Literaturgefluester

2014-12-27

HAB DEN DER DIE DAS

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:23

„Der Königin der Poesie Friederike zum 90. Geburtstag“, ein Blumenstrauß mit circa hundertsiebzig Blüten zu Textzeilen der Geehrten, herausgegeben von Erika Kronabitter, der unermüdlichen, die schon einmal „Die Friederike-Briefe“, eine andere Hommage an Friederike Mayröcker herausgegeben hat.

Mein Text ist nicht dabei, wieder einmal nicht, diesmal war es ein Versehen und ich wäre vielleicht auch eingeladen und aufgefordert gewesen, meinen Senf in Chose zu spritzen, so wie ich das bei der Veranstaltung „Was schreiben was tun!“, auch einmal getan habe und einen Text zu einer Veranstaltung geschrieben habe, zu der ich nicht eingeladen wurde.

Friederike Mayröcker und Ernst Jandl wahrscheinlich schon, so bleibt dieser Text ungeschrieben, in dem ich mich wahrscheinlich an das Zitat aus den „Magischen Blättern“-„Da hat man sich ein ganzes Leben lang um Literatur bemüht und es ist immer noch nichts herausgekommen dabei“, den ich einmal in der „Alten Schmiede“ mitgeschrieben habe, bezogen hätte.

Es gibt aber das Friederike Mayröcker-Archiv und viele Artikel zu F.M. in diesen Blog, um die man, wenn man in Wien wohnt, nicht herumkommt, wie man einmal nicht um Elfriede Gerstl herumgekommen ist.

Und der bei „Art und Science“ herausgekommene Band mit den hundertziebzig Blumenblättern, Gedichte, Zeichnungen, Textstellen von mehr oder weniger bekannten Autoren, Journalisten, Wissenschaftlern, Bewunderern, etc ist auch zu mir gekommen, liegt vor mir, ich lese ihn durch und habe mit dem Schluß begonnen, mit den Interview, das Juliana Kamiskaja mit der Autorin anläßlich ihrer „Scardanelli-Übersetzung“ führte. Die habe ich glaube ich im Literaturhaus bei dem „F.M. Symposium“ gehört und das Interview gibt Details aus dem Leben der Dichterin wieder, die ich in den letzten Tagen bei den Veranstaltungen und im Radio öfter hörte.

Das von den Verbalträumen zum Beispiel, die Friederike Mayröcker hat, dann schreibt sie in der Nacht noch die Worte auf, die ihr im Schlaf kamen, tippt als Estes am Morgen eine Stunde lang in ihre alte Schreibmaschine, Friederike Mayröcker benützt keinen Computer, ist aber sonst in ihren Texten technikaffin und gesellschaftskritisch, bezieht das dort ein, ihr Lieblingsdichter ist Friedrich Hölerlin, deshalb auch der „Scardanelli“ und zu den Lieblingsbüchern gehört „Die Postkarte“ oder „Glas“ von Jaques Derrida, den sie ja öfter zitiert.

Interessant, interessant und dann nach vor geblättert und gelesen, was die anderen über F.M. zu sagen haben. Richtig ganz am Schluß, gibt es noch ein Foto der Geehrten, wo ihr Kopf zwischen einem großen Blumenstrauß lächelnd hervorlugt, von Erika Kronabitter im Literaturhaus aufgenommen.

Beginnen tut es mit einer Danksagung von Erika Kronabitter und geht von Malte Abraham durch zu Christiane Zintzen, die schon auf ihrem Blog, das Buch erwähnte.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich wirklich alle Autoren auf ein Mayröcker-Zitat bezogen haben, zumindest kann ich das nicht immer erkennen, so erwähnt Martin Amanshauser in seinem Text beispielsweise, daß er jahrelang in „Rudis Beisl“, das, glaube ich, gleich bei mir um die Ecke ist, am gleichen für F.M. reservierten Tisch zu Mittag gegessen hat, auch ein schöner Schreibimpuls bzw. Inspirationsanregung.

