Literaturgefluester

2014-11-04

In Memorian und vierter Nanowrimotag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:27

Vor kurzem feierten wir Allerheiligen und Allerseelen und gedachten unserer Toten.
Die Grazer Autorenversammlung tut das im Literaturhaus schon seit zehn Jahren. 2004 ist Elfriede Gerstl mit Andreas Okopenko auf die Idee gekommen, daß AutorInnen die Texte ihrer verstorbenen Kollegen lesen sollen.
Nach zwei Jahren hat dann Karin Invacsics diese Aufgabe von Elfriede Gerstl übernommen, seit 2010 organisiert sie alleine und ich war ein paar Mal bei dieser Lesung.
Seit ich blogge, glaube ich, nicht mehr, offenbar gab es Parallellveranstaltungen oder aber hielt mich der „Nanowrimo“ fern, aber heuer bin ich, trotz des eifrigen Schreibens wieder hingegangen und es war eine interessante Veranstaltung.
Prominente lesen Prominente könnte man so sagen, ein paar weniger Prominente waren auch dabei und einige meiner Lieblingsdichter und so war es gut, sich an die Toten zu erinnern, weil man, wie Robert Huez in seiner Einladung sagte, am besten gegen das Vergessen ihre Texte lesen soll.
Helga Pankratz, die lesbische frauenbewegte Autorin, die glaube ich, auch einmal im Wiener Frauenverlag, der jetzt „Milena“ heißt und leider nicht nur mehr Frauen verlegt, gearbeitet hat, bei den Dialektautorinnen war und die heuer gestorben ist, wurde von El Awadalla gelesen. Der erste Text war ein Stanzerl über die gute Seele, die bei den Dialektautorinnen, den „Morgenstern“ verlegt.
Dann kam eine alte Bekannte, von der ich gar nicht mehr so genau weiß, wann und wo ich sie kennengelernt habe. Irene Halpern, 1994 gstorben, die weißhaarige alte Dame, die immer in der ersten Reihe in der „Alten Schmiede“ saß und die, glaube ich, als meine „Hierarchien“ erschienen sind, in die „GAV“ gegangen ist, um sich das Buch auszuborgen.
Sie war Sekretärin im soziologischen Institut beim Professor Rosenmayr, alleinerziehende Mutter und Psychiatriepatientin, hat viel und oft im „Kuckucksnest“ publiziert und irgendwann ist sie, glaube ich, in die GAV eingetreten.
Der ebenfalls schon verstorbene Werner Herbst hat ihre Träume publiziert und Herbert W. Wimmer hat aus diesen Buch gelesen. Einen längeren Text, wo sie auf der Leiter im Institut steht, ein Karl kommt, tut seinen Kopf unter ihren Rock und der Herr Professor erscheint, um sich darüber zu empört, „aber wenn man oben seine Arbeit tut, kann man sich ja unten umarmen lassen!“.
Dann kamen Sprachgedichte, das sind sehr kurze Sätze, die fast an die Karten erinnerten, die von Elfriede Gerstl und Herbert J. Wimmer herausgegeben wurden.
Gerald Bisinger 1936-1999 einmal mit Elfriede Gerstl verheiratet, ist mein Lieblingsautor „Sitze im Weinhaus Sittl, trinke ein Glas Rotwein und denke an Karl August“, ein Gedicht in hunderten Variationen, das beieindruckenste ist wohl das, wo er zu Allerseelen in der Nähe des Ottakringer Friedhofes sitzt und überlegt, ob er im nächsten Jahr zu dem grab kommen oder schon unter der Erde liegen wird.
Gestorben ist er 1999, ein paar Tage bevor er den „Würdigungspreis für Literatur“ bekommen hätte. Ich war bei der Veranstaltung und sie war irgendwie makaber. Lauter Leute in schwarzen Kleidern, bei literarischen Veranstaltungenm ist das so üblich, daß aber der Dichter fehlte, fiel mir auf, dann trat Hofrat Unger ans Mikrophon und verkündetete, daß er schon gestorben ist und der Preis posthum an seine zweite Gattin Eva Maria Geißler vergeben würde.
