Literaturgefluester

2014-05-09

Bauern, Bonzen und Bomben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:43

Hans Falladas, 1931 erschienener Roman, mit dem er berühmt wurde und der von den historischen Ereignissen der schleswig-holsteinischen Landvolkbewegung, die er in die Stadt Altholm verlegt, handelt, ein Fund aus einem der Schränke, beziehungsweise öffentlichen Bibliotheken, von denen es jetzt schon viele gibt, ich habe aus diesen Schränken auch schon „Kleiner Mann, was nun?“ und „Wer einmal aus dem Freßnapf frißt“ gelesen und tue mir mit den sehr kleingeschriebenen Ereignissen aus Deutschland der Neunzehnzwanziger- und Dreißigerjahre nicht gerade leicht, obwohl Fallada, der eigentlich Rudolf Wilhelm Friedrich Dietzen hieß, eigentlich alles sehr genau beschreibt.
Hier geht es also, um ein historisches Ereignis, das Fallada laut „Wikipedia“, als Hilfsjournalist selbst miterlebte und so beginnt es auch bei einer Zeitung der offenbar fiktiven Stadt Altholm.
Da gibt es die Zeitschrift „Chronik“ und die hat einen Hilfsredakteur namens Tredup, der auch als Anzeigenwerber tätig ist, dafür hat er eine schon drei Jahre alte, von einem Notar bestätigte Beglaubigung, daß die Zeitung siebentausend Abonnenten hat, die er immer, dem Daumen am Datum, den möglichen Inserenten vorliegt und es damit, in den Zeiten der Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise, er ist verheiratet und hat Kinder, nicht leicht hat.
Es gibt in der Gegend auch eine Revolution der Bauern, die sich gegen die Steuereintreiber, die kommen und ihnen ihre Ochsen wegpfänden, wehren. Tredup ist dabei, wie sie gewaltfreien Widerstand leisten und schießt auch ein paar Fotos, die er um tausend Mark, damit es zu keinen Prozeß kommt, verkauft.
Er vergräbt das Geld irgendwo bei einem Bauern, der es dann findet und es als sein Eigentum betrachtet und als die Bauern eine große Demonstration machen, wo sie auch mit einer Fahne aufmarschieren, greift die Polizei hart ein und schlägt alles nieder, so daß es zu einem Boykott der Bauern kommt, die nichts mehr in der Stadt kaufen und keine Geschäfte mehr mit ihr machen.
Tredup wird als Bombenwerfer verhaftet und der rote fette Bürgermeister Gareis zieht alle Stränge der Intrigen, die es nur gibt.
Die Zeitung wird von einer anderen übernommen, es gibt da noch den Redakteur Stuff, der nicht schreiben darf, was er will und den Polizeihauptmann Frerksen, den niemand leiden kann und noch viele Handlungsstränge, die das Leben in Deutschland in den Neunzigerzwanziger- bis Dreißigerjahren, als Hitler an die Macht kam, genau beschreiben, wo die Frauen abtreiben müßen, kein Geld im Haus ist, aber trotzdem gesoffen und gehurt wird und die Ohrfeigen fliegen.
Im dritten Teil des Buches kommt es dann zu der Gerichtsverhandlung, in der der Hilfsredakteur zuerst groß aufsteigt und Stuffs Posten übernimmt, dann wird er aber vom Bürgermeister denunziert und entlassen, will sein Geld holen und dabei von dem Bauern, der es selber haben will, erschlagen.
Der Bürgermeister muß abdanken und nach Breda gehen, die Übermacht der Polizei wird erkannt und die Bauern teilweise freigesprochen, beziehungsweise kommt es zu einer Bewährungsfrist. Die Honoratoren inserieren in der Chronik, daß die Bürger zum Aufheben des Boykotts ihr Schärfchen beitragen soll und Stuff, den es auch aufs Land hinauszieht, mietet dort eine Wohnung für Frau Tredup und ihre Kinder, die ihm den Haushalt führen soll.
Von Hans Fallada sind sehr viele Bücher in verschiedenen Genres erschienen, den Liebesroman „Dies Herz, das dir gehört“, das ich vor einem Jahr, in der inzwischen geschlossenen Buchhandlung „Maluta“ um drei Euro kaufte, habe ich auf meiner Leseliste.
„Jeder stirbt für sich allein“ wurde, glaube ich, vor kurzem von „Aufbau“ neu aufgelegt und Anna Jeller hat oder hatte derzeit auch ein Buch von ihm in ihrem Schaufenster.
Das Buch wurde auch verfilmt, die Szene mit der Fahnenabnahme ist am Titelbild zu sehen.

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