Literaturgefluester

2014-09-13

Die Globalisten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

Der 1946 geborene Jurist Peter Rosei, der seit 1972 schriftstellerisch tätig ist und den ich einmal für einen experimentellen Autor gehalten habe, hat mit seinen kürzlich bei „Residenz“ erschienenen dünnen Roman „Die Globalisten“ seine Trilogie über das Wirtschaftsleben beendet.
„Geld“ 2011 erschienen war der erste Band, voriges Jahr kam „Madame Stern“ heraus, beide Bücher habe ich gelesen und werden jetzt bei mir vermehrt abgefragt.
In den „Globalisten“ geht es um eine Satire um den Kunstbetrieb, habe ich kurz nach Erscheinen des Buches im Radio gehört. Auch, wahrscheinlich, aber nicht nur, denn Peter Rosei macht mit seiner Parabel, die er von einem allwissenden Erzähler leicht und locker von oben drüber erzählen läßt „Zu der in Rede stehenden Zeit lebte in der Wiener Vorstadt, in Ottakring draußen…“, einen Rundumschlag über die korrupte Gesellschaft. Macht sich darüber lustig, deutet das an, was wir schon vom Fernsehen, „Täglich alles“ und den „Seitenblicken“ wissen und läßt, wie in dem Radiointerview ersichtlich wurde, am Ende alles offen.
Das Leben geht weiter und die Globalisten, die von Kocice bis St. Peterburg über Wien und Zürich leben, das heißt herumfliegen, Geschäfte machen, saufen, mit den schönen blonden juwelenumhängten Mädchen ins Bett steigen, lassen sich nicht aufhalten….
„Wer am Ende Strafe und Gerechtigkeit für moralisches Verfehlen erwartet, den werden die „Globalisten“ enttäuschen“, lese ich auf der ORF-Seite.
„Auch wortreiches ausuferndes Erzählen ist Peter Roseis Sache nicht. Stattdessen reiht er auf vergnügliche Art kurze Szenen und pointierte Kommentare aneinander. Ein kurzweiliges Erzählvergnügen in zügigen Tempo.“
Dann steht noch etwas von schalen Nachgeschmack der übrig bleibt, natürlich, das Ganze ist nicht lustig, sondern so korrupt, wie die Gesellschaft eben in der wir Leben und von den Verfehlungen, der großen reichen Mafiabosse im fernen Rußland etwa, aus dem Fernsehen oder aus den Kolportageromanen wissen.
Es beginnt aber in Wien und weil Peter Rosei schön altmodisch ist, im Cafe Imperial, wo der geschwätzige Schweizer Geschäftsmann Adolpe Weill einem anderen, im guten Anzug etwas von seiner Kindheit erzählt.
Dann fährt er auf die Mariahilferstraße, nimmt einen Anruf entgegen und erleidet dabei einen Unfall.
Der abgefrackte Dichter, Josef Maria Wassertheurer, der in der „Wiener Vorstadt“, beim Brunnenmarkt am Yppenplatz lebt und sich dort mit „Tippelbrüdern“ umgibt, gibt es das wirklich noch, plant indessen ein großes weltumfassendes Werk zu schreiben, begibt sich dann in ein Cafe, wo seine Freundin, die Polin Eva arbeitet, die ihm einen Hunderter fürs Einkaufen gibt, weil sie der Chef schon ausbezahlt hat.
Dann geht es in die Sommerfrische in das schöne Salzkammergut, dort liegt eine schöne Frau in einer Villa nach einer feuchten Party im Bett und ihr Freund, der besoffene Filmproduzent Alfred Wallauschek ist nach Wien gefahren, rutscht beim Aussteigen aus dem Zug am Westbahnhof aus und kommt ins Spital, wo er den Schweizer trifft.
Pläne werden geschmiedet, für ein großes Filmprojekt, Wassertheurer soll das Drehbuch schreiben und fährt dazu mit Eva in die Villa ins Salzkammergut und die Schöne im Bett, eine abgehalfterte Schauspielerin namens Olga soll die Hauptrolle spielen.
