Literaturgefluester

2014-07-04

Das Ende der Kindheit?

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:34

Ende Juni, Anfafang Juli gibts die Sommerakademie des „Instititus für jüdische Geschichte Österreichs“. Die Wiener Vorlesungen schicken das Programm aus und ich bin immer gerne zu den Veranstaltungen hingegegangen, weil kostenlos und sehr interessant. In der St. Pöltner Synagooge war die Eröffnung, dann fand die Veranstaltung im BAWAG-Gebäude in der Tuchlauben statt, solange es das noch gab, dann wars am Petersplatz und dann wurde es vom Datum geändert, beziehungsweise der Bachmannpreis änderte sein Datum und ich saß die letzten zwei, drei Jahre in Harland in der Sommerfrische und gab mir das Klagenfurter Geschehen per Internet, aber diesmal ist alles anders, die Anna mit dem Auto in Deutschland und hat gerade eine Karte aus Dresden geschrieben, wir in Wien und „Das Ende der Kindheit-Jüdische Kindheit und Jugend ab 1900“ ist interessant und den Bachmannpreis kann ich mir auch im Internet ansehen.
Noch dazu wo die Veranstaltung heuer in der WU im Library and learning Center, also dort wo der Alfred arbeitet stattfindet.
In Wahrheit ist dann alles komplizierter, denn der Alfred veranstaltete am Mittwoch ein Fest für seine Betriebsratskollegen und ich wollte mir nach einem kurzen Essen, die Klagenfurter Eröffnung ab 20.30 geben, das sich ausgegangen, wäre da nicht noch eine Informationsveranstaltung bezüglich des neuen Psychotherapieantragsformulars, gewesen, das ab 1. 7. zwingend ausgefüllt werden muß und da gibt es noch viele Fragen.
Also am Morgen in Richtung Prater losmarschiert, vorher einen Bankstop einlegen, weil da auch noch was zu erledigen war, dann in den kleineren, der beiden Festsäle, im November fand da ja schon ein großes Bibliotheksfest mit einer Führung durch die WU-Anlagen statt und da lag, weil passend zu Reichskristallnacht, ein Folder bezüglich einer Datenbank bezüglich der von der damaligen Hochschule für Welthandel vertriebenen jüdischen Studenten auf, denn in der WU gibt es ein historisches Institut, das sich damit beschäftigt und da hielt dann gleich der Professor die entsprechende Einleitung.
Martha Keil eröffnete, die Ruth, Werner Grüner, meine Hauptschulkollegin Christa Unterauer und noch viele andere bekannte Gesichter waren da, offensichtlich war es verlockend, die neue WU mit ihren archetektonischen Herausforderungen, alles Stararchitekten, kennenzulernen und nach der Einleitung ging es los mit dem Gastvortrag der Hausherren, der zwar nicht allzuviel mit der jüdischen Kindheit, dafür aber mit den vertriebenen Studenten der Hochschule für Welthandel zu tun hatte und da wurde am 8. Mai auch ein Mahnmahl in Form einer Weltkugel eröffnet.
Dann gings los mit der jüdischen Kindheit, das heißt vorerst hielt Till Kössler aus Bochum ein allgemeines Referat über die „Kindheit und Jugend der Moderne“. Dann wurde es konkreter und ging zu den Traumatisierungen, eine klinische Psychologin stellte die „Auswirkungen“ vor, die „sie auf Kinder haben könne“ und bezog sich dabei schon auf die jüdischen Kinder, die nach 1938 verschickt oder in KZs gesteckt wurden.
Nach dem Mittagessen, mit Ruth und Alfred in der „Grünen Hütte“, nachher ging der Alfred heim, sein Fest vorzubereiten, erzählte Tirza Lemberger etwas über die „“Entwicklung des jüdischen Schulwesens in Wien von 1812-1938“ und Hadassah Stichnothe aus Tübingen hielt einen äußerst interessanten Vortrag über die „Jüdische Kinderliteratur der Zwischenkriegszeit“, da gab es viele neue unbekannte Namen von Autoren und Büchern zu entdecken, die inzwischen wahrscheinlich nur mehr in den Bibliotheken oder vielleicht, wenn man Glück hat, im Schrank zu finden sind. Dann wurde es noch interessanter, denn es ging zur „Frau Doktor“ nämlich Eugenie Schwarzwald und ihre Schule. Der Historiker und Direktor der VHS Hietzig, wo es eine Sonderausstellung über sie gibt, hielt seinen Vortrag in Dialogform, was besonders interessant war und damit endete, daß er Eugenie Schwarzwald mit Florian Illies „1913“ auftauchen und nach ihren Namen suchen ließ und weil sie den darin nicht fand, wünschte sie sich ihm in der Nacht als Geist zu erscheinen, um ihm diese Nacht, ob seines Versäumens schlecht schlafen zu lassen.
