Literaturgefluester

2014-05-12

Am Anfang war das Wort

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:19

„Am Anfang war das Wort“, „Denn am Sabbat sollst du ruhen“, die 1947 geborene und 2005 verstorbene israelische Schriftstellerin Batya Gur verwendet für ihre Krimis biblische Zitate und die Literaturwissenschaftlerin und Gattin eines Psychoanalytikers, wählt auch die diesbezüglichen Sujets. Beim „Sabbat“ war das psychoanalytische Institut der Ort, wo der Mord geschah, beim „Am Anfang war das Wort“ geht es zu den Literaturdozenten an die Universität von Jerusalem und da ist Batya Gur eine, die alles sehr genau und ausführlich erzählt. So beginnt es mit einem Fakultätsseminar und wird für die, die sich vielleicht nicht so für Literatur, beim „Sabbat“ für die Psychoanalyse interessieren, ein wenig langweilig, denn da wird über die Literatur diskutiert und gestritten, beziehungsweise in die Psychoanalyse eingeführt.
Beim „Wort“ geht es um die Frage, was ein gutes Gedicht ist und da ich mich ja sowohl für die Psychotherapie als auch für die Literatur interessiere, habe ich beide Krimis sehr spannend gefunden. Plagiate interessieren mich ja auch, wenn ich mir am Anfang vielleicht ein wenig schwer tat, die wirklichen Dichter von den ausgedachten zu unterscheiden.
Aber Batya Gur ist eine, die wirklich alles sehr genau beschreibt und so schildert sie die Intrigen des Jerusalemer Literaturbetriebs so, wie sie auch ein uns ablaufen könnnten….
Da wird also über Literatur diskutiert in dem Institut für hebräische Literatur und da gibt es einen Professor mit dem Namen Scha`ul Tirosch, mit den Namen tat ich mir auch recht schwer und der ist ein interessanter Typ, nämlich ursprünglich in Prag geboren und über Wien nach Israel gekommen, ein bekannter Dichter und ein Frauenheld, ja richtig über Sex geht es in dem Krimi auch und da ist Scha`ul einer, der, obwohl er ja nicht mehr jung sein kann, immer eine Schale rote Nelken im Eiskasten stehen hat und die steckt er dann an und verführt sämtliche Sekretärinnen, Studentinnen, Dozentinnen und die Frauen des Institutspersonal.
So hat er mit der Frau von Tuwja Schaj was und mit der von Ido Duda` auch.
Einen Polizisten gibt es auch, das ist Michael Ochajon, der auch einmal Literatur studiert hat und der hat eine Beziehung zu einer verheirateten Frau und einen Sohn, der tauchen lernt und der starke Inspektor hat auch ein geheimes Makel, er hat nämlich Angst, um seinen Sohn und darum begleitet er ihn auf den Tauchkurs und wird dort Zeuge, wie der junge ehrgeizige Dozent Duda`j aus dem Wasser gezogen wird, weil in seiner Sauerstoffflasche Kohlenmonoxyd war.
Am Montag darauf findet man im Institut den Verführer tot in seinem Zimmer und Ochajon kommt, um alle zu verhören. In Israel wird man offenbar auch an einen Lügendedektor, eine Methode, an die ich nicht glaube, festgeschnallt und Ochajon verhört mit Wonne alle Verdächtigen und sonstigen Institutsmitglieder.
Da gibt es die Sekretärin und ihre Gehilfin, die eigentlich Psychologie studiert und über Zwangserkrankungen schreibt und eine wunderschöne Assistentin, die so labil ist, daß sie gleich in Ohnmacht fällt und sich nur an der Seite ihres Rechtsanwaltes verhören lassen will.
Sie hat auch ein Geheimnis, war sie doch einmal mit Tirusch verheiratet, dann hat er sie zur Abtreibung gewzungen und fallengelassen, lächerlich hat er sie auch überall gemacht und schlechte Gedichte hat sie auch geschrieben, was ihn aber nicht daran hinderte, sie in seinem Testament zur Erbin zu machen. Dazwischen geht Ochajon noch in die Vorlesung von Tuwja Schaj, der biblische Vergleiche zu den tatsächlichen Morden anstellt.
Bücher liegen auch überall herum, nämlich die eines Anatoli Ferbers, der im Gulag seine Gedichte schrieb und da war ich mir Anfangs nicht sicher, ob es den nicht wirklich gegeben hat und einen Vorstand, nämlich Professor Klein hat das Institut auch, der ist erst am Sabbat oder war es schon am Donnerstag vorher aus Amerika zurückgekommen und dort war auch der junge Dozent auf einen Forschungssemester, hat einen Rechtsanwalt besucht und ist sehr verändert zurückgekommen.
Ochajon ermittelt weiter, kommt auf eine außereheliche Beziehung des netten Professors drauf, der sich so fürsorglich um die labile Ja`el Eisenstein kümmert und auch den Inspektor bekocht. Aber dann war es doch nicht der Sex, sondern, daß Duda`j Tirosch auf ein Plagiat draufgekommen ist, der füllte das Kohlenmonoxyd in die Sauerstoffflasche, um nicht geoutet zu werden und Dozent Schaj, der dem Meister sogar das Verhältnis zu seiner Frau verzieh, ist enttäuscht und mußte morden.
Ein sehr bedächtiger und wahrscheinlich anspruchsvoller Krimi. Wenn man Vergnügen an der Literatur hat, wird man ihn gerne lesen.
Im Internet habe ich Rezessionen gefunden, wo sich die nicht so interessierten langweilten und das „Wort“ für den schwächsten Gur Krimi halten. Das würde es auch nicht so sagen, aber ich bin ja an der Literatur und, wie der Betrieb so läuft sehr interessiert. Trotzdem habe ich ein ganzes Wochenende an dem Buch gelesen, denn eines in das man schnell hineingezogen wird, ist es wahrscheinlich nicht.

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