Literaturgefluester

2014-12-25

Eine Nacht voller Wunder

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:07

Noch ein Weihnachtsbuch und diesmal ein spirituelleres „Gesegnete Weihnachten“ aus dem „Herder-Verlag“, ich habe es, glaube ich, im Jänner oder so in dem kleinen Kästchen bei der Buchhandlung „Kuppitsch“ gefunden, wo die vielleicht ihre unverkauften Weihnachtsbücher entsorgten und im Vorwort stellt Ulrich Sander, der schon mehrere „Herder-Weihnachtsbücher“ herausgegeben hat, dieses hier ist der Weihnachtssonderband 2013, die Frage ob „Weihnachten nicht alle Jahre wieder dasselbe ist?“ und beantwortet sie damit, daß man das Fest anders erlebt, wenn es das erste Fest des ersten Kindes ist oder das erste, nach dem der geliebte Partner etc, verstorben ist.

Das habe ich schon einige Male erlebt, ist ja mein Vater 1995 und mein Schwiegervater vor zwei Jahren am Freitag vor Weihnachten verstorben und zur Seelenmesse meiner Schulfreundin Edith Brocza bin ich auch einmal an einem achten Dezember hinausmarschiert und diesmal habe ich am Samstag den neunzigsten Geburtstag von Friederike Mayröcker mit Ö1 gefeiert und am Tag darauf kam die Todesnachricht der Schlagerlegende, ich sage das jetzt mal so, Udo Jürgens, der kurz nach seinem achtzigsten Geburtstag „mitten aus dem Leben“ hinausgerissen wurde.

Ein Weihnachten, das vielen dadurch vielleicht, trotz all dem Streß, das das ruhigste Fest des Jahres, ja vielleicht macht, im Gedächtnis bleiben wird.

So fragt die Sozialpädagogin Andrea Schwarz, die auch schon bei „Herder-Weihnachtsgeschichten“ mitgeschrieben hat, gleich zu Beginn „Und was haben Sie vergessen?“, während Gert Böhn und Johannes Pausch „Das Leben entschleunigen“ wollen und auch der 1961 geborene Theologie Professor Kristian Fechtner spricht von „Entrümpeln“ und stellt sich vor, wie er in seiner Weihnachtsstube zuerst einmal die Weihnachtsmänner und die Lichterorgeln hinausschmeissen wird.

Dann kommt er zu den persönlichen Erinnerungen und da wird es vielleicht schon schwieriger, denn natürlich kann ich loslassen, daß ich als Kind Weihnachten nicht so positiv erlebt habe, denn da ist die Mutter vom Kindergarten oder dem Kleiderladen, wo sie putzte, nach Hause gehetzt, hat bis in die Nacht weitergeputzt und am nächsten Tag gab es dann Streit mit dem Vater, der mir erklärte, daß es es keine Geschenke gibt, wenn ich nicht „an das Christkind“ glaube, was er wohl für pädagogisch hielt. Kann ich vergessen natürlich, aber dann fehlt ein Teil meiner Biografie und das erste Weihnachten ohne ihn und den Gang zur Wotrabakirche vor zwei Jahren, will ich eigentlich nicht vergessen.

Dann geht es weiter mit dem „Zu sich kommen“, was für die Christen, wie wahrscheinlich auch für alle andere Menschen, sehr wichtig ist, innehalten vom Putzen, einkaufen, erledigen und „Achtsam“ auf das große Fest warten, wie uns der Franziskanerpater Richard Rohr erklärt.

Margot Käßmann bringt in ihrem Text „Ein Licht anzünden“ zuerst einmal ein Gedicht von Jochen Klepper, da gibt es keine Biografie im Anhang, so googlete ich nach, daß der 1903 in  Beuthen an der Oder geborene, einer der bedeutensten Dichter von geistigen Liedern im zwanzigsten Jahrhundert ist. 1942 sollte seine Familie deportiert werden, so ist er am 10. Dezember mit ihnen gemeinsam in den Freitod oder Selbstmord gegangen.

Das war der erste Teil des Buchs, der „Auf den Weg zum Fest“ begleiten sollte.

Der zweite ist dem „Wunder von Weihnachten“ gewidmet und da wird zuerst die „Biblische Weihnachtsgeschichte“ erzählt. Es gibt ein Gedicht von „Novalis“ und eine Weihnachtsgeschichte aus Dänemark, von Christa Spilling-Nöker, erzählt.

Da kommen „Weihnachtsgäste“ in ein Dorf, klopfen beim reichen Bauern an, der sie natürlich abweist, die Armen geben ihnen Quartier und schlachten ihren Widder (was kann das arme Tier dafür, kann man jetzt fragen, aber ich bin auch keine Vegetarierin) und dürfen sich am Schluß soviel, wie der Widder Häörner hatte wünschen. Sie wünschen sich  ihr „tägliches Auskommen und einen Platz“ im Himmel. Die Gäste gehen und die Kuh und die Sau bekommen aufeinmal viele kleine Nachkommen, so daß das Paar reich bzw. wohlhabend wird, das läßt den Reichen keine Ruhe, sie fragen nach und als die Weihnachtsgäaste im Jahr darauf wiederkommen ist natürlich Platz im Haus für sie. Sie dürfen sich auch was wünschen und lügen den Gästen vor, daß ihr Widder vier Hörner hätte. Also gut, vier Wünsche, nur schade, daß die Reichen damit nicht umgehen können und so vertun sie die Gelegenheiten und haben am Schluß zwei Pferde weniger als davor.

Aus Russland gibt es dann die Geschichte vom „Heckrubel“, der am Weihnachtsabend in die Tasche kommt und solange dortbleibt, so lange man keine unnützen Dinge kauft und nur an sich denkt und im dritten Teil „Jeder Mensch hat ein Geheimnis“, geht es um besinnliche Texte, die sich mit der Rolle Maria, als alleinerziehende Mutter, Josef als betrogender Ehemann und damit, daß man den heiligen Josef als Krippenfigur nur im Dreierpack mit Maria und dem Kinde kaufen kann, beschäftigen

Teil vier wird wieder literarischer, erzählt da doch Hans Christian Andersen vom „Tannenbaum“ und Gedichte Friedrich Wilhelm Weber und Christian Morgenstein, die sich mit dem Christbaum beschäftigen gibt es auch.

Und ich bin von meiner Weihnachtsfilmphase, die in eine Weihnachtsdepression mündete, über die Mayröcker-Phase schon lange wieder ab und zu meiner Leseliste und den Büchern, die ich heuer unbedingt noch schaffen will, zurückgekommen.

Meine zwei Weihnachtswünsche, die ich hätte, wenn mich jemand danach fragte, habe sich noch nicht erfüllt und ich habe auch noch keine Kommentierer gefunden, die von meinen Blog so begeistert sind, daß sie mich vielleicht für den N-Preis vorschlagen würden, hatte am Sonntag aber, oh Wunder, dreihundertsiebenundsiebzig Zugriffe, ungefähr doppelt soviele, wie sonst, Weihnachten ist also doch eine hoffnungsvolle Zeit, auch wenn sich das das als Eintagsfliege herausstellen dürfte.

Und das Dummie der „Anna“, die inzwischen an die Druckerei gegangen ist, habe ich auch schon bekommenund durchgesehen.

 

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2014-12-24

Gedanken über weiß-schwarze Weihnachten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:38

Seit einigen Jahren, die offenen Bücherschränke machen es möglich, sammle ich ja Weihnachtsbücher und lese sie im Dezember.

Drei, vier sammeln sich da jedes Jahr zusammen und es scheint auch eine breite Bandbreite an Weihnachtsbüchern zu geben.

Weihnachtskrimis, Weihnachtsromane, der „Weihnachtshund“ steht schon auf der Leseliste fürs nächste Jahr.

Agatha Christie hat ein Weihnachtsbuch geschrieben, „Auch Engel lachen gerne“ wird gerne bei mir angesehen und im Vorjahr gab es zwei Bücher mit Texten von Gegenwartsautoren, besonders spannend, sonst eine Mischung von Altbekannten. Heuer habe ich schon zwei Rezensionsexemplare besprochen,   „Wenn das  Jahr zu Ende geht“ von Gaby Bessen und die „Cartoons über Weihnachten“ des Holzbaumverlags.

Jetzt warten noch zwei oder drei Bücher auf mich, Charles Dickens berühmte „Christmas-Charol“ auf dem E-Bookreader, aber der vierundzwanzigste Dezember ist schon angesagt und nach den zwei Feiertagen wartet schon der Jahresrückblick und die Bücher die ich heuer eigentlich noch unbedingt lesen möchte.

