Literaturgefluester

2014-05-21

Sieben Jahre

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:33

„Ein Mann zwischen zwei Frauen, die eine ist begehrenswert, bei der anderen fühlt er sich frei“, steht am Buchrücken von Peter Stamms Roman, mit dem er 2009 auf die Longlist des dBps gekommen ist.
Ich habe das zwar ein bißchen anders empfunden, aber trotzdem hat mich der Roman des 1963 geborenen Schweizers, auf dessen Namen ich wahrscheinlich durch die damalige Buchpreisnominierung aufmerksam geworden bin, sehr fasziniert.
Ich habe dann von ihm den Erzählband „Wir fliegen“ beim Morawa um einen Euro gekauft und die Erzählweise ein bißchen kompliziert gefunden.
Bei Romanen ist das wohl einfacher, zumindest bei diesen, er fließt dahin, ist sehr spannend und leicht zu lesen, manchmal ein bißchen kitschig vielleicht, dann dachte ich, so ist das Leben und die Leute und Peter Stamm, der ja auch Psychologie studiert hat, parodiert damit die leistungsorientierte Aufstiegsgesellschaft, die, die aus dem sogenannten Kleinbürgertum kommen und die, die schon oben waren.
Das Ganze beginnt mit einer Rahmenhandlung, bei einer Vernissage, Antje die ausstellende Künstlerin aus Marseille, wohnt bei ihrer Freundin Sonja, die mit Alex verheiratet ist, beide sind Architekten, es gibt die zehnjährige Tochter Sophie und eine Katze namens Mathilda.
Dann geht es zurück in die Studentenjahre, wo die Diplomarbeiten verteidtigt werden mußten.
Ferdi, Rüdiger, Sonja und Alex bereiten sich darauf vor und haben erst die Paarschaften gewechselt, Alex sich von Alice getrennt und Sonja von einem der beiden Männer.
Die Männer gehen etwas trinken, lernen dabei zwei Mädchen kennen, mit denen sie anbandeln wollen, jetzt brauchen sie nur noch eine Frau für Alex und zeigen auf ein unbeholfenes buchlesendes Mädchen, das Alex ohnehin schon die ganze Zeit anzustarren scheint.
Es ist die Polin Iwona, die in einer der katholischen Buchhandlungen Münchens arbeitet, in einem Studentenheim wohnt, von den gebildeten Studenten nicht ernstgenommen wird, Alex in ihr Zimmer läßt, sich aber nicht ausziehen will, obwohl sie „Ich liebe dich!“ zu ihm sagt.
Es kommt zu einer seltsamen Beziehung zwischen den beiden. Alex fährt mit Sonja auch nach Maseille, um sich die Gebäude Le Corbusier, dem Gott der damaligen Architekten, anzusehen. Sonja sucht sich auch eine Praktikumsstelle und Alex fährt zurück um sein Praktikum in einem langweiligen Büro zu machen.
Zu Weihnachten kommt Sonja wieder, bringt ein Modell ihres Traumhauses mit und sie heiraten. Er erzählt ihr von seiner Beziehung zu Iwona und macht mit ihr Schluß.
Dann eröffnen die beiden ihr Architekturbüro, arbeiten viel, vergrößern, steigen auf, wollen auch ein Kind, aber leider klappt es nicht, wahrscheinlich zuviel Streß.
Es kommt ein Brief von Iwona, wo sie um Geld für eine Operation bittet und die Beziehung beginnt von Neuem.
Jetzt läßt sie Alex in ihrem kleinen vollgestopften Zimmer an sich heran, er gibt ihr Geld, sagt ihr was er dafür von ihr will, sie tut es schweigend, denn sie ist nicht sehr beredt, liebt ihn aber immer noch und als sie schwanger wird, kommen Alex und Sonja auf die Idee das Kind zu adoptieren. Iwona gibt es frei und verschwindet dann wieder aus Alex Leben, bis es zu einer Baukrise kommt. Angestellte entlassen und schließlich die Insolvenz angemeldet werden muß.
Sonja verschwindet wieder nach Marseille, Alex bleibt zurück, um mit der Insolvenzverwalterin zu retten, was noch zu retten ist, beginnt zu trinken und sucht nach Iwona, die er bei ihrer Cousine findet und bei ihr im betrunkenen Zustand noch einmal übernachtet.
Diese Geschichte erzählt Alex Antje am Morgen nach der Vernissage. Sophie kommt und erzählt dem Papa, daß Sonja sie gefragt hätte, ob sie in Marsaille leben will?
Dann kommt sie selber und verkündet Alex dorthin zurückzugehen und Mann und Kind zu verlassen.
Die Geschichte endet am Flughafen, wo Alex den entschwindenden Flugzeugen nachsieht und ich habe das Buch sehr spannend gefunden, obwohl mir der überhebliche Ton, mit dem über die unbeholfene, bigotte Iwona geschrieben wird, nicht gefallen hat, denke aber, ihn als Parodie interpretieren zu können und halte den Schweizer Autor, den ich im Herbst im Literaturhaus kennenlernen konnte, für einen guten Schriftsteller.
Das Literaturcafe, bzw. Malte Bremer ist da ja etwas anderer Ansicht, gab es da ja eine Diskussion über den ersten Roman „Agnes“, den Wolfgang Tischer, bei der deutschen „Bücherschenkaktion“ zum Welttag des Buches nicht anbringen konnte.
Ich habe voriges Jahr sowohl „Agnes“ als auch „Sieben Jahre“ bei „Thalia“ in der Kremsergasse in der Abverkaufkiste gefunden und den Erzählband „Seerücken“, zufälligerweise, am heurigen Welttag des Buch im „Wortschatz“.

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