Literaturgefluester

2014-09-05

Kaffee in Wien

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

Nach dem „Unnützen Wien-Wissen“ hat der „Holzbaum-Verlag“ jetzt etwas sehr Nützliches, nämlich „Kaffee in Wien“. Das ist zwar nichts Neues, habe ich mir ein Buch über die Wiener Kaffeehäuser ja schon von meinen Eltern in den Siebziger und Achtzigerjahren schenken lassen, aber erstens fürchte ich, daß ich es in meiner Bücherflut jetzt nicht finde und zweitens ist es inzwischen sicherlich komplett veraltet, denn es ändert sich viel in Wien und mit den Jahren oder vielleicht auch nicht, denn das Wiener Kaffeehaus hat ja Tradition und wird auch als solche und als Klischee, so wie die Mozartkugel gehandelt, so daß man im Cafe Mozart, das in dem kleinen gelben Büchlein mit der Kaffeeschale am Cover, erwähnt wird, hauptsächlich Ausländer findet und ich wahrscheinlich nie auf die kommen würde, dort hineinzugehen.
Jetzt gehe ich auch in keine Kaffeehäuser mehr oder nur ganz selten und zu ausgesuchten Veranstaltungen, so zum Beispiel wieder nächsten Freitag ins Cafe Ludwig, das meiner Meinung nach auch eher mehr ein Beisl ist, aber als Studentin bin ich sehr oft dorthin zum Lesen, Lernen, Schreiben, Leute schauen, die ich dort doch nie gefunden habe, gegangen, aber schön der Reihe nach.
Woher kommt der Kaffee, den man im Wien im Kaffeehaus trinkt, von dem in dem Buch behauptet wird, daß es die nur in Wien geben würde, beziehungsweise der Abklatsch des Wiener Kaffeehauses sicher auch Tokio oder Peking, aber das sind dann Museumsstücke und keine Originale, was ich so nicht glaube, aber was sind schon Originale?
Der Kaffee, klärt mich das Büchlein auf, kommt aus Äthiopien, denn da war einem Hirten fad, er war auch müde, sah aber, daß der Teil seiner Ziegen, die sich um einen Strauch mit roten Früchten aufhielten, munter herumsprangen, während die anderen träge am Boden lagen. Er kostete, wurde munter, rannte damit zu den Mönchen, die kosteten auch, es schmeckte aber nicht, so warfen sie es ins Feuer, ein köstlicher Duft zog auf und der Kaffee wurde geboren, beziehungsweise wurde über Arabien zu uns nach Wien gebracht. Vielleicht auch von den Türken, aber nein, das waren die Kipferln, die ja bald, wie die Freiheitlichen fürchten, den Stefansdom statt eines Kreuzes zieren sollen.
Das schreibe jetzt ich, im Buch wird der Unterschied vom „Arabica“ zum „Robusta“ beschrieben und erwähnt, daß der meiste Kaffee aus Brasilien kommt, auch, daß das, was in Wien als Mocca verkauft wird, eigentlich ein Espresso ist, aber die Namen der Kaffeehausspezialitäten ist überhaupt ein eigenes Kapitel.
Zuerst kommt es aber auf die Röstung an und da gibt es inzwischen einige Röstereien in Wien, in einer, nämlich, der in der Schleifmühlgasse wurde das Buch auch vorgestellt. Im Supermarkt gibt es dann die billigen Kaffeesorten zu kaufen, die nicht so gut schmecken.
Den Julius Meinl gibt esauch u nd der ist in aller Munde und den „Naberkaffee“, aber die haben ihre Geschäfte zum größten Teil inzwischen geschlossen, beziehungsweise eine Weinverkostung daraus gemacht. Also bleiben die Kindheitserinnerungen, beziehungsweise die, wie ich mit einem Gutschein vor ein paar Jahren, die Filialen aufsuchte und mir ein Häferl Kaffee, einen kleinen Braunen höchstwahrscheinlich, servieren ließ.
