Literaturgefluester

2014-10-25

Es ist kompliziert

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:55

„Das Leben der Teenager in sozialen Netzwerken“, wie der Titel der bei „Redline“ erschienenen Buchs von Danah Boyd, die als Forscherin für „Microsoft Research“ arbeitet und amerikanische Jugendliche zu ihrem Internetverhalten befragte, lautet.
„Ein interessantes Buch!“, habe ich gedacht, denn als über Sechzigjährige „Digital Naive“, die um sich herum ständig über den Gefahren der Internetüberwachung hört und mit den Warnungen umgehen muß, ob und wie weit man mit seine Daten in das Netz gehen soll?, ist es sicherlich interessant, statistisches Wissen zu erhalten und wurde insofern enttäuscht, weil es in dem Buch um den amerikanischen Way of live von Jugendlichen geht und das ist sehr interessant, weil der offenbar sehr anders als, der unsere ist und ich einiges erfahren habe, was ich noch nicht wußte.
Das Buch ist mit einem ausführlichen Anhang in acht Kapitel gegliedert, wie „Warum wirken Jugendliche online so merkwürdig“, „Warum teilen Jugendliche alles der Öffentlichkeit mit“, „Internetsucht“, „Gefahrenquellen“, „Cybermobbing“ „Ungleichheit“ und „Internetkompetenz“ und Danah Boyd, eine junge hübsche Frau, wie man auf ihrem Foto am Klappentext sieht, springt auch gleich hinein in das Medias Res oder in das amerikanische Leben und erklärt scheinbar nebenbei, wenn sie die Ansichten ihrer Interviewpartner zitiert, einiges von den Unterschieden des amerikanischen Lebens, bei dem für mich sehr überraschend war, daß es ein Klima der Angst sein dürfte.
Eltern, Staat und Gesetze wollen die Jugendlichen vor möglichen Gefahren, wie Entführung und Vergewaltigung beschützen und so haben sie sie vom Öffentlichen Leben weitegehend verdrängt, etwas, das ich so nicht wußte, weil es bei uns (noch) weitgehend anders ist.
Es gibt Ausgangsbeschränkungen und Sperrzonen, Jugendlichen dürfen sich auch nicht in Einkaufszentren aufhalten, weil das private Zonen sind und nicht in Parks, weil so gefährlich und weil die Schulen von den Wohnorten sehr weit auseinanderliegen, kennen sie auch keinen in ihren Vierteln. Mit dem Rad kann man nicht fahren und nicht zu Fuß zur Schule gehen, weil man zwei Stunden dazu braucht und so brauste Danah Boydt an einem Samstagnachmittag in einem weißen bürgerlichen Vorort auf der Suche nach zu befragenden Jugendlichen durch die Gegend und fand kaum Menschen auf der Straße und erst nach zwei Stunden einen Mann, der mit seinen Kindern im Garten spielten und einen anderen, der seinen Hund äußerlte.
Das führt zwangläufig dazu, meint Diana Boyd, das Jugendliche gezwungen sind, in ihren Zimmer über „Facebook“, „My Space“ oder „Twitter“ mit ihren Freunden zu kommunizieren.
Sie tun das nicht, weil sie, wie ihre Eltern glauben, internetsüchtig sind, sondern würden ihre Freunde lieber direkt treffen und das Internet kommunizieren ist, wie die ersten Kapitel beschreiben auch nicht so einfach, wenn man in die Öffentlichkeit geht, um seine Freunde zu treffen.
Denn die Eltern, die vor den Internetgefahren gewarnt wurden und ihre Kinder schützen wollen, tun das auch und lesen dann in den Accounts ihrer Kinder mit und kommentieren und die wollen das natürlich nicht und benützen so Codeworte und interne Phrasen, die nur sie und ihre Freunde verstehen.
Dann kommt das Beispiel von einem schwarzen Jugendlichen, der auf ein Elitecollege wollte und in seiner Bewerbung schrieb, er hätte seine sozialen Schranken überwunden, die Schule forschte nach und fand heraus, er benützt genau die Codes seiner Gang. Aber das muß er auch, weil ihn die sonst nicht akzeptieren.
Es ist also nicht ganz so einfach. Dann kommt das berühmte Beispiel, das ich schon vor Jahren hörte, einer stellt ein Foto in das Netz das seinen Freund oder seine Freundin mit einer Flasche Bier in der Hand zeigt, aber Alkohol ist in Amerika den Jugendlichen verboten. Sie machen sich also strafbar, bekommen keine Stelle, keinen Collageplatz, etc, und wissen vielleicht gar nicht warum, denn sie haben es ja nicht selbst gepostet.
