Literaturgefluester

2015-01-22

Natascha Wodin in der Alten Schmiede

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:32

Von Natascha Wodin habe ich mir einmal, ich glaube, es war in den frühen Neunzigerjahren, kurz bevor wir zum Schifahren ins Lesachtal fuhren, aus einer Libro-Abverkaufskiste, den Roman  „Gläserne Stadt“ gekauft, von der Autorin keine Ahnung gehabt und das Buch, das jetzt in Harland  steht, abgebrochen, was ich inzwischen nicht mehr tue.

Den Namen Natascha Wodin, habe ich dann vor einigen Jahren auf dem Programm eines der Kulturfestivals gesehen und mich an das Buch erinnert, jetzt wurde ihr letzter bei „Jung und Jung“erschienener Roman „Alter, fremdes Land“ in der „Alten Schmiede“ von Angelika Reitzer vorgestellt.

Ich war interessiert, mehr von der Autorin zu erfahren, wäre aber, da ich um vier Uhr eine Diagnostik hatte, die dann auch länger dauerte, fast nicht hingekommen und jetzt habe ich herausgekommen, daß es sich bei Natascha Wodin um keine, wie ich eigentlich glaubte, russische Autorin handelte, sondern um die 1945 geborene Tochter verschleppter ukrainisch russsischer Zwangsarbeiter, die seit 1994 in Berlin lebt und von 1994 bis 2002 mit dem Schriftsteller und Bachmannpreisträger Wolfgang Hilbig verheiratet war, über den sie auch einen Roman geschrieben hat.

Jetzt geht es um das Altern und über Berlin geht es auch und über das Internet, bzw. über die Erotik Chaträume, in die sich die Protagonistin Lea begibt, nachdem sie sich von Viktor getrennt hat und die Erfahrung macht, als ältere Frau nicht mehr von den Männer so begehrt zu sein, weil die ja alle jüngere Frauen wollen.

Ein sehr interessantes Thema und die Autorin hat sich auch, wie sie sagte, durch eine Collage ihres Textes gelesen, zuerst spaziert Lea mit Kopfhöhrern und Mozart-Musik durch Berlin, dann geht es in den Chatraum, wo sie eine Zeitlang fast besessen davon ist und nur mehr aus dem Haus geht, wenn sie etwas einkaufen will, denn die Männer, die dort Frauen, die im Rollstuhlsitzen suchen oder sonst seltsame Vorstellungen haben, ziehen sie an. Sie verschweigt ihnen ihr Alter, gibt sich immer um dreißig Jahre jünger aus und gibt sich, damit sie ihr nicht auf die Spur kommen, auch ständig andere Identitäten und Namen.

Das hörte sich von der siebzigjährigen Autorin gelesen, sehr frisch und ungewöhnlich an und es ergab sich in der Diskussion gleich die Frage, was daran autobiografisch ist?

Natürlich ist es Literatur, bekräftigte Angelika Reitzer und interessant, meinte sie, daß viele Schriftstellerin im Klappentext iher Bücher ihr Alter verschweigen, da fällt mir dazu die Diskussion mit Gabriele Petricek ein, die sehr darauf besteht, daß ihr Alter nirgends erwähnt wird.

Natascha Wodin sagte, das ist ihr egal und meinte, daß sie keine Literatur von Frauen, die über ihre Sexualität im Alter schreiben, gefunden hätte, obwohl das die Männer, wie Philiph Roth etc, ja bevorzugt betreiben. Die nerven mich ja manchesmal damit und ich finde das sehr interessant und denke, daß das wohl der Unterschied zwischen den Männern und den Frauen ist, daß sich die Autorinnen derzeit noch mit etwas anderen als mit ihrer Sexualität beschäftigen, vielleicht ist sie den Frauen auch nicht so wichtig.