Am Heiligen Abend also ein besonderes Schmankerl, ein Weihnachtsbuch von Christine Frey und ein Fund aus dem Bücherschrank, ein kleines, wohl selbstgemachtes rotes Büchlein mit schwarzen und weißen Weihnachtssternen und wenn man auf Christine Freys Homepage geht, sieht man daß die Wiener Mundartdichterin oder müßte ich jetzt Dialektautorin sagen, die seit ihrem zwölften Lebensjahr schreibt, schon sehr viele Bände herausgegeben hat. Fünf über Weihnachten, glaube ich und noch genauso viel andere.

Man kann sie bei ihr bestellen und sie las auch den ganzen Advent über in Wien, Niederösterreich und vielleicht auch anderswo.

Persönlich habe ich von der Autorin noch nie etwas gehört und auch nur die „Schwarz-weißen-Weihnachten“ im Schrank gefunden, 2006 erschienen, mit einer Widmung der Autorin „Die viel Freude!“, damit wünscht.

Vierzehn Gedichte, dann noch ein paar Angaben zur Autorin und ein Foto von ihr und ganz vorne als Motto, der Gedanke, daß Weihnachten mit „Weihen und Achten“ zu tun hat. Das Wort weinen steckt auch noch drinnen, ist aber von der Autorin nicht gemeint oder vielleicht doch ein bißchen, geht es in dem Buch ja um die Gegensätze. Um das Schwarz und das Weiß, um die Weihnachtshasser und die die sich daran noch freuen, um den Streß, die Gewichtszunahmen, den verdorbenen Magen, etcetera.

Gegensätze ziehen sich an, sagt man und in Weihnachten liegt auch alles drinnen, man kann es so oder auch anders machen.

Vielleicht auch eine Mischung davon und wenn man das rot- orange Büchlein, es kostet zehn Euro, ersehe ich auf Christine Freys Preisliste, unterm Christbaum liegen hat, kann man nach der Bescherung vielleicht lesen, wie es im nächsten Jahr eventuell besser geht.

Der feine Humor ist ebenfalls da, beispielsweise in dem Gedicht von den „Rumkugeln“, die die Oma macht und die ist eine gescheite Frau und spart mit dem Rum, gibt nur ein ganz kleines Schlücklein hinein und läßt den Teig ziehen, schade, daß sie ihn nicht bewacht, denn da kommen Vater, Mutter, Kinder und gießen aus guter Absicht schnell ein Stamperl hinein, nachher muß die Oma den Teig fester machen und nach der Bescherung lallen alle herum.

Erinnerungen spielen auch eine große Rolle, an die Weihnachten, wo das Geld knapp war und am Christbaum nur Zuckerwürfeln hingen, es kalt im Zimmer war und es nur Liebe als Geschenk gegeben hat, heute ist alles hektischer und viel weniger schön, leider, manchmal, kann sein, wenn man nicht aufpasst und nicht rechtzeitig bei Christine Frey nachliest.

Da ist der kleine Bub, der seinen Milchreis mit dem Christkind teilen will, das im versperrten Zimmer die Packerln unter den Christbaum legt, vielleicht auch Erinnerung an früher, als man noch an das Christkind glaubte, da habe ich auch so meine Erinnerungen und die waren nicht so schön und die „Weihnachtsralley“ regt zum Nachdenken an. Zwar gibt es ja zwei Feiertage zum Besuchen der Verwandten, aber wenn man alles in einem Tag unterbringen will, das Gansl und die Kekse, die Uroma und die Großmama, dann kann man sich über das zweite Fahrrad nicht mehr freuen und hat nachher einen verdorbenen Magen oder die Kilo zuviel  und freuen über Weihnachten können sich vielleicht nur mehr die, die gar nicht soviel haben, die in der Hausmeisterwohnung in „Zu ebener Erd und im siebenten Stock“ und die, die vielleicht ganz allein vor ihrem Christbaum sitzen, weil sie ihre Familie im Ausland haben, helfen dann den armen Buben mit den kranken Müttern, borgen Geld für die Apotheke und stellen sogar ihren Christbaum zur Verfügung.

Ja, Weihnachten kann auch schön und sinnlich sein, wenn man den Streß ein bißchen wegläßt und bescheidender wird, so daß die Kinder von morgen ihre Tanten vielleicht nicht fragen müßen, wie Weihnachten früher war, wo es die Besinnlichkeit noch gegeben hat?

Christine Freys Gedichte helfen vielleicht ein bißchen, den Faden nicht zu verlieren und wenn man statt. die „Weihnachtsralley“ selbst zu machen, ihre Gedichte liest, bekommt man vielleicht das Gefühl von früher zurück, wie  war, als man noch ein Kind gewesen ist und an das Christkind glaubte….

Und ich denke jetzt an mein „Selbstgemachten“ und verlinke wieder zu meinem Weihnachtsgedicht aus dem „Best off 2“

2014-12-23

Reise in den siebenten Himmel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:36

Jetzt geht es weiter mit den „Sommerbüchern“, das heißt die von meiner Leseliste, die ich im Juli nach Harland mitgenommen habe, um sie in der Sommerfrische zu lesen, dann ist es sich wegen den „Drava-Büchern“ und denen die ich im Elsaß gelesen habe,  nicht ausgegangen, ich habe sie als die Sommerfrische beendet war, in Harland gelassen, die Rezensionsexemplare nahmen zu und die Zahl der Bücher auf der Leseliste, die in diesem Jahr wohl ungelesen bleiben.

Mit Ljjudmila Ulitzkajas „Reise in den siebenten Himmel“, ein Buch aus dem Bücherschrank, das ich sogar doppelt gefunden habe, ist es sich aber noch ausgegangen und das ist ein Buch, wo ich mich schon auf das Lesen freute. Denn ich habe die Autorin einmal vor langer langer Zeit, als es die „Literatur im März“ noch gab,  im Museumsquartier lesen gehört, Alexandra Milner hat da, glaube ich, kuratiert und jetzt hat die 1943 geborene Russin, die einige Jahre als Genetikerin gearbeitet, hat, bevor sie zu schreiben begann, einen österreichischen Staatspreis bekommen, im Sommer in Salzbug, als ich das Buch eigentlich lesen hätte sollen, aber es ja nie zu spät zu lesen, solange man lebt jedenfalls.

Hier wird das russische Jahrhundert gezeichnet, bis zur Wende jedenfalls, anhand der Familie des Arztes Pawel Kukotzkys, der aus einer Ärztefamilie stammt und den „Innenblick“ hat, das heißt er kann, wenn er eine Patientin untersucht, oft schon deren Metastasen erkennen, nur bei dem ihm nahestehenden Frauen geht das nicht und da lernt er 1942 in Sibirien, er ist gerade um die Vierzig, Jelena Georgijewna kennen, sie ist achtundzwanzig, Mutter der kleinen Tanja, ihr Mann Anton wird später an dem Tag fallen, als sie sich Pawel ergibt, was zu Schuldgefühlen und zur Zerrüttung der Ehe führt.

Es führt noch etwas anderes dazu, nämlich, daß Pawel, der Gynäkologe, sich für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches einsetzt, hat er doch schon zu viele verpfuschte Frauen am Verbot sterben und die Ärzte angeklagt gesehen, was aber an der frommen Einstellung von Jelena, die Schuldgefühle wegen ihres Antons hat und an der der Haushälterin Wassilissa, die von Nonnen aufgezogen wurde, scheitert.

Es kommt zum Streit des Paares, er wirft ihr vor, keine Frau zu haben, weil ihre Gebärmutter entfent wurde, sie ihm nicht der Vater Tanjas zu sein, was die Tochter nicht weiß.

Die Beiden reden dann nicht mehr miteinander, Pawel fängt zu trinken an, bzw. tut er das, um sich den staatlichen Anordnungen zu entziehen. Als Stalin 1953 stirbt, wird es im Land scheinbar besser, die Schwangerschaftsunterbrechung wird erlaubt, Tanja beginnt Biologie zu studieren und in einem Labor zu arbeiten, wo sie Ratten töten muß, während die Hausmeistertochter Toma, die Pawel ins Haus genommen hat, als deren Mutter an einer Auskratzung verstarb, eine Gärtnerlehre macht und mit ihren Pflanzen spricht.

Der zweite Teil ist eine Traumsequenz auf über hundert Seite, wo alle, die Neue, die sich später als Jelena entpuppt und ihren Mann nicht erkennt, der kahlgeschorene Pavel, die Nonne, der Rohling, den alle mit ihren Blutspenden retten wollen, der Professor mit den Leninorden, Leo Tolstoi, etc, den neuen Ufern und einem Leben nach dem Tod, den siebenten Himmel wahrscheinlich, entgegenschweben.

Dann wird es wieder realistischer und geht zu der Familie, beziehungsweise in die Sechzigerjahre zurück.

