Literaturgefluester

2014-12-18

Strahlung und Reflexion der Friederike Mayröcker

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:23

Am Samstag ist es so weit, da wird die „Fritzi“ neunzig und einige Vorboten der Festivitäten hat es im Literaturhaus schon gegeben und die „Alten Schmiede“ begann am Montag mit einer dreitägigen F.M. Veranstaltung, denn Friederike Mayröcker ist der „Alten Schmiede“, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung betonte, so verbunden, wie kein anderer Autor, keine andere Autorin sonst.

Im September 1975 hat sie dort das erste Mal gelesen und dann fast hundert Mal in vierzig Jahren, bei einigen Veranstaltungen bin ich gewesen, bzw. im Gang dieses Hof Lokals gestanden, wenn es mir nicht gelungen ist, rechtzeitig da zu sein, denn die Lesungen der Fritzi sind ja sehr begehrt und über einige habe ich auch gebloggt.

Bei „Scardanelli“ bin ich, glaube ich, in den hinteren Reihen gestanden und habe mich langsam, ganz langsam nach vorn gedrängt. Dann bin ich 2009 mit dem Alfred am fünften Nanowrimo-Tag hinmarschiert, obwohl ich ja eigentlich zu Hause bleiben und schreiben, wollte, aber das Schreiben ist für die Friederike Mayröcker auch sehr wichtig und in den „Magischen Blättern“ steht glaube ich der Satz „Da hat man sich sein ganzes Leben lang bemüht und es ist nichts ordentliches dabei herausgekommen.“

Bei der Präsentation der „Etüdes“ bin ich gewesen und bei vielen Veranstaltungen wo M.F. mitmachte, bzw. im Publikum war, bei vielen anderen nicht.

Gelesen habe ich „Und ich schüttelte einen Liebling“ und „Larifari“ ich glaube, die erste Veröffentlichung, habe ich einmal in der Telefonzelle bei der „Seedose“ gefunden.

Am Montag auch sehr voll und ich bin in den hinteren Reihen gesessen und habe bei der „Stunde der literarischen Erleuchtung“ wo Friederike Mayröcker und Bodo Hell  Jackes Derrida „Glas“ oder zu Deutsch „Die Totenglocke“ vorstellte, von den beiden nicht sehr viel gesehen.

Der französische Philosoph Jaques Derrida, 1930-2004, ist mir ein Begriff, weil Friederike Mayröcker ihn in ihren Werken sehr oft erwähnt, sonst war er mir aber ziemlich unbekannt und so war ich auch sehr gespannt auf die Coference, nämlich Bodo Hells Lesung aus den Originaltexten, Friederike Mayröcker hat dagegen Stellen aus den „Etudes“ und „Cahier“ gelesen, die sich darauf bezogen.

Dann ging es einen Stock hinauf, in die „Alte Schmiede“, denn da wurde ein Film gezeigt, den Carmen Tartarotti mit Bodo Hell 1990 für den ORF über Friederike Mayröcker gedreht haben.

„1Häufchen Blume-1Häufchen Schuh“, für die „Kunststücke“, deshalb wurde auch eine besondere Filmtechnik verwendet, wie die Beiden in der Einleitung erklärten und dann gab es fünfundvierzig Minuten lang eine vierundzwanzig Jahre jüngere Friederike Mayröcker, die in ihrem Haus in der Zentagasse auf und ab geht, man sieht die Wohnung mit den vielen Manuskripten, sieht F.M. mit langen wehenden Mantel spazieren gehen und ich glaube auch kurz bei einer Lesung in dem nicht mehr existierenden Hofsaal der „Alten Schmiede“ und konnte ihre Ansichten über das Bücherkaufen hören, es scheint ihr da wie mir zu gehen, sie kauft, ich sammle, mehr als wir beide jemals lesen können, sie leistet sich aber diesen Luxus, erklärte die Wichtigkeit des Schreibens für sie und daß sie am Nachmittalg am liebsten mit einem Hund spazieren gehen würde.