Am Donnerstag begann dann der neunundachzigjährige Ari Rath der 1938 mit dreizehn Jahren zusammen mit seinem Bruder nach Israel emigirierte, er ist nicht geflüchtet darauf legte er großen Wert, hat ein Buch darüber geschrieben und sehr viel und sehr anschaulich von seinen Erlebnissen erzählt. Die junge Victoria Kumar aus Graz folgte und erzählte was über das „Ausbildungs-und fluchtprogramm der Jugend-Alijah“, die Jugendliche auf ein Leben für den Kibuz aussuchte, aber nicht alle, die emigrieren wollten, genommen hat und alle haben die Veränderung und den Abschied von ihren Familien auch ausgehalten. Phiuliph Mettauer aus St.Pölten war in Argentinien und hat dort die interviewt, die als Kinder mit ihren Familien ausgewandert sind und nach ihren Erinnerungen befragt, er zeigte Bilder von kleinen Mädchen in Lederhosen in Badaussee, ihre Briefe, die sie an den Osterhasen schrieben und auch den „jüdischen“ Weihnachtsbaum, die die assimierten Familien für ihre Kinder hatten. Es ging dann weiter mit Kindern in Konzentrationslagern, Ruth wollte vom Vortragenden dann etwas über Conny Hannes Mayer wissen, der ein Buch über seine Kindheitserinnerungen geschrieben hat, das von der Wissenschaft etwas angezweifelt wurde. Marta Anislewska aus Warschau erzählte von den polnischen Kindern, die sich durch Taufe „befreien“ wollten und dadurch ihre Identität bverloren und der Donnerstag wurde durch Anne D. Peter beendet, die über die „Veralltäglichung der Shoah“ an hand von Fotografien berichtete.
Am letzten Tag kamen dann Wolfgang Gassner und Schülerinnen aus St. Pölten, denn die müßen ja jetzt sogenannte vorwissenschaftliche Arbeiten schreiben und da gibt es ein Projekt mit dem Verein für jüdische Geschichte oder so, wo die Schulpsychologin kam, den Schülern Videos von Zeitzeugen zur Verfügung gestellt wurden und sie dazu über das Ende der Kindheit arbeiten sollten.
Die Kindertransporte nach Skandinavien waren auch ganz interessant und Werner Dreier aus Bregenz berichtete, wie das mit der „Holocaust-Arbeit“ an Schulen geht. Da soll man nicht mehr aus der Täter-Perspektive berichten, nicht mehr „Hitler hat…!“, sagen, sondern an die Betroffenheit der jungen Menschen appelieren, das aber sehr vorsichtig tun, zum Beispiel nicht keinen traumatisierten Serben, der gerade vom Krieg nach Österreich kam, nach Mauthausen zwingen, obwohl der schon sagte, er will jetzt dort nicht hin.
In der Pause ging es mit Ruth, Werner Grüner und dem Alfred ins Krieaus-Beisl zum Fischessen und dann ging die Tagung langsam und allmählich zu Ende. Es gab noch was über das Schicksal unbegleiteter jüdischer Kindheit, über die Juden in der SU und dann noch was zu dem jüdischen Leben im Nachkriegsdeutschland, dann ging die ruth nach Hause, bzw. auf ihre Reise in die Autorenwohnung nach Venedig, wo sie die nächsten vierzehn Tage verbringen wird und Martha Keil gab Ausblicke und Rückblicke. Werner Grüner hatte zwischenzeitlich schon die ganze Zeit gefragt, wieso es nichts über Sonja Franks „Young Austria-Projekt“, bei dem auch die Ruth mitgearbeiter hat gab, das ist ein Projekt der Theodor Kramer Gesellschaft und da kam schon vor längerer Zeit die Rezensionsanfrage. Gestern ist dann das Buch, bzw. noch ein zweites gekommen, der Alfred hat es mir heute morgen aus der Heimtierhandlung, wo es zwischen gelagert war, abgeholt, so daß ich mich demnächst noch ein bißchen weiter mit dem Thema der jungen jüdischen Emigranten beschäftigen kann, aber jetzt geht auf nach Klagenfurt, um nachzuschauen, was ich dort zwischenzeitlich versäumte.

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