Literaturgefluester

2014-08-22

Zurück zum Weiterschreiben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:10

Am Mittwoch vor drei Wochen bin ich ja ein wenig ratlos vor meinem Work in Progress gesessen. Da hatte ich den Tagen davor ziemlich schnell und hektisch, die ersten dreißig Seiten hinuntergeschrieben, hatte ein vorläufiges Konzept, die vier Personen beziehungsweise Handlungsstränge, die sich teilweise noch während des Korrigierens der „Anna“ und der „Brüderschaft“ ergeben hatten. Hatte vierzehn Szenen, zwei weitere in Planung und nach dem Lesen von Ernst Lothars „Mühlen der Gerechtigkeit“ schon wieder die Idee für ein Neues.
Soviel Ideen überfordern vielleicht auch und der Titel „Innere Stadt“, wie ich sie eigentlich für diese Retortenproblematik plante, erschien für das Schutzengelchen und die tote Ururgroßmutter, die inzwischen nach Donezk geflogen ist und mit einer jungen Friedensaktivistin, die sich für Bertha von Suttner interessiert, auch nicht mehr ganz passend.
Dann tat ich am Mittwoch vor drei Wochen etwas, das ich meistens in diesen Fällen tue, ich schnappte mir meine „selbstgemachten Bücher“, stieg damit in die Badewanne und ließ den „Garanas“, der ja eigentlich auf der Leseliste stand, liegen. Geschrieben habe ich an diesem Tag, glaube ich, nicht sehr viel, dafür sehr manisch in den Tagen davor, nur die zwei Szenen geplant und gedacht, daß ich vor dem Weiterschreiben, erst einmal das schon Vorhandene durchkorrigieren und ausdrucken sollte.
Außerdem bin ich daraufgekommen, daß die Familienchronologie der Himmelbauers nicht stimmt. Da hatte ich eine Tochter zuviel, die Claudia, die eigentlich die Mutter der Miranda wäre, gibt es nicht, denn die Magdalena hat 1914 die Berta geboren, die 1934 die Hertha, die inzwischen ebenfalls schon gestorben ist, die 1964 die Franzi oder Franziska und die ist dann Miras Mutter und nicht die Gromutter, wenn sie 1984 ein Kind gebar. Also mußte ich das auch noch ändern und das mit den Beziehungen zu den Männern richten. Die Franziska wurde von ihrem Mann verlassen, als sie schwanger war, der der Hertha war verheiratet und konnte sich nicht von seiner Frau trennen und der Liebste von der Berta, den sie eigentlich heiraten wollte, war ein Jude und ein Kommunist und kam zuerst nach Wöllersdorf und dann aus Auschwitz nicht mehr zurück, so daß das auch nicht möglich war.
Uje, uje, so ein Schock hemmt natürlich die Schreibfreude und dann war auch die Sterbehilfe Idee da, die ja ein interessantes Thema ist und so bin ich am Abend des vorvorvorletzen Mittwoch über Videos einiger Sterbehilfeorganisiationen gesessen, habe mir die angeschaut und am Tag darauf ins Elsaß gefahren. Da hate ich mir zwar außer dem Laptop, den ich auf keinen Campingplatz mitnehme und auch nicht im Auto lasse, alles mitgenommen, die beiden Notizbücher mit den Schreibideen, die vorhandenen zweiunddreißig Seiten und auch einiges ausgedruckte über die Situation in Donezk, beziehungsweise Infos über die Ukraine-Krise.
Daß ich während eines Urlaubs ohne Laptop aber nicht zum Weiterschreiben komme, habe ich schon geahnt und auch nicht so schlimm empfunden, denn eigentlich wollte ich mit dem Neuen ohnehin erst nach der Sommerfrische anfangen.
So habe ich zwar einmal auf dem Camp, als ich mit dem Lesen des „Veruntreuten Himmels“ fertig war und noch nicht gleich mit der Bertha von Suttner anfangen wollte, richtig, die habe ich mir als Lektüre und Vorbereitungsmaterial auch noch mitgenommen, in meinen Notizbüchern geblättert, aber mehr als die Idee, daß ich Szene fünfzehn und sechzehn nachher schreiben, das Vorhandene korrigieren und dann weiterplotten werde, ist mir auch nicht gekommen.