Obwohl da gibt es Elfriede Vavriks „Nacktbadestrand“, ein Buch, das ich bei der „Seedose“ gefunden, aber noch nicht gelesen habe, mir aber in der Beschreibung ähnlich schien.

Da gibt eine fast Achtzigjährige eine Kontaktanzeige auf, macht sich allerdings, um zehn Jahre jünger und erlebt nach ihrer Aussage, ihren ersten Orgasmus dabei.

Ansonsten kennt die Psychologin in mir eher wissenschaftliche oder Sachgeberliteratur über das Thema Sex bei alten Frauen, das ja eher tot geschwiegen wird, aber natürlich passiert und es schon in den Siebzigerjahren einige engagierte Phamplete von älteren Frauen gab, die sich dafür einsetzten.

Ich erinnere da an die Bücher von Renate Daimler, einen Film den ich, viel später einmal im Kino am Spittelberg gesehen habe und an meine in den Neunzigerjahren verstorbene Freundin Hansi Berger, die ich im Klub der logischen Denker kennenlernte und die mir Neunzehnachtzig oder so das Buch der Renate Daimler empfahl.

Natascha Wodin scheint es als nicht ganz vergleichbar empfunden zu haben und ich taste mich ja auch erst langsam an die erotische Literatur heran, kann und konnte mit ihr nicht so viel anfangen, habe aber jetzt wieder einen solchen Roman angefordert, den ich demnächst lesen will und im Schrank vor ein paar Tagen ein Buch, namens „Mandelduft“ oder „Mandelblüte“ gefunden, habe es, weil mich das Cover ansprach, genommen. Es war von einer Muslima, aus Marokko die mit einem Pseudonym über ihre Erotik schrieb, das in Frankreich lange auf der Bestsellerliste stand.

Getreu meiner Buchbeschränkungspläne, nur ein Buch pro Woche, damit meine Leseliste nicht zerplatzt, habe ich es vom Literaturhaus kommend, am Heimweg in den „Wortschatz“ gelegt.

Am nächsten Morgen, habe ich es dann bereut, weil ich will in meiner nächsten Arbeit ja nicht nur über das Bücherlesen einer älteren Frau, sondern auch über ihre Begegnung mit einer jungen Bosnierin, der es zu Hause stinkt, bzw. die eine Freundin hat, die vielleicht nach Syrien verschwunden ist, um sich dort als Kriegsbraut zur Verfügung zu stellen, schreiben und da wäre es ja vielleicht eine gute Einstiegsliteratur, es war aber natürlich, als ich es wieder holen wollte, schon weg. Der neue Houllebecq wäre auch eine gute Einstiegsliteratur, aber soviel über den Islam will ich auch wieder nicht schreiben.

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2015-01-21

Zum zweihundertsten Geburtstag von Betty Paoli

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:43

„Durch und durch Genie“ unter diesen Titel veranstaltete Claudia Erdheim ein Symposium in der „Gesellschaft für Literatur“, hat sie ja über die am 30. Dezember 1814 geborene Barabara Elisabeth Anna Glück eine Romanbiografie geschrieben, die sie schon in der „Alten Schmiede“ vorstellte.

Jetzt also eine Minisymposium, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erklärte, von sechzehn bis neunzehn Uhr in den ehrwürdigen Räumen des Palais Wilczek und einen umfangreichen Büchertisch gab es auch.

Hat ja auch Eva Geber eine Buch über die Lyrikerin und Feuilletonistin geschrieben und die schreibenden Frauen des neunzehnten Jahrhunderts werden jetzt überhaupt prominent in den Medien oder sonstwo vorgestellt, gibt es da auch die vierbändige Marie Ebner von Eschenbachausgabe, die von Daniela Strigl, Evelyne Polt-Heinzl et al herausgegeben wird und die ist auch die Gräfin aus dem Erdheim-Buch und da habe ich nicht nur inzwischen das „Gemeindekind“ und „Krambambulli“ gefunden und auf meiner Leseliste, sondern auch vor kurzem „Lotti, die Uhrmacherin“ gelesen und den großen Roman einer anderen großen Adeligen, die im vorigen Jahr groß gefeiert wurde, habe ich dank Andrea Stifts Hilfe auch gelesen.

