Literaturgefluester

2014-06-22

Anne Frank Tagebuch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:48

Von Anne Frank und ihrem Tagebuch habe ich, glaube ich, noch in der Hauptschulzeit oder in der Straßergasse gehört, als meine Mutter von ihrem Kindergarten, das Theaterstück geschenkt bekommen hat, denn ich habe mich schon in meiner Schulzeit mit dem Holocaust beschäftigt, Kinderbücher aus der Bücherei in der Sandtleitengasse geholt, in der ich kurze Zeit Mitglied war und auch später viel gelesen.
Daß es das Tagebuch selber zu lesen gibt, habe ich lange Zeit nicht gewußt, es aber vor zwei Jahren im Schrank gefunden und dann noch Ellen Feldmanns „Der Junge der Anne Frank liebte“ und Judith Katzirs „Die Entdeckung der Liebe“, beides in diesem Jahr gelesen und natürlich viel darüber gehört.
Als ich das vorletzte Mal in Amsterdam war, 1988 wird das wahrscheinlich gewesen sein, war ich im Anne Frank Haus in der Prisengracht, das mit der „Kitty“ hat mich ein bißchen verwirrt und wie weit Anne Frank Schriftstellerin war oder werden wollte, sie ist ja mit Fünfzehn gestorben, darüber gibt das Tagebuch Auskunft, das sehr interessant ist und mehr als das Theaterstück Eindrücke in das Seelenleben eines pubertierenden Mädchen und in die Traumen, deren die Familien, die sich in dem Haus versteckten, ausgesetzt waren, gibt.
Dem Fischer TB ist ein Vorwort vorangestellt, daß Anne Frank ihr Tagebuch überarbeitete, nachdem sie im Radio, das die Familie im Büro des Hauses hörte, erfuhr, das Berichte von Versteckten nach dem Krieg gebraucht werden würden.
Otto Frank hat das Tagebuch noch einmal überarbeitet, beide Teile zusammengefügt, beziehungsweise das weggelassen, was zu indiskret schien, das was gelieben ist, ist erstaunlich offen, Anne Frank schreibt sehr direkt über ihre Sexualität, ihre Schwierigkeiten mit der Familie, dem Erwachsenwerden, aber auch ihre Pläne nach dem Krieg, wo sie Jounalistin oder Schriftstellerin werden wollte und hat auch sonst noch einiges geschrieben, was sie später „Das Hinterhaus“ nennen wollte.
„Nachrichten aus dem Hinterhaus“ mit diesen Texten sind veröffentlicht und als ich kürzlich beim „Hintermayr“ vorbeigegangen bin, habe ich eine Anne Frank Gesamtausgabe mit dem Tagebuch und ihren Texten im Schaufenster liegen sehen. Vielleicht finde ich diese Texte auch einmal.Jetzt also das Tagebuch, das Anne Frank zum dreizehnten Geburtstag, sie wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main geboren, von ihren Eltern bekommen hat.
Die Familie flüchtete 1933 nach Amsterdam, Anne ist, glaube ich, erst ein bißchen später nachgekommen und war noch einige Zeit bei ihrer Großmutter in Aachen, besuchte die Montessorischule und später das jüdische Lyceeum, das Tagebuch beginnt in dieser Zeit, erzählt von den Freundinnen, Anne hat viele Bekannte, aber keine richtige Freundin, so erfindet sie sich eine und schreibt in ihrem Tagebuch Briefe an „Kitty“.
Sie dürfte sehr lebhaft gewesen sein, so daß ein Lehrer sie immer „Schwatzliese“ nannte und sie die entsprechenden Strafarbeiten schreiben ließ, die sie sehr lustig löste.
Es gab auch einen Jungen, mit dem Anne sich befreundete, bevor die Familie 1942 in das Hinterhaus in die Prinsengracht, zumammen mit einem Ehepaar und ihren fünfzehnjährigen Sohn Peter flüchteten. Die Namen sind sowohl im Theaterstück als auch im Tagebuch geändert, so hießen die van Daans in Wirklichkeit van Pels und der Zahnarzt Dussel, der später noch dazukam, Fritz Pfeffer, else Feldmann führt die richtigen Namen an.
Der Vater hat für Annes Schauspielersammlung gesorgt, die sie sich in ihrem Zimmer, das sie später mit dem Zahnarzt teilen mußte, aufhing. In dem Hinterhaus wurde viel gelernt, studiert und gelesen, Annes um drei Jahre ältere Schwester Margot, mit der sie sich anfangs schlecht, später besser verstand, wird von ihr als Musterschülerin beschrieben, während alle mit der lebhaften Anne unzufrieden sind und an ihr herumnörgeln. Es gibt auch Schwierigkeiten mit der Mutter, von der Anne schreibt, daß sie sich zwar bemüht, aber vieles nicht versteht, nicht ernst nimmt und darüber lacht, was Anne verletzt.
Es kommt die erste Menstruation und die Liebe zu dem sechzehnjährigen Peter, in die die Jugendliche sich flüchtet und mit ihm viel über Sexualität redet, beziehungsweise, die auch in ihre Briefe an Kitty beschreibt.
Die Familien geraten in dem Hinterhofzimmern aneinander, es gibt Streit um das Essen, faulige Kartoffeln, Bohnen und Erbsen und dann kommen die Winde und die Toilette kann man auch nicht so benützen, wie man will.
In das Büro, in dem man sich waschen und Radio hören ging, wurde immer wieder eingebrochen, der Schwarzhandel spielt eine große Rolle und Anne schreibt launig, daß sie dabei sind, ihr ganzes Vermögen aufzuessen.
Anne schreibt auch ein bißchen über die Politik, das kommt, glaube ich, im Theaterstück stärker heraus. Die Familie wird im August 1944 verraten und verhaftet, kommt in verschiedene Lager, Anne Frank starb im März 1945 in Typhus in Bergen-Belsen, von der Familie überlebte nur der Vater Otto, der sich noch einmal verheiratete und 1980 in der Schweiz starb.
Sehr eindrucksvoll die Gefühle des heranwachsenden Mädchens, vom Theaterstück sind mir mehr die historischen Ereignisse hängen geblieben, ob man die Frühreife, die Anne, selbst in ihren Bericht beschreibt, mit der der Bachmann vergleichen kann, weiß ich nicht, es ist aber sicher interessant darüber zu spekulieren, was man von Anne Frank noch gelesen hätte, wenn sie weiterschreiben hätte können.
Einmal fragt sie sich, wie weit ihr schriftstellerisches Talent wohl reichen würde? Nur Hausfrau, wie ihre Mutter wollte sie nicht werden. Sie fragt sich auch, wen ihre Eindrücke aus dem Hinterhaus später wohl interessieren würden? Sie haben und hatten weltweit sehr viele interessiert. Fotos von der meist kleineren Anne, sind dem Buch auch angefügt, das ich, während unseres Wanderwochenende gelesen habe und erstaunt gefragt wurde, wieso ich das jetzt erst lese, was die anderen schon vor Jahren hätten?
Nun ja, nun ja, „Schindlers Liste“, wo ich den Film gesehen habe, steht aber auch auf meiner Leseliste, denn in den offenen Bücherschränken läßt sich vieles finden, womit man seine Bildungslücken schließen kann, so daß ich seine Benützung wieder einmal sehr empfehlen kann…

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