Literaturgefluester

2014-07-23

Plebanus Ioannes, Thabiti kumi

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:57

Da war ich ja einmal in einer Veranstaltung über Kärntner, italienische und slowenische Literatur im Literaturhaus, wo mein diesbezüglicher Bericht Hans Raimund so gar nicht gefallen hat, die mich aber doch sehr beeindruckte und die Namen der von Erwin Köstler herausgegebener slowenischer Bibliothek haben mich auch sehr beeindruckt, obwohl sie für mich alle unbekannt waren.
Zofka Kveder, Ivan Pregelj, Vladimir Bartol und Marjan Rozanc habe ich geschrieben und mir die Bücher wohl auch angesehen. Jetzt ist bei der sommerlichen „Hermagoras-Spende“ Ivan Pregeljs „Plebanus Ionannes“ zu mir gekommen, was sowas wie Landpfarrer, Leutepriester heißt, denn das Buch hat glücklicherweise einen ausführlichen Anhang, wo die lateinischen Phrasen, die die Landpfarrer in den slowenischen Gemeinden des sechzehnten Jahrhunderts und wohl auch anderswo verwendeten, ausführlich erklärt werden und der Landpfarrer ist Janez Geiler aus Tolmin, den wir sechzehnjährig in Rom begegnen, wo er aus dem Priesterseminar flüchtet, um vorbei an den aufgehängten Inquisiten, zurück in seinen Heimatort zu gehen und dort die Pfarre, zuerst als Kaplan, dann als Vikar zu übernemen.
In dem expressionistisch geschriebenen Roman aus dem Jahr 1921 des 1883 geborenen und 1960 gestorbenen Gymnasiallehrer und Dichter Ivan Pregelj wird auch einiges autobiografisches enthalten sein, war er doch auch in einem Priesterseminar, ist von dort ausgetreten, um ein illegitimes Kind in die Welt zu setzen und ist trotzdem sein Leben lang gläubig und katholisch geblieben und so beschäftigen ihn, beziehungseise seinen Plebanus Ionnes auch diese Themen.
Bei den „Amazon Rezensionen“ habe ich gelesen, daß dieser mittelalterliche Landpfarrer kein angenehmer Bursche ist, nämlich prügelnd, fluchend und auch von den Verlockungen des Leibes geplagt, lebt in seinem Haus außer einer alten Köchin, auch ein junges Mädchen, die Katrica, die er mit seinen Mesner verehelichen will, die er begehrt, aber ein Diener Gottes darf ja keinen Leibesfreuden frönen, nur die Mägde und die Knechte auf der Weide, an der der Gottesmann manchesmal sinnierend vorüber geht.
„Das ist die Gesundheit, das ist Jugend, und sie sind sich Mann und Frau. Und wenn sie es nicht sind, du lieber Gott, dann sündigen sie nicht, wie sogar mein guter Padrone geschrieben hat, mit der Absicht Gott zu beleidigen. Er wird die beiden richten, nicht ich! Sie haben nicht Jungfräulichkeit gelobt! Nur ich habe sie gelobt!“
Es gibt im Pfarrhaus eine Weltkammer, wo der Priester sich mit dem damaligen Wissen der Zeit ausgestattet hat, da wird gelesen und lateinisch gebetet, es gibt auch einen Neffen Peter, Sohn der Schwester, den Studenten, den der Pfarrer neben dem Mesner, der Köchin und Katrica auch noch durchhalten muß, so daß ihm nur wenig zu leben bleibt, mit dem er sehr unzufrieden ist. Und als der Neffe zum Oheim zu Besuch kommt, muß er erleben, daß er Katrica schwängert.
Der erboste Pfarrer sperrt das Mädchen deshalb in die Knochenkammer ein, so rau waren damals die Sitten, daß man das mit den ungetreuen Ehefrauen machte, dann wird er vom Dienst suspendiert „Suspensatus a divinis, a beneficio!“, wahrscheinlich nicht deshalb, sondern weil er sich mit seiner weltlichen und geistigen Obrigkeit, da gibt es ja einige Konflikte, die sich bis heute fortpflanzen, angelegt hat, wandert in die Stadt, um sich die Absolution zu holen. Das geht nicht ohne Entschuldigung an den Widersacher und sein Letztes Geld muß er auch in den Opferstock stecken.
Gott hat trotzdem mit ihm Erbarmen, die Pest, die gerade das slownische Land erreicht, rafft seinen Widersacher hinweg, Peter, der Vikar und die Köchin sind auch gestorben, so kann er mit Katrica bis an sein oder das Ende ihres Lebens zusammenbleiben, Wein trinken und die Heilige Messe halten…
Das Buch ist, wie im Anhang steht in seiner expressionistischen Art nicht leicht geschrieben und auch für die Slowenen nicht unbedingt verständlich. Damals, 1921 hat es in den kirchlichen und sonstigen Kreisen auch großes Aufsehen und Widerstand erregt.
In der 1933 erschienenen Novelle „Thabiti kumi“, was soviel wie „Komm steh auf!“, bedeutend dürfte, stolpert der nun gealterte Priester, gefolgt von einem anderen Mesnerknaben in der Nacht und in der Dunkelheit zu einem sterbenden Mädchen, dem er die Beichte abnehmen soll. Er will aber das Wunder der Unsterblichkeit vollbringen und so findet er sich am Morgen nackt neben der Toten liegen und sein Geist ist dahin.
Eine wahrhaft mächtige Geschichte eines fast geistlichen Herrn aus dem vorigen Jahrhundert.
Wer wissen will, wie das Leben eines heutigen Priester in einer Kärntner Gemeinde aussieht, dem ist das „Fünfzigste Jahr“ aus demselben Verlag zu empfehlen.

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