Peter Rosei von dem ich ja schon einiges gelesen habe, las die Texte, teilte sie in eine frühere und eine spätere Generation, die letzten sind bei „Droschl“ erschienen und ich habe mir die Bände von den Büchertürmen der „Literatur im März-Veranstaltungen“ mitnehmen können.
Lutz Holzinger der Journalist und ehemalige Chefredakteur der Voksstimme ist auch heuer gestorben. Er war auch Mitbegründer der „Literaturproduzenten“, deshalb hat Gustav Ernst einen Text von ihm gelesen und bei Friedl Hofbauer war ich sogar auf dem Begräbnis, Georg Bydlinsky hat aus dem „Podium Bändchen“, das dort verteil wurde sieben Gedichte für Erwachsene und dann noch eines für Kinder „Autobahn“ gelesen.
Von Hannelore Valencak, bei der Karin Invacsics einen ähnlichen Lebenslauf, wie bei Friedl Hofbauer sah, was ich so nicht ganz nachvollziehen konnte, habe ich vor kurzem ein Jugendbuch im Schrank gefunden.
Karin Ivancscs erwähnte auch, daß sie später nur mehr für Jugendliche schrieb und damit berühmter als mit ihren Sachen geworden wäre. Ich habe auch einen Wanderführer von ihr im Schrank gefunden und „Das Fenster zum Sommer“ war glaube ich 1977, als ich in die Otto Bauergasse gezogen bin, in Ö1 zu hören und hat mich sehr beeindruckt.
Gert Jonke hat den ersten Bachmannpreis gewonnen, ist 2009 gestorben und war sicher ein sehr beeindruckender Dichter. Ferdinand Schmatz hat aus der „Sprachsonate“, die er für Ernst Jandl geschrieben hat, gelesen. Leider haben das die hinter mir sitzenden und vielleicht schon etwas angeheiterten Dichter, es wurde diesmal schon vorher Wein ausgeschenkt, sehr lustig gefunden, was mich bei der Konzentration etwas störte.
Ferdinand Schmatz hat dann noch Texte von dem ebenfalls in diesem Jahr verstorbenen Dominik Steiger gelesen, die mich auch sehr erstaunt und beeindruckt haben.
Zuletzt las dann noch Herbert J. Wimmer einige Gedichte aus dem zuletzt erschienenen Band der „Droschl-Werkausgabe“ von Elfriede Gerstl und ich habe mich beim Wein mit einem Lehrer und Schwab-Fan unterhalten, der mir nicht und nicht glauben wollte, daß die Grazer Autorenversammlung eigentlich nicht sehr viel mit Graz zu tun hat, außer, daß sie 1973, um sich vom PEN abzugrenzen in Graz gegründet wurde.
Und nun noch ein Nanworimobericht, wo ich inzwischen 15 614 Worte geschrieben habe und heute sehr fleißig war. Es gibt inzwischen zwölf Szenen und zweiunddreißig Rohseiten und nachdem ich am Samstag und am Sonntag ziemlich flott, die schon konzipierten Szenen geschrieben habe, war ich am Montag etwas ratlos, habe das Ganze korrigert und dann zwei Szenen dazugefügt. Heute ist das Schreiben flott gegangen und die Veronika hat inzwischen mit der Paula ihre Schwiegermutter im Pfegeheim besucht, in der sie ihr Ex Robert angeschoben hat, der taucht dort mit seiner neuen Frau auf. Geheimnisse werden verraten, Paula ist schwanger, Veronika war zweimal beim Hausarzt hat ihre Patientenverfügung ertellt, sich von Susi Reiter mittels Reiki behandeln lassen und hat mit Hubert Fabian Tee getrunken.
Wie es weiter geht, ist mir noch nicht ganz klar, aber voräufig liege ich weit voran und bin gut im Rennen.

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