Man hört sie auch ihre Ansichten zur Mode äußern, in den Sechzigerjahren war sie sehr modebewußt, wie sich ihre Schüler, hat sie ja einmal glaube ich Englisch unterrichten, erinnern. Dann hat sie sich flache Schuhe und schwarze Hosen angewöhnt und über ihre Angewohnheiten, wenn sie auf Reisen geht, ein „Tabu-Brett“ auf den Fußboden zu legen, um die Einbrecher abzuhalten hat sie auch berichtet.

Ein spannender Film, zeitlos fand jemand im Publikum, es gab darin aber eine Lesung, einer sehr jungen Friederike Mayröcker aus 1970, wo ich sie eigentlich nicht erkannt hätte und ein anderer Herr wollte wissen, warum und ob der ORF diesen Film senden oder nicht senden wird?

„Das müssen Sie den ORF fragen?“, antwortete Kurt Neumann und ich bin gespannt, was es am Samstag, wenn es  so weit ist, in Ö1 zu hören gibt  und am Mittwoch ging es dann in der „Alten Schmiede“ mit einer Lesung aus „Cahier“ weiter.

Um fünf vor halb sieben standen schon eine Handvoll Menschen vor der Eingangstür, Marcel Beyer, hat die ersten, wie er später ausführte, schon eine Stunde vorher gesehen.

„Das ist ja wie bei einem Popkonzert!“, wenn die Fritzi neunhzig wird und die halben Sitzplätze schon voraus reserviert und auch alle da, Robert Schindel, Gerhard Jaschke, Bernhard Fetz, Christel Fallenstein, Lukas Cejpek, Thomas Northoff, Hans Jörg Liebscher, Hannah Sideris, etc und Erika Kronabitter, die sich für F.M. eine besondere Überraschung ausdachte, nämlich ein Buch bzw. einen Blumenstrauß mit hundertziebzig, statt der erhofften neunzig Blüten, Texte von Kollegen, Schriftsteller, Künstler, Germanisten etc.

Zu mir ist offenbar auch ein Mail zur Teilnahme gekommen, das ich offenbar nicht bekommen oder übersehen habe, so bekam ich nur das Buch „HAB DEN DER DIE DAS – der Königin der Poesie“, das ich noch in diesem Jahr besprechen werde und ich habe ja auch ein schon hier erwähntes Zitat, auf das ich mich in meinen Text bezogen hätte können, aber auch in der „Absturzgefahr“ ein wenig an die große, alte Dame gedacht, einen Teil ihres Namens der Fritzi Jelinek gegeben und die „Abschiede“ glaube ich, den Bernhard Listringer im Bücherschrank finden lassen.

Danach begann der Schriftsteller und Mayröcker Spezialist Marcel Beyer mit seiner Einleitung zu dem Buch, das wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erklärte, eigentlich gefeiert wurden, weil in der „Alten Schmiede“ nur die Bücher nicht die Autoren Geburtstag hätten und der Text begann mit „Tränen“, nämlich einen Brief der Fritzi an ihm „Wollen Sie mit mir über Tränen sprechen Jacke Derrida?“ und leitete  zu Roland Barthes und Stendhal zu Ernst Jandl über, über den Scardanelli, Brütt und ich schüttelte einen Liebling, bis er wieder zum Ausgangszitat zurückkehrte und die Frau Mayröcker aus dem Buch lesen ließ.

Ein bißchen etwas habe ich ja schon daraus gehört, am Montag in der „Alten Schmiede“, im November beim „Schamrock -Festival“ im Literaturhaus, die Anna Jeller hat das Buch auch in ihrer Auslage liegen und am Schluß gab es noch einen Vorgeschmack auf das neue Buch, an dem Friederike Mayröcker gerade arbeitet, den dritten Teil, nach „Etudes, und „Cahier“ nämlich „Fleur“.

Danach gab es standing ovations und einen Stock höher wurden  die Texte aus dem Kronabitter-Buch projeziert und von den Autoren vorgelesen, so daß ich schon einen kleinen Einblick hatte.

Hilde Langthaler die auch in dem Buch enthalten ist, war da und ein wenig verwirrt, weil sie die Lesung unten verpasst oder versäumt hatte und fragte mich nach einem Film, aber der wurde schon gezeigt und am Donnerstag ging es weiter mit einem Colloquium, um das Ganze auch zu verstehen.

