Literaturgefluester

2014-07-16

Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Jetzt kommt ein Einschub beziehungsweise Vorgriff aus meiner endloslangen Leseliste, die schon manche Gemüter erregte, ein dünnes Bändchen, das schnell am Morgen in der Badewanne zu lesen ist, bevor es in der Sommerfrische literarisch nach Slowenien beziehungsweise nach Klagenfurt gehen wird und da habe ich mir wohl einmal in der „Buchlandung“ um einen Euro aus der Abverkaufskiste Martin Walsers Rede zum „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“ mit einer Laudatio des kürzlich verstorbenen Frank Schirrmacher gekauft, da mich Literatur, die große, wie die kleine sehr interessiert und bin bisher nicht zum Lesen gekommen.
Zum Lesen der Sonntagsrede in der Frankfurter Paulskirche von 1998, zum Lesen der Bücher des 1927 in Wasserburg am Bodensee geborenen Martin Walser, den ich nur kurz mit dem Robert verwechselte, schon.
So stehen, glaube ich, sowohl das „Fliehende Pferd“ als auch der „Springende Bunnen“ in meinen Regalen und „Tod eines Kritikers“, 2002 erschienen und viel Aufsehen erregt, habe ich mir aus dem Internet besorgt.
Martin Walsers Publikationsverzeichnis, der sich sehr für deutsche Klassik, für Goethe und Schiller interessiert, ist sehr lang und einige seiner Romane habe ich noch auf seiner Liste und ein paar seiner Interwiews habe ich auf dem blauen Sofa beim Frankfurt oder Leipzig Surfen auch immer wieder gehört.
Jetzt also die Sonntagsrede zum deutschen Friedenspreis und der berühmte deutsche Autor geht die auch hintergründig scheinbar gemütlich an und spricht anfangs von den Bäumen über die er in seiner schönen Rede zum schönen Sonntag sprechen will.
Aber nein, sie muß ja kritisch sein, also zitiert er 1989 einen idealistischen Ostspion der verurteilt wurde, während die westlichen Spione straffrei blieben und zitiert seine Kritiker, die ihm vorwarfen in seinen Büchern nicht immer über Auschwitz und den Holocaust zu schreiben, aber Goethe hat das auch nicht immer über die französische Revolution getan.
1945 war Walser achtzehn Jahre alt und Frank Schirrmacher führt in seiner Laudatio an, daß er damals im Gefangenenlager wieder lesen durfte und seine verlorene Jugend mit Adalbert Stifters Nachsommer begann, dann kommt er zu Franz Kafkas Verwandlung, der eines schönen Morgens aufwacht und sich als Käfer wiederfindet, so ist es wahrscheinlich vielen Deutschen 1945 und denen im Osten 1989, füge ich hinzu, gegangen. Ihre Identität hatten sie verloren und mußten sich erst in eine neue finden.
„Walser zeigt, was es heißt, in einer Geschichte zu leben, deren Ende man nicht kennt. Also zeigt er, was heißt, in der Gegenwart zu leben“, zitiert Schirrmacher weiter und ruft zum Lesen von Martin Walser auf.
Ein paar Jahre später ist, ich habe es schon erwähnt“ „Der Tod eines Kritikers, Martin Walsers Abrechnung mit dem im vorigen Jahr verstorbenen Marcel Reich-Ranicki, erschienen, die ihm viel Kritik und Widerspruch einbrachte.
Zehn Jahre vor der Sonntagsrede scheint ihm das schon mit „Über Deutschland reden“ passiert zu sein, wie Schirrmacher weiter anführt. Ein widersprüchlicher vielschichtiger Dichter also an dem man viele Facetten erkennen kann, so daß es sich lohnt sich mit ihm auseinanderzusetzen und auch in dem kleinen fünfzig Seiten Büchlein gibt es viele Denkanstöße mit denen man über unser Leben und unsere Geschichte weitersinnieren kann.
Über die Deutsch Deutsche und sicher auch über die Österreichische, wie Martin Walser kurz anskizziert und in seiner Sonntagsrede über das Verdrängen spricht, weil man sich nicht mit allem was in dieser Welt passiert beschäftigen kann, weil man dann ja keine Bücher mehr schreiben könnte.
Soll sich der Schriftsteller in die Gesellschaft einmischen? Diese Gretchenfrage wird auch irgendwo gestellt und Martin Walser hat sie auch durch seine Bücher und seinen Reden beantwortet und Frank Schirrmacher, der vor einigen Jahren ja angeblich oder tatsächlich auch zum Opfer und Helden eines Romanes bzw Krimis wurde, dem Ähnliches vorzuwerfen ist, als es bei Walsers „Tod eines Kritikers“ war, obwohl sich die beiden Autoren des „Sturmes“ davon distanzierten, hat Marcel Reich-Ranicki ja noch kurz vor seinem Tod im Krankenhaus besucht. Jetzt habe ich vor kurzem von Franz Schirrmachers Tod erfahren und gestern Martin Walsers Friedenspreisrede vom Jahr 1998 nachgelesen. Ich höre mir in den letzten Jahren, wenn es geht, immer die Live-Aufzeichnungen aus der Paulskirche an und heuer wird, das habe ich ergooglet, der mir bis jetzt unbekannte Jaron Lanier den Friedespreis bekommen.
Ob ich seine Preisrede und die Laudatio, der Laudator scheint noch nicht fest-beziehungsweise in Wikipedia zu stehen, auch einmal nachlesen kann?

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