Literaturgefluester

2014-12-20

Die Liebe einer Frau

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:19

Es gibt Blogs, die Nobelpreischallenges veranstalten, die Werke der Literaturpreisträger der Reihe nach herunterlesen und sich dann mit kleinen Geschenken dafür belohnen, das tue ich nicht, aber in den Schränken findet man gelegentlich Nobelpreisträgerbücher. Pearl S. Buck und Sigrid Undset fanden sich im Bücherkasten meiner Eltern und von Jean Marie Gustav le Clezio, dessen Name ich vor 2008 noch nie hörte, habe ich inzwischen auch einiges gelesen. Von anderen Nobelpreisträgern nicht, so ist mir der Chinese der 2012 gewonnen hat, noch immer ziemlich unbekannt und den Namen Alice Munro habe ich, glaube ich, durch JuSophie kennengelernt, die in diesem Blog ja eine wichtige Rolle spielt.

Sie hat die kanadische Shortstory Tellerin, glaube ich, sehr gelobt, während ich mit Kurzgeschichten immer meine Schwierigkeiten hatte und vielleicht noch habe. Sie sind mir zu kurz und ich kann mich an einige Bücher einnern, die ich mit Begeisterung gelesen habe, bei Pearl S. Buch und Andrea Camilleri war das so und dann war die Geschichte nach hundert Seiten auf einmal aus,  ich war enttäuscht und habe das Buch weggelegt.

Das ist jetzt besser, da ich  öfter Erzählbände finde und auch solche Rezensionsexsemplare bekomme, lese ich sie regelmäßig.

Es gab ja auch einmal ein Short Story Symposium im Literaturhaus, wo Judith Hermann, auch eine Short Story Könnerin las und 2013 hat die Short Story Queen Alice Munro, 1931 in Ontario geboren, die dreizehn Erzähbände und einen kurzen Roman veröffentlicht hat, den NB bekommen und ich habe mir von Alfred zwei davon gewünscht, beziehungsweise sie im Vorjahr zum Geburtstag bekommen.

„Die Liebe einer Frau“ ist noch heuer dran. „Zu viel Glück“ kommt nächstes Jahr und die „Titelgeschichte“ ist möglicherweise der Kurzroman, hat er doch über hundert Seiten und steigt sehr langsam und bedächtig in das Geschehen ein.

Es beginnt im Heimatmuseum von Wally, von man unter alten Puppen etc auch die Optikerausrüstung von Mister Willens entdecken kann. Der ist in seinem Auto im Fluß tot aufgefunden wurden, drei Jungens fanden ihn in den fünziger Jahren dort und das nächste Kapitel beschreibt, die drei Buben, die danach zu Mittag nach Hause gehen, ihren Eltern nichts von dem Fund sagen und am Nachmittag gemeinsam zur Polizeistation. Da kommen sie an Missis Willens Haus vorbei, die ihnen Forsithienzweige für ihre Mütter schenkt, die sie entsorgen.

Im zweiten Kapitel lernen wir Enid kennen, eine nicht fertig ausgebildete Krankenschwester, die jetzt die krebskranke Missis Quinns pflegt, die ist über zwanzig, hat zwei Kinder und einen Mann namens Ruppert, mit dem Enid mal zur Schule ging. Missis Quinn ist ziemlich lästig und sarkastisch, Enid pflegt sie geduldig und am Vortag ihres Todes erzählt sie ihr, daß es Ruppert war, der Mister Willens getötet hat, weil der sie bei der Augenuntersuchung sexuell belästigte.

Enid denkt sich einen Rachenplan aus, um Ruppert dahin zu bringen sich der Polizei zu stellen, dann wird sie ihn besuchen, sie verwirft das wieder, scheint dann aber die Optikerausrüstung in der Scheune zu finden und fahren sie vielleicht doch mit dem Boot aufs Wasser hinaus.