El Awadalla hat einen Text, der sich auf die Zentagasse, wo die Dichterin ja wohnt, bezieht und Zdenka Becker hat ein Textzitat und stellt es dem ihrigen voran.

„Es mayröckert“ schreibt Georg Biron. „Es schwebt. Es schläft. Es blendet und singt. Liebevolle Wärme trifft sich im Kaffeehaus.“

Und Patricia Brooks schreibt „Bitte nicht erschrecken. Ich sitze auf einem Pulverfass.“

Helwig Brunner, den ich schon bei einigen Lyrikveranstaltungen hörte, hat ein „Fragment zu F.M.“, das sich „auf dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif“ bezieht und auch Crauss, den ich bei einer „Ritter-Festveranstaltung“ kennenlernte und von dem ich mir einmal ein dickes „Ritter-Buch“ kaufte, nur um Christel Fallenstein davon zu erzählen, hat auch einen Textbeitrag, genau, wie die Erwähnte selber, die ja aus Deutschland nach Wien gezogen ist um F.M.s Texte abzuschreiben und sie inzwischen, glaube ich, auch zu den Veranstaltungen zu begleiten.

Esther Dischereit, die Fried-Preisträgerin und Professorin oder Dozentin der Sprachkunst, schreibt sehr poetisch „Hab gerade die Zeilen geöffnet die wo da durch und dann darüber und wieder x und mit der Hand…“ und Stephan Eibel Erzberg, der mir ja das schöne Nachwort für das „Literaturgeflüster-Texte-Buch“ geschrieben hat, hat am 17. 12. 2001″ „vor einem jahr noch vor drei jahrzehnten schon ernstn jandl so gern gelesen“

Ingrid Wald hat dagegen einen „Le jardin pour Friederike“ gezeichnet und Franzobel ist für Friederike Mayröcker zum 90er in die „Türme des Schweigens“ gestiegen.

Bettina Galvagni, von der ich einmal hörte, daß sie in Frankreich als Ärztin lebt und nicht mehr schreibt, hat von ihrer Begegnung mit F.M. in der Zentagasse geschrieben und Petra Ganglbauers „Sonnengruss für Friederike M. – „Mein Johanniskrautgesicht“ habe ich schon einmal in der „Alten Schmiede gehört und ist glaube ich, auch im „Feribord“ veröffentlicht und Christine Haidegger bezieht sich in „Für Fritzi in Zuneigung“, auf das bekannte Zitat, das ich auch am Samstag im Radio hörte, daß F.M „den Tod für einen Unfug findet und gerne hundertdreißig Jahre“ werden will.

Sonja Harter, die ja eine eigene Gedichtsammlung mit F. M. Gedichten herausgegeben hat, ist im Buch enthalten und Bodo Hell, der langjährige Vertraute, der ja glaube ich, gerade auch ein Buch über sie herausgegeben hat, wie es zum Neunziger der Verehrten überhaupt einige Goodies gibt, die sich inzwischen auf meinen Schlafzimmertischchen tummeln.

Gibt es da ja die „Flugschrift“ von Dieter Sperl mit Texten von Bodo Hell und Friederike Mayröcker, das „Firebord 2“ von Gerhard Jaschke ist Friederike Mayröcker gewidmet und da ist auch das „Alphabet“ enthalten, das es auch  in den zwei „Freibord-Nummern“ gibt, die zum siebzigsten Geburtstag der Dichterin erschienen sind, in dem es auch die Unterschrift von mir zur Glückwunschkarte gibt und in den neuen „Manuskripten“ sind ebenfalls Würdigungen an sie und Texte von ihr enthalten.

Marie Therese Kerschbaumer, eine andere, etwas jüngere, Dichterin, die ich in den Achtziger und  Neunzigerjahren bei den GAV und IG-GVs regelmäßig getroffen habe und einmal auch mit zusammengestoßen bin, hat einen Text und Ilse Kilic hat ihr „Füße“ gemalt.