Das geht aber nicht ganz so leicht von dannen, hat Wassertheurer doch eine Schaffenskrise, die er nur mit Alkohol bewältigen kann, obwohl Eva nicht mag, wenn er trinkt und der schöne Alfred wirft schöne Blicke auf die schöne Eva…
Indessen steigen in St. Petersburg die Wolken auf, denn das Geld, das eigentlich zu dem Oligarchen Tschernomyrdin von den Deal mit Weill mit seinen Geschäftsmann im Cafe Imperial fließen sollte, ist nicht gekommen, so schickt er seine rechte Hand nach Wien und fährt selbst nach Kosice, um die ungetreuen Geschäftspartner ein wenig zusammenzuschlagen.
Wie das eben im Wirtschaftsleben so ist. Weill fährt unterdessen ins Salzkammergut und danach mit der Schauspielerin Olga nach Paris, Alfred Wallauschek hat die Villa mit Eva verlassen, die, er weil der Vorschuß aus ist, auf den Strich schickt, indessen sitzt Wassertheuerer alleine in der Villa und schreibt und schreibt….
Szenenwechsel oder weiter voran in die Zukunft der Globalisten nämlich in den fünften und sechsten Teil. Da ist Weill Minister geworden undWassertheurer ein Bestsellerautor, Wallauschkek ist aber ein bißchen von der geraden Bahn abgekommen und hat seine Geliebte erdrosselt, weil sie nicht „spurte“, so wird er gerade aus dem Gefängnis entlassen und geht mit einem Kumpanen in Wassertheurers Villa ein wenig einbrachen, denn er hat in der Gefängnisbibliothek von seinen Aufstieg erfahren.
Man sieht Peter Rosei scheut sich vor keinem Klischee uns die Tücken eines gloablisierten Wirtschaftsleben, für das er keine Lösung und keinen moraralischen Zeigefinger hat, aufzuzeigen und wie man beim Lesen merkt, scheint ihm das auch Spaß gemacht zu haben, den übermächtigen Erzähler, der seine Figuren von St. Petersburg nach Bad Aussee, Wien und Zürich und von dort wieder zurück lenkt.
Mir ist ja schon in den früheren Romanen, der leichte etwas altmodische Ton, der an die Fünfzigerjahre erinnern könnte, aufgefallen, spannend auf diese Weise eine Geschichte über das moderne Wirtschaftsleben zu erzählen. Aber die Villen im Salzkammergut, davon habe ich mich erst vor ein paar Wochen überzeugen können, gibt es noch und sie sehen auch ein wenig altmodisch aus, obwohl sich in ihnen vielleicht die mondänen Damen in den Betten räkeln und Peter Rosei, der selbst viel auf Reisen ist, erzählte in dem Interview auch, daß man am Abend in den Hotels, die Globalisten bei einem Gläschen in der Bar sehen kann und wahrscheinlich trifft man dort auch die Damen aus Kosice, Polen oder Weißrußland, die sich der Einsamen bereitwillig erbarmen und mit ihnen in Bett steigen.
Man könnte sich auch ein wenig über das konventionelle Frauenbild Roseis, wo die Frauen schön geschminkt und mit Juwelen, die von ihren jeweiligen Liebhabern stammen, herumlaufen, mokieren, aber vielleicht ist das in den gehobenen Globalistenkrieisen noch immer so, zumindest ist es das Bild, das man in den Fernsehfilmen sieht.
Es ist vielleicht auch etwas schwierig, einen Roman über Korruption vergnüglich zu nennen, aber wir können die Welt wahrscheinlich genausowenig, wie Peter Rosei ändern, höchstens versuchen ein wenig weniger schwarz zu fahren, fairer einzukaufen, keine Steuern zu hinterziehen, etc und dann hat man vielleicht schon etwas getan.

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