Dafür sind während der Rückfahrt einige Notizen entstanden, die die Marija betreffen, denn wenn es in Donezk keinen Strom und kein Wasser gibt, wird die Marija geradezu ins Ausland und nach Wien gezwungen, wo sie die Miranda kennenlernen könnte, die ja immer noch mit ihrer Schutzengelkarte in der Küche sitzt und zur Beruhigung Johanniskrauttee trinkt, beziehungsweise mit dem Philip einen Gespritzen trinken geht und wenn die Minister den Leuten dann noch raten, mehr Äpfel zu essen, damit die Krise beendet werden kann, ist das ja eine Idee die zum dritten Weltkrieg passt.
Bezüglich des ersten habe ich im Urlaub eine kleine Leseprobe gefunden und war auch auf der Gedenkstätte beziehungsweise dem riesigen Soldatenfriedhof und dort könnte ja der Albert liegen, der im September 1914, wie Alfred Liechtenstein, gefallen ist.
Damit also zurückgekommen und da einmal geschrieben und geschrieben, die cirka zwanzig Artikel, die ich ohne Laptop im Elsaß nicht schreiben konnte. Die Buchbesprechungen, die Reiseberichte und und und….
Am Donnerstag habe ich schon in Ansbach damit angefangen, dann am Freitag nach dem Auspacken und dem Sekttrinken mit der Schwiegermutter noch ein paar, die meisten am Samstag und dann hätte es weitergehen können, aber die Ideen weit weg und die Lust die zweiunddreißig Seiten einmal durchzukorrigieren, was ja sehr einfach ist und das Weitermachen erleichtert, war auch nicht da.
Dann kamen am Montag und am Dienstag die Praxistage und die sind ja immer sehr abgehackt, denn wenn ich zwischen zwei Stunden ein oder zwei freie habe, ist das nicht wirklich dazu geeignet, in ein Romankonzept wiederhineinzukommen, sondern verlockt eher in den Blogs, die ich ja vierzehn Tage auch nicht gelesen habe, zu surfen oder weitere Artikel über das Versäumte zu schreiben. Am Dienstag ist dann auch die „Brüderschaft“ gekommen und mußte vorgestellt und am Mittwoch war dann in der Sommerfrische wieder Zeit.
Natürlich ja und ich bin auch diesbezüglich sehr motiviert und diszipliniert und fürchte fast, daß meine Leser mein Schreibverhalten manisch oder besessen nennen können.
Ich nenne es selber so und es treibt mich auch einiges voran, auch wenn ich mir inzwischen schon immer wieder „Laß dir Zeit, ein Roman schreibt sich nicht in zwei Wochen denke!“
Natürlich nicht, nur das Problem ist vielleicht und das denke ich auch, daß man so allein am Schreibtisch natürlich bald an Wände oder Grenzen kommt, wo ein Feedback von außén hilfreich wäre und da ich die habe ich ja nicht, schreibe ich wirklich sehr einsam vor mich hin und bekomme auf meine Gewinnspiele, Artikel, Fragen etc, kaum Reaktionen.
Macht nichts, denke ich dann auch. Muß sich ja niemand dafür interessieren, die dreiunddreißig selbstgemachten Bücher, die es inzwischen sind, gibt es ja trotzdem und die über 1900 Blogartikel, wo sich auch einiges über mein Schreiben befindet.
Nur behindert das, das Zeitlassen ein wenig, weil ich ja denke, wenn ich mich nicht heraushole, tut es keiner und habe dann ein schlechtes Gewissen, wenn ich sitze, trödle, surfe, blogge, statt zu korrigieren.
Habe aber am Mittwochnachmittag, nach einem weiteren Blogartikel trotzdem mit dem Korrigieren angefangen und das auch bis zum Abend durchgezogen, so daß es jetzt immer noch einunddreißigeinhalb Seiten und vierzehn Szenen, aber nur noch 15065 Worte gibt und ich mit dem Vorhandenen gar nicht so unzufrieden sind, vor allem die Handlungsstränge der Miranda und der Magdalena sind interessant, ausbaufähig und geben was her, also weitermachen mit der Szene 15 und 16 und genau da stehe ich an.
Denn Szene fünfzehn betrifft wieder die Valentina und die ist Soziaarbeiterin und ein Retortenkind, die hatte ihre Gruppe, nachdem sie die Miranda betreute und soll in dieser Szene den Sepp treffen und mit ihm ein Bier trinken.
