Literaturgefluester

2014-12-20

Ein Radiotag mit Friederike Mayröcker

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:17

Ö1 macht es möglich, zum neunzigsten Geburtstag der Grand Dame der Literatur, der F. M. Vertraute und Literaturprofessor Klaus Klastberger, will, wie er am Donnerstag in der „Alten Schmiede“ hören ließ, diese „Journalisten-Bezeichnung“ nicht so gerne hören, also lieber „Nobelpreisträgerin des Herzens“, wie sie einmal KP-Berzirksrat Jurjans nannte, nachdem sie für einen Sozialmarkt im fünften Bezirk unterschrieben hatte.

Friederike Mayröcker einen ganzen Tag lang die geehrte im Programm zu bringen oder das Programm mit ihr zu machen, ist sie ja eine Ö1 Hörerin und tritt dort offenbar auch gerne auf und so muß man sich keine Sorgen machen, der österreichische Rundfunk hat seine große Dichterin nicht vergessen, im Fernsehen gab es im Kulturmontag einen schönen Film von Katja Gasser, den ich mir ein paarmal angesehen habe und in dem man sehr viel über die alte Dame, die eine sanfte Stimme, ein sympathisches Lächeln und eine sehr positive Ausstrahlung hat, erfahren kann.

Ich bin ja, obwohl ich gerade so viel über sie schreibe und mir den Mayröcker-Tag auch sehr intensiv gegeben habe,  kein Mayröcker-Fan, das geht auch gar nicht, denn ich halte ja sehr viel von Plots und vom Erzählen und so halte ich  Aussagen, daß man das ablehnen würde, zwar nicht gerade für dumm, aber doch vielleicht für engherzig und begrenzt und muß auch bekennen, daß ich mit Friederike Mayröcker lange nicht viel anfangen konnte, sie für eine experimentelle Schreiberin hielt und das ist ja nicht unbedingt das meine.

Trotzdem kam man, wenn man in Wien lebt, sich für Literatur interessiert und in den Siebzigerjahren zu schreiben angefangen hat, um das Dichter Paar Jandl-Myröcker nicht herum.

Ich habe gerade in meinem Bibliothekskatalog nachgesehen, was ich von ihr habe, da gibt es zwei „Suhrkamp Taschenbüchlein“ „“Die Abschiede“ und „Ein Lesebuch“, eines habe ich, wenn ich mich nicht irre, von Brigitte Guttenbrunner, zu einem meiner Feste bekomme und im Lesebuch ist auch einiges angestrichen, also habe ich hineingeschaut und wahrscheinlich nicht sehr viel verstanden und eine besondere Rarität habe ich auch, nämlich „In langsamen Blitzen“- eine Ausgabe des Berliner literarischen Colloquium, aus dem Jahr 1974, auf der Rückseite steht der stolze Preis von österreichischen Schillingen 62.40 für ein vierzig Seiten Büchlein.

Ob ich das so gekauft habe oder in einer Abverkaufkiste um fünf oder zehn Schilling, weiß ich nicht mehr, glaube mich aber zu erinnern, daß ich an dem Tag an der Kiste vorbeigegangen bin, als mir eine Illustratorin ihre Illustrationen für „Die Einladung zum Tee“ brachte, die im „Sterz“ das war Ende Siebzig, erscheinen sollte, aber nie erschienen ist.

Interessiert habe ich mich also schon damals für die große Dame, aber nicht sehr viel gelesen und das habe ich, ich gebe es zu, bis heute noch nicht.

Nur „Und ich schüttelte einen Liebling“, zu Lesungen bin ich aber öfter und regelmäßig, meistens in die „Alte Schmiede“ gegangen, an eine in dem alten Hofquartier, wo es um die „Magischen Blätter“ ging, kann ich mich erinnern und an die, wo ich im Hof gestanden bin, weil ich zu spät dran war, ich war bei Lesungen von „Scardanelli“, dem „Vogel Greif“, bei anderen der letzten Bücher dann wieder nicht, jetzt bei dem Symposium und als ich da am Montag, Mittwoch und Donnerstag berichtet habe, bin ich auch über den ORF-Schwerpunkt im Radio gestoßen und dann sozusagen befriedigt am Freitag mit dem Alfred nach Harland gefahren.

Ins Akademietheater zum „Requiem für Ernst Jandl“ wäre ich wahrscheinlich ohnehin nicht gegangen, obwohl ich schon am Mittwoch darauf aufmerksam gemacht wurde und Kurt Neumann am Donnerstag auch erwähnte, daß es noch Karten gäbe.

