Literaturgefluester

2014-05-05

Der Zimmerspringbrunnen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:10

Ein 1995 erschienener Roman von Jens Sparschuh und ein Fund von der „Thalia-Abverkaufskiste“. Der Name hat sich bei mir offenbar eingeprägt, da der 1955 in Karl Marx Stadt geborene, der in Leningrad Philosophie studierte und Assistent an der Humboldt-Uni war, 2012 für den „Leipziger Buchpreis“ nominiert wurde.
Ein Schelmenroman, ein Roman der Wende, irgendwie steht auch was vom Schwejk geschrieben, also wahrscheinlich nicht gerade der richtige Roman für mich, da ich mir mit den Tölpeln in der Literatur, den ewigen Verlierern, eher schwer tue und auch offensichtlich nicht viel Humor besitze.
Dabei fängt es ganz ernsthaft an oder besser mit einem Horoskop, da steht nämlich, daß der Ich-Erzähler Hinrich Lobek die Initative ergreifen soll und so bewirbt sich der seit drei Jahre Arbeitslose, der mit seiner Frau Julia in einer Neubauwohnung lebt, um einen Job als Vertreter für Zimmerspringbrunnen.
Vor der Wende war er Mitarbeiter im Wohnungsamt, machte Hausbesuche und hatte Beschwerden aufzunehmen, jetzt sitzt er seit drei Jahren zu Hause, gießt die Blumen regelmäßig, die daraufhin eingehen und geht mit dem Hund Hasso, den er Freitag nennt, Gassi, er ist auch auf den Ressortleiter seiner Frau namens Hugelmann eifersüchtig und führt ein Protokollbuch, in dem er alle seine Beobachtungen genau vermerkt. Einen Hobbyraum, wo er Laubsägenarbeiten ausführt, gibt es auch.
Er bewirbt sich also und wird zu einem Seminar eingeladen, weil die Firma ihre Ostkontakte ausbauen will. Lobek ist eher schweigsam und schüchtern und als er beim Rollenspiel den Vertreter mimen soll, ergreift er den Zimmerspringbrunnen und spritzt sich damit an.
„Unterschreiben!“, ruft der Chef dem Kunden zu und Lobek hat die Stelle. Jetzt zieht er sich in den Hobbyraum mit den Schulungsunterlagen zurück und als er im Vorzimmer auch noch die Modelle von „Jonas dem Wal“ aufstapelt, zieht die Frau aus.
Lobek zieht mit Strüver, das ist der Leiter des Verkaufsseminars los und bringt zum Einstieg auch noch die Adresslisten mit, die er von seinen Hausbesuchen hat.
Da wird er von der Firma offenbar für einen Stasimitarbeiter gehalten, aber als der Hund eines der Modelle kaputt macht, Lobek hat sie zu Modellzwecken in der Wohnung aufgestellt, repariert er es mit einem DDR-Kugelschreiber, nennt das Modell „Atlantik“ und es wird der Hit, denn alle wollen nun ein solches haben.
Es kommt auch zu Mißverständnissen, als er einmal einen Massagesalon aufsucht, hält ihn die Domina für einen Kunden, er bekommt blaue Flecke und muß noch hundert Mark dafür zahlen und Strüver hält ihn für homosexuell, als er ihn im Unterleibchen zum Laubsägeabend im Hobbyraum empfängt.
Trotzdem macht er Karriere und wird sogar zum Bereichsleiter Ost. So will er, Weihnachten naht, seine Ehe retten und Julia zurückholen. Er dressiert den Hund, was natürlich nicht gelingt, räumt die Wohnung auf und lädt Julia zum Versöhnungsessen ein, sie bringt aber nur einen Geschenkskorb, während er einkaufen ist und holt ihre Bahncard und ihre Reisetasche ab, so zieht er mit dem Hund zum Bahnhof los, um Julia zurückzuholen, gerät dort in Sandlergesellschaft und verliert offenbar den letzten Halt und ich bleibe wieder etwas ratlos zurück, so schlimm war es doch nicht mit dem Verfall der DDR und eigentlich ist nach der Wende der Aufstieg doch gelungen oder irre ich mich da?
„Mit scharfer Beobachtungsgabe und viel Humor ist Jens Sparschuh in diesem burlesken Vertreterroman das seltene Kunststück gelungen, alle komischen und tragischen Aspekte der Wende aufzugreifen, ohne dabei in Larmoyanz zu verfallen“, steht im Beschreibungstext und die „Berliner Morgenpost“ schreibt auf den Buchrücken „Ein Beweis dafür, daß man ohne Enttäuschungen auch nach deutscher Literatur greifen kann!“, da habe ich nun nicht ganz verstanden, denn ich greife ja sehr oft nach der deutschen, österreichischen und auch ganz anderen Literatur und werde selten enttäuscht, auch hier nicht, obwohl ich es lieber etwas weniger burlesk hätte.

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