Aber genau das ist es vielleicht, die Idee mit dem Retortenkind, die mir nach einem Interview mit der Sibylle Lewitscharoff kam, trägt es eigentlich nicht oder ist höchstens eine Nebenfigur. Dann gibt es noch den Bruno Leitner, den Samenspenderpapa und der war mit seinem Todestag 13. 3. 1933 eigentlich die erste Idee, jetzt ist er ein Lebenskünstler, der sich von Buffet zu Buffet angelt, bei dem in einem Museum, wo ihn die Leute nicht an den Tisch lassen und jetzt der Kampf um die Schwedenbomben kommen könnte, ist er gerade. Szene 16 habe ich gedacht, ist er schon zu Hause, hat Migräne, oder Probleme mit der Prostata, vielleicht hat der sich auch nur am Spanferkel überessen, sollte zum Arzt, er hat aber keine Sozialversicherung und so denkt er sich seinen Todestag aus, den hat er auch schon, den 13. 3. 33.
Das ist sicher ausbaufähig und dann nach Wien zurückfahren und im September plotten. Ich habe mir auch schon vorgenommen, die vier Monate, die das Jahr dann noch hat, dafür zu verwenden und den September, wo der Alfred auch nach China fährt, in Wien und in der Inneren Stadt herumlaufen und die Ideen kommen lassen. Nur das mit der Inneren Stadt trägt es vielleicht nicht, die Miranda und die Valentina könnten zwar da wohnen, aber die Magdalena wohnt im Himmel und die Marija in Donetz und ist vielleicht die fünfte Hauptfigur.
Also ändern und mit dem schon Vorhandenen wieder von vorne anfangen. Das ist ja etwas, was mir vielleicht Schwierigkeiten macht. Denn wenn ich mich bezüglich schreiben, ohnehin schon so bedroht fühle, die JuSophie oder war es jemand anderer, sagte mir einmal, ich mache den Eindruck als würde ich mein Schreiben mit Zehen und Klauen verteidigen, „No na!“, würde ich antworten, ist es immer noch schwierig, ein Rohkonzept wegzuwerfen und zu sagen, noch einmal von vorn.
Das war vielleicht auch früher mein „Fehler“, daß ich, wenn ich, etwas hatte, so froh darüber war, daß ich es gleich dem „Jung und Jung“ nach Salzburg oder zu „Suhrkamp“ nach Frankfurt schickte, statt zu sagen, da sind jetzt ein paar Ideen, aber da und da hapert es noch, noch einmal von vorn und ich weiß jetzt zwar, daß ich plotten müßten, vielleicht den Titel ändern, die Valentina rausschmeißen oder ihr einen anderen Stellenwert, also nicht jede vierte Szene, geben, wenn ich gar nicht so viel Material für sie habe, dafür das mit Donetz, der Miranda, der Magdalena, dem Schutzengelchen, dem ersten und dem dritten Weltkrieg, erweitern, ausbauen, kommen lassen….
Das verlangt aber die Entscheidung, ob ich jetzt Szene fünfzehn und sechzehn schreibe und dann oder gleich mein Notizbuch hernehmen, plotte, Material für die drei, vier oder fünf Hauptpersonen sammle, entscheide, wie das mit dem Bruno wird, etc.
Das ist das Romanschreiben, das weiß ich schon und dafür braucht man mehr als sechs Wochen, das weiß ich auch, obwohl es viele Gebrauchsschreiber ebenfalls sehr schnell tun, aber ich will mir ja ohnehin immer ein Jahr Zeit für das Rohkonzept lassen.
Da ist zwar die Idee im November beim Nanowrimo „Im Namen des Vaters zu schreiben“, muß das aber nicht oder könnte beides verbinden. Der Bruno ist da ohnehin verlockend, könnte also hinausgeschoben oder auch eingearbeitet werden.
Das ist das Romanschreiben, nur dazu gehört dann schon irgendwie ein Feedback dazu, wie es die Lektoren geben, denn wenn man schreibt und schreibt und immer nur die Erfahrung macht, es ist ohnehin egal, denn es ist nie gut genug, so sehr du dich auch bemühst, ist das kein sehr gutes Gefühl, aber das was ich kenne und ich habe trotzdem schon sehr viel zusammengebracht und offenbar meine einzige Option, also nicht jammern, sondern in die Hände gespukt, beziehungsweise das Wochenende, wie geplant mit Alfreds Wandergruppe auf dem Berg zu verbringen. Da komme ich zwar wieder aus dem Konzept heraus und dann gibt es auch noch die letzte Sommerfrischenwoche, aber dann bin ich in Wien, kann meine Wien Tage machen, schreiben, recherchieren, plotten und sehen, wie es mit der „Inneren Stadt“ weitergeht.

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