Literaturgefluester

2014-05-18

Meine Kindheit in den Bergen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:02

Wie erzählt ein Kabarettist einen Heimatroman?
Er nimmt ein gelb rosa grünes Tapetenblümchenmustercover. setzt ein herziges blondes Kinderbildchen davor und vor die einzelnen Kapiteln ein Hirschgeweih.
Dann geht es los mit den Erinnerungen an eine wunderschöne Dorfkindheit. Da redet einer dem Vater ein, daß man durch Kinderlosigkeit Steuern sparen kann. Er hat aber fünf oder sechs Kinder, so müßen immer zweimal zwei am Tisch einen Erwachsenen spielen, nämlich Uri Geller, den Gabelverbieger als Onkel, damit keine Leute kommen, weil sie Angst vor Beschädigung ihres Bestecks haben, bzw. zwei andere müßen das Au- Pair-Mädchen des Bundeskanzlers mimen, dann kommen zwar erst recht die Leute, weil sie die Beziehungen nützen wollen und wenn eines der Kinder im Unterleib des Gastes zuviel redet, wird es mit Klosterfrau Melissengeist berauscht.
Die katholische Kindheit spielt natürlich auch eine Rolle, so spricht die Mutter davon, daß immer wenn man etwas Böses tut, etwa unartig ist, nicht im Haushalt hilft, schlechte Noten hat, etc, einen Punkt ins Herz bekommt und wenn das Maß voll ist, geht es ab ins Fegefeuer oder in die Hölle, die ja noch viel „klassischer“ klingt.
Und da die Hühnerherzen, die die Mutter für die Suppe braucht, sehr klein sind, wachsen die Kinderängste, werden aber bald von den Dorfproblemen abgelenkt.
Denn da hat der Vater die Bäume mit Schmierseife eingerieben, so fallen die Katzen hinunter und müßen durch Vögel ersetzt werden und als die dann fehlen, errichten die älteren Damen des Dorfs eine Straßensperre und marschieren mit einer Petion zum Bürgermeister, Probleme mit den Flugfischen gibt es auch noch.
Wie es weiterging, wird man aber nicht erfahren, denn „Plötzlich fiel dem Autor auf, daß ihm beim besten Willen nichts mehr zu der Geschichte einfallen würde.“
Was für die die gern das Heitere lesen und sich an der Blödheit der Bauern ergötzen wollen, sehr schade ist.
Aber natürlich hält uns diese Dorfparodie den Spiegel vor und man könnte sich vielleicht selbst erkennen und auch Ähnlichkeiten mit der städtischen Kindererziehung, Steuermoral, Zuständen im Bürgermeisteramt oder in der Regierung finden…
Das Ganze ist sehr flott dahingeschrieben und, daß der 1969 in Wien geborene Autor, der bei FM4 Programmgestalter ist und gemeinsam mit Martin Puntigam und Erwin Steinhauer auftrat, in seine Dorfidylle immer wieder Phrasen unseres modernen Lebens mischt, also von „Premium Class der Heiligsprechung“ und davon, daß die „Katzen längst zum Service gehören würden“, schreibt, macht das Ganze besonders spannend, beziehungsweise lustig und wenn ich mich nicht sehr irre, habe ich einen Auszug des bei „Holzbaum“ gerade erschienenen Buches, schon in Ö1 am Ostermontag in einer Kabarettsendung gehört, als wir von Harland nach Wien gefahren sind.

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