Literaturgefluester

2014-09-08

Wilde Worte im September

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:29

Zur Saisonbeginn gleich ins „Amerlinghaus“, das letzte Mal war ich bei den „Wilden Worten“ ja am Pfingstmontag und wäre fast zu spät gekommen, weil wir von Harland zurückgefahren sind und da hat es einen Stau auf der Autobahn gegeben, so daß mein Gedichtwunsch „Pfingstmontag – Rettungsgasse – Stau auf der Autobahn – zu spät kommen“ lautete.
Interessant, was Richard Weihs daraus machte:

„Es war einmal ein Stau auf der Autobahn
und ich steckte samt Auto mittendrin
und fürchtete zu spät zu Lesung zu kommen
also kurbelte ich das Seitenfenster hinunter
…und schrie so laut ich konnte
„Rettungsgasse bilden, Reetttungsgasse bilden“
Zuerst geschah einmal nichts und später auch nichts
in meiner Verzweiflung zog ich das Lenkrad ruckartig zu mir
und siehe da das Auto bäumte sich auf zog steil nach oben
und mit sanften Brausen flog ich über den Stau gen Wien
der Hubschrauber der Verkehrsüberwachung überkreiste mich mehrmals
und gesäumt von rötlich fladckernen Feuerzungen
schwebte ich über die Stadt
und kam gerade rechtzeitig zur Lesung ins Amerlinghaus
Kein Wunder – es war ja Pfingsmontag“

In Wahrheit war alles viel weniger dramatisch, aber die Dichter heben eben gerne ab und diesmal gab es auch ein besonderes Programm, nämlich „Die Gulaschhütte“ ein Stadtroman aus Graz, bei „Styria“ erschienen von Hans Martin Willnauer in „35 Short Stories und 15 Fotografien“, ein alter Freund von Richard Weihs und in Heidelberg geboren, der zwischendurch einen Parkschein in sein Auto stecken mußte und auch ein Klavier aufgebaut hatte, denn es war eine musikalische Buchpräsentation und Hans Martin Willnauer offenbar ein Kabbarestist, obwohl es schon das vierte Buch war, das er geschrieben hat und seine zweite Lesung bei den „Wilden Worten“ und er begann auch gleich mit einer Beschimpfung der zweitgrößten Stadt, die in allem übertreibt, mehr Nazis, mehr Feinstaub, etc und im Jahr 2003 Kulturhauptstadt, so daß sich das Magistrat immer noch mit diesen Slogan meldet.
Das ist lange her und damals war ich viermal dort, weil ich ja beim Ö1-Quiz gewonnen habe und am den Sonntagen mit dem Alfred hingefahren bin, so daß ich meine erste Klasse Fahrkarte extra einlöste
2007 war dann dort GAV-Vollversammlung und als die Anna ein Baby war, war ich einmal dort bei einer Supervision und kann mich erinnern, daß ich da auf den Uhrturm ging und danach einen Text über die Grazer Dichter schrieb.
„Graz ist nicht mehr Literaturhauptstadt“, behauptete Hans Martin Willnauer, aber die „Manuskripte“ und den Kolleritsch gibt es noch immer und wenn man sich die Leseliste des letzten Bachmannpreises ansieht, sieht man, es gibt Nachfolger von Gerhard Roth und Peter Handke, der ja dort studierte, die Olga Flor ist von dort, obwohl sie bald den Veza-Canetti Preis bekommt.
Aber zurück zum „Stadtroman in fünfzig Bildern“.
Hans Martin Willnauer wechselte die Geschichten mit Liedern ab, hatte ein Stadtlied und erzählte, daß ihn der „Styria-Verlag“ gleich genommen hat, als er verküńdete, es würde ein Bestseller werden.
Vielleicht sollte man es so machen und ich habe ja auch einen „Stadtroman“ geschrieben und von der Stadtbeschimpfung ging es zur „Anni Wirtin“, die ein Musikwirtshaus in der Babenbergerstraße mit Interieur aus den Fünfzigerjahren hat und eine „Brunzstelle“ gibt es auch, in dem feuchten Haus der „Schwester Resuluta“ ein ehemaliges deutsches Mädel, die es vier Studenten vermietete und ihnen dann das Klo absperrte und den Garten mit einem Zaun umstellte.
Die Kapitel „Finnische Sauna“ und „Graz 2045“ gab es auch zu hören. Da sind dann in Graz die letzten Nazis ausgestorben, nur von der „Gulaschhütte“ wurde nichts vorgetragen, das muß man wohl selber lesen, denn Hans Martin Willnauer improvisierte, bekam für seine Lieder viel Applaus und ich habe wieder einen mir unbekannten Autor kennengelernt, obwohl ich mich mit den Grazer Autoren ja gut auskenne und auch Andrea Stifts Blog mehr oder weniger regelmäßig lese, die auch einmal bei den „Wilden Worten“ aufgetreten ist.
Nachher gab es kein Gespräch Richard Weihs mit dem Autor, aber der hatte schon viel von sich erzählt und das Buch und die fünfzehn Fotos konnte man sich auch noch anschauen.

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