Literaturgefluester

2014-07-02

Göttin in Gummistiefeln

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:39

Ich bin ja in gewisserweise und das wird manche hier erstaunen, ein Sophie Kinsella Fan, zumindest hat mir der Alfred vor Jahren die „Schnppchenjägerin“ gebracht, weil er meinte, daß das ein Buch für mich sei und ich fand die beste Beschreibung einer Kaufsucht, die ich je gelesen habe.
Das fanden andere offenbar auch, so wurde es zur Serie, wo ich auch ein paar Bücher gelesen habe und zwei davon habe ich mir von meinem Thalia-Gutschein, den ich von der Bücherei Margareten, als ich da einmal einen Preis gewonnen habe, gekauft.
Nun ja die Serien haben einen Erfolgsdruck und das Vorurteil, das Frauen alles dumm und lustig haben wollen, gibt es wahrscheinlich auch.
So hat mir auch „Kein Kuß unter dieser Nummer“ nicht so besonders gefallen und „Göttin in Gummistiefel“, keine Ahnung, wieso das so heißt, denn Gummistiefeln kommen, wenn ich aufgepasst habe, in dem Buch nicht besonders vor, „Hausschürzchen“ würde besser passen, habe ich im Schrank gefunden und jetzt erst gelesen, weil es auf der 2014-Liste war und ich bin wieder begeistert und hoffe, das keine Serie daraus wird, aber das Buch ist schon 2006 erschienen und ich kann wieder schreiben von ein paar Übertreibungen, die offenbar sein müßen, abgesehen, ist das die beste Beschreibung einer „Workoholic“ist, die ich je gelesen habe.
Es geht um den Sinn des Lebens, steht am Buchrücken, das vielleicht auch, vor allem geht es aber darum, wie Streß einen kaputt machen kann, wenn man nicht aufpasst und davon bekommen wir in unserer heutigen schönen Arbeitsweilt ja sehr viel mit und Sophie Kinsella, die einmal Journalistin war, hat das, finde ich sehr gut herausgearbeitet und hervorragend erzählt.
Da ist also Samantha Sweeting, neunundzwanzig und Erfolgsanwältin in Londons erfolgreichster Anwaltskanzlei. Ich weiß nicht wirklich, ob man das mit neunundzwanzig Jahren schon sein kann., Samantha kommt aber aus einer entsprechenden Familie, die Mutter ist Anwältin, der Bruder auch und das Buch beginnt, daß Samantha ehrgeizig und pflichtbewußt, kurz vor ihrem Geburtstag, den Gutschein für eine Schönheitsfarm, den sie von einer Tante vor einem Jahr bekommen hat, einlösen will.
Da muß sie einen Fragebogen ausfüllen, ob sie gestresst sei? Sie doch nicht, hat aber ihren Black Berry eingeschmuggelt, denn in der Schönheitsoase soll man entspannen, relaxen. Eine Erfolgsanwältin kann das aber nicht, die muß immer ihre Gedanken bei ihren Fällen haben und E-Mails tippen und Samantha ist auch sehr in Erwartung, denn es geht das Gerücht herum, sie soll Senior-Partnerin werden.
Am Abend fährt sie in ein Restaurant, um mit ihrer Mutter und dem Bruder Geburtstag zu feiern, die beiden entschuldigen sich aber, zu viel zu tum, schicken die Assistentin mit einem Geschenkskorb oder überweisen Geld. So geht Samantha hungrig in ihr Appartement mit der leeren Küche und bestellt wie immer beim Pizzadienst.
Am nächsten Morgen geht es los.
„Du schaffst es!“, raunt ein Freund, dann entdeckt Samantha ein Memo auf ihren unaufgeräumten Schreibtisch, Gott o Gott, sie hat etwas vermasselt, ein Fehler, ihr erster, ist passiert. Sie hat die Firma um fünfzig Millionen gebracht, die ohnehin die Versicherung zahlt.
Sie flüchtet in Panik, steigt in einen Zug und in einem schmucken Dörfchen wieder aus, klingelt an einem Haus, weil sie Kopfweh hat und wird dort für die Haushälterin gehalten, die sich vorstellen will.
Die Hausherren sind entzückt, endlich jemand der Englisch spricht, stopfen Samantha mit Beruhigungspillen voll, das ist auch köstlich geschildert und als die entdeckt, was man von ihr will, packt sie der Ehrgeiz und sie flunkert den Geigers vor, sie hätte ein Diplom als Cordon Bleu Köchin und wäre bei einem Weltmeister in Lehre gegangen.
Dabei kann sie nicht nur nicht kochen, sondern hat auch keine Ahnung, wie man den Herd aufdreht, etc.
Das führt natürlich zum Deaster, da Samantha in der schicken Uniform, die Brötchen für den ersten Lunch, bei einem Service bestellen muß, dafür knickst sie, weil sie offenbar denkt, für eine Haushälterin gehört sich das so. Das erste Abendessen, Lammkeule und das, was in dem Restaurant auf der Karte stand und Samantha gern gegessen hätte, wird auch vermasselt. Dann nimmt sich Nathaniel, der schöne Gärtner des Hauses ihrer an und schickt sie zu seiner Mutter in die Lehre.
Das Unerwartete passiert, Samantha verliebt sich, findet Geschmack am kochen, lernt es auch schnell und ist entzückt, daß sie ein freies Wochenende haben soll. Das hatte sie seit sieben Jahren nie. Die Geigers sind sehr nett zu ihr und feiern auch ihren Geburtstag nach, dafür erfährt sie, daß man sie in der Firma, für sie sieben Jahre lang geschuftet hatte, einfach von der Website gestrichen hat. Sie erfährt noch mehr. Sie war es gar nicht, die den Fehler machte, der wurde ihr nur untergeschoben, weil sie so einen schlampigen Schreibtisch hatte.
So kommt es, wie es kommen muß, die Firma will sie zurück. Samantha outet sich als Haushälterin und die Presse kommt auf ihre Spur.
„Staranwältin ist das Klo putzen lieber!“, titelt sie genüßlich und die Paparazzis belagern das Haus der Geigers. Dort hat sich inzwischen eine Nichte einquartiert, die für ihr Jus-Examen büffeln will und eine sehr überhebliche und lästige Person ist, die sich von Samantha von hinten nach vorne bedienen lassen will.
„Die wird einmal eine gute Anwältin!“, läßt Sophie Kinsella, Samantha zynisch denken. Die Firma, der man ausbeuterische Methoden unterstellt, will nun Samantha um jeden Preis zurück und die läßt sich auch beschwatzen und in einem Publizityfeldzug, wo sie im schwarzen Kostüm sagen muß, daß ihr doch der Job lieber als die Klobürste ist, nach London zurückbringen.
Als sie aber erfährt, daß sie Nathaniel nicht am wochenende, wie sie dachte, sondern erst zu Weihnachten wiedersehen soll, denn dazwischen muß sie nach Shanghai, New York, etc, fliegen, steigt sie aus dem Zug aus und geht zurück, wahrscheinlich in die Gärtnerei, die sich ihr Liebster aufbauen wird und nicht zu den Gummistiefeln, an die ich mich ohnehin nicht erinnern kann.
Ich habe aber ein sehr beeindruckendes Buch gelesen, über das man, wenn man von dem Klamauk, den es darin auch gibt, absieht, wunderbar nachdenken kann und ich fürchte, es ist bei uns ganz genauso, wie im fernen England. Sophie Konsella hat die Wunden der Zeit vorzüglich erkannt und ihren Laptop daraufgelegt.

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