Literaturgefluester

2014-09-07

Bücherreihen oder zuviel der Ehre

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

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Die literarisch Interessieren leben ja jetzt in einer Buchpreiszeit, dem Longlistenlesen und dem Hangen und dem Bangen, wer da am Mittwoch auf die Shortlist kommt und was man zu Weihnachten als das angeblich beste Buch des Jahres der Schwiegermutter unter dem Christbaum legen kann?
Meine Schwiegermutter interessiert sich sehr für Krimis und die „Reader Digest Proben“ und liest, glaube ich, mehr als ich und wenn ich in den Schränken mal was Doppeltes finde oder was, das doch nicht passt, nimmt sie es und ich bin nicht nur eine lesende sondern auch eine schreibende Frau, beziehungsweise denke ich manchmal, daß ich soviel lese, um endlich mal herauszubekommen, was die anderen denn besser können als ich?
Gibt es ja inzwischen dreiunddreißig selbstgemachte Bücher, zwei in der Werkstatt und ein drittes ist für den „Nanowrimo“ geplant, dann die „Hierarchien“ und die beiden Fachbücher übers Stottern für die die großen oder Publikumsverlage, „Fischer TB“ und „Orac“, nie ein Problem waren und jede Menge Texte in Anthologien, die berühmteste ist wohl das Jugend und Volk Buch „Mädchen dürfen weinen, Buben dürfen pfeifen“ wo ich mit der „Güler“ gewonnen habe, ein Erfolg, an dem ich dann nicht mehr anschließen konnte, obwohl er schon 1980 war.
Daher der Schmerz bei diesem Bücherreihen des deutschen Hauptverbandes, bei dem ich ja eifrig mitfiebere, um das Leseprobenbüchlein rannte, jetzt beim Longlistenlesen, wie ich kürzlich erfuhr, den Charles Lewinsky gewonnen habe, Buch und Autor waren mir bisher völlig unbekannt, jetzt habe ich das Buch bei „Kuppitsch“ liegen gesehen und denke es ist sehr interessant und freue mich schon darauf.
Die „Streeruwitz“, das habe ich ja schon geschrieben, werde ich mir zum Geburtstag wünsche, wenn ich sie nicht bei „Buzzaldirin“ gewinnen sollte und, ich glaube, es ist auch eine Satire auf den Buchpreisbetrieb.
Da hat Michael Ziegelwagner einen sehr entspannten Artikel darüber geschrieben, dem ich in fast allen zustimmen kann, denn wenn man in der Wiener Löwelstraße, wo sich ja die SPO Parteizetrale befindet, einen Anschlagzettel sieht „Junges Akademikerpaar sucht Wohnung oder Haus, fleißig, Nichtraucher, ordnungsliebend, sich vor keiner Renovierungs scheuend!“, ist das doch ein wenig arg und dieses Castingdenken, ist etwas, was ich nicht mag und das Buch, das dann Anfang Oktober am Siegerpodest steht, wird, ganz egal, um welches es sich handelt, nicht das Beste des Jahrgang 2014 sein, denn jedes Buch ist so individuell, wie der Autor und man sollte weder Äpfel mit Birnen, noch Tauben mit Automobilen vergleichen!
Trotzdem rätsle ich gerne mit, denn ich interessiere mich ja sehr für Literatur und das Schreiben der anderen und leide dann ein bißchen, weil meine schönen selbstgemachten Bücher nie auf einer dieser Liste stehen werden. Warum eigentlich nicht? Weil sie in keinem Verlag erscheinen und von keiner Buchhandlung vertrieben werden, ganz klar, aber das sagt nichts aus über ihre Qualität und mit Herzblut und mit viel Engagement sind sie geschrieben, was eigentlich das Literaturgeflüster beweisen sollte. Tut es wahrscheinlich nicht, denn ich flüstere ja sehr verborgen, aber eigentlich habe ich gedacht, könnte ich mir auch so eine Bücherliste mache. Ich nehme meine dreiunddreißig, reduziere sie erst auf zwanzig, dann auf sechs und am Ende hole ich mir ein Buch heraus und schreie „Hurra, Trommelwirbel, es ist das Beste!“
Gesagt, getan, aufgereiht und geht natürlich nicht, wie es wahrscheinlich auch am Montag vor der Frankfurter Buchmesser im „Römer“ nicht gehen wird und fünf enttäuschte Männer oder Frauen überbleiben werden, die vielleicht nicht den Mut, wie Clemens Meyer im letzten Jahr haben werden, wütend die Veranstaltung zu verlassen und die Türen hinter sich zuzuknallen, sondern lächelnd sagen werden „Die Trauben sind mir ohnehin zu hoch!“
Und nächsten Mittwoch wird das vierzehn anderen Autoren passieren, es wird dann empörte Aufschreie geben „Was Daniel Kehlmanns „F“ ist nicht dabei, Skandal!“ oder Verwunderung über das eine oder andere Buch und so ist es mir jetzt auch gegangen, als ich meinen dreiunddreißig Bücherstapel zu meinen Wohnzimmertisch trug und zwanzig aussortieren wollte.
Geht nicht, denn eigentlich sind ja alle schön und von mir, obwohl, das weiß ich schon, einige Wiederholungen drinnen sind und sicher auch einiges was nicht so gelungen ist und ich trotzdem veröffentlichte, weil ich mir nach den „Wiener Verhältnissen“ sagte, ab jetzt wird jedes Buch von mir erscheinen.
Trotzdem gibt es natürlich Lieblingsbücher, „Tauben füttern“, mag ich zum Beispiel sehr und die „Mimi“ obwohl das von der JuSophie zerrissen wurde, obwohl ich da nicht ganz sicher bin, ob das ganz objektiv oder aus der Freude am Zerreißen geschah.
Den „Wiener Stadtroman“ mag ich, die „Radiosonate“, das „Haus“ ist sicher eine besondere Geschichte und dann natürlich das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ obwohl ich das jetzt von meiner „Longlist“ nahm, weil die inzwischen ohnehin schon fünfzehn Bücher hat und eigentlich kein erzählender Text, sondern die Printform des Literaturgeflüsters und von da von einigen, wie zum Beispiel, dem Gerhard Jaschke, sehr gelobt wurde.
An der Shortlist nage ich noch herum, denn wie gesagt, das Reduzieren tut mir schwer, über jedem Buch bin ich etwa ein halbes Jahr gesessen, obwohl die „Paula Nebel“, die „Nobembernebel“ etc, vielleicht nicht so gelungen ist.
Aber was weiß man schon so genau? Habe ich doch erfahren, daß oft die Texte am besten angekommen sind, von denen ich mir dachte „Das ist es jetzt nicht!“
Und das mit der Publikumsresonanz ist ohnehin so eine besondere Geschichte. Denn ich habe ja keine. Als die „Hierarchien“ in der „Edition Wortbrücke“ des Jack Unterwegers herausgekommen sind, hatte ich ein paar Zeilen im „Falter“ von einem sichtlich desinteressierten Redakteur und dann eine sehr vernichtete Kritik in der „Literatur in Österreich“ von einem, von dem ich zuerst dachte, daß ihm das Buch eigentlich gefallen hätte.
Und mit den Selbstgemachten dringe ich trotz Literaturgeflüster“ ohnehin nicht außen, da die wenigen Rezensionen, die es dazu gibt, hauptsächlich von Bekannten stammen, es gibt aber eine tolle Rezension vom Lev Detela über das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“, der Otto Lambauer hat mir ein paar geschrieben, der Robert Eglhofer und und und…
Meine Bücher erscheinen also sehr im Verborgenen und das Lesen von „Selbstgemachten“ scheint immer noch tabu zu sein, so daß es wahrscheinlich nicht viel hilft, wenn ich jetzt ein Foto von meinen fünfzehn Longlistenfavoriten in das Netz stelle und meine Leser frage „Was davon, liebes Publikum soll auf eine Shortlist kommen und an welches Buch würdet ihr den „Literaturgeflüsterpreis“ beispielsweise vergeben?“