„Sfax fossivogi futapaß werden die neuen Welten sein. Gegenfüßler werden rotieren“, ist  der F.M. Text, auf den Bezug genommen wurde und hier sogar zitiert wurde, daß der 1977 bei „J.u.V“ erschienen ist, was ich bei den anderen Texten oft eher ratlos vermißte, weil ich in kein Textdurcheinander kommen wollte.

SiSi Klocker hat ein „Friederikengedicht“, eine Zeichnung, den Schlußsatz „Kurz: schön, daß es dich gibt“ und das „P.S.  Mein Buch, das ich dir schicken sollte, werde ich dir demnächst übergeben.“

Der Buchtitel stammt von der GAV-Sekretärin Magdalena Knapp-Menzel „hab den der die das vor hundert jahr mit grau unter schwarz, unter kugelrand unter schwarzdünn, hauchig plustrig. das hab ich.als erinnerung“

Der Poetry Slamer und Zeitschriftenforscher Markus Köhle hat eine „Demontage einer Serie von Liebesgeschichten“ und Margret Kreidl bringt in ihren „Papageienkoffer“, was später noch Peter Weibl machte und ich sehr schön finde, eine Collage aus Friederiken-Büchern.

„Und du brauchst“, dichtet Erika Kronabitter, wohl dem berühmten F.M. Gedicht nach, das in neunzig Sprachen übersetzt wurde, wie Christel Fallenstein zum achtzigsten Geburtstag erforschte und das auch in Carmen  Tartarottis zweiten Film „Das Schreiben und das Schweigen“ zum fünfundachtzigsten Geburtstag zu hören ist.

Von den Gedichten gibt es Beispiele in Arabisch, Chinesisch, Georgisch, Griechisch, Hebräisch, Japanisch von Joko Tawada übersetzt, die 1996 beim Bachmannpreis aufgetreten ist, alles  schwer zu lesen und Fotos wohl aus Carmen Tartarottis Film von der Dichterin zwischen fünfzig und  später, ihrer Wohnung, ihren Zettelbergen, etc, gibt es auch und einen „Kurzgedanken“ in Maschinenschrift vom 29.9.09 für Carmen Tartarotti, wo die Dichterin „falls du geehrt wirst mit  dem Hessischen Filmpreis für deinen Film „Das Schreiben und das Schweigen“ in welchen du meine Schreib- und Schweigefigur so schön gebannt hast dasz ich als flüchtige Tränenfigur durch deinen Kopf, durch deinen Kopf hindurch in diese deine Filmbilder hineinkrieche, wird meine Freude kein Ende nehmen.“, schreibt.

Kurt Neumann schreibt an „Capitaine Fritzi“ und Alexander Peer von dem ich auch ein Buch gefunden und gelesen habe, schreibt über seine Leseerfahrungen mit F.M, die ihm immer wieder „Neugier und Lust verschafft, die für ein lebendiges Lesen unerlässlich sind.“

Gabriele Petricek, die unermüdliche Veranstaltungsbesucherin und Stadt Wien Stipendiatin „mayröckert“ am 13. 9. 2014 „Blumenstöcke auf den Küchenfenster nämlich  in Formation“ und hat erfreulicherweise auch das Originalzitat angegeben, das aus dem von Robert Huez herausgegebenenen Bädchen „laut lauter lyrik“ stammt, das ich ihm ja einmal abgeschnorrt oder abgetauscht habe und Birgit Pölzl, die beim letzten Bachmannpreis gelesen hat, erzählt einen Traum, in dem sie sich viel auf Herrn Schmidt  und Arnos Zettelberge bezieht, der ja, wie ich inzwischen weiß, auch zu F.M.s Lieblingsdichtern zählt