Jetzt also wieder ein bißchen hinein in das neunzehnte Jahrhundert und in das Leben der Barbara Elisabeth, wo nicht so ganz klar ist, ob sie jetzt die Tochter eines jüdischen Bankiers oder ungarischen Adeligen ist, hat sie ja ihre Biografie zu Lebzeiten sehr geheim gehalten und gemeint „Das geht die Öffentlichkeit nichts an, was die Nachwelt treibt, kann ich nicht verhindern!“ und so ist Claudia Erdheim in die Wien-Bibliothek gegangen, hat die Tagebücher und die Briefe gelesen und am Nachmittag im Palais Wilczek ein bißchen was aus ihrem Leben erzählt. Der Vater hat viel Geld hinterlassen, die Mutter hats verspielt, hatte nicht Bertha von Suttner eine ähnliche Biografie? So muße sich die Tochter als Gouvernante, Gesellschafterin und Vorleserin verdingen, hat aber bald Gedichte geschrieben und war schon mit dreiundzwanzig Jahren damit berühmt.

Jetzt ist sie vergessen, beziehungsweise wurde sie von Eva Geber und Claudia Erdheim wieder entdeckt und Manfred Müller sprach noch von den drei Vorträgen mit denen ihr Werk in dem Kurzsymposium von drei Frauen vorgestellt werden würde und so begann, die mir unbekannte Galina Hristeva aus Stuttgart mit der Lyrik der Paoli und die Gedichtzeilen, die sie vorstellten, klangen auch recht schwülstig, neunzehntes Jahrhundert halt.

Das mußte auch ein Herr im Publikum so empfunden haben, denn er fragte die Referentin, ob sie die Gedichte wieder auflegen würde, wenn sie einen Verlag hätte?

„Wahrscheinlich nicht!“, antwortete die, aber Eva Geber verteidigte die Autorin und sprach von einem Gedicht, das in einem ihrer Schulbücher gestanden hat, das sie zu der Dichterin gebracht hätte.

Dann folgte der Vortrag von Evelyne Polt-Heinzl,  in dem sie die Autorin ein bißchen aus der Perspektive des einundzwanzigsten Jahrhunderts vorstellte, was im Publikum sehr gelobt wurde.

Dann gabs eine Pause mit Gesprächen und danach folgte Eva Geber mit „Hehre Dichtkunst – niederer Journalismus – glanzvolle Feuilletons“, wo klar wurde, daß die Paoili von ihren Gedichten nicht leben konnte, aber mit ihren Feuilletons in der „Neuen freien Presse“, wo sie sich sehr für die Frauenfrage und für die Mädchenbildung eingesetzt hat, offenbar recht gut verdiente, mußte sie sich doch allein ernähren, obwohl sie ja bei ihrer Freundin Ida Fleischl wohnte. Sie war auch eine strenge Kritikerin, vor der sich die Ebner von Eschenbach fürchtete und sehr froh war, wenn sie von ihr anerkannt war. Die drei Damen haben auch geraucht und miteinander Karten gespielt.

Danach ging es sozusagen in die literarische Soiree, denn es tauchten zwei schwarzgekleidete junge Frauen auf, von denen eine eine Geige hatte und Strauss Walzer spielte, während sich Claudia Erdheim durch ihre Biografie gelesen hat.

