Literaturgefluester

2015-01-22

Natascha Wodin in der Alten Schmiede

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:32

Von Natascha Wodin habe ich mir einmal, ich glaube, es war in den frühen Neunzigerjahren, kurz bevor wir zum Schifahren ins Lesachtal fuhren, aus einer Libro-Abverkaufskiste, den Roman  „Gläserne Stadt“ gekauft, von der Autorin keine Ahnung gehabt und das Buch, das jetzt in Harland  steht, abgebrochen, was ich inzwischen nicht mehr tue.

Den Namen Natascha Wodin, habe ich dann vor einigen Jahren auf dem Programm eines der Kulturfestivals gesehen und mich an das Buch erinnert, jetzt wurde ihr letzter bei „Jung und Jung“erschienener Roman „Alter, fremdes Land“ in der „Alten Schmiede“ von Angelika Reitzer vorgestellt.

Ich war interessiert, mehr von der Autorin zu erfahren, wäre aber, da ich um vier Uhr eine Diagnostik hatte, die dann auch länger dauerte, fast nicht hingekommen und jetzt habe ich herausgekommen, daß es sich bei Natascha Wodin um keine, wie ich eigentlich glaubte, russische Autorin handelte, sondern um die 1945 geborene Tochter verschleppter ukrainisch russsischer Zwangsarbeiter, die seit 1994 in Berlin lebt und von 1994 bis 2002 mit dem Schriftsteller und Bachmannpreisträger Wolfgang Hilbig verheiratet war, über den sie auch einen Roman geschrieben hat.

Jetzt geht es um das Altern und über Berlin geht es auch und über das Internet, bzw. über die Erotik Chaträume, in die sich die Protagonistin Lea begibt, nachdem sie sich von Viktor getrennt hat und die Erfahrung macht, als ältere Frau nicht mehr von den Männer so begehrt zu sein, weil die ja alle jüngere Frauen wollen.

Ein sehr interessantes Thema und die Autorin hat sich auch, wie sie sagte, durch eine Collage ihres Textes gelesen, zuerst spaziert Lea mit Kopfhöhrern und Mozart-Musik durch Berlin, dann geht es in den Chatraum, wo sie eine Zeitlang fast besessen davon ist und nur mehr aus dem Haus geht, wenn sie etwas einkaufen will, denn die Männer, die dort Frauen, die im Rollstuhlsitzen suchen oder sonst seltsame Vorstellungen haben, ziehen sie an. Sie verschweigt ihnen ihr Alter, gibt sich immer um dreißig Jahre jünger aus und gibt sich, damit sie ihr nicht auf die Spur kommen, auch ständig andere Identitäten und Namen.

Das hörte sich von der siebzigjährigen Autorin gelesen, sehr frisch und ungewöhnlich an und es ergab sich in der Diskussion gleich die Frage, was daran autobiografisch ist?

Natürlich ist es Literatur, bekräftigte Angelika Reitzer und interessant, meinte sie, daß viele Schriftstellerin im Klappentext iher Bücher ihr Alter verschweigen, da fällt mir dazu die Diskussion mit Gabriele Petricek ein, die sehr darauf besteht, daß ihr Alter nirgends erwähnt wird.

Natascha Wodin sagte, das ist ihr egal und meinte, daß sie keine Literatur von Frauen, die über ihre Sexualität im Alter schreiben, gefunden hätte, obwohl das die Männer, wie Philiph Roth etc, ja bevorzugt betreiben. Die nerven mich ja manchesmal damit und ich finde das sehr interessant und denke, daß das wohl der Unterschied zwischen den Männern und den Frauen ist, daß sich die Autorinnen derzeit noch mit etwas anderen als mit ihrer Sexualität beschäftigen, vielleicht ist sie den Frauen auch nicht so wichtig.

Obwohl da gibt es Elfriede Vavriks „Nacktbadestrand“, ein Buch, das ich bei der „Seedose“ gefunden, aber noch nicht gelesen habe, mir aber in der Beschreibung ähnlich schien.

Da gibt eine fast Achtzigjährige eine Kontaktanzeige auf, macht sich allerdings, um zehn Jahre jünger und erlebt nach ihrer Aussage, ihren ersten Orgasmus dabei.

Ansonsten kennt die Psychologin in mir eher wissenschaftliche oder Sachgeberliteratur über das Thema Sex bei alten Frauen, das ja eher tot geschwiegen wird, aber natürlich passiert und es schon in den Siebzigerjahren einige engagierte Phamplete von älteren Frauen gab, die sich dafür einsetzten.

Ich erinnere da an die Bücher von Renate Daimler, einen Film den ich, viel später einmal im Kino am Spittelberg gesehen habe und an meine in den Neunzigerjahren verstorbene Freundin Hansi Berger, die ich im Klub der logischen Denker kennenlernte und die mir Neunzehnachtzig oder so das Buch der Renate Daimler empfahl.

Natascha Wodin scheint es als nicht ganz vergleichbar empfunden zu haben und ich taste mich ja auch erst langsam an die erotische Literatur heran, kann und konnte mit ihr nicht so viel anfangen, habe aber jetzt wieder einen solchen Roman angefordert, den ich demnächst lesen will und im Schrank vor ein paar Tagen ein Buch, namens „Mandelduft“ oder „Mandelblüte“ gefunden, habe es, weil mich das Cover ansprach, genommen. Es war von einer Muslima, aus Marokko die mit einem Pseudonym über ihre Erotik schrieb, das in Frankreich lange auf der Bestsellerliste stand.

Getreu meiner Buchbeschränkungspläne, nur ein Buch pro Woche, damit meine Leseliste nicht zerplatzt, habe ich es vom Literaturhaus kommend, am Heimweg in den „Wortschatz“ gelegt.

Am nächsten Morgen, habe ich es dann bereut, weil ich will in meiner nächsten Arbeit ja nicht nur über das Bücherlesen einer älteren Frau, sondern auch über ihre Begegnung mit einer jungen Bosnierin, der es zu Hause stinkt, bzw. die eine Freundin hat, die vielleicht nach Syrien verschwunden ist, um sich dort als Kriegsbraut zur Verfügung zu stellen, schreiben und da wäre es ja vielleicht eine gute Einstiegsliteratur, es war aber natürlich, als ich es wieder holen wollte, schon weg. Der neue Houllebecq wäre auch eine gute Einstiegsliteratur, aber soviel über den Islam will ich auch wieder nicht schreiben.

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