Aber ich bin keine Theaterbesucherin und so habe ich heute, als ich um etwa sieben aufwachte, mir gleich den Programm-Schwerpunkt eingeschaltet und da wurde schon im Morgenjournal auf den Geburtstag hingewiesen und um 7 Uhr 33 ging es mit der Friederike Vorschau  weiter, berichtete die Lieblingsradiostimme von Frau Mayröcker doch, was es den ganzen lieben langen Tag über sie so zu hören geben würde und das war dann gleich um neun, das Radiofeature „Mein Schatten wirft ein Fliederbaum“ von Norbert Hummelt, wo man über ihre Kindheit in Deitzendorf, wo sie die ersten elf Lebenssommer in dem Bauernaus ihrer Eltern verbrachte, bis diese ihn verkaufen mußten und dadurch die Liebe zu der Natur, den Pflanzen und den Tieren, erfahren konnte.

In der Sendung gab es immer wieder Telefongespräche, wo Frau Mayröcker den lieben Norbert anrief und ihm berichtete, wie weit sie schon mit der Vorbereitung auf die Sendung ist. Dazwischen bin ich in die Badewanne gestiegen und habe weiter in Ljudmilla Ulitztkayas „Reise in den siebenten Himmel“ gelesen und danach mit dem Rad an der Traisen in die Stadt gefahren, um den Alfred am Markt zu treffen und mit ihm eine Käsekrainer zu essen. Da gab es heute Gratispunsch und dadurch habe ich  Ö1 bis zwei mit Elke Tschaikner und Christian Scheib versäumt, inzwischen kann man aber alles sieben Tage lang nachhören und so habe ich meinen Mittagsschlaf gleich mit der Hörspielgalerie und dem, ich glaube, Hörspiel eines Jahres „Das zu Sehende, das zu Hörende“ mit Musik von Ernst Kölz, richtig eine Hörspielautorin ist die F.M. auch, darauf habe ich jetzt fast vergessen, weil das Hörspiel auch nicht so ganz das meine ist, verbunden und dann ging es bis fünf mit Irene Suchy und „Apropos Friederike“ weiter, die das Musikalische der Dichterin, bzw. ihre Lieblingskomponisten vorstellte.

Bach, Händel, Liszt, vertont ist sie auch worden, aber nicht so viel, weil sie, wie ihr ein Komponist einmal sagte, ohnehin schon so musikalisch ist.

Am Abend geht es weiter mit einem Abend aus dem Radiokulturhaus „FM90“ mit Philiph Scheiner und der Frage von Johannes Kaup „Was glauben Sie?“, ist sie ja, habe ich am Montag aus dem Film gelernt, religiös, hat allerdings ihren eigenen Gott, an den sie glaubt und der ORF hat in seinem Schwerpunkt auch ein sehr schönes Archiv, das ich wirklich nur empfehlen kann.

Ich habe das inzwischen auch und würde sagen, daß ich spät und vielleicht immer zufällig und nebenbei zu der Dichterin gekommen bin, der ich  auch öfter über den Weg laufe, wenn ich einkaufen gehe, weil sie ja in der Zentagasse wohnt und Christel Fallenstein, ihre Vertraute, habe ich einmal oder sie mich im Literaturhaus oder so bei einer Veranstaltung angesprochen, dann hat sie mir ein Mail vor vier Jahren geschickt, so habe ich mein erstes kleines Archiv angelegt, das sich inzwischen durch die Geburtstagsveranstaltungen sehr erweitert hat und, daß sie schon lange keine experimentelle Dichterin ist, sondern mit ihrer wunderschönen Sprache über den Alltag des Lebens sehr originell und einzigartig erzählt, bin ich auch schon daraufgekommen.

So wiederhole ich also mein „Alles Gute zum Geburtstag!“ und habe außer dem Buch der Erika Kronabitter, das ich demnächst lesen werde und das auch im Radio erwähnt wurde, noch ein besonderes Schmankerl auf meiner Leseliste, nämlich das erste, 1956 bei „Bergland“ erschienene Bändchen „Larifari- ein konfuses Buch“, das sogar am 21. 3. 1958 von ihr signiert wurde und ziemlich neu und ungelesen aussieht.

Man findet in den Schränken, habe ich einmal geschrieben,  relativ wenig von Friederike Mayröcker, obwohl sie ja sehr viel, zwischen achtzig und hundert Bücher, da gehen die Meinungen, die ich in den letzten Tage, hören konnte, auseinander,  hat und vor allem die letzteren, „Der Vogel Greif“, „Ich bin in der Anstalt“, „Scardanelli“, „Etudes“, „Cahier“, etc, scheinen sehr interessant zu sein und die „Abschiede“ und das „Lesebuch“ könnte ich  auf meine Leseliste setzten, da ich mich an die Bücher, selbst wenn ich sie gelesen habe, nicht mehr richtig erinnern kann.

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