Dann folgte die „U-Bahnstimme“ Angela Schneider und las Gedichte von Betty Paoli und da erschien es mir plötzlich nicht mehr schwülstig, sondern interessant und aktuell und ich schaute auf die Decke und den Luster, der dort hing und dachte, das Ambiente stimmt, nur wir sind mit unseren Jeans und den derben Schuhen falsch angezogen! Das mußte auch Manfred Müller so empfunden haben, der am Schluß sagte, daß vielleicht vor hundertfünfzig Jahren auch Betty Paoli und Ida Fleischl zu den Soirees des Palais Wilczek gekommen sind. Franz Grillparzer war jedenfalls da und da habe ich auch ein Buch gelesen und  noch eine Biuografie auf meiner Leseliste stehen, die allerdings von einem Autor aus der Nazizeit stammt.

2015-01-20

Westhang, schattig, herb im Abgang

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:45

Die Aktivitätren des „Instituts für Sprachkunst“ verfolge ich schon seit seinem Entstehen, im Herbst 2009, bzw. seit ich auf Cornelia Travniceks Blog gelesen habe, daß sie wegen Überqualifizierung nicht genommen wurde.

Damals habe ich mir die Teilnehmer des ersten Lehrgangs ausgedruckt, das konnte man damals noch, Sandra Gugic war dabei und Rhea Krcrlmarova und im Jänner darauf bin ich zum „Tag der offenen Tür“ der Angewandten gegangen, das heißt Marietta Böning, die die Pressearbeit macht, hat mich ein bißchen herumgeführt, habe Reha Krcmarova und einige andere lesen gehört.

Gustav Ernst hat mir das neueste „Wespennest“ geschenkt und Robert Schindel, glaube ich, mir einen Platz angeboten, 2011 gab es dann die erste „Studentenlesung“ im Literaturhaus, 2012 die zweite, dann hießen sie, glaube ich nicht mehr so oder ich hätte es übersehen?

2010 gab es auch Lesungen von berühmten Autoren wie Katja Langen Müller und Wilheilm Genanzino oder Terzia Mora, die sozusagen für die Studenten eingeaden wurden, ein „Symposium der Sprachkunst“ gab es auch und ein „Fest für Robert Schindel“ im Literaturhaus, als der sozusagen in Pension ging und das Institut Ferdinand Schmatz übergab.

Im Sommer gab es sowohl Veranstaltungen im Literaturhaus als auch in der „Alten Schmiede“, im Jahr davor, veranstaltete Esther Dischereit etwas mit ihren Studenten in der AS. Die Jenny I und II gibt es auch und wahrscheinlich eine Unzahl von anderen Veranstaltungen, bei denen ich nicht gewesen bin.

Kann man ja nicht überall sein, so ist mir die Reihe im „Buch und Beisl“, glaube ich, so ziemlich an mir vorbeigegangen und heuer präsentoierte sich der Jahrgang 2012 mit dem Titel „Westgang schattig, herb im Abgang“, um den Vergleich mit den Wein zu nehmen, wie ich mich bei dem Organisator erkundigte.

Vier Lesende, drei junge Frauen, ein junger Mann, nicht mehr der ganze Jahrgang also, dafür habe ich Christa Stippinger gleich beim Kommen gesehen, denn die Gewinner oder die Teilnehmer des „Exil-Literaturpreises“, studieren öfter Sprachkunst.

Ekatharina Haider hat das neben Sandra Gugic getan, von der jetzt ein Roman erschienen ist, der demnächst in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt werden wird und Didi Drobna, 1988 in Bratislava geboren, eine Teilnehmerin und Lesende des Jahrganges tat das ebenso, sie hat 2010 den „Exil Literaturpreis“ bekommen,  2012 hat sie den dritten Platz beim „Wortlaut“ gemacht und ihr Debutroman „Zwischen Schaumstoff“ ist Ende 2014 in der „Edition Exil“ erschienen.

Aus dem hat sie auch zwei Kapitel gelesen, deann kam Rhea Fenzl, 1992 geboren, die nicht gern Fenzl, sondern lieber Möbe heißen und es „sich und ihren Texten nicht leicht machen“ möchte.