Da gab es ja schon zwei 1978 und 1994, das letztere wurde schon von Klaus Kastberger,  dem neuen Bachmannjuror und Grazer Literaturhausleiter, moderiert.

Jetzt war er auch am Podium und diskutierte mit Bodo Hell, Marcel Beyer, der berühmten Elisabeth von Samsonow, die von F.M. immer in ihren Werken zitiert wird, Samuel Moser und der Mayröcker Lektorin Doris Plöschberger über das Ouvre.

Das heißt zuerst gab jeder ein Eingangsstatement, Samuel Moser begann mit dem Gebierge und den Flüssen, Bodo Hell kam zu Mayröcker Geburtstagen, wo der Fankreis eingeladen ist und Blumen unerwünscht sind, die Lektorin erzählte von ihrer Zusammenarbeit, Elisabeth von Samsonow vom „Zimmer für sich allein und viel Geld“ u.s.w. Dann kam die Frage mit der Namensgebung. Friederike Mayröcker zitiert ja oft Bodo Hell, Marcel Beyer, Jaques Derrida, aber auch jüngere Autoren und Marcel Beyer meinte, daß er das zitierte nie gesagt habe, also reine Mayröcker Empfindungen sind, wie sie ja auch auf Bodo Hells Frage am Montag mit „Aus dem Gefühl!“, antwortete.

Dann kam der Werkbogen, Marcel Beyer scheint hier ja ein Spezialist zu sein. Begonnen hat es in den Fünfzigerjahren mit „Larifari“ und da war die Mayröcker sehr experimentell, später wurde ihr das zu langweilig, es kam zu Prosa und zu Lyrik Texten, die Friederike Mayröcker auch mit dem Gefühl und der Schreibhaltung erklärte. Irgenwann quittierte sie den Schuldienst, sie war eine Zeitlang Englischlehrerin, ging ein Jahr lang nach Berlin, da wurde auch ihr Schreiben freier, dann kamen die langen Werke „Die Abschiede“, „Mein Herz mein Zimmer mein Name“ etc, bis zu „Brütt“, aus dem F. M. dann las.

Vorher zitierte Klaus Kastberger noch einen Satz aus dem Katja Gasser Film, der am Montag im ORF gesendet wurde „Jetzt kann ich alles schreiben“ und Ferdinand Schmatz, der Professor für Sprachkunst überreichte Gedichte seiner Studenten, die sie für Friederike Mayröcker geschrieben und auf Plakate gemalt haben.

Danach die Lesung „..sagte ich zu Blum“, da hörte ich das erste Mal davon imn Mürzzuschlag bem „Fest für Friederike Mayröcker“ oder war es das für „Ernst Jandl“ und Kurt Neumann hatte auch schon den Bogen von „Brütt“ zu den drei letzten Werken „Etudes“ „Cahier“ und dem noch erschienenen „Fleur“ gezogen, den sehr persönlichen Assoziationsbögen, wo die F.M. sehr offen über ihre Krankheiten, ihre Angst vor dem Tod, ihren Lust, ihre Erotik, etc, schreibt.

Dazwischen gibt es  noch das Buch, das nur aus Fußnoten „Ich bin in der Anstalt“ besteht, den „Vogel Greif“ etc. Über hundert Bücher hat die F. M. ja geschrieben, die keine Literatur mit Plot und Handlung wünscht und auch nicht solche Bücher liest, die aber ganz in ihrer persönlichen Sprache aufgeht und ohne Schreiben nicht leben kann.

Das waren die drei Tage in der „Alten Schmiede“ mit sehr viel Freunde und sehr viel Prominenz, am Samstag gibts im Akademietheater noch das „Requiem für  Ernst Jandl“ und in Ö1 einen „Mayröcker-Tag“.

Ich wünsche alles Gute zum Geburtstag und verlinke noch ein bißchen mit Mayröcker-Veranstaltungen, wie beispielsweise das „Fest für Ernst Jandl“, die an anderen Orten stattgefunden haben.

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