Literaturgefluester

2015-01-26

Barockes in der Alten Schmiede

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:07

Alexander Nitzberg kenne ich seit zwei Jahren, Christel Fallenstein hat ihn mir im „Wien Museum“ beim „Fest für Ernst Jandl“ als begabten jungen Russen vorgestellt, dann habe ich ihn in der „Alten Schmiede“ Daniil Charms rezitieren gehört und „Den Meister und Margarita“ hat er auch neu übersetzt und bei einer der „Buch-Wien“ vorgestellt, da habe ich zwar die alte Fassung im Schrank gefunden und gelesen, den Dichter aber zu seiner Neuübersetzung befragt und ihn auch sonst immer wieder bei Lesungen im Publikums gesehen.

Und jetzt gab es wieder etwas von dem 1969 in Moskau geborenen, der seit 2010 in Wien lebt in der „Alten Schmiede“, sogar zwei Abende mit je zwei Veranstaltungen bzw. zwei Themenschwerpunkten, nämlich sowohl  Vorlesungen zu Literatur als auch Stunden der literarischen Erleuchtung, beziehungsweise ein Großgedicht von Daniel Caspar von Lohenstein  1635-1683 „Venus“ und weil das offenbar ein Barockdichter war, gab es in der „Alten Schmiede“ auch die entsprechende Ausstattung von Raja Schwahn-Reichmann, nämlich Engerln, Putten, nackte Frauen mit puren Busen und purer Lebenslust und Raja Schwahn-Reichmann habe ich auch kürzlich in einem Film gesehen, bzw. einen Film über sie, in dem es über die Augarten-Besetzung ging und da ist sie auch in barocker Ausstattung und winkend am ersten Mail über den Rathausplatz gezogen und hat den entsetzt dreinschauenden Bürgermeister Häupl fröhlich zugewinkt.

Jetzt hat sie die auf den ersten Blick vielleicht ein wenig kitschig wirkenden Dekorationen, sie macht Ausstattungen für das Wiener Stadt Fest oder den Life Ball und beschäftigt sich mit barocker Ausstattung, in der „Alten Schmiede“ aufgereiht und das ist für das literarische Quartier vielleicht genauso ungewöhnlich, wie die barocke Dichtkunst überhaupt und ich habe, ich gebe es zu von Daniel Caspar von Lohenstein noch nie etwas gehört und denn ersten Abend überhaupt versäumt, denn da wurde die „Jenny“ im Literaturhaus vorgestellt, Alexander Nitzberg versicherte aber in der Einleitung, daß das nichts machte, weil er erstens den Inhalt des ersten Teiles kurz wiedergab und zweitens meinte, daß man das ohnehin am Anfang, in der Mitte, am Ende oder je nach Belieben hören konnte.

Am ersten Abend hat er zuerst eine Einleitung über den Dichter gegeben und dann mit dem ersten Teil begonnen, jetzt gab es den zweiten und den dritten und dazwischen eine Pause mit einem barocken Buffet, das wahrscheinlich ebenfalls so liebevoll und sinnlich von Raja Schwahn-Reichmann hergestellt wurde, nämlich Etageren mit bestrichenen Salzstangerlschnitten und dann noch Krapfen und Schokotorte, Käse, Kartottensticks und Tomaten für die Vegetarier gab es auch.

Es gab auch, das ist ebenfalls interessant eine von Ralph Klever herausgegebene Neuauflage des Langgedichtes und das, das über die Liebe, von den schönen Frauen, von der Venus, Mars, aber auch von Geschlechtkrankheiten und dem Blut das bei der Entjungferung fließt und den Kindern die dann nach neun Monden kommen, war durchaus interessant, denn ich hätte mir nicht gedacht, daß in einem Barockgedicht über die Liebe, Geschlechtskrankheiten thematisiert würden „als ob die Gräuel vorher nicht gewesen“, im Beschreibungstext steht etwas, das Lohenberg inzwischen wegen seiner „schwülstigen Metaphern, falschen Gedanken, gezwungene Künsteleyen, erzwungene Spitzfindigkeiten,etc, in Vergessenheit geraten ist und man nun nur mehr Andreas Gryphius kennen würde.“

Nun mir hat es gefallen und ich habe es durchaus frisch und interessant empfunden und wenn das so weiter geht, wird sich die an sich prüde Eva in eine Erotik-Expertin verwandeln, habe ich doch erst vorigen Donnerstag, eine Dichterin mit ebenfalls russischer Abstammung in die erotischen Chaträume folgen können und einen erotischen Liebesroman aus dem „Cupido-Verlag“ habe ich dazwischen auch gelesen.

Es ist aber interessant und man lernt nie aus, obwohl man ja schon ein wenig weiß, daß nackte Brüste und heiße Künste die Männer sehr entzücken können, im Barock und auch heute.

Alexander Nitzberg hat das entsprechend rezitiert und sehr viel Applaus bekommen und die „Alte Schmiede“ war auch recht voll mit bekannten und unbekannten Gesichtern. So war wieder Christel Fallenstein da und die Stammbesucherin, die ich auch damals bei dem ÖVP-Sommerfest, wo mit dem Buffet nicht so freizügig umgegangen wurde, getroffen habe.

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2 Kommentare »

  1. Tut mir leid, aber Geschlechtskrankheiten erwähnt das besagte Lohenstein-Gedicht mit keinem Wort. Unter „Krankheit“ versteht der Dichter hier (ganz im Sinne des Petrarcismus) natürlich nur die Liebe selbst, die er übersteigert auch als „Pest“, „Seuche“, „Sucht“ etc. bezeichnet.

    Kommentar von Alexander Nitzberg — 2015-01-27 @ 14:56 | Antwort

    • Also ich habe mir den Satz „als ob die Gräuel vorher nicht gewesen“ so interpretiert und extra mitgeschrieben und da ja das gilt, wie die Hörerin es empfindet, Herrn von Lohenstein können wir beide ja nicht mehr befragen…
      Geschlechtskrankheiten gehören ja irgendwie auch zu den Seuchen und wenn man aus lauter Leidenschaft ungeschützt in Liebe fällt, kann es vielleicht auch passieren, daß…
      Wahrscheinlich interpretiert man im einundzwanzigsten Jahrhundert auch anders als im siebzehnten. Ich nehme es mir jedenfalls für mich heraus, das bei dem Satz zu denken.
      Finde ich fein, daß Sie mich gefunden haben und weiterhin viel Erfolg!

      Kommentar von jancak — 2015-01-27 @ 15:03 | Antwort


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