Jelena hat Gedächtnisausfälle, die sich offensichtlich in eine Demenz bzw. eine Pfelgebedürftrigkeit auswachsen. Tanja zieht eine Zeit lang in der Nacht durch die Straßen Moskaus, läßt sich dort entjungfern, macht dann bei einer Freundin eine Goldschmiedlehre und bekommt von einem der Goldberg-Zwillinge, den Söhnen eines Freund Pawels und Genetikers, der immer Schwierigkeiten mit der Obrigkeit hat und in die Lager muß, ein Kind.

Ein Töchterlein, sie wünscht sich eigentlich einen Sohn und freundet sich, noch schwanger mit einem Jazzmusiker an, mit dem sie dann eine große Familie will.

An der zweiten Schwangerschaft verstirbt sie und im kürzeren, vierten Teil sind wieder einige Jahrzehnte vergangen. Jetzt geht Shenja, selber schwanger, Tanjas Tochter, einmal in der Woche zur Wohnung der Familie, um Jelena zu baden. Der Professor ist gestorben, Wassilissa auch und weil Tomas Mann, das große Zimmer braucht, hat man Jelena in das Zimmerchen der Haushälterin einquartiert.

Das war die Reise in den siebenten Himmel oder der Gang durch ein Jahrhundert russischer Geschichte, eine Frage von Schuld und Sühne, wie in der Breschreibung steht, mal realistisch, mal traumhaft erzählt und ein interessantes Buch, von einer interessanten Autorin, von der ich gern mehr lesen möchte.

2014-12-22

Wer ist Martha?

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:55

Eine Wandertaube, die im Jahr der Geburt des Helden, des inzwischen sechsundneuzig Jahre alt gewordenen Luka Lewadski, Sohn eines ostgalizischen Försters und einer Wiener Ornithologin, ausgestorben ist, um diese Frage gleich am Anfang zu beantworten und der zweite Roman der 1981, in Odessa geborenen Marjana Gaponeko, die damit 2013 den Alpha-Literaturpreis gewonnen hat und ein Jahr vorher, glaube ich ,auch auf Longlist des dBps stand.

„Annuschka Blume“, den vorigen Roman habe ich gelesen und ein wenig schwülstig und sehr abgehoben gefunden, wie ich der Autorin, auch anläßlich der Preisverleihung sagte.

„Dieser wird Ihnen gefallen!“, hat sie mir höflich und extravertiert gewantwortet und recht behalten.

Gefallen und auch ein wenig betroffen gemacht, schrieb sich die realistisch und zu wenig abgehoben formulierende Psychologin doch gerade selbst an diesem Thema nicht die Finger wund, aber vielleicht in eine Weihnachtsdepression oder in eine Trödelphase und da liegt nun ein Buch von mir, wo die 1981 geborene, zu einer Zeit, wo ich schon geschrieben habe, mir zeigt, wie man es besser machen kann oder auch nicht.

Denn ich bleibe, glaube ich, schon bei meinem Realismus und das Ende liegt mir sowieso fern, bin ich ja im Sommer nach der Lektüre von Ernst Lothar ausgezogen, es gerade so nicht zu machen.

Da ist also Luka  Lewadski, der alte Vogelforscher, erfährt, in Kiew höchstwahrscheinlich, von seinem unheilbaren Lugenkrebs und beschließt ähnlich, wie die Veronika, sich nicht bestrahlen und bechemen zu lassen.Er macht allerdings keine Patientenverfügung und fängt für das noch ungeborene Enkelkind auch nicht zu stricken an, sondern kauft sich einen altmodischen Anzug, einen Gehstock mit Silbergriff aus dem man auch trinken kann, vergißt sein Gebiß dabei, besorgt sich ein Visum und wahrscheinlich auch ein Ticket nach Vienna, um in einer Luxussuite des Hotel Imperials, sein Leben in Schönheit zu beenden und sein Geld auszugeben.

Denn dort war er als Kind, als seine Mutter nach dem Tod des Vaters mit ihm zu ihren Tanten nach Wien zurückging. Die Mutter putzte, die Tanten führten den kleinen Luka in das Hotelcafe und fütterten ihn mit Schokoladetorte.

Die Mutter ging dann mit dem Jungen wieder in die Ukraine zurück und weil sie auch Vogelkundlerin war, hörte sie, während er in Lemberg studierte, das Gras wachsen, bzw. die Ratten das Schiff verlassen und floh mit ihm in den Kaukasus, so daß sie nicht deportiert wurden, er nicht in den Kriegsdienst etc mußte.

Die Mutter verstarb dann,  Luka wurde ein berühmter Forscher,  sitzt nun in seiner Luxussuite und kann alleine nicht aus seiner großen Badewanne.

So mietet er sich einen Butler vom Butlerservice, es kommt Habib, der schon seinen Vater pflegte und Luka fährt in das Kaffee hinunter, bestellt sich Schokoladetorte und beobachtet die anderen Greise, die sich wahrscheinlich die teuren Preise leisten können.

Er lernt dann einen älteren, Herrn Wizturn, kennen und geht mit ihm in den Musikverein, denn dort war er auch mit seinen Tanten, dann wächst sich zur Farce aus, wie vieles anderes in Marijana Gaponekos großartigen übersptrudelnden Roman, denn als sie zurückkommen, gibt es kein Licht in dem Luxushotel.

„Stromausfall, meine Herren!“, bedauert der Chefconcierge und empfiehlt, es sich in der Bar gemütlich zu machen, bis der Lift wieder fährt und dort findet sich dann auch die Autorin ein, sitzt neben den beiden Alten auf den hohen Thekenstühlen und probiert alle Coctails aus, die man in den Fünfziger und Sechzigerjahren trank, will sie doch, wie sie  erzählt,“ Ein Buch über einen alten Mann“ schreiben, der „in die Stadt seiner Kindheit, um dort zu sterben zurückkehrt und sein Vermögen in dieser Bar verprasst!“

Das gelingt dann nicht so einfach, fühlt sich Lewadski doch so gesund, daß ihm sein Geld, wie er fürchtet, vorher ausgeht, so fährt er mit dem Lift in den fünften Stock, hat bis dahin noch alle Begegnungen mit Menschen, die er vorher in der Ukraine offenbar nicht hatte, mit dem Barmann, der alle Knöpfe für ihn drückt und dem Stubenmädchen aus Novi Pazar, das ihm ein Foto von dem Haus gezeigt hat, das sie sich in ihrer Ex-jugoslawischen Heimat bauen will.

Im fünften Stock liegen dann Federn am Boden, Lewadsky schwebt entlang, bis zur Türe, die zum Dach führt, warum sind die Menschen und die Autoren alle nur so ungeduldig und können nicht erwarten, was ohnehin von selbst passiert?

Im letzten Kapitel wird Lewadsky, dann von einer Stimme, ob Gott oder der behandelnde Spitalsarzt, kann man sich je nach Grad der Abgehobenheit und des Realsimus, selbst ausdenken, empfangen, die von ihm wissen will, wie er mit Vornahhmen heißt, wo er geboren wurde und wer Martha ist!“

Trotz aller Abgehobenheit ein tolles Buch, mit dem ich mehr als mit dem vorigen anfangen kann. Ich werde meine Veronika wohl weiter weniger spekulär sterben lassen und danke den Leuten vom „Alpha“ sehr für die Gelegenheit, daß ich  es lesen konnte.

2014-12-21

Vorschau auf „Anna kämpft gegen das Vergessen“

Filed under: Uncategorized — nagl @ 00:00

vergessen

Als die fünfundsiebzigjährige ehemalige Buchhändlerin Anna Mittlinger am Morgen aufwacht, hat sie einen fürchterlichen Alptraum gehabt. Hat sie doch geträumt, nackt zur Eröffnung der „Buch-Wien“ erschienen zu sein und auch sonst ist nicht mehr alles so wie sonst.
Hat sie doch das Gefühl in letzter Zeit sehr viel zu vergessen und trägt den Verdacht in sich, vielleicht an „Alzheimer“ erkrankt zu sein, wogegen sie mit Hilfe ihrer Enkeltochter Johanna anzukämpfen versucht. Einen rumänischen Arzt, der ihr einen Strahlenschutzstecker verkaufen will, lernt sie auch noch kennen und wird von der Hausmeisterin Slavica Jovanovic zu ihrer Opernballparty eingeladen.

 

So schaut es aus das neue Buch, das jetzt bald an die Druckerei gehen  und vielleicht noch in diesm  Jahr oder kurz danach erscheinen wird.

Wieder gibt es drei Fragen und für den ersten der sie bis zum Erscheinen beantwortet, das Buch,  die Antworten werden in den Schreibberichten zu finden sein.

