Literaturgefluester

2014-11-29

Die Surrealisten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:59

Jetzt kommt noch ein Steiermark-Roman aus der „Edition-Keiper“, nämlich Markus Mörths „Die Surrealisten“.

Das sind drei Freunde, Paul, Max und Otto, die sich geschworen haben, niemals ins bürgerliche Leben abzugleiten, sondern stets außergewöhnliche, unkonventionelle Sachen zu machen, wie „Spaghetti auf Weißschokoladeschaum mit kurz gerösteten Grammeln angerichtet auf knuspriger zitroengetränkter Forellenhaut“ zu essen oder andere Aktionen wie „Bei der Bundeshymne sitzen zu bleiben und demonstrativ die Füße auf den Tisch zu legen“, etc, etc..

Jetzt sind sie „Anfang vierzig  und stehen vor der Wende ihres Lebens“, wie am Buchrücken steht, beziehungsweise kommt Paul mit seiner kleinen Tochter Rosina, mit der er und der Tänzerin Julinka einige Jahre in Amerika herumreiste, nach Graz zurück, um vorübergehend bei Max, der inzwischen ein anerkannter Maler geworden ist, unterzuschlüpfen.

Otto, der aus einer bürgerlichen Familie kommt, hat seinen Vater, einen ehemaligen Fabrikanten nach einem Schlaganfall in einem Altersheim untergebracht und sich jetzt jetzt enschlossen, doch Angelika zu heiraten, die er vor Jahren sitzengelassen hat.

Nur leider sagt er ihr nichts davon, daß er schon die Hochzeitstafel für fünfzig Gäste in einem Schloß bestellt, denn sie hat sich inzwischen mit einem anderen, nämlich einen Schauspieler verlobt und plant ihn zu heiraten. Den ohrfeigt nun Max, sozusagen, als surreale Heldentat, bevor er Max und Rosina abholt.

Da Otto, um seine Schulden zurückzuzahlen, vorübergehend auch zu Max zieht, leben die drei mit dem Kind nun in seiner Wohnung. Da gibt es bald Spannungen, denn Paul scheint sich um Rosina nicht sehr zu kümmern, so daß Max sie in den Kindergarten bringt und ihr auch Spielsachen kauft.

Paul scheint es nach der Trennung von seiner Frau überhaupt nicht sehr gut zu gehen, denn er sieht überall ein Nashorn stehen, soll für Max eine Ausstellung managen, hat kein Geld, betrinkt sich mit Otto, die beiden nehmen Drogen etc.

Er freundet sich auch mit Clarissa, das ist Max geschiedene Frau, von der dieser ein Kind hat, das er lange schon nicht gesehen hat, an, bevor sich die Ereeignisse überschlagen.

Als Paul mit Rosina vom Kindergarten zurückkommt, ist zuerst das Nashorn da, er geht aber durch es durch, da sieht er seine Großeltern, die ihm sagen, daß Julinka gekommen ist und sich auf Rosina freut. Dann wird Paul verhaftet, denn er hat das Kind seiner Mutter entführt und ist mit ihm nach Graz durchgebrannt.

Das klärt sich bald, wenn auch wieder ein wenig surreal auf, denn Guido, das ist Clarissas neuer Mann, verteidigt ihm, bzw. holt er ihm aus dem Gefängnis, dann knallt er ihm aber eine, denn Paul hat ihna mit seiner Frau betrogen. Paul versöhnt sich aber mit Julinka, behält das Sorgerecht und es geht mit den drei Freunden weiter wie bisher.

Das heißt, doch nicht so ganz, denn Otto hat sich inzwischen mit Annerl, das ist eine kellnernte Medizinstudientin angefreundet, sein Vater stirbt und vererbt ihm eine Wohnung und mit Angelika, der Liebe seines Lebens, die inzwischen in Wien verheiratet ist, versöhnt er sich auch.

So geht es den jungen Männern, die sich nie anpassen, nie bürgerlich werden wollen, das Leben, seine Anforderungen und die Beziehungen holen sie ein, sie werden zwangsläufig mehr oder weniger bürgerlich, beziehungsweise wechseln sie ihre Frauen, sorgen für ihre Kinder, trinken und kiffen tun sie gelegentlich auch.

Ein interessanter Roman, der mich an meine eigene Sozilisation von der der philosophischen Krise, der ebenfalls sehr idealistischen, wenn auch etwas gehemmten Zwanzigjährigen weg in die „Bürgerlichkeit“ der etwas über Sechzighjährigen erinnert, eines mir bisher unbekannten Autors, der schon drei Romane geschrieben hat, seit 2006 als freier Autor und Regisseur tätig und auch Lehrbeauftragtetr an der Karl Franzens Universität ist.

Und die drei Surrealisten haben nicht nur einen surrealen Film und Musikgeschmack, sie haben auch eine leicht wienerisch angehauchte Neigung zum Fin de Sciecle, des vorvorigen Jahrhunderts, zitierten Roth, Schnitzler und Hofmannsthal und das Fräulein Annerl, hat etwas von dem süßen Mädel, obwohl sie wahrscheinlich in Graz in den Neunzehnachtziger oder Neunzigerjahren geboren wurde.

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