Literaturgefluester

2014-12-08

Irmina

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:00

Man kann Bücher lesen, mit dem E-Book Reader und bei „Amazon“ bestellen oder auch in Printform aus dem kleinen Laden um die Ecke oder, wie ich ja bevorzuge, aus den Bücherschränken, man kann sie hören, man kann sich die Romane aber auch als Gothic Novels oder Comic zeichnen lassen.

Der „Holzbaum Verlag“ hat mich ein bißchen auf diese Idee gebracht, so freue ich mich schon lange auf Daniel Jokesch „Letzte tage der Menschheit“ und dann habe ich ein paar Tage vor der Buchmesse ein Mail bekommen, daß ich dort auf einen Sektempfang hinkommen soll, um die  Zeichnerin Barbara Yelin und ihr neues Buch „Irmina“ kennenzulernen, ich könne es mir aber auch zur Rezension schicken lassen.

Das habe ich gemacht und das Buch ist am Donnerstag, dem ersten Messetag gekommen, da war dann auch der Empfang, den ich übersehen habe, in der Buchhandlung durch die man aber diesmal, um in die Messe zu gelangen, mußte, lagen kleine Zettel auf, die auf das Buch und seine Vorstellung im „Phil“, da wollte ich ins Literaturhaus gehen, war aber dann beim „Bank Austria Literaturpreis“, hinwies.

Am Freitag habe ich das Buch bekommen, der Alfred hat es beim „Heimtierprofi“, der jetzt ja, seit es die gute alte Post nicht mehr gibt, die Pakete übernimmt, wenn man nicht zu Hause ist, abgeholt.

Dann fuhren wir nach Ungarn, ich hatte ein paar Rezensionsexemplare abzulesen und jetzt erst Zeit für die Irmina, die neunzehnjährige Deutsche, die 1934 in eine Business School nach Englang geht, um einen Beruf zu lernen und zu machen, was sie will, ein starkes deutsches Mädchen, das eingentlich Kapitänin werden wollte und mit dem Finger am Globus alle Orten und Inseln dieser Welt kennt und keine Ahnung hat, daß Herr Hitler, der in dieser Zeit schon in Deutschland regierte, fortan in ihre Lebenspläne eingreifen wird.

Barbara Yelin wurde 1977 in München geboren, studierte Illustration an der Angewandten in Hamburg und hat sich als Comiczeichnerin bereits einen Namen gemacht und ist wahrscheinlich eine Frau der jüngeren Generation, die die Nazi-Zeit aus der Schule und vom Hörsagen ihrer Groß- und Urgroßeltern kennen und so mischt sich auch ein frauenbewegter aufmüpfiger Ton in ihre Irmina, die wahrscheinlich ein noch viel viel jüngeres Publikum darauf aufmersam machen kann, wie ein Frauenleben zwischen 1933 und 1945 ausgesehen hat.

Es ist auch das Frauenleben meiner Mutter, 1915 in einem Wiener Arbeiterbezirk geboren, die ebenfalls nicht studieren konnte, da war das Geld nicht einmal für den Bruder da, die bei einer jüdischen Lehrfrau Stickerin lernte und mir von dem wenigen, was sie mir über den Krieg erzählte,  das, wie sie sie das letzte Mal gesehen hat.

Die dann einen Arbeiertsohn und Sozialisten aus Ottakring heiratete, 1940, eine Businessschool in England war da nicht dabei und 1942 ein kleinwüchsiges Kind gebar und sich wahrscheinlich weniger, als die Irmela an die Nazis anpasste. Ich glaube ihr auch, daß sie 1938 bei den wenigen war, die für „Nein“ stimmten, aber die Irmina kommt  aus Stuttagrt, wo das alles ja schon viel früher begonnen hat.