1. Um was geht es in dem Buch?

2. Welchen Beruf hat Anna früher ausgeübt

3. Wie heißt das Buch, das sie als erstes in ihrem Blog bespricht und was möchte Rade Manuescu ihr verkaufen?

Hier die Schreibberichte 1 2 3 4 5 6 7 8

Aus dem Buch habe ich schon beim „Margaretner Fest für Kunst und Kultur“ und im „Werkl im Goethe Hof“ gelesen.

Das Probekapitel gibts es hier zu finden.

Wer das Buch sonst noch lesen möchte, kann es bei mir schon vorbestellen, Rezensionsexemplare sind ebenfalls bei mir zu beziehen.

2014-12-20

Ein Radiotag mit Friederike Mayröcker

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:17

Ö1 macht es möglich, zum neunzigsten Geburtstag der Grand Dame der Literatur, der F. M. Vertraute und Literaturprofessor Klaus Klastberger, will, wie er am Donnerstag in der „Alten Schmiede“ hören ließ, diese „Journalisten-Bezeichnung“ nicht so gerne hören, also lieber „Nobelpreisträgerin des Herzens“, wie sie einmal KP-Berzirksrat Jurjans nannte, nachdem sie für einen Sozialmarkt im fünften Bezirk unterschrieben hatte.

Friederike Mayröcker einen ganzen Tag lang die geehrte im Programm zu bringen oder das Programm mit ihr zu machen, ist sie ja eine Ö1 Hörerin und tritt dort offenbar auch gerne auf und so muß man sich keine Sorgen machen, der österreichische Rundfunk hat seine große Dichterin nicht vergessen, im Fernsehen gab es im Kulturmontag einen schönen Film von Katja Gasser, den ich mir ein paarmal angesehen habe und in dem man sehr viel über die alte Dame, die eine sanfte Stimme, ein sympathisches Lächeln und eine sehr positive Ausstrahlung hat, erfahren kann.

Ich bin ja, obwohl ich gerade so viel über sie schreibe und mir den Mayröcker-Tag auch sehr intensiv gegeben habe,  kein Mayröcker-Fan, das geht auch gar nicht, denn ich halte ja sehr viel von Plots und vom Erzählen und so halte ich  Aussagen, daß man das ablehnen würde, zwar nicht gerade für dumm, aber doch vielleicht für engherzig und begrenzt und muß auch bekennen, daß ich mit Friederike Mayröcker lange nicht viel anfangen konnte, sie für eine experimentelle Schreiberin hielt und das ist ja nicht unbedingt das meine.

Trotzdem kam man, wenn man in Wien lebt, sich für Literatur interessiert und in den Siebzigerjahren zu schreiben angefangen hat, um das Dichter Paar Jandl-Myröcker nicht herum.

Ich habe gerade in meinem Bibliothekskatalog nachgesehen, was ich von ihr habe, da gibt es zwei „Suhrkamp Taschenbüchlein“ „“Die Abschiede“ und „Ein Lesebuch“, eines habe ich, wenn ich mich nicht irre, von Brigitte Guttenbrunner, zu einem meiner Feste bekomme und im Lesebuch ist auch einiges angestrichen, also habe ich hineingeschaut und wahrscheinlich nicht sehr viel verstanden und eine besondere Rarität habe ich auch, nämlich „In langsamen Blitzen“- eine Ausgabe des Berliner literarischen Colloquium, aus dem Jahr 1974, auf der Rückseite steht der stolze Preis von österreichischen Schillingen 62.40 für ein vierzig Seiten Büchlein.

Ob ich das so gekauft habe oder in einer Abverkaufkiste um fünf oder zehn Schilling, weiß ich nicht mehr, glaube mich aber zu erinnern, daß ich an dem Tag an der Kiste vorbeigegangen bin, als mir eine Illustratorin ihre Illustrationen für „Die Einladung zum Tee“ brachte, die im „Sterz“ das war Ende Siebzig, erscheinen sollte, aber nie erschienen ist.

Interessiert habe ich mich also schon damals für die große Dame, aber nicht sehr viel gelesen und das habe ich, ich gebe es zu, bis heute noch nicht.

Nur „Und ich schüttelte einen Liebling“, zu Lesungen bin ich aber öfter und regelmäßig, meistens in die „Alte Schmiede“ gegangen, an eine in dem alten Hofquartier, wo es um die „Magischen Blätter“ ging, kann ich mich erinnern und an die, wo ich im Hof gestanden bin, weil ich zu spät dran war, ich war bei Lesungen von „Scardanelli“, dem „Vogel Greif“, bei anderen der letzten Bücher dann wieder nicht, jetzt bei dem Symposium und als ich da am Montag, Mittwoch und Donnerstag berichtet habe, bin ich auch über den ORF-Schwerpunkt im Radio gestoßen und dann sozusagen befriedigt am Freitag mit dem Alfred nach Harland gefahren.

Ins Akademietheater zum „Requiem für Ernst Jandl“ wäre ich wahrscheinlich ohnehin nicht gegangen, obwohl ich schon am Mittwoch darauf aufmerksam gemacht wurde und Kurt Neumann am Donnerstag auch erwähnte, daß es noch Karten gäbe.

Aber ich bin keine Theaterbesucherin und so habe ich heute, als ich um etwa sieben aufwachte, mir gleich den Programm-Schwerpunkt eingeschaltet und da wurde schon im Morgenjournal auf den Geburtstag hingewiesen und um 7 Uhr 33 ging es mit der Friederike Vorschau  weiter, berichtete die Lieblingsradiostimme von Frau Mayröcker doch, was es den ganzen lieben langen Tag über sie so zu hören geben würde und das war dann gleich um neun, das Radiofeature „Mein Schatten wirft ein Fliederbaum“ von Norbert Hummelt, wo man über ihre Kindheit in Deitzendorf, wo sie die ersten elf Lebenssommer in dem Bauernaus ihrer Eltern verbrachte, bis diese ihn verkaufen mußten und dadurch die Liebe zu der Natur, den Pflanzen und den Tieren, erfahren konnte.

In der Sendung gab es immer wieder Telefongespräche, wo Frau Mayröcker den lieben Norbert anrief und ihm berichtete, wie weit sie schon mit der Vorbereitung auf die Sendung ist. Dazwischen bin ich in die Badewanne gestiegen und habe weiter in Ljudmilla Ulitztkayas „Reise in den siebenten Himmel“ gelesen und danach mit dem Rad an der Traisen in die Stadt gefahren, um den Alfred am Markt zu treffen und mit ihm eine Käsekrainer zu essen. Da gab es heute Gratispunsch und dadurch habe ich  Ö1 bis zwei mit Elke Tschaikner und Christian Scheib versäumt, inzwischen kann man aber alles sieben Tage lang nachhören und so habe ich meinen Mittagsschlaf gleich mit der Hörspielgalerie und dem, ich glaube, Hörspiel eines Jahres „Das zu Sehende, das zu Hörende“ mit Musik von Ernst Kölz, richtig eine Hörspielautorin ist die F.M. auch, darauf habe ich jetzt fast vergessen, weil das Hörspiel auch nicht so ganz das meine ist, verbunden und dann ging es bis fünf mit Irene Suchy und „Apropos Friederike“ weiter, die das Musikalische der Dichterin, bzw. ihre Lieblingskomponisten vorstellte.

Bach, Händel, Liszt, vertont ist sie auch worden, aber nicht so viel, weil sie, wie ihr ein Komponist einmal sagte, ohnehin schon so musikalisch ist.

Am Abend geht es weiter mit einem Abend aus dem Radiokulturhaus „FM90“ mit Philiph Scheiner und der Frage von Johannes Kaup „Was glauben Sie?“, ist sie ja, habe ich am Montag aus dem Film gelernt, religiös, hat allerdings ihren eigenen Gott, an den sie glaubt und der ORF hat in seinem Schwerpunkt auch ein sehr schönes Archiv, das ich wirklich nur empfehlen kann.

Ich habe das inzwischen auch und würde sagen, daß ich spät und vielleicht immer zufällig und nebenbei zu der Dichterin gekommen bin, der ich  auch öfter über den Weg laufe, wenn ich einkaufen gehe, weil sie ja in der Zentagasse wohnt und Christel Fallenstein, ihre Vertraute, habe ich einmal oder sie mich im Literaturhaus oder so bei einer Veranstaltung angesprochen, dann hat sie mir ein Mail vor vier Jahren geschickt, so habe ich mein erstes kleines Archiv angelegt, das sich inzwischen durch die Geburtstagsveranstaltungen sehr erweitert hat und, daß sie schon lange keine experimentelle Dichterin ist, sondern mit ihrer wunderschönen Sprache über den Alltag des Lebens sehr originell und einzigartig erzählt, bin ich auch schon daraufgekommen.