Sie war vielleicht auch ein wenig aufgeregt, verbot sich das Fotografieren und las ein paar Gedichte und einige Prosastücke, dann folgte der einzige Mann, des Abends auf dem Podium, der 1992 in Klagenfurt geborene Mathias  Kropfitsch, der auch in der „Jenny“ einen Text hat, er las im stehen, einen sehr technischen Text, wo es in wahrscheinlich abgehackten Sätzen vom Einsatz von Facebook, Computer und anderer neuer Technik in das heutige Leben gang, fast ein bißchen Poetry Slam aber äußerst spannend und so fragte die vierte in der Runde, die 1990 in Amstetten geborene  Anna Stiegler, die außer Sprachkunst auch noch Jus studiert, wie sie nach alle den Vorlesern, krönender Abschluß sein könne?

Ihr Text, wo sich zwei in einem Cafe treffen, die Frau ein Online Ticket nach Lissabonn gebucht hat und ein alter Mann am Nebentisch mit seinem Zeitungsständer eine Vase umschmeißt, war aber auch sehr spannend und sehr artificel und während die jungen Leute, in den Ferien nach Berlin oder anderswohin gehen, kann ich noch vermelden, daß beim „Wartholz-Literaturpreis“, der jetzt ja  bald naht, diesmal Rhea  Krcmarova, die auch schon einen Roman veröffentlich hat, Katharina Luger, die ich von der Studentenlesung II kenne und dann noch Robert Prosser, der letzte Priessnitzpreisträger und Marlen Schachinger, die ich von ihrer Publikation bei Ruth Aspöck bzw. von der „Frauen lesen Frauen-Gruppen“ kenne und die es über ihre eigene Akademie und zwei Veröffentlichungen in den letzten Jahren, in den Literaturbetrieb geschafft hat, lesen werden.

Die anderen Ausgewählten kenne ich nicht und sollte Sandra Gugic Roman „Astronauten“ einmal zu mir kommen wird mich das freuen, denn sie kenne ich auch schon sehr lang und habe ihren Werdegang vom Exil-Literaturpreis aufwärts, ein bißchen verfolgt.

Es waren diesmal nicht so viele Leute im Publikum und von den Professoren nur Ferdinand Schmatz, aber interessant und zu empfehlen ist der akademische Werdegang der jungen Leute und die Frage, ob man schreiben jetzt lernen kann oder doch nicht, wahrscheinlich immer noch.

Interessant  ist vielleicht auch noch zu erwähnen, daß die Lesung unserer Schrebegruppe am 6. März im „Amerlinghaus“ den Titel „Westbahn spontan“ hat, weil wir uns ja immer im Cafe Ludwig in der Westbahnstraße getroffen haben und einige der Teilnehmer mit der Westbahn von St. Pölten angereist sind und ich manchmal nicht dorthin kommen konnte, weil ich mit dem Auto dorthin fuhr.

Bei dem gewaltigen Archiv, das man bei mir wahrscheinlich zielich einzigartig über den Hochschullehrgang finden kann, habe ich jetzt noch die „Zwischenweltlesung“ im Republikanischen Club vergessen, weil Vladimir Vertlib, ja auch, wie sehr viele andere österreichische Gegenwartsautoren zu den Lehrern des Instituts zählt und einige der Studenten eingeladen hat, in der „Zwischenwelt“ zu publizieren und ihre Texte bei einer eigenen Veranstaltung vorzulesen. Ja und im MUSa haben auch schon einige Studenten gelesen, bzw. von der Stadt Wien ein Stipendium bekommen.

