Literaturgefluester

2014-12-29

Es wird mir fehlen das Leben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:19

Wenn ich schreibe bin ich ja immer auf der Suche nach dazu passender Literatur, so habe ich während der „Anna“ im Schrank John Katzenbachs „Der Professor“ gefunden und mir ein Buch von Dimitri Verhulst bestellt, das aber nicht gekommen ist, für das „Schutzengelchen“, habe ich „Die Waffen nieder“ gelesen und bei der „Mimi“ habe ich Anna Gollners „Christine“ gelesen und gefunden.

Mein derzeitiges „Work in Progress“ wurde durch Ernst Lothars „Die Mühle der Gerechtigkeit“ inspiriert, das „Residenz-Buch „Die Jungen fressen den Alten den Kuchen weg“ von den SP und ÖVP Seniorenvertreter habe ich im November im Schrank gefunden, war aber für das Sterbehilfethema oder die Behandlungsverweigerung nicht wirklich passend und dann habe ich noch Ruth Picardies „Es wird mir fehlen das Leben“ gefunden und zuerst gedacht, daß ich von dem Buch, einmal während einer Leipziger Messe geört habe, es ist aber offenbar ein anderes, wahrscheinlich gibt es mehrere Journalisten und Schriftstellerinnen, die über ihren Krebs oder ihr baldiges Sterben schreiben.

Hennig Mankell hat ja zu Jahresbeginn auch Krebs diagnostziert bekommen, darüber ein Tagebuch geschrieben und manche Leser und Kritiker empört, daß sie mit „soetwas belästigt“ werden, ich finde es interessant.

Und das Buch der Journalistin hat sich mir eingeprägt, Ruth Picardie wurde aber 1964 in Reading geboren, studierte in Oxford und arbeitete bis zu ihrem Tod im September 1997 als Journalistin.

Das Buch ist 1997 erschienen, „Ein aufrichtiges oft komisches und ungeheuer anrührendes  Abschiedsbuch“, schreibt der „Spiegel“ auf das Cover, auf dem noch das Bild einer lachenden jungen Frau mit kurzen Haaren zu sehen ist, war Ruth Picardie ja gerade dreiunddreißig als bei ihr ein Brustkrebs diagnostiziert wurde und hatte vor kurzem durch eine In-vitro Fertilisation Zwillinge geboren.

Das schreibt ihr Ehemann Matt Seaton, im Februar 1998, da waren die Zwillinge noch nicht drei, im Vorwort und erzählt auch, daß Ruth Picardies Schwester, Justine, ihr eine Kolummne im „Observer“ verschafft hat, wo sie über ihren Krebs schreiben sollte.

Fünf solcher Artikel sind bis zu ihrem Tod erschienen, zu wenig für ein Buch, es gab aber auch eine Menge E-Mails, die Ruth Picardie an ihre Freude über ihren Krebs geschrieben hat und auch  viele Leserbriefe, so gab er mit der Schwester das Buch heraus,  das ich interessant finde, auch wenn sich die medizinische Behandlungsweise, seit Ende der Neunzigerjahre sicherlich verändert hat.

Ruth Picardie hat also noch vor der Geburt ihrer Zwillinge, einen Knoten an ihrer Brust entdeckt, die Ärzte beruhigten, nach der Geburt kam er wieder, diesmal war es Krebs und die junge Frau schreibt sehr locker darüber in ihren Kolumnen und auch ihren Freunden. Da gibt es einen Jamie, einen Schwulen, dessen Freund an Aids verstarb, selbst an Krebs erkrankt, eine Carrie und eine India, die offenbar über Übergewicht leidet.

Sie alle trösten und unterhalten sich mit Carrie, sprechen ihr Mut zu und geben ihr Tips, die von der Chemo- zur Strahlentherapie schwankt, dazwischen zu Alternativmediziner geht, Gemüsesäfte-Diäten macht, Unmenge Kosmetika einkauft und sich ärgert, daß ihr das Amt eine Sozialarbeiterin ins Haus schickt, als sie eine Putzhilfe beantragt.

Sie beklagt sich auch, daß ihr Mann sich nicht immer versteht, schickt ihre Kinder zum Psychologen, damit sie später die Trennung von ihr leichter verkraften, es wurde bei ihr auch noch ein Hirntumor entdeckt, nachdem sie unter starken Kopfschmerzen litt, die zuerst nicht ernstgenommen wurden.

Es geht um Erinnerungsschachteln, die sie für ihre Kinder anlegen soll, das aber nicht recht will.

In dem Buch, das Charlotte Link vor kurzem über den Krebstod ihrer Schwester geschrieben hat, gibt es eine Stelle, wo eine Ärztin der Schwester den Krebs diagnostiziert und als die ihr sagt, daß sie kleine Kinder hat, ihr ruppig antwortet, daß es dann für sie Zeit ist eine Erinnerungsbox anzulegen.

Offensichtlich lernt man das bei den Fortbildungen der Onkologen, die Leserinnen raten Ruth Picardie aber das zu lassen, wenn sie es nicht will oder aber ihre tollen Artikel in die Box hineinzulegen, damit die Kinder später wissen, was für einewundervolle Mama sie hatten.

Sie raten ihr auch auf jeden Fall zum Ausverkauf zu gehen, es zahlt sich noch aus, sich was Schönes zu kaufen und Ruth plant auch genau, wie meine etwas ältere Veronika gesund zu leben, es sich gut gehen zu lassen und eine sehr rührige Stelle finde ich, ist, wie sie überlegt, was sie alles beim Aufwachsen ihrer Kinder versäumen wird, sie wird nie zusehen, wie sie schwimmen lernen oder Klavier spielen, aber „Na schön, ich muß auch keine Kinderkacke aus der Badewanne entfernen oder „Pingu“ zum  207 Mal anschauen oder Spinatsoße vom Fußboden wischen.“

Es gibt eine Kolumne über die „Konsumtherapie“ und eine über Kübler-Ross „Schockphasen“: Depression, Zorn, Verhandeln, Leugnen Akzeptanz, dann brechen die Kolumnen ab, Ruth Picardie wird zu schwach dazu, kommt in ein Hospiz und in den Rollstuhl, zum zweiten Geburtstag der Kinder geht sie nach Hause um mit ihnen zu feiern. Am Schluß gibt es noch zwei Abschiedsmails an Joe und Lola und ein Nachwort von ihrem Mann, der das Ende beschreibt, psychiatrische Krankenschwester vor der Spitalszimmertür, als Ruth Picardie Selbstmordabsichten äußerte, die Hirntumor dürfte zu Psychosezuständen und Verwirrungen geführt haben und Prinzessin Diana ist in dieser Zeit auch gestorben und das war auch die Zeit als ich im Pflegeheim Klosterneuburg Kommunikation unterrichtete und mit den Pflegehelferschülern die Hospiz-Station im damaligen Geriatriezentrum am Wienerwald besuchte.

Ein spannendes Buch, jetzt müßte ich nur die Lust am Korrigieren meines „Therapieverweigerungsbuches“ wiederfinden und von den Weihnachtsfilmen, die ich mir nach wie vor anschaue, lassen. Alfred hat mir aber schon den Umschlag für das „Schutzengelchen“ gebracht, der sehr schön geworden ist, mit Originalkarten aus dem ersten Weltkrieg, die ich von meinem Großvater erbte und auf meiner Leseliste von 2015 stehte auch ein „Abschiedsbuch“ „Before i die“ von Jenny Dowwnham, offenbar auch eine Engländerin oder Amerikanerin.

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