So wiederhole ich also mein „Alles Gute zum Geburtstag!“ und habe außer dem Buch der Erika Kronabitter, das ich demnächst lesen werde und das auch im Radio erwähnt wurde, noch ein besonderes Schmankerl auf meiner Leseliste, nämlich das erste, 1956 bei „Bergland“ erschienene Bändchen „Larifari- ein konfuses Buch“, das sogar am 21. 3. 1958 von ihr signiert wurde und ziemlich neu und ungelesen aussieht.

Man findet in den Schränken, habe ich einmal geschrieben,  relativ wenig von Friederike Mayröcker, obwohl sie ja sehr viel, zwischen achtzig und hundert Bücher, da gehen die Meinungen, die ich in den letzten Tage, hören konnte, auseinander,  hat und vor allem die letzteren, „Der Vogel Greif“, „Ich bin in der Anstalt“, „Scardanelli“, „Etudes“, „Cahier“, etc, scheinen sehr interessant zu sein und die „Abschiede“ und das „Lesebuch“ könnte ich  auf meine Leseliste setzten, da ich mich an die Bücher, selbst wenn ich sie gelesen habe, nicht mehr richtig erinnern kann.

Die Liebe einer Frau

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:19

Es gibt Blogs, die Nobelpreischallenges veranstalten, die Werke der Literaturpreisträger der Reihe nach herunterlesen und sich dann mit kleinen Geschenken dafür belohnen, das tue ich nicht, aber in den Schränken findet man gelegentlich Nobelpreisträgerbücher. Pearl S. Buck und Sigrid Undset fanden sich im Bücherkasten meiner Eltern und von Jean Marie Gustav le Clezio, dessen Name ich vor 2008 noch nie hörte, habe ich inzwischen auch einiges gelesen. Von anderen Nobelpreisträgern nicht, so ist mir der Chinese der 2012 gewonnen hat, noch immer ziemlich unbekannt und den Namen Alice Munro habe ich, glaube ich, durch JuSophie kennengelernt, die in diesem Blog ja eine wichtige Rolle spielt.

Sie hat die kanadische Shortstory Tellerin, glaube ich, sehr gelobt, während ich mit Kurzgeschichten immer meine Schwierigkeiten hatte und vielleicht noch habe. Sie sind mir zu kurz und ich kann mich an einige Bücher einnern, die ich mit Begeisterung gelesen habe, bei Pearl S. Buch und Andrea Camilleri war das so und dann war die Geschichte nach hundert Seiten auf einmal aus,  ich war enttäuscht und habe das Buch weggelegt.

Das ist jetzt besser, da ich  öfter Erzählbände finde und auch solche Rezensionsexsemplare bekomme, lese ich sie regelmäßig.

Es gab ja auch einmal ein Short Story Symposium im Literaturhaus, wo Judith Hermann, auch eine Short Story Könnerin las und 2013 hat die Short Story Queen Alice Munro, 1931 in Ontario geboren, die dreizehn Erzähbände und einen kurzen Roman veröffentlicht hat, den NB bekommen und ich habe mir von Alfred zwei davon gewünscht, beziehungsweise sie im Vorjahr zum Geburtstag bekommen.

„Die Liebe einer Frau“ ist noch heuer dran. „Zu viel Glück“ kommt nächstes Jahr und die „Titelgeschichte“ ist möglicherweise der Kurzroman, hat er doch über hundert Seiten und steigt sehr langsam und bedächtig in das Geschehen ein.

Es beginnt im Heimatmuseum von Wally, von man unter alten Puppen etc auch die Optikerausrüstung von Mister Willens entdecken kann. Der ist in seinem Auto im Fluß tot aufgefunden wurden, drei Jungens fanden ihn in den fünziger Jahren dort und das nächste Kapitel beschreibt, die drei Buben, die danach zu Mittag nach Hause gehen, ihren Eltern nichts von dem Fund sagen und am Nachmittag gemeinsam zur Polizeistation. Da kommen sie an Missis Willens Haus vorbei, die ihnen Forsithienzweige für ihre Mütter schenkt, die sie entsorgen.

Im zweiten Kapitel lernen wir Enid kennen, eine nicht fertig ausgebildete Krankenschwester, die jetzt die krebskranke Missis Quinns pflegt, die ist über zwanzig, hat zwei Kinder und einen Mann namens Ruppert, mit dem Enid mal zur Schule ging. Missis Quinn ist ziemlich lästig und sarkastisch, Enid pflegt sie geduldig und am Vortag ihres Todes erzählt sie ihr, daß es Ruppert war, der Mister Willens getötet hat, weil der sie bei der Augenuntersuchung sexuell belästigte.

Enid denkt sich einen Rachenplan aus, um Ruppert dahin zu bringen sich der Polizei zu stellen, dann wird sie ihn besuchen, sie verwirft das wieder, scheint dann aber die Optikerausrüstung in der Scheune zu finden und fahren sie vielleicht doch mit dem Boot aufs Wasser hinaus.

Dann kommen drei Erzählungen, von denen jede auch cirka fünfzig Seiten hat. Die erste heißt „Jakarta“ und handelt von zwei sehr verschiedenen Frauen und ihren Männern, die einmal in einer Bibliothek zusammenarbeiteten. Es gibt auch einen Zeitsprung, das ist wahrscheinlich das Packende und das Besondere an der Munroschen Schreibweise, daß sie sowohl von den Festen, die wahrscheinlich in den Siebzigerjahren am Strand stattfanden erzählt. Dann verschwindet Sonjes Mann, der Komunist nach Djakarta und als Sonje eine alte Frau geworden ist und von Kent, das ist der eher konservativere Mann ihrer Freundin Kath besucht wird, beginnt sie überlegen, ob er dort wirklich gestorben oder nur verschwunden ist.

„Cortes Island“, spielt wieder in den Fünfzigerjahren, die Erzählungen sind im Original 1998 erschienen und schildern von der „Kleinen Braut“ erzählt in sehr beeindruckender Weise die Beklemmung in der die jungen Leute damals in Vancouver gelebt haben mußten.

Die Ich-Erzählerin, von ihrer Wirtin und dem Chef ihres Mannes die „Kleine Braut“ genannt, haust mit Chess in einem möblierten Keller unter Mrs Gorries Wohnung und ist einerseits froh darüber, denn damals in den Fünfzigerjahren durfte man vor der Ehe keinen Sex haben und wartete danach auf die erste Schwangerschaft und als Chess Eltern Präservative in seinem Koffer fanden, mußte er sich dafür rechtfertigen. Mirs Gorrie ist vorerst freundlich zu der jungen Frau, lädt sie zu sich ein und bietet ihr von ihren Keksen an, aber sie macht manchmal nicht auf, wenn sie am Keller klopft, gibt vor Briefe zu schreiben, wenn sie Bücher liest oder in ein Notizbuch etwas schreiben will. Das gefällt ihr aber nicht, so reißt sie Seite um Seite heraus und schmeißt sie weg, was später von Mrs Gorrie im Abfall gefunden wird. Sie sucht halbherzig Arbeit, traut sich nicht zu eine Registrierkasse zu bedienen, liest manchmal Mr. Gorrie, der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt aus der Zeitung vor und da einen Artikel aus den Zwanzigerjahren aus „Cortes Island“ wo die Gorries früher wohnte, wo ein Haus mit einem Mann abbrannte, während sich seine Frau mit Mr. Gorrie auf einer Schiffahr befand. Nachher bekommt sie eine Anstellung in der Bücherei, Missis Gorrie ist böse auf sie, erzählt über sie Gerüchte, so daß das junge Paar froh ist, in eine bessere Wohnung übersiedeln zu können.

In „Einzig der Schnitter“ geht es um Verfolgungsspiele im Auto, die eine alte Frau zuerst mit ihrer Tochter Sophie, später mit ihren Enkelkindern Philiph und Daisy machte, sie will den Sommer mit der Tochter und ihren Kindern in einem Ferienhaus verbringen, aber die fahren früher ab, so sucht sie mit Philiph auf einer dieser Verfolgungsjagden ein altes Haus, das sie von früher kannte und kommt dabei mit einem betrunkenen Mädchen in Kontakt, das sie vielleicht, wenn ihre Familie wieder weggefahren ist, besuchen wird.

Sehr eindringlich Alice Munros Kurzgeschichten und wirklich auf eine Art und Weise erzählt, wie ich sie noch nie gefunden habe, die einen Kurzgeschichten-Muffel, wie mich sehr wohl kurieren können, so daß ich mich schon auf den nächsten Munro-Band sehr freue, inzwischen gibt es noch Ekatharina Heiders Kurzgeschichten zu lesen und da war ich zuerst einmal auch enttäuscht, als ich entdeckte, daß das Buch, das mir Christa Stippinger gegeben hat, ein Erzählband und kein Roman war.