Es gibt ein Nachwort von Dr. Alexander Korb, der erzählt, daß man das alles wissen hätte können, wenn was es wollte, das sehe ich, und ich habe mich in den letzten zwanzig dreißig Jahren sehr viel mit dieser Zeit beschäftigt, im Elternhaus in den Fünfziger und Sechizigerjahren wurde auch nicht viel darüber geredet, inzwischen ein wenig kritischer und denke auch, daß die Imina vielleicht auch ein bićhen aus der Sicht einer 1977 gezeichnet wurde, aber das mit Schwung und Peep und so habe ich mich in drei Stunden durch das fast dreihundert Seiten dicke Buch gelesen und kann es wahrscheinlich vor allem den jungen Leuten, die etwas über die NS wissen wollen, sehr empfehlen.

Irmina kommt also 1934 nach London, wird von allen gefragt, ob sie eine Jüdin oder Kommunsitin ist, wird von der Gastfamilie wo sie wohnt, zu Empfängen mitgenommen und lernt dort einen schwarzen Jusstudenten aus Barbados, er Außenseiter, wie sie, kennen.

Die Zeitungen berichten über das Nazi-Deutschland. Die Familie, wo sie wohnt, beschließt die Tochter, die inzwischen in Deutschland ist, zurückzuholen, dann ist aber kein Platz mehr für Irmina.

Howard Green vermittelt sie an eine alte Gräfin, die in ihrem Jugend mit dem Rad gefahren ist und als Sufragette oder Blaustrumpf galt.

Sie verliebt sich in Howard, als aber ihre Eltern, ihr das Schulgeld nicht mehr schicken können, weil das die deutschen Devisenbestimmungen untersagen, fliegt sie aus der Schule und die Gräfin wirft sie auch hinaus, um Platz für eine arme jüdische Emigrantin zu haben.

Sie geht mit Howard ins Kino und verteidigt ihn, als man dort nicht neben einem Schwarzen sitzen will, das ist dem peinlich, denn er hat nur eines im Kopf, studieren studieren und seinen Platz im Elitecollege nicht zu verlieren.

So kehrt Irmina nach Deutschland zurück, bekommt eine Stelle ins Kriegsministerium und hofft bald nach England versetzt zu werden. Aber das gilt ja als Feinland und als sie auf eigene Faust fahren will, bekommt sie ihren Brief mit „Empfänger verzogen“ zurück.

So muß sie bleiben, erlebt die Reichskritstallnacht mit und hat vorher schon einen jungen Nazi, einen Architekten, bei ihrer Cousine kennengelernt, den sie heiratet und ihm ein deutschen Kind gebiert. Er meldet sich ins Feld und fällt, sie bleibt mit ihrem Sohn zurück, wird ausgebombt, passt sich an das System an und schimpft mit einer Freundin, die darüber entsetzt ist, was mit den Juden geschehen ist.

Dann ist der Krieg vorbei, Irmina wird Sekretärin in einer Schule und keiner dort glaubt, daß sie Englisch versteht und der Direktor kann sich gar nicht vorstellen, was er ohne sie machen wird, wenn sie in Pension geht.

Sie tut das und bekommt dann eines Tages einen Brief aus Barbados von seiner Exillenz, dem Gouverner Sir Howard Green, er lädt sie ein zu ihm zu kommen, der Chauffeur holt sie ab, der Butler serviert Whiskey, den sie damals schon so gern mit ihm getrunken hat.

Er kann nicht mehr wegen seiner Leber, ist verheiratet, hat einige Kinder, hetzt von Termin zu Termin, die Tochter heißt aber Irmina und alle sind begeistert von der deutschen, die einmal so mutig war, ihren Vater öffentlich zu verteidigen.

War Irmina das aber oder hat sie sich nicht doch an das System angepasst und was hätten wir gemacht, wenn wir auch in diese Zeit hineingeboren worden wären?

Interessante Fragen und sie in einem Comic aufgearbeitet zu sehen, ist wirklich sehr beeindruckend, so daß ich das Buch und Barbara Yelin von der ich hoffentlich noch mehr höre, wirklich nur empfehlen kann.

Eine schöne Rezension mit ein paar Bildern gibt es hier.

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