Literaturgefluester

2014-11-06

Neuentdeckung Gina Kaus und sechster Nanowrimotag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:10

Ich bin ja eine, die sich sehr für die Literatur der Zwischenkriegszeit interessiert und auch eine, die die alten Bücher sammelt und so bin ich irgendwann auch auf den Namen Gina Kaus gestoßen, beziehungsweise gab es in der Berggasse in der ich leider schon lange nicht mehr war, eine Veranstaltung, wo ich das erste Mal auf die von 1893-1985 geborene, sehr erfolgreiche österreichische Schriftstellerin der Neunzehnhunderzwanziger bis neunzehnhundertdreißiger Jahre, die dann nach Amerika emigrierte, als Drehbuchautorin arbeitete und 1985 in Los Angeles gestorben ist, aufmerksam wurde.
Damals gab es auch das Gerücht ihre Autobiografie wäre in der Buchhandlung Kupptisch um einen Euro zu bekommen, ich bin hingelaufen, war aber nichts.
Den 1957 bei Bertelsmann erschienene Roman „Teufel in Seide“ habe ich inzwischen im Bücherschrank gefunden und Gina Kaus wird auch wieder aufgelegt.
Der „Metro-Verlag“ hat den am Ende des ersten Weltkrieg spielenden Roman „Die Front des Lebens“ in diesem Jahr wieder aufgelegt und die „Exil Bibliothek“ im Literaturhaus hat das Buch heute präsentiert und spannend eine ganz andere Athmosphäre als in der letzten Woche, wo die alten Männer dominierten, diesmal waren es die jungen Frauen, die sich miteinander unterhielten und einander germanistische Details erzählten.
Zuerst kam aber wieder Ursula Seeber an die Reihe, stellte die Autorin vor, die als Unterhaltungsschriftstellerin rezipiert bzw. inzwischen vergessen wurde.
Sandra Steindl vom Verlag begrüßte und Marlene Streeruwitz hat das Vorwort zum Roman geschrieben, der 1928 in der Arbeiterzeitung in Fortsetzungen erscheint und jetzt als erstes Mal als Buch aufgelegt wurde. Veronika Hofeneder, eine Literaturwissenschaftlerin der Universität Wien hat es Buch herausgegeben und scheint sich offenbar schon sehr lange für Gina Kaus zu interessieren.
Birgit Lehner las aus dem Buch, das kurz vor oder nach Ende des ersten Weltkrieges in einer Hietzinger Villa spielt, wo Frau Renate versucht ihren Lebensstandard aufrechtzuerhalten und ihr Leben trotz Zerfalls der Monarchie weiterzuführen, die Sozialisten sind aber an der Macht, deshalb haben die Reichen vor ihnen Angst und engagieren einen ehemaligen Türsteher eines Erzherzogs, der keine Pension bekommen hat, als Nachtwächter, Sohn Edgar kommt als Oberleuntnant heim und leidet sehr unter dem verlorenen Krieg, seine Schwester Maria wurde auch entwurzelt und hat ihr Kunststudium aufgegeben, bzw. malt sie nicht mehr und in der Diskussion zwischen der Herausgeberin und Christa Gürtler, die inzwischen Geschäftsführerin der Salzburger Leselampe ist, kam heraus, daß die Frauen in dem Buch, die starken Rollen spielen, während die Männer die Verlierer sind.
Die Entwurzelung und die Traumatisierung kam für mich sehr stark heraus und interessant auch und vielleicht ein bißchen verwunderlich, daß ein Roman, der so stark in der Bourgeoisie spielt, in der Arbeiterzeitung erschienen ist.
Die Diskussion war sehr interessant, war ja Adolf Opel da, der sowohl ein Buch über die Bachmann geschrieben hat, als auch Lina Loos Werke herausgibt und Hilde Schmölzer, die sich sehr gut auszukennen scheint und um die Frauen um Karl Kraus, mit dem Gina Kaus befreundet war, forscht und Karl Kraus steht in der Biographie hat der erste Satz „Stiasny gähnt“ sehr gut gefallen und die Biografie der wilden Frau ist auch sehr interessant, so hat jedenfall Eva Bakos, von der ich auch schon ein paar Bücher im Schrank gefunden und gelesen habe, Gina Kaus Halbschwester, Stephanie von Hohenlohe, die mit Adolf Hitler berfreundet war, genannt, bzw. in einem ihrer Bücher sie so beschrieben und es ist sicherlich sehr schade, daß die meisten Kaus Bücher inzwischen vergriffen sind, beziehungsweise wieder aufgelegt werden und ich wunderte mich ein wenig, daß man im Schrank so wenig Kaus-Bücher findet, wenn sie früher eine der meistgelesenen Autorin war.
