Literaturgefluester

2014-10-06

Dicht-Fest und deutscher Buchpreis

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:45

Um sechs wurde im „Römer“ in Frankfurt der Gewinner des heurigen dBp vergeben und für die, die keine Einladungskarte dazu haben, beziehungsweise sich im fernen Wien oder anderswo befinden, kann man die Veranstaltung per Livetream verfolgen. Ein Angebot, das ich noch nie zur Gänze genossen habe, denn um sechs bin ich ja meistens auf dem Weg zu einer Veranstaltung und soll ich deswegen zu Hause bleiben?
Ich soll nicht, habe ich heuer, wie auch die letzten Jahre beschloßen, einmal habe ich ja selber im Mariahilfer Amtshaus gelesen und im vorigen Jahr den live stream so lange gehört, bis es so weit war, daß ich aufbrechen mußte, um pünktlich in den Republikanischen Club zu der Judith Gruber-Lesung zu kommen und heuer war es ebenso, denn heuer war wiedermal ein „Dicht-Fest“ angesagt und da gab es ja schon im Vorfeld eine Diskussion, die sich an der Frage entzündete, warum Karen Köhler mit ihrem neuen Buch nicht auf der Long List stehen konnte? Konnte sie nicht, weil es ist ein Erzählband und Gedichte gewinnen auch nicht den deutschen Buchpreis, obwohl einmal die Friederike Mayröcker nominiert war und weil ich mich auch für Gedichte interessiere, habe ich um sechs den Livestream eingeschaltet und zwanzig Minuten später wieder abgedreht und der Livestream, dem ein paar hundert Leute folgten, war sehr schlecht und ist mehrfach abgestürzt, ein paar Herren haben aber geredet und die Diskussion, die es um diesen Preis, den ich ja schon, seit ich vom Elsaß auf der Rückfahrt war, in der Ansbacher Buchhandlung intensiv verfolgte, gegeben hat, sehr gelobt.
Es ist gut über Bücher zu reden und die zu bedauern, die nicht auf dieser Liste stehen und, die man auch lesen soll, hat der erste Herr gesagt und das hat mir sehr gefallen, habe ich mich ja öfter in die Diskussion, die es auf den Blogs gab eingemischt, wenn jemand sagte, daß dieses oder jedes Buch nicht preiswürdig ist. Denn, was ist schon preiswürdig und was nicht? Trotzdem wurden aber von der Shortlist, die mir im ersten Moment nach ihrer Verkündigung, „Kastelau“ das Buch das ich gewonnen habe, war ja nicht dabei und auch nicht die Marlene Streeruwitz, der Antonio Fian und der Michael Köhlmeier, nichts sagte, in den letzten Tagen immer zwei Namen genannt, Lutz Seiler mit seinem DDR-Roman „Kruso“, den ich vom Bachmannlesen, wo er einmal gewonnen hatte, kenne und Thomas Hettches „Die Pfaueninsel“, das wurde in „Druckfrisch“ oder war es im „Blauen Sofa“ vorgestellt.
Nun gut, nun ja, „Kruso“ würde ich ganz gerne lesen, wenn es einmal zu mir findet, dann kam, glaube ich, der Vorsteher des deutschen Börsevereins zu Wort und eine Frau, wahrscheinlich eine Jurorin, wurde interviewt, die sich über die Diskussion empörte, weil man den Autoren damit Unrecht täte, also „Raunzts nicht, lests!“, das habe ich auch schon mal gehört. Ich bin aber dann zur Lyrik und in die „Alte Schmiede“ aufgebrochen und da stellte Christine Huber wieder sechs österreichische lyrische Stimmen vor, von denen ich fünf schon gekannt habe.
Die des „Standard“ Redakteurs Ronald Pohl, der im selben Jahr, wie ich in die GAV aufgenommen habe, sehr wohl und sein bei „Ritter“ erschiener Gedichtband „Die Akte des Vogelgesang“ hat, wie er sagte, auf der ersten Seite einen Druckfehler, der ihn sehr empörte, er las daraus aber trotzdem zwei Langgedichte, wo ich bei dem ersten wegen der Wortgewalt und der Sprachräusche ein wenig Schwierigkeiten hatte, weil für meinen soziologisch psychologisch realistischen Geschmack viel zu viel abgehoben. Denn was nützen mir die schönen Worte, wenn ich den Inhalt nicht mehr versteh, hab ich mich gefragt, dann wurde es zwar nicht weniger abgehoben, aber realistischer, als die „Kindheit der Siebzigerjahre“ in Pötzleinsdorf mit der Trambahn und dem „Jonasreindl“ beschrieben wurde.
Regina Hilber kannte ich auch schon von diversen Lesungen und sie hat bei Christine Huber ihre „Brandtenburger Zyklus“ eingereicht, weil wahrscheinlich ein Stipendium in Wilpersdorf und Herbert J. Wimmer, ein sehr eifriger, sowohl rühriger, als auch experimentell Schreibender, stellte sein „Wiener Zimmer“ hundert Gedichte in verschiedenen Sprachformen, wie Haikus bis zum Pamphlet vor und das war sehr interessant, wie kurz und abwechslungsreich, der Weg durch die Wiener Sprachwohnungen, von Elfriede Gerstl bis zu Ludwig Wittgenstein, könnte man so sagen und nach der Pause, kamen Friedrich Hahn, der seinen im „Verlagshaus Hernals“ erschienenen Band „untern strich“ mit Collagen aufpättelte und Reinhard P. Handl mit einem sehr aufwühlenden aufrüttelnden Text, den ich eher für ein Epos als ein Gedicht halten würde, ein Du-Gespräch oder ein innerer Monolog, ein wahrscheinlich noch nicht veröffentlichter Text, aber eine starke Stimme und Thomas Havlik, der Poetry Slamer bzw. Performancer schloß den Dichtkreis mit „Die Glühbirne im Verbandskasten“, ein Text den ich schon gehört habe ab, ich hätte auf die „Lockstoffe“ getippt, aber Thomas Havlik gab mir den Hinweis, daß es wahrscheinlich in der Lyrik-Bim gewesen ist und dann ab nach Hause um zu erfahren, wer den dBp gewonnen hat.
Richtig, ein Glas Wein habe ich vorher noch getrunken und mich mit Cornelia Stahl unterhalten, die ich dem letzten Literaturslam der anderen Buchmesse kennengelernt habe und Einladungen zu meinem literarischen Geburtstagsfest am 7. November habe ich auch eifrig verteilt und dann das drei Minütige Video eigeschaltet, der Livestram ist ja verschwunden und man kann das Versäumte leider nicht mehr zur Gänze nachholen, um den Vorstand des deutschen Börsevereins, den Namen Lutz Seiler sagen zu hören und zu sehen, wie der eine Frau, wahrscheinlich seine oder die Lektorin umarmt und dann und das hat mir sehr gefallen, in der Preisrede einen Bahnhof mit sechs oder vielleicht sogar zwanzig Gleisen zu fordern, denn die deutsche Literatur ist sehr vielseitig und hat mehr als einen Zug und einen Weg und statt zu schimpfen, daß jetzt der oder die nicht gewonnen hat, soll man vielleicht auch die anderen Bücher lesen, Thomas Melles „Dreitausend Euro“, das von den prekären Beschäftigungsverhältnissen zu handeln scheint, interessiert mich ja auch, ich lese derzeit aber einen Personal Essay von Siri Husquedt, werde mich ab Mittwoch virtuell auf die Messe nach Frankfurt und auf das blaue Sofa begeben und bin schon sehr gespannt, was ich da hören und erleben werde.

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