2015-01-19

Wendelin Schmidt-Denglers Laudationes

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:49

„Das Unsagbare bleibt auch ungesagt“ so lautet der Titel des „Klever-Bandes“ mit den Laudationes und Preisreden, die der große österreichische Literaturprofessor zwischen 1983 und 2008 gehalten hat,  der am Montag in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt wurde und der hat, glaube ich viel gesprochen und auch sehr schnell geredet und mich wahrscheinlich genauso beeindruckt, wie seine Schüler und Studenten, die zum Teil im Publikum gesessen ist und, wie Manfred Müller in seiner Einleitung  erwähnte, der sich als eher bummeliger Student beschrieb, der einmal in ein Schmidt-Dengler Seminar über die „Strudelhofstiege“ stolperte und dadurch der Germanistik erhalten blieb, bzw. seine Liebe zur Literatur entdeckte.

Mir ist es, 1975 muß das ungefähr gewesen sein, ähnlich gegangen, habe ich doch nicht Germanistik studiert, war aber in einer Vorlesung des damals noch Assistenten, glaube ich, ein einziges Mal, habe dann eine Zeitlang überlegt, ob ich nicht doch  zur Germanistik wechsle und bin bei der Psychologie geblieben.

Das habe ich auch nicht bereut, die Begeisterung für den Literaturbesessenen, ich würde mich ja selber als eine solche bezeichnen, ist wahrscheinlich später gekommen, so erinnere ich mich an das „Fest für Friederike Mayröcker“ in Mürzzuschlag, da habe ich den Professor auf F.M. angesprochen und einmal bin ich verspätet ins Literaturhaus gekommen, weil ich vorher noch eine verwirrte alte Dame in ihtr Pensionistenheim am Loquaiplatz begleitet habe,  ihn von dort kommen sehen und wahrscheinlich nicht sehr freundlich „Ist es schon aus?“ gefragt.

Wendelin Schmidt Dengler 1942 bis 2008, glaube ich, ein Workoholic und Schnellredner immer an mehreren Orten gleichzeitig und viele Projekte im Kopf wahrscheinlich, war bis 2002, glaube ich, in der GAV-Jury und hat aus Zeitmangel wahrscheinlich nur mehr Plus, Minus und Weiß nicht auf die Bewerbungen geschrieben. Da haben sich dann einige beschwert, weil heutige Größen wie Richard Obermayr, Olga Flor und Franzobel nicht zum Zug kommen sollten und so bin ich dem Professor zwei Jahre als GAV-Jurorin gefolgt.

Das sind so Begegnungen, höchst beeindruckend und unvergeßlichen und bei einigen seiner Preisreden werde ich wahrscheinlich auch anwesend gewesen sein.

Genau erinnere ich mich zwar nicht mehr , aber an dem Abend, wo ich am Nachmittag in der Rahlgasse gelesen habe, hatte er einen Vortrag am Unicampus und die Frau Millner war auch seine Schülerin, aber heute nicht da, dafür Klaus Kastberger, sein Nachfolger wahrscheinlich und ab heuer Bachmannjuror und Leiter des Literaturhauses Graz. Der ist, als ich gekommen bin, zuerst hinter mir gesessen, ich habe ihn angesprochen und erzählt, daß ich jetzt „Progrom“ gefunden habe. Das alte nicht das bei „Milena“ erschienene, er hat mich glaube ich nicht ganz verstanden, auf jedenfall nicht sehr geantwortet, einmal im früheren Metrokino habe ich ihm an einem 9. November, glaube ich, nach Lilly Brett gefragt, als er einen Vortrag über Simmel hielt.

Raph Klever habe ich auch etwas gefragt, bzw. erzählt, daß ich gestern Adelheid Dahimienes „Rauchernovelle“ gelesen habe und zufällig bin ich wieder neben dem Paar gesessen, das gerne zu literarischen Soireen geht.

Vor mich hat sich Ingeborg Reisner gesetzt, der ich die „Anna“ zeigte und als sie es mir sofort zurückgab, ein bißchen zynisch „jetzt wissen Sie alles darüber!“, sagte, was sie mir auch bestätigte.“

„Ich weiß ja wie Sie schreiben!“, nun ja man kann sich vielleicht irren oder nicht, die Ladationen und Preisreden wurden jedenfalls, von dem 1973 geborenen Helmut Neundlinger herausgegeben, der von Manfred Müller als „Universalgenie“ bezeichnet wurde.

