Literaturgefluester

2014-10-18

Bei der GAV

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:40

Dieses Wochenende gab es wieder die traditionellen GAV-Veranstaltungen, des größten österreichischen Autorenvereins, der sich 1973 als Gegenbewegung zum konservativen PEN in Graz gegründet hat und bei dem ich seit 1987 Mitglied bin, das heißt die Generalversammlung ist seit einigen Jahren nur noch am Samstag, am Freitag findet aber seit 2009, um vierzehn Uhr der kulturpolitische Arbeitskreis statt, den Ruth Aspöck organisiert und wo wir im kleinen Kreis in der „Alten Schmiede“ zu aktuellen gesellschaftspolitisch literarischen Themen diskutieren und das Ergebnis dann am Samstag der GV berichten.
Diesmal ging es um „Muttersprache-Vatersprache“, sowie die „Euphorismen der Gier“ worunter „Die Sprache der Werbung, der Banken und die der Dichter und Dichterinnen“ zu verstehen ist und Ruth hatte eine ehemalige Simultandolmetscherin, der EU-Kommission in Brüssel eingeladen, die zehn Sprachen spricht und uns einiges über Zweisprachigkeit und das Leben in verschiedenen Sprachwelten erzählte.
Ein interessantes Thema, wobei mich weniger das EU-Dolmetschen interessierte, sondern, wie sich zum Beispiel die Sprache der hier lebenden Türken und Serben etc in den Dialekt vermischt.
Ich habe da ja einmal einen Dialekt Workshop bei der El Awadalla besucht, wo Illir Ferra einiges von seiner verlorenen Muttersprache erzählte und wie es uns mit dem halben Pidgin Englisch das wir ja zwangsläufig sprechen oder hören, wenn wir den Computer öffnen geht, ist ja auch sehr spannend.
Interessant ist es auch mit den Schreiben in der Nicht Deutschen Muttersprache, beim Bachmannpreis haben da in den letzten Jahren einige Autorinnen gewonnen, die Russisch oder Slowenisch als erstes hörte und bei Sprache der Werbung fällt mir die Humanic-Werbung ein, die es vor einigen Jahrzehnten gegeben hat und die die österreichischen Experimentellen dazu geworben hat.
Wolf Haas ist auch Werbetexter gewesen, bevor er seine berühmten Krimis schrieb und dann geriet ich noch in Disput mit Marlen Schachinger, als die Ruth von den Morden in den Krimis sprach, die sie stören und ich das mit der Spannung erwähnte, die man ja in Schreibseminaren lernt, bzw. dort hört, daß man beim Schreiben immer an das Schlimmste denken soll, was einem je passierte, wo ich ja als Psychologin meine Einwände hätte, denn dann interessierts die Leser.
Über gute oder schlechte Literatur haben wir auch ein bißchen diskutiert, ich habe da ja mein Problem, daß alles immer so gut sein muß, denn wie definiert man solches und wer bestimmt was das ist?
Damit wurde es fünf und damit ging es in die große Pause bis um sieben in der „Alten Schmiede“ die Lesung der im letzten Jahr aufgenommenen Mitglieder stattfand und diese Veranstaltung, die es auch seit einigen Jahren gibt, finde ich sehr interessant, weil man sich da informieren kann, wer aller in die GAV möchte und was die neuen GAV-Mitglieder schreiben, was allerdings ein bißchen theoretisch ist, weil das Publikum zu achtzig oder neunzig Prozent aus GAVlern bestand und siebzehn Autorinnen und Autorinnen wurden im letzten Jahr aufgenommen.
Vierzehn haben davon gelesen, Cordula Simon, die, glaube ich, in der Ukraine lebt und die im Vorjahr sowohl in Klagenfurt gelesen hat, als auch bei den „Alpha-Finalisten“ war, hat sich entschuldigt, Daniel Zipf, der gerade in Amerika ist, ließ seine Kurzgeschichte von einer Kollegin lesen und Hubert Sielecki, von dem ich, glaube ich, schon mal bei einem „Tag der Freiheit des Wortes“ einen Film sah, hatte wieder einen mit einem Text von Gerhard Rühm, „Der längste Kuß“ wo er diesen in verschiedenen Arztkostüme verkleidet, genußvoll rezitierte.