Den Tag des Kaffees gibt es seit einige Jahren am ersten Oktober auch, da wird in den Kaffeehäusern angeblich das Gebräu gratis ausgeschenkt, beziehungsweise gibt es Sonderaktionen, es ist mir aber noch nicht wirklich gelungen, das zur Gänze auszunützen, nur einmal war ich da vor dem Bank Austria Forum, habe mir gratis die Ausstellung angesehen und dazu Kaffee getrunken und Plundergebäck probiert.
Man kann den Kaffee auch unterschiedlich zubereiten, da gibt es ja die italienische Espressomaschine, die man früher zu Hause hatte oder die Filtermaschinen, die später aufkamen, inzwischen gibt es die Saeccos, die wir zu Hause haben und köstlichen Kaffee herstellen, die Kapselmaschinen sind der letzte Hit, mit denen kann ich mich nicht anfreunden. Filterkaffee schmeckt mir inzwischen nicht mehr und ab und zu ein Türkischer ist trotz des Zuckers, sehr fein.
Die Kunst des Kaffeekochens kann man auch in einer Baristaschule lernen, im Buch gibt es die Adressen, eine davon ist glaube ich die Johanna Wechselberger, die mit ihrem „Espressomobil“ auf der Buch-Wien steht oder dort immer am Samstag gratis Kaffee ausschenkte, wenn ich schon danach lechzte und auch ein paar Bücher darüber geschrieben hat.
Aber zurück zu den Kaffeesorten und da gibt es ja auch einen Wandel, habe ich mir in meiner Studentenzeit aus Kostengründen im Cafe Sperl, Gloria, Westend, Museum oder in der Konditorei Aida, in die ich bevorzugt ging, einen kleinen Brauen bestellt, bin ich später zu der Melange übergkommen. Inzwischen heißt das ja Cappuccino, aber die gibt es ja in einem Wiener Kaffeehaus nicht, also muß man Räselraten, ob man es mit oder ohne Schlagobers haben willund die angeblich so grantigen Herren Ober sind da ja prgamatisch, sagen ja, wenn man einen Caffe Latte haben will und bringen einen Cappuchino oder eine Melange wenn man einen Cappuchino will und denken wahrscheinlich „Ruhe bewahren, es ist ohnehin dasselbe, Wasser und Kaffee!“ Aber inzwischen gibt es einen Wandel, der italienische Espresso hat den deutschen Blümchenkaffee, über den ich mich bei meinen früheren Deutschlandbesuchen öfter lustig machte, verdrängt und ich trinke meinen Magen zuliebe, inzwischen bevorzugt Caffe Latte, der ja eigentlich Latte macchiatto heißt und den man in machen Lokalen als Häferlkaffee ohne Schlagobers bestellen muß.
Das ist das Alltagwissen einer Wienerin, die eigentlich selten ins Cafe Griensteidl, Sacher, Mozart, Landtmann und dann gar nicht mit dem Reiseführer geht, wo der „Fiaker“, der „Kappuziner,“, der „Pharisäer“ etc, angeboten wird. Im Buch wird genau erklärt, was das ist, für Eilige Kaffe mit Alk und die „Kaisermelange“, die man beim „Rosenberger“ auf der Autobahn mit Schokostreusl und in einem Häferl zum Mitnehmen bekommt, ist eigentlich, was mit Ei und Cognac, wie ich dem Buch entnehme, was aber in den Kaffeehäusern nicht mehr serviert werden darf.
In den alten Kaffeehäusern konnte man früher den ganzen Tag bei einem kleinen Mocca sitzen und Zeitungen lesen, man kann aber auch Frühstücken, Mittagessen, Jausnen und am Abend sein Sacherwürstl bestellen, seine Freunde treffen, sich die Post dort hinschicken lassen oder fast wohnen, wie es angeblich der Peter Altenberg im Cafe Central so tat. Jetzt sitzt er dort als Puppe, als ich aber als Studentin Wien und das Kaffeehaus eroberte, hat es das glaube, ich gar nicht gegeben und ich bin auch in das berühmte Cafe Hawelka, wo damals angeblich die Literaten verkehrten, kaum gegangen.
Inzwischen haben sich die Kaffeehäuser verändert, wurden renoviert, wie das „Museum“ oder das „Sperl“ oder sind in Banken umgewandelt wurden.
