Literaturgefluester

2014-07-26

Doberdo

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:37

Jetzt kommt das letzte meiner „Hermagoras-Bücher“, nämlich ein Slowenischer Antikriegsroman aus der „Edition slovenica“, des 1893-1950 lebenden Lovro Kuhar, der sich auch Prezihov Vorac nannte. Zehn Jahre hat er an den Roman „Doberdo“ geschrieben, den er dreimal schreiben mußte, weil zwei seiner Handschriften verloren gingen.
Lovro Kuhar, war Teilnehmer am ersten Weltkrieg, so behandelt das Buch auch diesen Krieg, ist aber, wie am Buchrücken steht „in erster Linie eine Botschaft gegen jeglichen Krieg“ und in vier Teile gegliedert.
Im ersten Teil „Der Landsturm“ wird der Slowene Amun Mohor, weil er als politisch unzuverläßig gilt, in das berüchtigte Strafbataillon Nr. 100 versetzt, wo es lauter politische Unzuverläßige gibt, Juden, Österreicher, Deutsche, Slowenen, etc. Viele waren in Thalhof bei Graz inhaftiert und einige erzählen unglaubliche Geschichten, so der Tscheche Kalivoda, der allen immer „Ich bin ein Wiener!“ sagt und der verhaftet wurde, weil in seiner Wohnung in Favoriten revolutionäre Schriften gefunden wurden, die mit ihm nichts zu tun haben, aber von seiner Braut, beziehungsweise von dem serbischen Studenten, mit dem sie ihm betrogen hat, eingeschmuggelt wurden. Dann gibt es noch Popovic, den Serben aus Bosnien, der „vier Monate auf der nackten Erde in der Festung Arad im Ungarischen hatte liegen mußte, bis er auf solche Fragen nur mehr „Ich bin Bosnier“ antwortete. Segal, den Juden, der immer viele Freßpakete bekommt, gibt es auch und politischen Unterricht, wo die Soldaten lernen, was sie auf gewissen Fragen antworten sollen. Antworten sie falsch, werden sie ein bißchen „gehängt“, oder anders schikaniert.
Im zweiten Teil „Doberno“ geht es 1915 an die „Isonzofront“, hier liegen sie im Graben, haben ein paar Tage lang kein Essen und kein Wasser und malen sich aus, ob sie Rothschilds Tochter um fünfzig Millionen nehmen würden, auch wenn sie einen Schweinekopf hätte?
Sie werden befördert und ausgezeichnet, haben Verluste und überlegen sich, ob sie desertieren oder überlaufen würden und erkennen die Sinnlosigkeit des Krieges, wenn die Italiener vor ihnen sterben und „Mamma mia..“ oder „Maladetta la guerra!“ ausrufen.
Zu Weihnachten bekommen sie von ihnen unbekannten Frauenhänden gepackte Päckchen mit „Schokolade, Keksen und anderen Naschereien zugeschickt. „Manche der Päckchen enthielten auch die Anschrift oder Nachricht der Schenkenden“, wie beispielsweise, „Ich hoffe, daß Sie mir schreiben werden. Ich bin neundundzwanzig Jahre alt und noch unvermählt. Ich habe einen selbständigen Beruf. Berta Hanzman. Salzburg.“
Eine schrieb nur „Ihr Esel, wie lange werdet ihr euch noch zum Narren halten lassen?“
Im dritten Teil „Lebring“ ist es schon Herbst 1917 und wir befinden uns in der Sammelabteilung des zentralen Militärlagers in Lebring bei Graz, wo wir die noch lebenden Verwundeten bei der „schweren Stunde“ wiedertreffen, das ist die zwischen acht und neun, wo das klumpige Maisbrot ausgegeben wird, je eins für sechs Mann und die die es aufteilen müßen haben es schwer, weil meistens eine Rauferei darum entsteht. Denn es muß den ganzen Tag reichen, zu Mittag gibt es Suppe, am Abend Kaffee und wir treffen den Wiener Kalivoda wieder, dem das Kiefer zerschoßen wurde, so daß sich nach einigen Operationen, sein Mund nun ein paar Zentimeter weiter befindet. Er bekommt einen Brief von seiner untreuen Braut Pavla, die wieder zu ihm kommen will, der dicke Jude Segal, bekommt immer noch Pakete, ist aber um zwei Drittel abgemagert und zeigt zum Beweis, seine frühere Unterhose her und der schwindsüchtige Bosnier Popvic stirbt. Dafür wird Jan Janoda, dem nichts fehlt, als sein bestes Stück, entlassen und von seiner Frau erwartet, die bald das Unglück begreift, aber „Wenn es sein muß, kann auch eine gewöhnliche Tschechin stark sein!“, antwortet, ansonsten werden die Betten kontrolliert und die die ihre nicht straff gemacht haben, wieder ein bißchen „gehöngt“, der Koporal tut das aber sehr nachläßig und verteilt auch eine Zigarette dabei, während man es drüben bei den russischen Gefangenen viel schärfer angeht, da der dortige Koporal von den Russen verwundet wurde.
Die russische Revolution hat stattgefunden und der Kaiser ist gestorben, das steht nicht in dem Buch, weiß ich aber so, es wird zur Kirche gegangen und die Vorgesetzten haben ihre Nöte mit den Untergebenen denen man mit nichts mehr drohen kann und die sich nichts mehr sagen lassen wollen.
Im vierten Teil wird der Judenburger Aufstand der Slowenen von 1918 geschildert, der vereitelt und mit einer Hinrichtung der Aufständischen endete.
Lovro Kuhar, der selbst an der Insonzofront kämpfte, desertierte aber, wie sein Held der ersten beiden Teile, Amun Mohor und verbrachte den Rest der Kriegszeit in italienischer Gefangenschaft.
Das war mein sehr interessanter Kurzausflug durch die slowenische Literatur, ich danke dem „Hermagoras-Verlag“ sehr für die Rezensionsexemplare und verweise auf zwei slowenische Romane, die ich gelesen habe, ein paar andere, wie der von Florjan Lipus stehen noch auf meiner Liste. Einmal war ich auch bei einer „Hermagoras Veranstaltung“ im Literaturhaus, die jungen Slowenen habe ich auch einmal da gehört und was den ersten Weltkrieg betrifft, verweise ich auf Erich Maria Remarque und sein „Im Westen nichts Neues“, der genauso eindrucksvoll war, wie Lovro Kuhars-Prezihov Vorancs Slowenischer Antikriegsroman.

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