Literaturgefluester

2014-09-22

Von Ludwig Harig zu Erwin Riess

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:59

Die Saison im literarischen Quartier der „Alten Schmiede“ hat wieder begonnen und so werde ich diese Woche einige Abende dort verbringen und losgegangen ist es für mich heute mit einer Doppelveranstaltung, nämlich zuerst mit einer „Stunde der literarischen Erleuchtung“.
Herbert J. Wimmer, ein Stammgast dieser Veranstaltungsreihe stellte eine Publikation des 1927 in Sulzbach an der Saar geborenen Autors, Ludwig Harig, nämlich „Sprechstunden für die deutsch französische Verständigung und die Mitglieder des gemeinsamen Marktes – ein Familienroman“, 1971 im Hanser Verlag erschienen vor und erklärte dazu, daß nur mehr wenige Leute den Autor kennen würden.
Stimmt, der Name erschien mir bekannt, mehr aber nicht, aber in einer Reihe mit Helmuth Heissenbüttel den ich auch schon einmal in einer „Stunde der literarischen Erleuchtung“ hörte und Paul Wühr, einem Jandl-Preisträger, wie ich glaube.
Hörspielautor und Erfinder von Hörspielen mit O-Ton, so gab es eines oder zwei mit dem Namen „Staatsbegräbnis“ und das bestand aus O-tönen vom Adenauer bzw. Ulbricht Begräbnissen.
Hanno Millesi hat auch einmal so was gemacht, gab es ja einmal vor einer „Langen Nacht des Hörspiels“ einen Protest mit einem Polizeieinsatz und er hat dann das Material genommen und in sein eigenes, wie ich glaube, viel weniger politisches Hörspiel eingebaut. Der ORF hats dann gesendet, bei dem Protest ging es um die Halbierung der Autorenhonorare.
Bei Ludwig Harig ging es um die deutsch französische Verständigung und Herbert J.Wimmer las zwei Kapitel daraus vor, wo sich eine französische Familie mit einem deutschen Fritz unterhielt und dabei wortjongliert, wortwiederholt oder auch nur einfach Binsenweisheiten, wie Fräulein Susanne spielt Klavier aneinandergereiht wurde.
Kurt Neumann forderte zum Vertiefen bzw. Kaufen des sprachphilosophischen Werkes auf, am Büchertisch gabs die Werkausgabe. Dann leider wieder eine Stunde Pause bis es mit dem sechsten „Groll“ von Erwin Riess weiterging. Die ließ sich zwar problemlos für einen Spaziergang durch die Innere Stadt nützen, aber mein Romanprojekt heißt ja nicht mehr so und spielt dort eigentlich auch nicht und der 1957 geborene Erwin Riess bildete auch ein Kontrastprogramm zu dem Experimentellisten Ludwig Harig, ist er ja ein sehr politischer und sehr realistischer Autor, der seine „Groll-Kolumnen“, glaube ich, in der Volksstimme hatte, am Volksstimmefest auftritt, Kurt Neumann sprach in der Einleitung aber auch von Montagetechniken und anderen Dingen, die im sechsten Groll „Herr Groll und das Ende der Wachau“, anders als bei den Vorgängern wäre.
Herr Groll ist ja, wie Erwin Riess ein Rollstuhlfahrer und ein Proletarier und wird von dem Hietzinger Soziologen und Dozenten auf seinen Fahrten, wo er die Gesellschaft analysiert, begleitet und ich habe noch keines der Bücher gelesen, wohl aber Erwin Riess einmal auf einem Donauschiff aus seinem Vorgänger lesen gehört.
Diesmal gehts in die Wachau, hat Groll ja zwei Aufträge bekommen, einmal soll er für einen Amerikaner einen Roman über die österreichischen Zustände schreiben, dann wieder für eine Heurigengesellschaft forschen, das Ganze spielt in einem Hitzesommer und ist viel autobiografischer als die Vorgänger, denn der Groll kommt offenbar zum Erwin Riess und der berichtet über seine Jugend und dem Aufwachsen in Krems, es kommen auch Portraits in dem Buch vor, das nicht, wie ich glaubte, ein Krimi, sondern eher ein Schelmenroman ist.
So begegnen die beiden immer wieder russische Oligarchen in einer Luxuslimusine, in der Frau erkennt Groll seine Jugendliebe Helga, die mit Fünfzehn mit einem entführten Kind verschwunden ist, die KZ-Lager um Krems spielen ein Rolle und noch eine Reihe anderer Skandale.
Kurt Neumann nannte es ein Textkonvolut, Erwin Riess meinte, in der Einleitung viel über sein Werk gelernt zu haben und eine Frau im Publikum lobte den persönlichen Bezug.
Interessant vielleicht einmal einen „Groll“ zu lesen, in die Kolumnen habe ich mich ja eingelesen und Erwin Riess, wie gesagt auf den Volksstimmefesten und bei anderen Veranstaltungen bis hin zu den legendären Volkstheater-Widerstandslesungen im Jahr 2000 gehört und mich wird auch bald in der „Alten Schmiede“ zu hören geben, denn als ich am Nachmittag eine meiner Stunden machte, rief mich Renata Zuniga an und lud mich mit meinen „Dreizehn Kapitel“ zu einer Lesung in den „Textvorstellungen am 2. Dezember ein und am 1. Dezember wirds im Museumsquartier um achtzehn Uhr, die „Ohrenschmaus-Preisverleihung“ geben, dazu sind heute 178 sicher sehr schöne Texte zu mir gekommen, die ich mir bis zur Jurysitzung am 14. Oktober anschauen kann.

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