Literaturgefluester

2015-01-21

Zum zweihundertsten Geburtstag von Betty Paoli

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:43

„Durch und durch Genie“ unter diesen Titel veranstaltete Claudia Erdheim ein Symposium in der „Gesellschaft für Literatur“, hat sie ja über die am 30. Dezember 1814 geborene Barabara Elisabeth Anna Glück eine Romanbiografie geschrieben, die sie schon in der „Alten Schmiede“ vorstellte.

Jetzt also eine Minisymposium, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erklärte, von sechzehn bis neunzehn Uhr in den ehrwürdigen Räumen des Palais Wilczek und einen umfangreichen Büchertisch gab es auch.

Hat ja auch Eva Geber eine Buch über die Lyrikerin und Feuilletonistin geschrieben und die schreibenden Frauen des neunzehnten Jahrhunderts werden jetzt überhaupt prominent in den Medien oder sonstwo vorgestellt, gibt es da auch die vierbändige Marie Ebner von Eschenbachausgabe, die von Daniela Strigl, Evelyne Polt-Heinzl et al herausgegeben wird und die ist auch die Gräfin aus dem Erdheim-Buch und da habe ich nicht nur inzwischen das „Gemeindekind“ und „Krambambulli“ gefunden und auf meiner Leseliste, sondern auch vor kurzem „Lotti, die Uhrmacherin“ gelesen und den großen Roman einer anderen großen Adeligen, die im vorigen Jahr groß gefeiert wurde, habe ich dank Andrea Stifts Hilfe auch gelesen.

Jetzt also wieder ein bißchen hinein in das neunzehnte Jahrhundert und in das Leben der Barbara Elisabeth, wo nicht so ganz klar ist, ob sie jetzt die Tochter eines jüdischen Bankiers oder ungarischen Adeligen ist, hat sie ja ihre Biografie zu Lebzeiten sehr geheim gehalten und gemeint „Das geht die Öffentlichkeit nichts an, was die Nachwelt treibt, kann ich nicht verhindern!“ und so ist Claudia Erdheim in die Wien-Bibliothek gegangen, hat die Tagebücher und die Briefe gelesen und am Nachmittag im Palais Wilczek ein bißchen was aus ihrem Leben erzählt. Der Vater hat viel Geld hinterlassen, die Mutter hats verspielt, hatte nicht Bertha von Suttner eine ähnliche Biografie? So muße sich die Tochter als Gouvernante, Gesellschafterin und Vorleserin verdingen, hat aber bald Gedichte geschrieben und war schon mit dreiundzwanzig Jahren damit berühmt.

Jetzt ist sie vergessen, beziehungsweise wurde sie von Eva Geber und Claudia Erdheim wieder entdeckt und Manfred Müller sprach noch von den drei Vorträgen mit denen ihr Werk in dem Kurzsymposium von drei Frauen vorgestellt werden würde und so begann, die mir unbekannte Galina Hristeva aus Stuttgart mit der Lyrik der Paoli und die Gedichtzeilen, die sie vorstellten, klangen auch recht schwülstig, neunzehntes Jahrhundert halt.

Das mußte auch ein Herr im Publikum so empfunden haben, denn er fragte die Referentin, ob sie die Gedichte wieder auflegen würde, wenn sie einen Verlag hätte?

„Wahrscheinlich nicht!“, antwortete die, aber Eva Geber verteidigte die Autorin und sprach von einem Gedicht, das in einem ihrer Schulbücher gestanden hat, das sie zu der Dichterin gebracht hätte.

Dann folgte der Vortrag von Evelyne Polt-Heinzl,  in dem sie die Autorin ein bißchen aus der Perspektive des einundzwanzigsten Jahrhunderts vorstellte, was im Publikum sehr gelobt wurde.

Dann gabs eine Pause mit Gesprächen und danach folgte Eva Geber mit „Hehre Dichtkunst – niederer Journalismus – glanzvolle Feuilletons“, wo klar wurde, daß die Paoili von ihren Gedichten nicht leben konnte, aber mit ihren Feuilletons in der „Neuen freien Presse“, wo sie sich sehr für die Frauenfrage und für die Mädchenbildung eingesetzt hat, offenbar recht gut verdiente, mußte sie sich doch allein ernähren, obwohl sie ja bei ihrer Freundin Ida Fleischl wohnte. Sie war auch eine strenge Kritikerin, vor der sich die Ebner von Eschenbach fürchtete und sehr froh war, wenn sie von ihr anerkannt war. Die drei Damen haben auch geraucht und miteinander Karten gespielt.

Danach ging es sozusagen in die literarische Soiree, denn es tauchten zwei schwarzgekleidete junge Frauen auf, von denen eine eine Geige hatte und Strauss Walzer spielte, während sich Claudia Erdheim durch ihre Biografie gelesen hat.

Dann folgte die „U-Bahnstimme“ Angela Schneider und las Gedichte von Betty Paoli und da erschien es mir plötzlich nicht mehr schwülstig, sondern interessant und aktuell und ich schaute auf die Decke und den Luster, der dort hing und dachte, das Ambiente stimmt, nur wir sind mit unseren Jeans und den derben Schuhen falsch angezogen! Das mußte auch Manfred Müller so empfunden haben, der am Schluß sagte, daß vielleicht vor hundertfünfzig Jahren auch Betty Paoli und Ida Fleischl zu den Soirees des Palais Wilczek gekommen sind. Franz Grillparzer war jedenfalls da und da habe ich auch ein Buch gelesen und  noch eine Biuografie auf meiner Leseliste stehen, die allerdings von einem Autor aus der Nazizeit stammt.

Werbeanzeigen

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Bloggen auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: