Literaturgefluester

2014-09-03

Immer diesselben Witze

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

Sigmund Freud hat den Humor für einen sehr guten Abwehrmechanismus gehalten, das habe ich Prof. Strotzka in den Siebzigerjahren in seiner berühmten Samstagvormittagvorlesung zwar nicht so ganz geglaubt, aber man kann ganze Romane darüber schreiben, beziehungsweise solche, die nur daraus bestehen, eigentlich keine richtige Handlung haben und man ist trotzdem sehr betroffen und hat nachher die Welt verstanden, ohne sich erst durch die Holocaustliteratur durchlesen zu müssen.
Und da war Anfang der Zweitausenderjahre ein Buch bei den Büchertürmen der „Literatur im März“ aus dem „Residenz-Verlag“, von einem Autor den ich nicht kannte, Steven Bloom „Immer dieselben Witze“ mit zwei lachenden Witzköpfen am Cover.
Ich habs genommen und ins Regal gelegt, denn Witzbücher interessieren mich eigentlich nicht, dann bin ich Jahre später zum Sommerfest ins Writersstudio gegangen und habe am Klo ein weiteres Witzbuch gefunden, das von Juden in einer Bar in Manhatten handelt, die sich Witze erzählen und Anfang des Jahres habe ich beim „Morawa-Abverkauf“ „Die menschliche Schwäche“ gekauft.
„Immer dieselben Witze“ habe ich schon vor zwei Jahren auf meine Leseliste gesetzt und über den Autor nachgegooglet, bzw. die Klappentexte gelesen.
Er wurde 1942 in Brooklyn geboren und lebt oder lebte in Heidelberg.
„Immer diesselben Witze“ ist sein erster Roman. Und da gehen Izzy, Jack Goldfarb, Benny Kubbleman und Meyer Woolf schon in Bald Sams kleines Lokal. Es ist 1949 kurz vor dem Koreakrieg, steht im Klappentext, wann „Stellt mir eine Frage“ spielt, weiß ich jetzt nicht so genau. Das Buch hat mich, glaube ich, auch nicht so beeindruckt, wie der Erstling und anfangs hat es auch nicht so ausgesehen.
Denn da treffen sich die Typen in der Bar, sehen Baseballspiele und erzählen sich Witze, die sie schon kennen, die meisten erzählen sie sich auch nur halb und man braucht ein bißchen, um in die Handlung hineinzukommen, beziehungsweise eine solche herauszufinden.
Da ist also Izzy, der Held sozusagen, er kommt aus Polen, aus Kelz, wo es einen Progrom gab, sein Vater war ein frommer gelehrter Mann, er war Boxer. Jetzt ist er arbeitslos und wird ständig danach gefragt, wieso man das im gelobten Land sein kann? Seine Schwester hat einen Drugstore, in dem hilft er manchmal aus und wird von den Jungs angepöbelt und als Straßenmusikant betätigt er sich auch.
Meyer Woolf will ihn mit seiner Nichte Celia verkuppeln und lädt ihn am Sonntag zum Essen, zu gefilten Fisch und Kugel ein. Er lernt auch einige Mädchen kennen, die redselige Meg, die freche Kleine, die den Passanten auf der Straße, während er spielt, seinen Hut hinhält, als der voll ist, kommt ein Polizist und nimmt die Dollarscheine heraus, von dem Rest geht er mit dem Mädchen Kakao trinken. Sie stopft zwei Hotdogs in sich hinein und wird von der Kellnerin angestänkert und Mary, die Bibliothekarin, gibt es auch. Die hat Schwierigkeiten mit ihrer Vorgesetzen, die sie für eine Kommunistin hält. Das buch spielt ja in der Mc Carthy Ära, wo Onkel Joe (Stalin) seinen siebzigsten Geburtstag hat, man vom Koreakrieg noch nicht viel weiß, sich alle aber vor dem driten Weltkrieg fürchten und sich Juden mit Juden in der Kneipe prügeln, was die gar nicht fromme Mary nicht versteht.
So kommt man langsam in die Handlung und beginnt das Elend und die Traumatiserung zu verstehen und ich habe gelernt, was ich ohnehin schon ein bißchen wußte, daß der Witz doch ein guter Abwehrmechanismus ist und einen interessanten Autor, von dem ich jetzt schon drei Bücher habe, habe ich auch kennengelernt. Es ist auch immer interessant, auf welche Art und Weise die Bücher zu mir kommen.
Kennen Sie den?
„Trifft ein Chassid einen Litwak, sagte Meyer Woolf. Sagt der Chassid, unser Rebbe ist so heilig, daß Gott mit ihm spricht. Sagt darauf der Litwak, und woher weißt du das? Unser Rebbe hat es uns erzählt, sagt der Chassid. Sagt darauf der Litwak, und woher weißt du, daß euer Rebbe kein Lügner ist? Würde Got mit einem Lügner sprechen? sagt der Chassid“ oder „Steht ein Jude vor dem Erschießungskommando Augenbinde um und alles, da fängt er an zu schreien: Nieder mit dem Zaren, nieder mit dem Zaren“ Lang lebe die Revolution“
„Noch einer mit Bart, sagt Irvin Mandel.“
Also ein Dritter „Sind zwei Juden in Berlin und sehen, daß ein Mann von der Gestapo auf sie zukommt. Nur einer der Juden hat gültige Papiere. Sagt der zu dem anderen, hör zu, ich renne weg, dann läuft er mir nach, und du kommst davon. Der Jude mit den gültigen Papieren rennt also los und der Mann von der Gestapo läuft ihm nach. Sie rennen bis zu nächsten Kreuzung, sie rennen bis zur übernächsten Kreuzung, und schließlich holt der Mann von der Gestapo den Juden ein. Zeigen Sie mir Ihren Ausweis, sagt er, und der Jude zeigt ihm die Papiere. Warum sind Sie dann weggerannt? sagt der Mann von der Gestapo. Mein Arzt, sagt der Jude, hat mir geraten, ich soll nach jeder Mahlzeit zwei Kilometer laufen. Aber Sie haben doch gesehen, daß ich Ihnen nachlaufe, sagt der Mann von der Gestapo, warum sind Sie nicht stehengeblieben. Ich dachte, sagte der Jude, vielleicht gehen Sie zum selben Arzt“
Den von Stalin und Zar Nikolaus in der Hölle, habe ich jetzt nicht gefunden. Also selber lesen, wenn man das Buch noch bekommt.

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