2014-12-19

Das Jagdgewehr

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:57

Jetzt kommt die Besprechung des letzten Geburtstagsbuch vom letzten Jahr auf der heurigen Leseliste, ja ich weiß ich bin spät dran und habe von Yasuhi Inoue auch noch nichts gehört.

Das kleine knapp hundert Seiten dicke „Suhrkamp-Bändchen“ habe ich von dem Chemiker Manfred bekommen, den ich bei den „Wien-Bibliothek“Veranstaltungen immer treffe.

Kennengelernt habe ich ihm glaube ich im Literaturhaus, als es das Fest für Heinz Lunzer gab, aber vielleicht habe ich ihn auch schon früher getroffen, sind wir ja beide Stammbesucher und so sind wir auch nahher bei Brot und Wein ins Gespräch gekommen, er hat mir die Arandhati Roy gezeigt, die er sich immer zum Lesen zu den Veranstaltungen mitnimmt und mir im Vorjahr „das Jagdgewehr“ gebracht, als ich ihm zu meinem Fest eingeladen habe und mir, glaube ich, noch dazu erzählt, was das Besondere an der Novelle, die ein Gedicht und drei Briefe andereinanderreiht, ist,  erzählt.

Yasushi Inoue, entnehme ich dem Klappentext, wurde 1907 geboren und hat viele japapnische Literaturpreise erhalten.

„Das Jagdgewehr“, ist 1950 entstanden. Es steht dann noch etwas von der Filmtechnik, an die die Erzählung erinnert, bzw. sie in dieser geschrieben wurde und wenn man googlet, kann man sicher auch noch das Todesjahr erfahren.

Die Ausgabe ist 1964 erschienen und ich war 1991 zehn Tage in Japan, habe mir, glaube ich, vorher eine Anthologie mit japanischen Texten gekauft und während des Fluges, den Botschaftsangestellten, der nach Hause flog und neben mir saß, ein bißchen über die japanische Literatur ausgefragt.

Hatte ich da doch damals keine Ahnung. Inzwischen weiß ich auch nicht sehr viel mehr, habe aber  Haruki Murakami gelesen und höre immer wieder das Bedauern, daß er den Nobelpreis schon wieder nicht bekommen hat, in den diversen Blogs.

Yasushi Inoue hat ihn auch nicht bekommen, die Erzählung, ich nenne es einmal so, es gibt keine Gattungsbezeichnung, ist aber höchst poetisch und das ist wahrscheinlich auch das besondere an der japanischen Literatur.

Der Erzähler, ist es der Autor oder nicht, auch da kann man schon wieder rätseln, erzählt also von einem Gedicht über ein Jagdgewehr, das er aus Gefälligkeit für eine Jagdzeitung geschrieben hat. Das Gedicht ist auch in dem Text zu finden und der Erzähler mutmaßt, daß niemand der Abonnenten es gelesen hat, ist doch zwei Monate keine Reaktion darauf gekommen, auch keine, die sich über die Poetik in einer Jagdzeitung beschwerte.

Dann kam ein Brief von einem Josuke Misugi, in einer schön gestochenen Schrift, die das hohe Ansehen und den hohen Bildungsgrad des Schreibers verrät, der dem Autor verrät, daß er sich in dem Gedicht erkannt fühlt, besitzt er doch die beschriebenen zwei Hunde und das englische Gewehr hat er auch.

Das nimmt er zum Anlaß dem Autor drei Briefe zu schicken, die ihm viel von der Liebe und der menschlichen Einsamkeit verraten können.

Der erste Brief ist von einer Shoko, an ihren Ohnkel Josuke, in dem sie ihm vom Tod ihrer Mutter schreibt, die hat ihr vorher ihre Tagebücher zum Verbrennen gegeben, sie hat sie gelesen und darin vom Verrat und der Liebe bzw. der Beziehung der Mutter zu Josuke Misugi erfahren. Der ist verheiratet mit  Midori, die Mutter ist geschieden, weil einmal eine Frau mit einem Kind zu ihr kam, das von ihrem Ehemann stammte.

Die Mutter stirbt kurz darauf, vorher hat sie noch einen Kimono angezogen, den sie schon Jahre vorher nicht trug und mit dem sie auch Midori, die sie besuchte, sah.

Nun kündigt Shoko an, daß sie sowohl mit Josuke, als auch mit Midori den weiteren Kontakt abbrechen will.

Der zweite Brief stammt von Midori, sie kündigt ihm ihre Scheidung an, denn sie hat ihm vor zwanzig Jahren gesehen, wie er mit Saiko in diesem Kimono den Stand entlang ging, das hat sie und ihre Beziehung zu ihm verändert, sie haben nur mehr eine Scheinbeziehung geführt, denn sie hat ihn mit anderen Männern betrogen und nun hat sie Saiko in diesem Kimono gesehen und ihr alles verraten.

Der dritte Brief ist von Saiko selbst, sie hat ihn auch verraten, beziehungsweise war sie mit ihm einmal in einem Aquarium, wo er ihr drei Schlangen zeigte und verriet, daß jede von ihen etwas mit Midori, ihm und Saiko hat. Sie spricht von der Schlange in ihr, ihrer Liebe zu ihm und ihrem Ex-Mann und, daß sie sich einmal geschworen hat, Gift zu nehmen, wenn Midora von ihrer Liebe zu ihm erfuhr, was nun geschehen war.

Rätselhafte japanische Poetik, in einer Art Nachwort wird noch angedeutet, daß Josuke Misugi offenbar ein Mann von hohem Rang und Ansehen war, der durch die Politik bzw. dem Krieg, der ja kurz vorher stattfand, gefallen ist, so verändert der Autor auch den Namen und verwendet auch bei den Frauen Pseudonyme, als er das Buch veröffentlicht.

2014-12-18

Strahlung und Reflexion der Friederike Mayröcker

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:23

Am Samstag ist es so weit, da wird die „Fritzi“ neunzig und einige Vorboten der Festivitäten hat es im Literaturhaus schon gegeben und die „Alten Schmiede“ begann am Montag mit einer dreitägigen F.M. Veranstaltung, denn Friederike Mayröcker ist der „Alten Schmiede“, wie Kurt Neumann in seiner Einleitung betonte, so verbunden, wie kein anderer Autor, keine andere Autorin sonst.

Im September 1975 hat sie dort das erste Mal gelesen und dann fast hundert Mal in vierzig Jahren, bei einigen Veranstaltungen bin ich gewesen, bzw. im Gang dieses Hof Lokals gestanden, wenn es mir nicht gelungen ist, rechtzeitig da zu sein, denn die Lesungen der Fritzi sind ja sehr begehrt und über einige habe ich auch gebloggt.

Bei „Scardanelli“ bin ich, glaube ich, in den hinteren Reihen gestanden und habe mich langsam, ganz langsam nach vorn gedrängt. Dann bin ich 2009 mit dem Alfred am fünften Nanowrimo-Tag hinmarschiert, obwohl ich ja eigentlich zu Hause bleiben und schreiben, wollte, aber das Schreiben ist für die Friederike Mayröcker auch sehr wichtig und in den „Magischen Blättern“ steht glaube ich der Satz „Da hat man sich sein ganzes Leben lang bemüht und es ist nichts ordentliches dabei herausgekommen.“

Bei der Präsentation der „Etüdes“ bin ich gewesen und bei vielen Veranstaltungen wo M.F. mitmachte, bzw. im Publikum war, bei vielen anderen nicht.

Gelesen habe ich „Und ich schüttelte einen Liebling“ und „Larifari“ ich glaube, die erste Veröffentlichung, habe ich einmal in der Telefonzelle bei der „Seedose“ gefunden.

Am Montag auch sehr voll und ich bin in den hinteren Reihen gesessen und habe bei der „Stunde der literarischen Erleuchtung“ wo Friederike Mayröcker und Bodo Hell  Jackes Derrida „Glas“ oder zu Deutsch „Die Totenglocke“ vorstellte, von den beiden nicht sehr viel gesehen.

Der französische Philosoph Jaques Derrida, 1930-2004, ist mir ein Begriff, weil Friederike Mayröcker ihn in ihren Werken sehr oft erwähnt, sonst war er mir aber ziemlich unbekannt und so war ich auch sehr gespannt auf die Coference, nämlich Bodo Hells Lesung aus den Originaltexten, Friederike Mayröcker hat dagegen Stellen aus den „Etudes“ und „Cahier“ gelesen, die sich darauf bezogen.

Dann ging es einen Stock hinauf, in die „Alte Schmiede“, denn da wurde ein Film gezeigt, den Carmen Tartarotti mit Bodo Hell 1990 für den ORF über Friederike Mayröcker gedreht haben.

