesnext.com“, heißt die Seite, wo man sich für viel Geld einloggen kann und Jennifer ist schon „Nummer vier“.
Es gibt auch immer Passagen, wo Studenten, Künstler etc auf der ganzen Welt zuschauen, mitfiebern, mitwetten, etc.
Das läuft meines Erachtens ein wenig schleppend an und ich dachte mir, wer ergötzt sich schon daran, daß Jennifer jetzt Haferbrei ißt oder pinkelt, aber dann geht es bis zu ihrer Entjungferung und am Schluß als die Zuschauerresonanz nachläßt, soll auch ihr Tod inszeniert werden.
Dazu kommt es aber nicht, ist ihr doch Adrian auf der Spur und eine Polizistin namens Teri Collins, eine alleinerziehende Mutter, die offenbar ihrem gewalttätigen Gatten davonlief, die Jennifer suchen soll, gibt es auch.
Der Professor geht zu seinem Nachfolger, kommt auf die Idee, daß es um Internetsex gehen könnte und mit Hilfe eines Triebtäters, der eine an Alzheimer erkrankte Mutter hat, die er liebevoll pflegt, obwohl es ihm die Gesellschaft nicht leicht macht, kommt er auch auf die Seite und gerade noch zu der Farm, als Jennifer schon fast den Verstand verloren hat und sich erschießen soll.
Teri kommt dabei ums Leben, der Professor wird angeschossen, überlebt aber und im Epilog, drei Jahre später, ist Jennifer die beste Psychologiestudentin und soll ein Stipendium bekommen, sie geht aber jeden Donnerstag mit einem Blumenstrauß zu Teris Gedenkstein und dann in das Altenheim, wo sie dem inzwischen schon sehr abgebauten Professor, Gedichte vorliest.
„Er freut sich, wenn Sie kommen, auch wenn er Sie nicht mehr erkennt!“, sagt die freundliche Schwester. Jennifer glaubt ihr das nicht und hat für den Professor auch schon den Giftcocktail vorbereitet, den sie ihm liebevoll spritzt, während sie ihm Gedichten vorliest und von ihrem Studium erzählt.
Ein doch sehr spannendes Buch, das sehr brisante Themen aufgreift und auch fachkundig abhandelt, aber leider leider wieder so endet, wie es nicht notwendig wäre und ich es nicht haben will, denke ich doch, daß es auch ohne die liebevolle Sterbehilfe geben müßte, selbst wenn das der Bachpreisträger von 2009 auch nicht anders darzustellen wußte.

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