Teresa Präauer dichtet nach „In meiner rechten Hand Ästchen voll mit Hagenbutten (Die linke in der Hosentasche.)“ und Julya Rabinowich „im Prückl sitzt Mayröcker manchmal grausam da aber immer fürstlich groß und schwarz.)“, ist die Dichterin ja immer so angezogen, wie sie auch im ersten Tartarotti Film erzählt und Doron Rabinovici beschreibt, die Erfahrungen während einer F. M. Lesung, die ich auch schon manchmal hatte „Friederike Mayröcker nimmt Platz. Sie breitet die Blätter aus. Sie verzettelt sich und liest mich auf. Sie spricht und an. Ruhe kehrt ein. Ich höre ihre Stimme und halte inne. Sie deklamiert nicht. Sie rezitiert nicht. Sie trägt nicht vor und trägt nicht auf. Sie gibt leichthin wieder, was sie aufschrieb.“

Ich füge noch hinzu, daß die Minute Stille, die herrscht, bis Frau Mayröcker zu lesen beginnt, ihre Brille aufsetzt, auf den vorbereiteten Zettel, die Textstellen heraussucht, vielleicht noch einmal einen vorwitzigen Fotografen bittet, wie am vorletzten Mittwoch bei der Lesung aus „Cahier“ kein Blitzlicht zu verwenden, wirklich sehr beeindruckend und unvergesslich sind.

Gerhard Ruiss, der Geschäftsführer der IG-Autoren, bezieht sich auf „Und ich schüttelte einen Liebling“ und erinnerte daran, was ich vor ein paar Tagen nachgeschaut habe, daß sie damit auf der Shortlist für den ersten dBp gestanden ist, was wohl  einige Romanleser in Schwierigkeiten brachte, obwohl das, wie ich erfahren habe, ein eigentlich gut zu lesendes Buch ist. Gewonnen hat aber ohnehin der viel jüngere Plotter Arno Geiger und die F.M. hasst ja leider außer den Tod auch das Erzählen.

Robert Schindel und Ferdinand Schmatz, die Doyens der Hochschule für Sprachkunst haben einen Text, der von Schmatz ist besonders kurz, so daß ich ihn hier wiedergebe “ du luft geflieder unser kleid“ und Hannah Sideris, die ich bei den „Poet Nights“ kennenlernte und die eine sehr gestrenge Literaturkritikerin ist, wie ich bei den GAV-GVs erfuhr, hat etwas „aus den Aufzeichnungen eines Engels“ und auch der Bachmannpreisträger von 2010 glaube ich, Peter Wawerzinek, den ich sehr gerne mag, hat einen Text, nämlich eine „Parodie auf ein ungeschriebenes Werk von FM „Ich hasse Märchen! Ich hasse Fressgeschichten! Ich bin gegen jede Art von Kriminalstory,Sorry!“ und so hat man sich durch den Blumenstrauß hindurchgeleen und ach ja, Friederike Mayröcker mag  keine solche, will sie nicht zu ihren Geburtstagen und auch nicht auf der Türmatte liegen haben, ein Wunsch, der sich zum Neunzigsten und wie auch im Buch zu sehen ist, ganz bestimmt nicht erfüllte, hat ja auch Erika Kronabitter das Buch in der „Alten Schmiede“ mit einem kleinen Sträußlein überreicht und die Dichterin hat sich dafür höflich lächelnd bedankt und man hat, wenn man sich durch den Reigen gelesen hat, viel von F. M und auch über die hiesige österreichische und auch deutsche, etc. Autorenschaft gelernt, so daß ich das Buch F.M Anfänger, Fortgeschrittene, Fans und vielleicht auch Skeptiker wirklich nur empfehlen kann und es nur etwas beauere, daß am Schluß zwar die Autoren, nicht aber ihre Biografien angeführt sind und alle Namen habe auch ich nicht gekannt. Die bei denen ich es tat und über die schon etwas im Geflüster zu finden ist, habe ich verlinkt, was für die Leser vielleicht ein bißchen hilfreich ist.

 

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