Er hat  den Schmidt-Dengler Nachlaß aufgearbeitet und die Laudationes sind auch im Zuge dieser Arbeit entstanden. Ein posthum erschienenes Schmidt-Dengler Buch, 2012, glaube ich, erschienen, gibt es schon, nämlich seine „Fußballtexte“, war er ja auch ein sehr bekennender Fußballfan, etwas was man mir nicht nachsagen kann, obwohl inzwischen schon Bücher über Fußball auf meiner Leseliste stehen.

Die Schmidt-Dengler Witwe Maria, war auch anwesend und wenn ich mich nicht irre, auch bei der Dezember Veranstaltung und hat den Herausgebern bei der Auswahl sehr geholfen und, wie Helmut Neundigler erwähnte, vor „Peinlichkeiten“ bewahrt.

Daniela Striegl, die heute schon im Radio zu hören war, hat das Vorwort geschrieben und dann ging es los mit einer historischen Aufnahme und der Schmidt-Dengler Stimme zu der Rede 1983, als Ilse Aichinger den „Kafka-Preis“ in Klosterneuburg bekommen hat und das war wahrscheinlich in Kooperation mit der ÖGL und so gibt es eine Tonbandaufnahme und der vorvorige Leiter Wolfgang Kraus saß im Publikum und Schmidt-Dengler teilte seine Spitzen gegen ihn aus, wie Strigl und Neudlinger erklärten, ebenfalls hat er bei seinen Reden immer Portraits über die Ausgezeichneten gemacht, das versuche ich bei meinen Texten auch und hat auch den Namensstifter einbezogen.

So erfährt man auch viel über Kafka in der Preisrede seine Tagebücher habe ich ja gelesen und bei der Veranstaltung über „Kafkas Wien“ war ich auch einmal in der Gesellschaft.

Es gibt auch Reden für Ann Cotten, Salman Rusdie, Herta Müller und und ich habe dann gefragt, wieviele der gehaltenen Reden in dem Buch enthalten sind.

Die Auskunft, die ich bekam, waren die meisten, aber einige sind verschollen oder nur im Fragment erhalten. Es gibt eine für Karl Markus Gauß und eine für Franzobel, als er den „Schnitzler Preis“ bekommen hat und über den hat WSD vielleicht nicht soviel gehalten, jedenfalls dürfte er von anderen Ufern gesprochen haben, von den Franzobel zu Schnitzler hinüberwinkte.

Theodor Kramer hat er offenbar auch nicht sehr bewundert und manchmal auch, wie Daniela Strigl erklärte, verissen, nicht oft, aber manchmal schon.

Bei Albert Drach aber nicht, diese Rede wurde auch vorgelesen, ebensowie die für Salman Rusdie als er den österreichischen Staatspreis für europäische Literatur bekommen hat und die war sehr interessant, weil da gab es ja diese Bedrohungsgeschichte.

Judith Grohmann hat in ihrem Buch geschrieben, wie die Wega bzw. die Staatspolizei sich um die Preisverleihung bemühte. Frau Schmidt-Dengler erzählte etwas von einem Orden, den Wendelin Schmidt Dengler bekommen hat, so daß die Preisverleihung geheim gehalten, die Gäste aber trotzdem eingeladen werden konnten.

Ich war ja schon bei einigen posthumen Veranstaltungen und ein Preisredenbuch, allerdings ein anderes, aber über einen, über den der Literaturprofessor auch sehr viel geschrieben hat, habe ich auch gelesen und er dürfte sich trotz einiger Antipathien und Verrisse auch wirklich sehr für die Gegenwartsliteratur eingesetzt und hier, wie ich auch, quer über den Teller bzw. durch den Gemüsegarten gedacht haben.