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Da ja die meisten die Bücher gar nicht gelesen haben.
Ich kann sie aber inzwischen auch als E-Book verschicken, obwohl ich mich noch immer nicht dazu aufgerafft habe, sie bei „Amazon“ einzustellen.
Es gibt die Leseproben auf der Website, die Schreibberichte und bei den neuen Büchern auch jeweils ein schönes Foto, Lesungen gab es auch und wahrscheinlich schon ein paar Leute, die ein paar meiner Bücher gelesen haben.
Zu meinem sechzigsten Geburtstag habe ich aus dreißig gelesen, beziehungsweise, die vor mich hingestellt und zumindestens ins Publikum gehalten, ein Gewinnspiel mit dreißig Fragen und dreißig Antworten gibt es auch und im Juni habe ich im „Werkl“ unter dem Titel „Selbstgemacht“ aus zwei schon erschienenen und zwei noch nicht erschienenen gelesen, von denen es die „Brüderschaft“ schon gibt.
Soll ich es also doch versuchen und meine Leser um Reaktionen, Eindrücke, Schätzungen ersuchen und pro Kommentar ein Buch nach Wahl vergeben, soweit vorhanden?
Ich fürchte es gibt da wenig Reaktionen, zumindest war das bei meinen früheren Gewinnspielen so, aber ich kann vielleicht auf die „Wiener Verhältnisse“ hinweisen, „Lora und Lena“ mag ich sehr und habe diese Kindergeschichte, vor zwanzig Jahren auch in einem Rausch vor mich hingeschrieben, „Besessen oder das literarische Leben der Dora Faust“ mag ich und natürlich „Tauben füttern“ den „Wiener Stadtroman“, „Das Haus“, die „Mimi“, die „Frau auf der Bank“, „Kerstins Achterln“, „Dreizehn Kapiteln“ wo ich über das zweite auf dem Volkstimmefest von mehreren Leuten gesagt bekommen habe, daß es ihnen gefallen hätte und dann natürlich doch das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ das ja wahrscheinlich etwas Besonderes ist, das es nur einmal gibt.
Da bin ich wieder, glaube ich, bei elf, habe also auf ein Drittel reduziert und vieles Schönes ausgelassen. Wo bleiben da die Protestrufe? Es fehlen die Bücher über die alten Menschen und das Sterben und und…
Ich kann es nicht und soll höchstwahrscheinlich auch nicht auf Eines reduzieren, wenn ich aber den einen oder anderen meiner Leser vielleicht ein bißchen neugierig gemacht haben sollte, hätte ich mein Ziel erreicht und den Pokal den, ich sicherheitshalber gleich neben die „Longlist“ reihte, gabs am Freitag zur freien Entnahme in dem Fangeschäft in der Kettenbrückengasse.

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