Dann kommen drei Erzählungen, von denen jede auch cirka fünfzig Seiten hat. Die erste heißt „Jakarta“ und handelt von zwei sehr verschiedenen Frauen und ihren Männern, die einmal in einer Bibliothek zusammenarbeiteten. Es gibt auch einen Zeitsprung, das ist wahrscheinlich das Packende und das Besondere an der Munroschen Schreibweise, daß sie sowohl von den Festen, die wahrscheinlich in den Siebzigerjahren am Strand stattfanden erzählt. Dann verschwindet Sonjes Mann, der Komunist nach Djakarta und als Sonje eine alte Frau geworden ist und von Kent, das ist der eher konservativere Mann ihrer Freundin Kath besucht wird, beginnt sie überlegen, ob er dort wirklich gestorben oder nur verschwunden ist.

„Cortes Island“, spielt wieder in den Fünfzigerjahren, die Erzählungen sind im Original 1998 erschienen und schildern von der „Kleinen Braut“ erzählt in sehr beeindruckender Weise die Beklemmung in der die jungen Leute damals in Vancouver gelebt haben mußten.

Die Ich-Erzählerin, von ihrer Wirtin und dem Chef ihres Mannes die „Kleine Braut“ genannt, haust mit Chess in einem möblierten Keller unter Mrs Gorries Wohnung und ist einerseits froh darüber, denn damals in den Fünfzigerjahren durfte man vor der Ehe keinen Sex haben und wartete danach auf die erste Schwangerschaft und als Chess Eltern Präservative in seinem Koffer fanden, mußte er sich dafür rechtfertigen. Mirs Gorrie ist vorerst freundlich zu der jungen Frau, lädt sie zu sich ein und bietet ihr von ihren Keksen an, aber sie macht manchmal nicht auf, wenn sie am Keller klopft, gibt vor Briefe zu schreiben, wenn sie Bücher liest oder in ein Notizbuch etwas schreiben will. Das gefällt ihr aber nicht, so reißt sie Seite um Seite heraus und schmeißt sie weg, was später von Mrs Gorrie im Abfall gefunden wird. Sie sucht halbherzig Arbeit, traut sich nicht zu eine Registrierkasse zu bedienen, liest manchmal Mr. Gorrie, der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt aus der Zeitung vor und da einen Artikel aus den Zwanzigerjahren aus „Cortes Island“ wo die Gorries früher wohnte, wo ein Haus mit einem Mann abbrannte, während sich seine Frau mit Mr. Gorrie auf einer Schiffahr befand. Nachher bekommt sie eine Anstellung in der Bücherei, Missis Gorrie ist böse auf sie, erzählt über sie Gerüchte, so daß das junge Paar froh ist, in eine bessere Wohnung übersiedeln zu können.

In „Einzig der Schnitter“ geht es um Verfolgungsspiele im Auto, die eine alte Frau zuerst mit ihrer Tochter Sophie, später mit ihren Enkelkindern Philiph und Daisy machte, sie will den Sommer mit der Tochter und ihren Kindern in einem Ferienhaus verbringen, aber die fahren früher ab, so sucht sie mit Philiph auf einer dieser Verfolgungsjagden ein altes Haus, das sie von früher kannte und kommt dabei mit einem betrunkenen Mädchen in Kontakt, das sie vielleicht, wenn ihre Familie wieder weggefahren ist, besuchen wird.

Sehr eindringlich Alice Munros Kurzgeschichten und wirklich auf eine Art und Weise erzählt, wie ich sie noch nie gefunden habe, die einen Kurzgeschichten-Muffel, wie mich sehr wohl kurieren können, so daß ich mich schon auf den nächsten Munro-Band sehr freue, inzwischen gibt es noch Ekatharina Heiders Kurzgeschichten zu lesen und da war ich zuerst einmal auch enttäuscht, als ich entdeckte, daß das Buch, das mir Christa Stippinger gegeben hat, ein Erzählband und kein Roman war.

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