Joe Lederer, Elisabeth Gürt, Annemarie Selinko, etc sind dort zu finden, von der Kaus fand ich bis jetzt nur das eine Buch, für die Autobiografie, die wieder erwähnt wurde, interessiere ich mich natürlich nach wie vor sehr und bezüglich meines eigenen literarischen Schaffens ist zu vermelden, daß ich wieder sehr erfolgreich war und einige Szenen weitergeschrieben habe. Inzwischen gibt es 24 900 Worte also fast Halbzeit, einundfünzig Seiten beziehungsweise einundzwanzig Szenen und ich schreibe eigentlich sehr locker und entspannt vor mich hin. Meistens setze ich mich ja immer unter Druck, daß der kleine Teufel in mir denkt „Schon wieder nicht gut genug!“
Das denke ich zwar diesmal auch, das ich manchmal Unsinn schreibe, habe aber Spaß daran und versuche, das dann auch zu überhöhen, ist es ja das, was mir angeblich fehlt und mit meinen in der vorigen Woche erarbeiteten Plot bin ich fast zu Ende, das heißt, ich weiß nicht wirklich wie es weitergeht. Die Veronika stirbt wahrscheinlich am Ende und der böse Robert hält vielleicht ihre Hand, wahrscheinlich hört sie zu Essen auf und stirbt mehr oder weniger friedlich vor sich hin. Davon bin ich aber noch sehr weit entfernt und wie ich die anderen fünfundzwanzigtausend Worte schaffe, ist mir vorläufig ein Rätsel.
Allerdings habe ich vor einer Woche auch nicht gewußt, daß ich heute fast die Hälfte habe. Ich werde jetzt auch bald unterbrechen, morgen ist mein Fest und da muß ich wahrscheinlich vorbereiten und herrichten, so daß ich wohl nicht zum Schreiben komme. Dann beginnt die „Literatur im Herbst“ und die „Buch Wien“ und in Ungarn kann ich zwar dann wieder schreiben und nur hoffen, daß es mit der Handlung weitergeht. In den letzten zwei jahren war ich ja immer schon viel früher fertig, im ersten Jahr habe ich nach der „Buch Wien“ wieder mit dem Schreiben angefangen. Jetzt denke ich, daß ich einfach Szene um Szene schreibe, bis ich die fünfzigtausend Worte habe, beziehungsweise der November zu Ende ist umd mich danach um den Rohschliff kümmerere.
Den Ernst Lothar sollte ich mir vielleicht nach Ungarn mitnehmen und noch einmal lesen, denn sonst könnte es passieren, daß ich von der Sterbehilfe sehr weit entfernt bin, denn die Veronika braucht eigentlich keine Hilfe, sie läßt sich nur nicht behandeln und das ist auch sehr interessant.
Inzwischen hat sie es ihrer Tochter gesagt, bzw. die es von ihrem Vater erfahren, trinkt mit Hubert Fabian Tee, besucht ihre demente Schwiegermutter, strickt für den möglicherweise mit Down Syndrom behafteten Moritz, rosa Jäckchen und für die Schwiegermutter einen rosa Elefanten, den diese Roberta nennen will. Sie wird wahrscheinlich die Geburt des kleinen Moritz noch gerade erleben und der ist möglicherweise auch gesund. So weit so what und ich finde es sehr spannend, daß mir das Schreiben so flott gelingt und nur sehr schade, daß ich damit so wenig Aufmerksamkeit finde. Das ist aber wahrscheinlich mein Schicksal und das Besondere an meinem Schreiben und vier Bücher sind heute auch zu mir gekommen, zwei vom „Keiper-Verlag“, die noch auf meine Leseliste müßen und dann die zwei Bücher von der Marlene Streeruwitz, die ich mir von Alfred zum Geburtstag wünschte, womit sich der Bogen zur Gina Kaus wieder schließt.

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