Es gibt auch neue Kaffeehausgenerationen, wie das „blueoragne“, wo ich immer vorüber gehe, wenn ich in die Alte Schmiede will und es Beagles gibt. Es gibt das „Starbucks“ und das Mc Cafe der Mac Donald-Kette, wo der Kaffee sehr gut und billig ist und im Cafe Stein in der Währinger Straße, hat der Max Droschl, vor Jahren einen der ersten Petry Slams, die mir bekannt sind, veranstaltet.
Es gibt also sehr viel Neues, wie man in dem Büchlein nachlesen kann, ich weise aber auf den Film „Ober zahlen“ mit Hans Moser und Paul Hörbiger aus den Fünzigerjahren hin, wo das alte Kaffeehaus, wo man mit dem kleinen Mocca und zehn Wassergläser sitzen und lernen konnte, vom lauten lärmigen Espresso verdrängt wurde.
Das Kaffeehaus hats überlebt, jetzt trinke ich Caffe latte, gehe nicht mehr ins Cafe Sperl, sondern daran vorbei, aber da habe ich mich einmal mit der Elfriede Gerstl getroffen, als sie mich zu dem „Wespennest-Fest“ mitnahm zu dem ich keine Einladung hatte.
Der Robert Menasse war dort früher öfter zu sehen. Das Cafe des Thomas Bernhard ist das „Bräunerhof“.
Dort war ich, glaube ich, nie und das „Dogenhof“ im zweiten Bezirk in der Praterstraße, das einer Griechin gehört, weshalb man dort auch griechischen Wein trinken kann, habe ich am Montag mit Ottwald John und dem Lesetheater besucht und mich mit Kellnerin gestritten, weil sie zwei achtzig für die heiße Schokolade wollte, die in der Karte mit zwei dreißig angeschrieben stand, aber sie hat mir ja gesagt, daß sie mir einen Kakao bringt. Vielleicht auch eine neue Kaffeehausgeschichte und auf das Cafe Raimund, wo einmal der Hans Weigel thronte und die Texte der Bachmann, Aichinger, Kräftner, Haushofer lobte und zerriß, sollte nicht vergessen werden.
Im Cafe Central trafen sich dagegen viel früher außer dem Peter Altenberg auch die Herren, Loos, Karl Kraus, Stefan Zweig und manche fortschrittliche Frauen, obwohl für die das Kaffehaus lange Zeit nichts war. Das erzählen mir heute noch die jungen Türkinnen, daß das Kaffehaus nur etwas für Männer ist, das kleine gelbe Kaffeehausbüchlein wurde aber in der Kaffeerösterei „Alt Wien“ in der Schleifmühlgasse 23 vorgestellt, in die ich dann nach meinem ersten Wien Recherchetag, wo ich beim „Leiner“ schon zur Einstimmung einen Gutschein für einen Verlängerten einlöste und dazu eine Portion Pommes Frites verzehrte, auf der Terrasse im fünften Stock gesessen bin und auf Wien und die Museen hinuntergesehen habe und dann den ersten Bezirk umrundete, obwohl das „Schutzengelchen“ ohnehin damit nicht sehr viel zu tun hat, gegangen und habe einmal eine Holzbaum-Buchpräsentation erlebt, die sehr lustig war, gab es doch zuerst einen Quiz, wo man Fragen zum Buch beantworten konnte, wenn man ein Kaffeesäckchen zugeworfen bekam.
Ich hätte die Antworten gewußt, aber kein Säckchen bekommen, der Alfred hat und die Kollektion der „Stadtbekannt-Holzbaum-Bücher“ gewonnen, die ich mit Ausnahme des veganen Wiens und den „Useless Vienna Facts“ schon habe, dann gab es eine Proberöstung in dem kleinen Geschäft, man konnte Kaffee in verschiedenen Stärkegraden verkosten und dazu winzige Cupcakes bzw „Manner-Süßigkeiten“ essen und Wasser trinken.
Richtig, ein Kapitel in dem Buch waren den Cupcakes und den Geschäften, wo man diese bekommen kann gewidmet und beim nach Hause gehen, haben wir noch die Christel Fallenstein vor einer Galerie gegenüber getroffen, wo Friederike Mayröcker gelesen hat.
Der Literatur kommt man eben, wie dem Kaffee nicht aus.

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