„1Häufchen Blume-1Häufchen Schuh“, für die „Kunststücke“, deshalb wurde auch eine besondere Filmtechnik verwendet, wie die Beiden in der Einleitung erklärten und dann gab es fünfundvierzig Minuten lang eine vierundzwanzig Jahre jüngere Friederike Mayröcker, die in ihrem Haus in der Zentagasse auf und ab geht, man sieht die Wohnung mit den vielen Manuskripten, sieht F.M. mit langen wehenden Mantel spazieren gehen und ich glaube auch kurz bei einer Lesung in dem nicht mehr existierenden Hofsaal der „Alten Schmiede“ und konnte ihre Ansichten über das Bücherkaufen hören, es scheint ihr da wie mir zu gehen, sie kauft, ich sammle, mehr als wir beide jemals lesen können, sie leistet sich aber diesen Luxus, erklärte die Wichtigkeit des Schreibens für sie und daß sie am Nachmittalg am liebsten mit einem Hund spazieren gehen würde.

Man hört sie auch ihre Ansichten zur Mode äußern, in den Sechzigerjahren war sie sehr modebewußt, wie sich ihre Schüler, hat sie ja einmal glaube ich Englisch unterrichten, erinnern. Dann hat sie sich flache Schuhe und schwarze Hosen angewöhnt und über ihre Angewohnheiten, wenn sie auf Reisen geht, ein „Tabu-Brett“ auf den Fußboden zu legen, um die Einbrecher abzuhalten hat sie auch berichtet.

Ein spannender Film, zeitlos fand jemand im Publikum, es gab darin aber eine Lesung, einer sehr jungen Friederike Mayröcker aus 1970, wo ich sie eigentlich nicht erkannt hätte und ein anderer Herr wollte wissen, warum und ob der ORF diesen Film senden oder nicht senden wird?

„Das müssen Sie den ORF fragen?“, antwortete Kurt Neumann und ich bin gespannt, was es am Samstag, wenn es  so weit ist, in Ö1 zu hören gibt  und am Mittwoch ging es dann in der „Alten Schmiede“ mit einer Lesung aus „Cahier“ weiter.

Um fünf vor halb sieben standen schon eine Handvoll Menschen vor der Eingangstür, Marcel Beyer, hat die ersten, wie er später ausführte, schon eine Stunde vorher gesehen.

„Das ist ja wie bei einem Popkonzert!“, wenn die Fritzi neunhzig wird und die halben Sitzplätze schon voraus reserviert und auch alle da, Robert Schindel, Gerhard Jaschke, Bernhard Fetz, Christel Fallenstein, Lukas Cejpek, Thomas Northoff, Hans Jörg Liebscher, Hannah Sideris, etc und Erika Kronabitter, die sich für F.M. eine besondere Überraschung ausdachte, nämlich ein Buch bzw. einen Blumenstrauß mit hundertziebzig, statt der erhofften neunzig Blüten, Texte von Kollegen, Schriftsteller, Künstler, Germanisten etc.

Zu mir ist offenbar auch ein Mail zur Teilnahme gekommen, das ich offenbar nicht bekommen oder übersehen habe, so bekam ich nur das Buch „HAB DEN DER DIE DAS – der Königin der Poesie“, das ich noch in diesem Jahr besprechen werde und ich habe ja auch ein schon hier erwähntes Zitat, auf das ich mich in meinen Text bezogen hätte können, aber auch in der „Absturzgefahr“ ein wenig an die große, alte Dame gedacht, einen Teil ihres Namens der Fritzi Jelinek gegeben und die „Abschiede“ glaube ich, den Bernhard Listringer im Bücherschrank finden lassen.

Danach begann der Schriftsteller und Mayröcker Spezialist Marcel Beyer mit seiner Einleitung zu dem Buch, das wie Kurt Neumann in seiner Einleitung erklärte, eigentlich gefeiert wurden, weil in der „Alten Schmiede“ nur die Bücher nicht die Autoren Geburtstag hätten und der Text begann mit „Tränen“, nämlich einen Brief der Fritzi an ihm „Wollen Sie mit mir über Tränen sprechen Jacke Derrida?“ und leitete  zu Roland Barthes und Stendhal zu Ernst Jandl über, über den Scardanelli, Brütt und ich schüttelte einen Liebling, bis er wieder zum Ausgangszitat zurückkehrte und die Frau Mayröcker aus dem Buch lesen ließ.

Ein bißchen etwas habe ich ja schon daraus gehört, am Montag in der „Alten Schmiede“, im November beim „Schamrock -Festival“ im Literaturhaus, die Anna Jeller hat das Buch auch in ihrer Auslage liegen und am Schluß gab es noch einen Vorgeschmack auf das neue Buch, an dem Friederike Mayröcker gerade arbeitet, den dritten Teil, nach „Etudes, und „Cahier“ nämlich „Fleur“.

Danach gab es standing ovations und einen Stock höher wurden  die Texte aus dem Kronabitter-Buch projeziert und von den Autoren vorgelesen, so daß ich schon einen kleinen Einblick hatte.

Hilde Langthaler die auch in dem Buch enthalten ist, war da und ein wenig verwirrt, weil sie die Lesung unten verpasst oder versäumt hatte und fragte mich nach einem Film, aber der wurde schon gezeigt und am Donnerstag ging es weiter mit einem Colloquium, um das Ganze auch zu verstehen.

Da gab es ja schon zwei 1978 und 1994, das letztere wurde schon von Klaus Kastberger,  dem neuen Bachmannjuror und Grazer Literaturhausleiter, moderiert.

Jetzt war er auch am Podium und diskutierte mit Bodo Hell, Marcel Beyer, der berühmten Elisabeth von Samsonow, die von F.M. immer in ihren Werken zitiert wird, Samuel Moser und der Mayröcker Lektorin Doris Plöschberger über das Ouvre.

Das heißt zuerst gab jeder ein Eingangsstatement, Samuel Moser begann mit dem Gebierge und den Flüssen, Bodo Hell kam zu Mayröcker Geburtstagen, wo der Fankreis eingeladen ist und Blumen unerwünscht sind, die Lektorin erzählte von ihrer Zusammenarbeit, Elisabeth von Samsonow vom „Zimmer für sich allein und viel Geld“ u.s.w. Dann kam die Frage mit der Namensgebung. Friederike Mayröcker zitiert ja oft Bodo Hell, Marcel Beyer, Jaques Derrida, aber auch jüngere Autoren und Marcel Beyer meinte, daß er das zitierte nie gesagt habe, also reine Mayröcker Empfindungen sind, wie sie ja auch auf Bodo Hells Frage am Montag mit „Aus dem Gefühl!“, antwortete.

Dann kam der Werkbogen, Marcel Beyer scheint hier ja ein Spezialist zu sein. Begonnen hat es in den Fünfzigerjahren mit „Larifari“ und da war die Mayröcker sehr experimentell, später wurde ihr das zu langweilig, es kam zu Prosa und zu Lyrik Texten, die Friederike Mayröcker auch mit dem Gefühl und der Schreibhaltung erklärte. Irgenwann quittierte sie den Schuldienst, sie war eine Zeitlang Englischlehrerin, ging ein Jahr lang nach Berlin, da wurde auch ihr Schreiben freier, dann kamen die langen Werke „Die Abschiede“, „Mein Herz mein Zimmer mein Name“ etc, bis zu „Brütt“, aus dem F. M. dann las.

Vorher zitierte Klaus Kastberger noch einen Satz aus dem Katja Gasser Film, der am Montag im ORF gesendet wurde „Jetzt kann ich alles schreiben“ und Ferdinand Schmatz, der Professor für Sprachkunst überreichte Gedichte seiner Studenten, die sie für Friederike Mayröcker geschrieben und auf Plakate gemalt haben.

Danach die Lesung „..sagte ich zu Blum“, da hörte ich das erste Mal davon imn Mürzzuschlag bem „Fest für Friederike Mayröcker“ oder war es das für „Ernst Jandl“ und Kurt Neumann hatte auch schon den Bogen von „Brütt“ zu den drei letzten Werken „Etudes“ „Cahier“ und dem noch erschienenen „Fleur“ gezogen, den sehr persönlichen Assoziationsbögen, wo die F.M. sehr offen über ihre Krankheiten, ihre Angst vor dem Tod, ihren Lust, ihre Erotik, etc, schreibt.

Dazwischen gibt es  noch das Buch, das nur aus Fußnoten „Ich bin in der Anstalt“ besteht, den „Vogel Greif“ etc. Über hundert Bücher hat die F. M. ja geschrieben, die keine Literatur mit Plot und Handlung wünscht und auch nicht solche Bücher liest, die aber ganz in ihrer persönlichen Sprache aufgeht und ohne Schreiben nicht leben kann.

