Literaturgefluester

2014-05-08

Luftschacht-Verlagsportrait

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:20

Heute war es wieder einmal nicht klar, wo ich den literarischen Abend verbringe, in der „Alten Schmiede“ bei Antonio Fian im Gespräch mit Lydia Mischkulnig, aber den habe ich aus seinem neuen Roman schon in der „Kolik-Lounge“ lesen gehört, im Literaturhaus gab es eine GAV-Veranstaltung „bewegte sprache – grenzenlos“ mit Jopa Jotakin, den ich heute, glaube ich schon in Literaturhausnähe auf dem Fahrrad sah, Ilse Kilic, Fritz Widhalm und einigen mir Unbekannten, organisiert von Günter Vallaster, aber ganz so experimentell bin ich ja nicht und in der „Gesellschaft der Literatur“ stellte Jürgen Lagger seinen „Luftschacht-Verlag“ vor, da dachte ich zuerst, daß ich nicht hingehen will, da wir Jürgen Lagger auf der letzten „Buch-Wien“, ja ziemlich direkt „Es ist ja nur ein Blog!“, erklärte, warum er mir diesmal die „Fm4-Anthologie“ nicht geben wollte.
„Aber was für einer einer!“, würde ich da wieder antworten und Jürgen Lagger habe ich auch schon gestern bei den „Schönsten Büchern“ gesehen, weil er der Verleger eines der prämierten Bücher war, außerdem ist der GAV-Mitglied und ich war auch schon einmal bei einer seiner Lesungen in der „Alten Schmiede“ und von Stefan Alfare bin ich sowieso ein großer Fan und mag sein Schreiben, seit er sich 1992 für ein Nachwuchsstipendieum bewarb, ein paar Gedichte ohne Lebenslauf und sonstige Angabe dazu einreichte und ich mich mit Null Informationen nicht traute, ihn vorzuschlagen.
Inzwischen hat er, glaube ich, einige Stipendien bekommen, beim „Bachmannpreis“ gelesen, seine Bücher zuerst bei „Selene“, die letzten vier bei „Luftschacht“ verlegt. Der Alfred hat mir einige zu Weihnachten etc geschenkt, zuletzt den „Meilengewinner“ über den ich schon bloggte.
Also habe ich den Bauchgefühl nachgegeben und bin in die Herrengasse marschiert, umso mehr, da es sich da am besten ausging, nachher noch beim Konzert beim „Fest der Freude“, weil am 8. Mai ja der zweite Weltkrieg beendet wurde, mitzunaschen.
Vor zwei Jahren hat es da noch eine große Demonstration gegeben um die Burschenschafter zu vertreiben, jetzt spielten die Philharmoniker und als ich den Hof des Palais Wilcek erreichte, saß da schon Rosa Pock im Gespräch mit zwei Männern, bei der „Steinwendter-Lesung“ habe ich sie ja auch in der „Gesellschaft für Literatur“ getroffen. Oben waren ein paar junge mir unbekannte Leute und es wurden zwei Bücher vorgestellt.
Stefan Alfares viertes „Luftschacht-Buch“ „Terrain“ und eines von einem Felix Fransesco Casanovas, der mit siebzehn einen Roman geschrieben hat.
„Heute ist mein letzter lebendig (hoffentlich)“ und sich dann mit neunzehn Jahren, 1976, wahrscheinlich umbrachte, wurden vorgestellt und die Übersetzerin des spanischen Autors hatte offensichtlich ihre Freunde mitgebracht, verteilte seine Bücher und nach und nach füllte sich der Saal und die Veranstaltung begann mit einem Gespräch zwischen Manfred Müller, der jetzt die „Gesellschaft“ leitet und Jürgen Lagger, der vor kurzem seinen Partner verloren hat und den Verlag jetzt alleine weiterführt.
Ich kann mich erinnern, daß mir vor zehn Jahren wahrscheinlich, so lange gibt es den „Luftschaft-Verlag“ schon, im „Little Stage“ bei einer von Armin Baumgartner organiserten Literaturveranstaltung, einer eine Karte des Verlags in die Hand drückte und ich dann eines meiner Manuskripte hinschickte.
Ob das Stefan Buchberger oder der dritte Mann war, der schon drei Jahre später ausgestiegen ist, weiß ich nicht mehr.
Jürgen Lagger, der studierter Architekt ist und in seinem Verlag neben Literatur, zum Beispiel, die von Hanno Millesi, den ich auch sehr mag und mich als Fan bezeichnen würde, Kinder- und Architekturbücher verlegt, erzählte dann, wie er den Verlag alleine weiterführen wird und dann etwas über den spanischen Autor, dessen Buch er bei einer Buchmesse in Frankfurt angeboten bekommen hat.
Ein junges Genie, das über einen geschrieben hat, der sich selber ständig umbringen will, das aber nicht kann, weil er unsterblich ist und diese Geschichte in verschiedenen Textsorten, erzählend, in Träumen mit Gedichten und dann mit dem Wissen, die die siebzehnjährigen Genies, Satre, Camus, Beatles, Jimi Hendrixs, etc, in den Siebzigerjahren so hatten, hinunterschrieb. Ein interessanter Typ und wahrscheinlich schwierig könnte man vermuten.
Jürgen Lagger las sich durch die Textstellen und dann folgte der 1966 in Bregenz geborene Stefan Alfare, der als Totengräber am Ottakringer Friedhof gearbeitet hat, bevor seine literarische Karriere begann. Manfred Müller stellte ihn als vollkommen anders, als Felix Casanovas vor, das denke ich, bezieht sich auf den realistischen Stil, in dem es um das pralle Leben, das Biertrinken und das Rauchen geht. Ansonsten würde ich zwischen beiden Autoren die Ähnlichkeiten entdecken, daß sie wahrscheinlich Außenseiter sind oder waren und wahrscheinlich auch nicht sehr gut mit sich umgehen oder gingen.
Manfred Müller erwähnte noch Stefan Alfares spezielle Vortragsweise und der verschwand während der Einleitung, tauchte dann, wie Franzobel mit einer Bierflasche wieder auf, bedankte sich beim Verlag für die Förderung und sagte dann, daß er nicht wüßte, was er lesen soll?
Er begann dann nach einigen Suchen weit hinten in dem Buch, wo der Protagonist Udo Asch, ein Schriftsteller mit einem Dramatiker durch Thailand zieht, raucht und trinkt und auf eine schöne Frau wartet.
Nach einer Weile unterbrach er sich, fragte, ob er aufhören solle, weil das ja langweilig wäre. Manfred Müller riet mit dem Anfang zu beginnen, wo der Schriftsteller noch in Ottakring spazierengeht, dann fragte er noch einmal, ob er aufhören soll und las dann auf Wunsch von Stefan Buchberger, der im Publikum saß, noch ein Stück von dem Dramatiker, die er aber nicht gleich fand. Jedenfalls wurden dann noch die Slums von Bangkok in der typischen Alfare-Art beschrieben. Ein spannender Abend mit zwei spannenden Büchern und es ist natürlich interessant, wie es mit dem „Luftschacht-Verlag“ weitergehen wird und auf den nächsten „Fm4-Preis“ bin ich auch gespannt, weil es da ja immer die jungen Literaturtalente zu entdecken sind.

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