Das führt dann zu dem sogenannten Cybermobbing, wovon ich schon in meiner Praxis hörte, bzw. vor kurzem ein Hörbild im Radio, das vom Selbstmord eines Schülers berichtete, nachdem seine Freunde ihn mit einer Schwulenseite in Verbindung brachten.
Danah Boyd spricht von „Drama“, wie das die Jugendlichen nennen, die dann ein Bild von ihrem Freund mit erigierten Penis, der die Schulbücher auf den Boden fegt ins Netz stellen und erklärt, wie Freunde zu Feinden werden.
Die Jugendlichen mobben sich auch manchmal selbst, um Aufmerksamkeit zu erregen, bzw. sagen nichts dagegen, weil sie glauben, sie müßten das aushalten und Danah Boyd berichtet auch vom Hilferuf eines Mädchen, der nicht gehört wurde, so daß sie sich umbrachte und pläydiert dafür, statt vor lauter Angst vor den Gefahren des Netzes, angeblich würde man da sehr leicht Opfer von Sexualstraftätern werden, seinen Kindern zu verbieten, hineinzugehen, solche Botschaften ernster zu nehmen und mehr miteinander zu reden. Die Klassenkameraden des erwähnten Mädchen sind beispielsweise zu den Lehrer gegangen, weil die sozialen Netzwerke in der Schule aber verboten waren, haben sie nicht geholfen.
Interessant ist auch das Kapitel „Rassentrennung“, die ja in Amerika sehr verbreitet ist. Zwar sagen alle sie hätten keine Vorurteile und sind nicht rassistisch, dann spielen in einer Schule aber nur die schwarzen Kinder Baseball, die weißen und die Latinos etwas anderes und Danah Boyd interwiewte einen weißen Jugendlichen der erklärte, er würde ja gern Baseball spielen, aber das ist ein „schwarzer Sport“ und genauso ist das mit den sozialen Netzwerken. Bei „My Space“ sind die schwarzen Jugendlichen, bei „Facebook“ die weißen, etc.
Danah Boyd widmet sich dann der Fragestellung, wie kompetent die Jugendliche, die „Digital Natives“ wirklich mit der Technik sind und kommt zu dem Schluß, auch das ist ein Voruteil und zitiert etwas, was, glaube ich, auch nicht eins zu eins übertragbar ist, nämlich, daß in Amerika „Wikipedia“ als unzuverläßiger als „Google“ gilt und die Lehrer den Schülern verbieten, solche Quellen zu benützen, die es dann trotzdem tun, aber falsch zitieren, weil die Lehrer das ohnehin nicht nachprüfen, bzw. keine Ahnung haben, wieso man eigentlich zitieren soll?
Ein interessantes Buch, wenn es mir auch andere Informationen brachte, als erwartet, hat mich die Beschränkung der Jugendlichen auf ihre Zimmer und ihr aufgezwungenes „merkwürdiges Verhalten“ nachdenklich gemacht und natürlich beschäftigt auch mich die Frage, wie man mit den sozialen Netzen umgehen und, wie man sich in ihren verhalten soll?
Ich bin ja eine „Digital Naive“, die nicht „twittert“, keinen „Facebook-Account“ hat, aber sehr viel, wenn vielleicht aus anderen Gründen, als die amerikanischen Jugendlichen per Blog in die Öffentlichkeit geht und da sehr offen ist.
Ich habe, wenn auch in sehr beschränkten Maß, auch schon Erfahrung mit dem „Cybermobbing“ gemacht, beziehungseweise ein paar Mal gehört, das wäre jetzt das „allerschlechteste“, was ich da geschrieben habe, oder einer meiner Veranstaltungsberichte berichte wäre „trottelig“, weil das Netz offenbar dazu auffordert.
Ich habe mit meiner „Psychologenidentität“ reagiert und jeden Kommentar, der nicht in der Spamkiste war, höflich beantwortet und die Trolle sind verschwunden oder haben sich entschuldigt, was mich auch darin verstärkte, daß man über alles reden kann oder soll!
Wie das nun mit dem Internetverhalten der österreichischen Jugendlichen ist, weiß ich immer noch nicht so genau, in Ö1 gab es aber vor kurzem einen Bericht, über die, die alles an sich vermessen und ihre Laufkurven, etc, ins Netz stellen, das tue ich nicht, aber über mein literarisches Leben, können die, die es interessiert, viel finden und das halte ich eigentlich für eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren, die ich auch intensiv nütze.

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