Literaturgefluester

2014-05-14

Gespräch über Hugo Bettauer

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:42

Hugo Bettauer der 1872 in Baden bei Wien geborene und 1925 von einem illegalen Nazi erschossene Journalist und Kolportageautor, dessen „Freudlose Gasse“ mit Marlene Dietrich verfilmt worden ist, bin ich in den späten Siebziger- frühen Achtzigerjahren das erste Mal begegnet, als „Hannibal“ eine gelbe Cassette mit Romane herausgegeben hat, die ich begierig gelesen habe, obwohl ich die Zeitgeschichte sicher noch nicht so genau, wie jetzt verstanden habe „Die Stadt ohne Juden“, „Hemmungslos“, „Kampf um die Stadt“, etc.
Die Bücher stehen in Harland und sollten sicher noch einmal gelesen werden, aber wann, habe ich ja für meine Liste mit dem Ungelesenen kaum Zeit und der „Milena-Verlag“ von dem ich es ja noch immer schade finde, daß er inzwischen auch Männer verlegt, hat eine eigene Reihe, wo er Otto Basil, Rudolf Brunngraber und eben auch Hugo Bettauer wieder bringt, was sicher sehr verdienstvoll und interessant ist, allerdings gebe es auch Frauen wie Joe Lederer, Gina Kaus, Annemarie Selinko, Lina Loos, Adrenne Thomas etc zu entdecken. Hilde Spiel wurde schon entdeckt und Else Feldmann noch vom reinen Frauenverlag gebracht.
„Den Kampf um Wien“, „Die freudlose Gasse“ und „Hemmungslos“ wurden schon verlegt und jetzt auch „Der Herr auf der Galgenleiter und 7 Geschichten aus dem Alltag“ und in der Hauptbücher von Murray G. Hall, der ein Bettauer-Spezialist zu sein scheint und Peter Zimmermann vom „Ex Libris“ vorgestellt.
Eigentlich habe ich ja zum Eröffnungsabend des Horvath-Symposiums in die „Gesellschaft für Literatur“ gehen wollen, dann aber umdisponiert.
Hugo Bettauer wurde 1925 von Otto Rothstock erschossen, ich glaube, ich habe darüber auch ein Buch in Harland, der nach zweiundzwanzig Monaten wieder freigelassen wurde und es darüber ein ORF-Interview gibt, wie der einleitende Mann von der Hauptbücherei erwähnte.
Dann erzählten die beiden Herren ein bißchen etwas über das Leben und Peter Zimmermann begann aus dem Roman zu lesen, der von einem jungen Mann handelt, der aus dem Krieg heimkommt, eine Erbschaft macht, spekuliert, gewinnt und dann von einem Tag auf den anderen sein Geld verliert. Von diesem Tag handelt der Roman, wo er durch Wien geht, seine Eleganz verliert und ein Verbrechen nach dem anderen plant, um wieder zu Geld zu kommen, die aber alle nicht gelingen.
Der Germanist Murray G. Hall erzählte, daß er sich schon in den Siebzigerjahren mit Bettauer beschäftigen wollte, die Uni das aber, weil nicht literarisch, nicht zuließ. Peter Zimmermann erzählte, daß es bei Johannes Mario Simmel ähnlich war. Große Auflagen, aber von der Literaturwissenschaft verfemt, was sich erst in den letzten Jahren etwas änderte.
In den Kanon ist Bettauer nicht gekommen, aber sicher mehr gelesen als Musil, Broch und wie die anderen Götter der Zwischenkriegszeit heißen.
Jetzt wird er offenbar auch sehr aufgelegt. So sagte mir die Verlagsfrau, als ich nach der „Stadt ohne Juden“ fragte, daß da ein anderer Verlag kurz zuvor gekommen sei und die Auflage, die ich zu Hause habe, meinte sie, wäre fehlerhaft und es würden wichtige Teile fehlen.
Also Leute Bettauer lesen und für die Leute vom Verlag, es gibt auch große Frauen, die man vielleicht wieder entdecken könnte, ohne, daß der Verlag gleich eingeht.
In Deutschland gibt es, glaube ich, einen Verlag, der nur Frauen verlegt und das vor kurzem auch mit Gina Kaus so machte.

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