Literaturgefluester

2014-10-29

Ullstein Roman

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

Romane über Verlage, beziehungsweise über den Literaturbetrieb interessieren mich ja immer sehr und, daß da am Dienstag im Literaturhaus ein ganz besonderes Programm angeboten wird, bin ich erst später daraufgekommen.
Zuerst habe ich mir nur die Veranstaltung angestrichen und in meinem Kalender eingetragen.
Aha, eine Buchpräsentation, warum nicht, Bücher sind ja interessant, dann habe ich im „Wochenend-Standard“ von einem bei „Jung und Jung“ erschienenen Atlas gelesen, wo berühmte österreichische Autoren einen Text zu ihrem Lieblingsort geschrieben haben, der ebenfalls am Dienstag in der Hauptbücherei präsentiert wurde. Vielleicht sollte ich dorthin gehen, habe ich gedacht, das Literaturhausprogramm in die Hand gekommen und erst jetzt registriert, daß da erstens ein Roman über das „Ullstein-Verlagsimperium“ präsentiert wird und, daß zweites der Autor, der Wiener Journalist und Schriftsteller Stefan Großmann, schon 1035 gestorben ist und der Roman erst jetzt im „Verlag für Berlin Brandenburg“ erschienen ist.
Also eigentlich eine Sensation und eine Veranstaltung der „Exil-Bibliothek“.
Das Sten Nadolny vor ungefähr zehn Jahren einen „Ullstein-Roman“ herausgegeben hat, war mir bekannt, habe ich ihn daraus doch in Leipzig einmal lesen gehört.
Also erst einmal über den 1985 geborenen Autor nachgegooglet und dann, nach dem ich am Nachmittag mein „Schutzengelchen“ beendet und alles schon für den „Nanowrimo“ vorbereitet habe, hingegangen.
Ursula Seeber leitete ein und stellte vor und vier ältere Herren am Podium bzw. in der für sie reservierten ersten Reihe. Der Herausgeber Erhard Schütz hat an der Humboldt Universität gelehrt und erzählte zuerst kurz etwas über Stefan Großmann, der aus einer verarmten jüdischen Familie stammte, ein radikaler Sozialist wurde, nach Berlin ging, wo dann allmählich die Nazis kamen, ein paar Bücher schrieb und eine Zeitschrift, das „Das Tage Buch“ gründete. 1933 mußte er sehr krank nach Wien flüchten, wo er den Ullstein-Roman „Wir können warten“ schrieb, aber nicht wirklich vollendete und auch nicht veröffnetlichen konnte.
Das hat jetzt Erhard Schütz für ihn getan und Alexander Strobele hat daraus gelesen.
Es beginnt 1928 und zeigt, was bis zur Machtübernahme mit dem Verlagsimperium geschah, das von fünf Brüdern gleitet wurde, die untereinander zerstritten waren und gegen den ältesten Bruder, der eine junge Frau, ein Fräulein Doktor, heiraten wollte, intrigierten.
Es ist ein Schlüßelroman, das heißt es gibt sechs Brüder, ansonsten blieb aber alles ziemlich gleich und war auch sehr spannend, wie ein Pastor im Verlag anheuern wollte, auf die Strümpfe der jungen Frau starrte und der sechzigjährige Fritz schon fast als senil erklärte wurde.
Es gibt noch eine zweite Liebesgeschichte, zwischen einem guten Deutschen und einer jüdischen Sekretärin, die sich aufeinander zu warten versprechen, bis der Spuk, der dann ja sehr lange gedauert hat, vorbei war. Daran knüpfte sich eine Diskussion mit dem Herausgeber, Murray Hall und Hermann Schlösser, die ein bißchen was zum Verlagsimperium erklärten.
Der Verlag hat auch Schnittmuster und Zeitungen herausgegeben, bei den Büchern Vicky Baum gefördert und herausgebracht.
Ihr erster Roman war die „Stud. chem. Helene Wilführ“, der zweite dann schon „Menschen im Hotel“, das mit der Garbo verfilmt wurde.
Ursula Seeber erwähnte dann, daß in der letzten Zeit vieles wieder aufgelegt wurde, so zum Beispiel Gina Kaus, die nächste Woche im Literaturhaus vorgestellt wird oder Lili Grün, die bei der „Hot List der Independent Verlage“ gewonnen hat.
Nachher gab es wieder Wein und ich bin mit Ilier Ferrir ins Gespräch gekommen, der bei der Edition Atelier verlegt, die, wie er mir erklärte auch eine Biografie von Stefan Grossmann herausgebracht hat.

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