Auch sonst war es spannend, gab es doch eingeleitet von Gerhard Jaschke Lyrik und Prosa von mehr oder weniger bekannten jüngeren und älteren Autoren, von denen ich ein paar vom Namen her kannte, mit einigen schon gelesen habe, bzw. auch im Vorjahr bei der Aufnahme ein Veto einlegen durfte, etc.
Andrea Drumbl, Max Höfler, Hans Jörg Liebscher, Nicole Mahal, Dominika Meindl, Heinz Pusits, der einmal in Ruth und Roberts Schreibgruppe war und einmal in der „Alten Schmiede“ lesen hätte sollen, aber seinen Termin versäumte, Eva Scheufler, Hannah Sideris, die ich vom Amerlinghaus bzw. der „Poet Night“ kenne, Beatrice Simonsen, Marion Steinfellner, Birgit Unterholzner, Gabriele Vasak, Monika Vasik und Ursula Wiegele.
Am Samstag ging es dann weiter mit den Todesmeldungen. Helga Pankratz und Lutz Holzinger sind im letzten Jahr gestorben und dann wurde wild über das neue Literaturmuseum, das im nächsten Jahr eröffnet werden soll, diskutiert.
Das Konzept stammt noch von Wendelin Schmidt Dengler, Grillparzers ehemalige Arbeitsstädte steht dafür zur Verfügung und die IG-Autoren waren besorgt, daß es vielleicht auf Kosten der Autorenförderung gehen könnte.
Jetzt ist Bernhard Fetz und Johanna Rachinger auf die GAV zugekommen, daß sie ein paar Veranstaltungen dort machen kann, was heftige Bedrohungsphamtasien, bis dazu, daß Google, das Ganze finanzieren könnte auslöste.
Es werden für die Veranstaltungen aber immer Orte gesucht und vielleicht wäre das Literaturmuseum ein solcher, wo auch eine der Großveranstaltungen stattfinden könnte.
Die Veranstaltungsvorschläge für 2015 wurden diskutiert, Ruth bzw. Robert haben da ja „Westbahn-spontan“, die Ergebnisse unserer Schreibegruppe eingereicht.
Berichte der Regionalvertreter gab es und am Nachmittag wurden die Neuaufnahmen diskutiert.
Da war ich ja zweimal, von 20003-2005, vielleicht in der Aufnahmejury, nachher klappte es nie mehr, obwohl ich mich immer wieder meldete, weil ich mich für neue Texte ja sehr interessiere.
Seit einigen Jahren habe ich mir aber angewöhnt, für mir bekannten Autoren, die von der Jury abelehnt wurden, ein Veto einzulegen.
Nun ist meine gruppendynamische Stellung nicht gerade groß, eher das Gegenteil, aber manchmal schließen sich Kollegen an und meistens wird an den Samstagnachmittagen sehr wild diskutiert.
So auch heute und nach einigen Stunden waren Corinna Antelmann, Gertrude Maria Grossegger, Sigrun Höllrigl, Susann Immelkeppel, Marianne Jungmaier, Augusta Laar, Stephan Roiss, Britta Steinwendter, Magda Woytzuck und Anton Blitzstein aufgenommen, der jetzt auch wieder beim „Ohrenschmaus“ einreichen darf und als anerkannter Art-Brut-Künstler sicherlich eine Bereicherung für die GAV sein wird.
Eine Diskussion über die Doppelmitgliedschaft GAV-Pen, was, wie 1973 beschloßen wurde, eigentlich nicht sein darf, es aber trotzdem immer wieder gibt, gab es auch und dann das traditonelle Abendessen im Gasthaus Pfudl, wo ich mich wieder einmal wunderte, wieviele Leute das „Literaturgeflüster“ kennen und mich darauf ansprechen.

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2 Kommentare »

  1. danke für den bericht!

    Kommentar von rudolf lasselsberger — 2014-10-24 @ 10:39 | Antworten


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