Literaturgefluester

2014-07-27

Nach Donezk

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:05

Das mit der bipolaren Schreibhypothese läßt sich nur bestätigen, denn der Freitag war, nachdem ich Donnerstagabend mit der ersten und der zweiten Szene nicht zufrieden war und dachte, daß ich aus dem drei oder vier Personenszenario, das ich habe, nie und nimmer einen Roman zusammenbekomme, wieder ein richtiger Marathontag, manchmal packt es mich, daß ich schreibe und schreibe und so habe ich noch im Bett nach dem Frühstück, die Szene geschrieben, wo der der Bruno Leitner, die im Bücherschrank gefundenen Bücher, die er Dora zum Geburtstag mitbringen will, ich komme ohne den Bücherschrank offenbar doch nicht aus, aber er wird höchstwahrscheinlich nicht zur Anna Jeller gehen, Sybille Lewitscharroffs „Killmousky“ und Richard Fords „Kanada“ in Packpaper verpackt und dann noch die, wo Magdalena in Schwechat steht, um mit ihren altmodischen schwarzen Kleid, das Flugzeug nach Kiew zu besteigen.
So weit so gut und die weiteren zwei Szenen sind auch geflossen und wurden nach dem Mittagessen geschrieben. Miranda hat sich bei Valentina Himmelbauer für einen Termin angemeldet, sitzt in ihrer Wohngemeinschaft und sieht die Ururgroßmutter im Flugzeug sitzen und mit ihrem Nachbarn, einen ukrainischen Geschäftsmann reden. Dann gehts zu Dora Himmelbauers Geburtstagfeier und da hat Anna Jeller Valentina ausgerechnet den Lewitscharoff Krimi empfohlen und nach dem Radfahren waren Ideen für drei weitere Szenen da, obwohl ich den richtigen Handlungsfanden nach wie vor noch nicht habe und da natürlich, wenn ich vor mich hinschreibe, ohne recht zu wissen, wie es weitergeht, auf meine Grenzen stoße.
Ich schickte den Bruno in seinem schwarzen Anzug also auf ein Fest in einen Museumshinterhof, dort bekommt er ein hellgrünes Band um den Arm gebunden, sieht ein Spanferkel sich drehen und mußsich mit einem Paar, um einen Platz an einem der weißgedeckten Stehtische streiten, so weit so what, dann gings zu Magdalena in die Ukraine und, daß die Marija Marjatschuk Studentin und Friedensaktivistin ist und eine Diplomarbeit über Berta von Suttner schreibt, habe ich auch schon gewußt.
Habe ich, ich glaube, bei der Streeruwitz Vorlesung im Rathaus ja gehört, daß sich in der Ukraine viele Studenten mit Berta von Suttner beschäftigen. Aber wie bringe ich die hundert Jahre tote Magdalena mit der Studentin ins Gespräch? Daß sie sie mit ihrem schwarzen Kleid für die Suttner halten könnte, habe ich schon gedacht, aber eine Tote sehen die anderen ja nicht, so ist die Magdalena jedenfalls ohne Paß und Ticket und ohne aufzufallen in das Flugzeug gekommen.
Ich habe nicht weitergewußt und das getan, was ich meistens tue, wenn ich das nicht weiß, ein paar Sätze vor mich hingeschrieben, die schlecht waren, nicht passten und mich unzufrieden machten und „Ich kann es nicht ich kann es nicht!“, gedacht…
Die habe ich dann und das ist vielleicht neu, wieder hinausgelöscht.
„Man kann keinen Roman in ein paar Tagen schreiben, liebe Eva!“, zu mir gesagt und „Du mußt erst Material sammeln!“
Das habe ich dann getan, in dem ich mir ein paar Videos über den Flugzeugabsturz angeschaut habe und über die Stadt Donezk, die die fünftgrößte in der Ukraine ist und tatsächlich über einige Universitäten verfügt, was ich nicht wußte.
Ich bin dann auch wieder zu den zu den Romanwerkstätten im Internet gegangen, was nicht so gut ist, weil die mich ja, wie ich schon erlebte, hindern können, wenn die von den „Schneeflockenmethoden“ schreiben, wo man sich seinen Roman Szene für Szene konzipieren soll, bevor man die erste Zeile schreibt.
Zwei Jahre den Roman im Kopf, macht es der John Irving angeblich so, bevor er loszuschreiben beginnt. Das ist nichts für mich. Über was ich eigentlich schreiben will, sollte ich eigentlich schon Bescheid wissen und die „Innere Stadt“, ob der Titel so stehen bleibt, bin ich nicht so sicher, denn eigentlich passt er gar nicht, ist ja eigentlich kompliziert und viel mehr abgehoben, als meine andere Sachen, wo es um Großmütter am Spielplatz, depressive Frauen oder um Bücher und um alte Menschen gehet. Da geht es um Retortenkinder, der Valentina Strang und um eine 1914 gestorbene Frau, die ihre Urururenkeltochter zum Schutzengelchen macht und das ist zwar, wie ich finde ein tolles Konzept und ich habe auch keine großen Schwierigkeiten, die Visonen mit den Joint der Miranada und den Besuch in der Drogenberatungsstelle in Verbindung zu bringen, aber man muß sich langsam an das Konzept heranpirschen und dieses vorsichtig konzipieren.
Was ich vielleicht nicht so kann, aber lernen will, voila und, daß ich mich vielleicht doch über mein schwarzes Buch setze, auf vier Seiten je Valentina, Magdalena, Miranda und Bruno schreibe und dann ein jeweiliges Handlungskonzept mit Szenenfolgen aufbaue, etc, habe ich schon gedacht und dann erst weiterschreiben, dann ist die Szene in der Ukraine und das Kennenlernen der Marija und der Magdalena doch plastischer geworden und es gibt auch kein Problem mit dem altmodischen schwarzen Kleid der Toten, denn „Das ist ja irrre, Sie sehen wie die Berta aus!“, könnte Marija erstaunt auf Ukrainisch ausrufen und Magdalena antwortet auf Deutsch „Die Berta, das ist meine Tochter!“ und dann drückt ihr die Marija das Buch von der Suttner auf der ja ihr Kopf mit den aufgesteckten Haaren und den schwarzen Kleidansatz, zu sehen ist, in die Hand und die Szene ist gerettet.
Dann geht die Miranda in die Beratungsstelle, die Valentina in ihre Retortenkinderruppe und der Bruno beginnt sich vielleicht um das Spanferkel und die Schwedenbomben zu schlagen und ich stehe wieder am Beginn, beziehungsweise taste ich mich an zwei bis drei eher abgehobene Romankonzepte heran, die ich langsam langsam in Versuch und Error Schleifen mit viel Recherchieren aufbauen und zu einem Konzept verbinden will.
So könnte es gehen und das ständige Wechselbad zwischen „Das ist ja toll! und „Das wird schon wieder kein Roman!“, ist natürlich vorhanden. Ein bißchen geduldiger, gehe ich, glaube ich, inzwischen schon damit um und neun Rohszenen, dreiundzwanzig Seiten oder 10640 Worte habe ich inzwischen schon geschrieben.
Da bin und bleibe ich schnell und wie ich mit den zwei Ideen wirklich zu einem Roman komme, weiß ich immer noch nicht so genau, aber vielleicht finde ich es heraus.
Das Ganze ausdrucken wäre auch ganz fein, weil ich mir dann vermutlich mit dem Konzipieren leichter tue, aber damit muß ich bis Montag warten.

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