Literaturgefluester

2014-12-12

Die letzten Tage der Menschheit

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:40

Karl Kraus „Letzte Tage der Menschheit“ gezeichnet von Daniel Jokesch, von dem es schon den „Buwockl“ und „Otto Wanz Leben für und gegen das Telefonbuch“ gibt, auf sechzig Seiten, frisch erschienen beim „Holzbaum-Verlag“ und am Freitag im „Shop der komischen Künste“ verbunden mit einer Weinverkostung präsentiert, wo es auch den passenden „Letzten Tage der Menschheit-Wein“ zu trinken gab.

Eine schwierige Sache, die Karl-Kraus Szenen, die zehn Abende füllen würden, das Lesetheater hat es, glaube ich, einmal versucht und 1974 gabs das Stück in Fortsetzung im Radio mit Guido Wieland und  anderen damals bekannten und inzwischen zum Teil verstorbenen Schauspielern zu hören, da war Daniel Jokesch, der in Salzburg aufwuchs, gerade geboren, ich habe Psychologie studiert, in der Wattgasse gewohnt und gelegentlich eine Folge gehört und wahrscheinlich noch nicht viel davon verstanden, obwohl ich mich ja immer für Geschichte interessierte und schon damals viel gelesen habe.

Jetzt zum Hundert Jahre Jubiläum von 1914 ist sehr viel erschienen und einiges davon habe ich gelesen, bzw. mir in der Wien Bibliothek vorlesen lassen.

Den „Remarque“ habe ich schon früher gelesen und diesen Sommer auch Bertha von Suttners „Die Waffen nieder“. Das „Schutzengelchen“ ist im Sommer entstanden und da habe ich mich schon auf Daniel Jokesch „Letzte Tage“ gefreut und so bin ich heute auch zu der Präsentation gegangen, habe zwei Schlückchen von den „Letzten Tropfen-Wein“ gekostet und mir von Daniel Jokesch und Maximilian Zirkowitsch einige Szenen vorlesen lassen, im Hintergrund wurden die Cartoons projeziert und das in rot gehaltene Cover ziert natürlich den „guten Kaiser Franz Joseph“, dem ja bekanntlich nichts erspart blieb.

Dazu gibt es einen Song, der am Schluß der Lesung zu hören war und wenn man das Buch aufschlägt, sieht man Karl Kraus es in der Hand halten und „Ich habe eine Tragödie geschrieben, deren untergehnder Held die Menschheit ist“, sagen.

Der taucht dann noch öfter auf und führt durch die Szenen,  die Erdkugel ist auch zu sehen und Karl Kraus zitiert Daniel Jokesch, hat das Stück eigentlich als Marstheater gedacht.

Wer weiß, wie ihm die Daniel Jokesch Adaption gefallen hätte, wo sich die Stadt Wien in eine Kanonenstadt verwandelt hat, wo außer solchen nur noch der „Steffl“ zu sehen ist.

Das „Serbien muß sterbien“ , wird zitiert natürlich und irgenwo wandelt Conchita Wurst dahin und wird für „Einen weiblichen Spion gehalten, was sich für ein Mannsbild ausgeben tut!“

„Im Krieg gehts um Leben und Tod der Sprache!“, zitiert der Meister.

Die „Extraausgabeee!“ mit den „100.000 toten Italiena bitteee!“, wird ausgerufen.

Der Pfarrer predigt von der Kanzel, daß „Töten in diesem Fall keine Sünde, sondern Dienst am Vaterlande, eine christliche Pflicht, ja ein Gottesdienst!“, ist.

Und das „Tagesgericht: Entrdecote mit Sauce Hollandaise“ wird in „Rindslendendoppelstück nach Feldherrnart mit Hindernissen nebens Holländertunke“ umgewandelt und dann höchstwahrscheinlich gar nicht serviert, weil in dem Restaurant gerade fleischfreier Tag ist.

Da habe ich ja auch am Naschmarkt eine Lesung daraus gehört und mir nachher mit den Lebensmittelmarken, die damals übliche Tagesration an Kaffee, Zucker und Mehl abholen können.

Das Bild des Scharfrichters, der sich feist lächelnd hinter den aufgehängten Battisti stellt, ist auf Seite dreiundvierzig auch zu finden, von wegen österreichischer Gemütlichkeit und die Frauen haben ihren Männern damals ins Feld geschrieben, daß sie sie leider leider betrogen haben, aber trotzdem lieben.

Eine eigene Adaption des langen Dramas, denn „Die letzten Tage der Menschheit in voller Länge zu zeichnen, würde dementsprechend wohl zehn Jahre in Anspruch nehmen und steht auf der To do -Liste für das Nächste Leben.“

Also wurde „Radikal gekürzt. Um das Stück auf etwas mehr als fünfzig Seiten zu verdichten, war es natürlich notwendig, es auseinanderzunehmen und wieder neuzusammenzusetzen“, schreibt Daniel Jokesch auf Seite zweiundsechzig und hat für die Germanisten und alle die es genau wissen oder vielleicht nachlesen wollen, auch genau angeführt, wo man was im Original finden kann.

Also auf zum Original oder zu Jokeschs-Cartoons, die sicher einen ersten Einblick geben können und vielleicht sogar unter den Christbaum passen. Mir hat es meine „Erste Weltkrieg Lektüre“, die mich dieses Jahr begleitet hat, auf jeden Fall sehr abgerundet und wer weiß, vielleicht komme ich auch noch zum Original…

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