Das waren die drei Tage in der „Alten Schmiede“ mit sehr viel Freunde und sehr viel Prominenz, am Samstag gibts im Akademietheater noch das „Requiem für  Ernst Jandl“ und in Ö1 einen „Mayröcker-Tag“.

Ich wünsche alles Gute zum Geburtstag und verlinke noch ein bißchen mit Mayröcker-Veranstaltungen, wie beispielsweise das „Fest für Ernst Jandl“, die an anderen Orten stattgefunden haben.

2014-12-17

Mittelstadtrauschen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:33

Weiter geht es mit den Geburtstagsbüchern des vergangenen Jahres. Margarita Kinstners „Mittelstadtrauschen“ vor einem Jahr bei „Deuticke“ als Deburoman, der 1976 in Wien geborenen, die ich auf Thomas Wollingers Blog als Namen und persönlich bei der „Texthobellesung“ im Cafe Anno kennenlernte und der von der Wiener Kritik hochgelobt und als Ereignis des Literaturjahres gefeiert wurde.

In Deutschland sieht das dann  anders aus, da wirkt das „Wienerische“ dann leicht morbide oder langweilig und man kennt sich mit dem Reigen, der die Marie von Joe zu Jakob und dann zuletzt noch zum Gery bringt nicht aus und es passiert  auch noch soviel anderes in dieser Stadt und dann noch in der kleineren Schwester Graz dazu, daß man schon ordentlich mitdenken muß, um den Faden nicht zu verlieren und dann wird das den heutigen Leser, der vielleicht nicht mehr so geduldig ist, bald zu viel und vielleicht muß man auch die Wiener Sprache und die Orte, wo das alles spielt, kennen, um sich nicht verwirren zu lassen und dann ist das Ganze noch so herrlich schön kitschig, daß einer die Tränen hinunterrinen und sie sich denkt, „Wow, das hätte ich auch gern geschrieben und es auch versucht, aber soviel pathetische Schönheit zuzulassen, das hätte ich mich nicht getraut!“

Man sieht, ich bin restlos begeistert von einem Buch, was mir, die ich schon sehr viel gelesen habe und sehr viel schreibe, nicht so leicht passiert und dabei war ich als ich das Anfangsfilmchen gesehehen habe, auch nicht so begeistert und habe mir vielleicht auch gedacht, das ist mir  zu viel.

Jedenfalls habe ich das Buch nicht gleich gelesen, sondern auf meine Leseliste gesetzt und komme erst  Ende 2014 dazu, wo es schon auf der „Shortlist des Alphas“ stand, Margarita Kinstner längst am zweiten Roman schreibt und der Literaturbetrieb das Buch vielleicheicht auch schon vergessen hat oder es in seine Abverkaufskisten legt.

Da gibt es also Marie, eine neunundzwanzigjährige Lehrerin und die trifft in einem Cafe, Jakob, das ist ein Physiker der an seiner Dissertation oder Diplomarbeit schreibt und so steht es auch im Klappentext und wird von den Bloggern gern zitiert, aber das ist nur der Anfang, denn wie schon gesagt, hat das Buch einen Schwung und ein Treiben von Ort zu Ort, ein „Mittelstadtrauschen“ eben, wie Joe das gern so nannte.

Joe, wer ist Joe? Das ist ein junger Mann, der an der Schmelzbrücke stand, nichts recht Ordentliches aus seinem Leben machte, sondern auf Gläsern den Donauwalzer und mit Marionetten spielte, der springt im Sommer von der Brücke und sein bester Freund Gery, ein Filmer denkt sich nichts dabei, denn das tat der gute Joe immer und hieß ihn ihn dabei auch noch filmen. Nur diesmal erwischt es ihn und er wird tot aus dem Wasser gefischt.

Joe war auch der Freund von Marie, konnte ihr aber seine Liebe nicht zeigen, so geht sie zu seinem Begräbnis und freundet sich aus halben Herzen, würde ich mal sagen, mit Jakob an, denn Marie, die eigentlich Laetitia heißt, hat andere Sorgen, ihren Vater und ihre Mutter, die war Sizilianerin und ihr Vater, damals schon Professor, holte sie von dort als Dreizehnhährige nach Graz, es war die große Liebe „Sechs Wochen zuvor war er allein nach Sizilien aufgebrochen, jetzt kam er mit einem Engel nach Graz zurück. Doch die Zollbeamten beschlagnahmten Sofias Lachen, ließen es nicht einreisen.“

Das kommt auch noch bei dem Buch hinzu. Margarita Kinstners poetische Sprache und Sätze die man vielleicht zweimal lesen muß um sie zu verstehen, dann schlagen sie eine aber in Bann und nehmen sogar kurz das Atmen weg.

Denn das Heimweh läßt Sofia ein paar Jahre später aus dem Fenster springen,  der Vater kauft sich eine Plastikpuppe, zieht ihr ihr Kleid an, rennt damit in eine Straßebahn, fällt ins Wachkoma und sitzt fortan in einem Pflegeheim und träumt sich nach Sizilien zu seiner Sofia, dabei läßt er die Tochter zurück, die ihn fortan alle zwei Wochen in dem Heim besucht, was Jakob nicht verstehen kann und sich weigert sie zu begleiten.

Die interessanteste Figur ist für mich, die über Sechzigjährige, aber die achtzgjährige Hedwig Brunner, Jakobs Großmutter, denn die ist eine ungewöhnliche Frau, hat wahrscheinlich Magenkrebs, denn sie kann nichts mehr essen, verrät das aber keinen, sondern freundet sich mit Gerys, dem Filmer, der als Austräger bei der Caritas arbeitet und ihr das „Essen auf Rädern“ bringt, an.

Das landet zwar im Müllkübel und das Klo ist von Hedys Stuhl, verschmiert, die Tochter Traude, die das putzt stöhnt darüber, aber Hedi hat ein schlechtes Verhältnis zu ihren Töchtern oder Schuldgefühle, hat sie doch ihr erstes Kind Wassily, Sohn eines russischen Besatzers, weggegeben, und der taucht als Jakobs Doktorvater und Joes Onkel wieder auf, hat sexuelle Probleme und auch einen Inzest begangen, so ist er erpressbar, denn Joe hat ein Testament hinterlassen, der Palatschinkenkoch Palicini soll das im Prater ein Jahr nach Joes Tod vollstrecken.

Gery und Marie sind dazu eingeladen, fahren mit der Geisterbahn, essen Sachertorte im Riesenrad und bekommen beim Kasperl ein Stück aufgeführt, wo das kleine Gespenst mit Joes Mütze in den Himmel zieht und ein Jahr lang auf die Erde hinuntersieht, dann muß es los- und die anderen weiterleben lassen.

So bekommen Gery und Marie Joes Wohnung und den Schlüßel dazu überreicht und Hedi Brunner, über die Gery inzwischen einen Film drehte, legt ihm siebentausend Euro in ein Kuvert, dazu  eine Windel und das Foto eines russischen Soldaten, die er bei der toten Hedy findet und ihr die zwei letzteren Sachen ins Grab hineinlegt.

Dann kommt das Finale, ein junger Mann auf der Schmelzbrücke zieht endgültig davon, ein Stronmausfall legt Wien und Graz eine halbe Stunde lang ins Dunkle und in dem Grazer Pflegeheim, vergessen die Pfleger einen Komapatienten im Garten und den treibt es dann mit dem Stein in der Hand, den er damals von Sizilien mitnahm und den ihm Marie bei ihrem letzten Besuch in die Hand legte, über Mur und Donau in die Adria zurück nach Sizilien, wo er ohnehin schon die letzten Jahre war.

In der Danksagung treffe ich dann auf Bekannte, auf Thomas Wollinger, der Margarita Kinstners durch seine „schonungslose Kritik“, die erste Fassnung hat sie, glaube ich weggeworfen, sehr half. Auch dem Verlagsteam wird gedankt und der Praktikantin, die das Manuskript aus dem Stoß unverlangt zugesandter fischte und auf den Lektorentisch legte und ich bin sehr froh, das Buchendlich gelesen zu haben, weiß natürlich nicht, was ich in einem Jahr wenn ich Eva Menasse „Quasikristalle“, dienicht ganz unerwartet, den „Alpha- Preis“ gewonnen hat, Margarita Kinsntner war  nicht bei den Finalisten, schreiben werde, Daniel Wissers Romanausschnitt hat mir ja auch sehr gut gefallen und Theodora Bauers Lesung in der „Alten Schmiede“ aus ihrem Debutroman, der auch auf der Shortlist stand.

Aber ich sage ja immer, es gibt mehr als einen guten Roman und man sollte sie eigentlich alle lesen und ich sollte auch schreiben, vielleicht schaffe ich es einmal dahin zu kommen, aber dazu braucht man auch Verlagskritik und Ermunterung und das ist wahrscheinlich das, was mir fehlt.

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