Eine sehr interessante Veranstaltung und ein sehr interessantes Buch also. Dine Petrik, Ilir Ferra und einige andere habe ich noch im Publikum gesehen.

2015-01-18

Harlander Wochenende

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:23

Am Freitag habe ich wieder einmal die Schreibegruppe mit Ruth, Robert, Ilse und Fritz ausgelassen und bin mit dem Alfred nach Harland gefahren.

Alle zwei Wochen tun wir das so cirka und deshalb habe ich die halben Schreibgruppentermie auch versäumt, die sich nach der Lesung am 6. März im Amerlinghaus wahrscheinlich auch auflösen wird, weil die Ruth manchmal im Cafe Ludwig allein gesessen ist.

Nun für mich waren das sehr interessante und spannende Abende, wo ich für einige meiner Bücher etwas geschrieben habe, den Text zum ersten Mai, habe ich am Volksstimmefest vorgelesen und der zum Thema „Kokusnuß“ war einer meiner Experimente, denn ich habe Klaus Khittl mit dem ich in den letzten Tage öfter gemailt habe, geschrieben, daß es für mich sehr spannend war, fast zwei Jahren neben den zwei Experimentellen Ilse Kilic und Fritz Widhalm zu schreiben. Das ist ja, glaube ich, auch Sinn und Zweck der Schreibeschulen und Hochschullehrgänge, daß man sich da auch in anderen Genren, die für mich beispielsweise die Lyrik und die Dramatik wären, ausprobieren und auf die eigene Prosa anwenden kann.

Und da bin ich schon beim Thema Schreiben und kann verkünden, daß die Weihnachtsdepression und die diesmalige Schreibkrise für diesmal erfolgreich beendet ist.

Habe ich diese Woche ja, wie angekündigt, öfter die Beschreibung des „Writer Retreats“ des „Writersstudio“ neben mich gelegt, meine Tagesziele vereinbart und bin dann über „Im Namen des Vaters“ drübergegangen. Zuerst habe ich das mal fertig Szene für Szene korrigert und dann durch solange bis ich keine Fehler finde, das mache ich ja schon seit Jahren so und korrigiere das mit meiner Rechtschreibung, solange, bis ich es „perfekt“ finde.

Da brauche ich üblicherweise ein paar Wochen dazu und irgendwann, ziemlich früh kommt das Stadium, daß ich glaube, ich habe es jetzt.

Das war bei mir, glaube ich, so am Donnerstag, bis Seite fünfzig kein Fehler, dann habe ich wieder zwei oder drei auf einer Seite gefunden, begonnern, das Ganze laut vorzulesen und hatte dann wieder Fehler um Fehler, was habe ich da alles vorher nur übersehen und meistens gibt es dann auch irgendein spezielles Problem in das ich mich zuerst hineinsteigere und später dann wieder mühsam hinausnehme.

Ach ja, das sind so Schreibgeschichten, beim vierunddreißigsten Selbstgemachten oder so, hat man schon Erfahrung und sieht das gelassener und für die, die es interessiert, die neue Idee für das neue Projekt ist auch schon gekommen und sie ist wieder keine ganz neue.

Denn die Idee über das Auflesen seiner Bücher zu schreiben, steckt ja in mir und  ich habe sie bisher offenbar nur anreißen können. Nun ja, vielleicht gelingt es mir diesmal sie auszuschreiben und dieses Thema für mich zu beenden, mal sehen, auch das sieht man gelassen, denn wenn man schon vierzig Jahre erfolglos neben dem Literaturbetrieb schreibt, hat man auch die Freiheit, das zu tun was man will und ich bin festentschlossen, diese Chance auch auszunützen.

So habe ich jetzt den Namen Thekla Morgenstern in meinem Notizbuch stehen, die ist wahrscheinlich wieder über sechzig und wagt sich an das Experiment. Sie könnte einen Volkshochschulkurs über „Bibliotherapie“ besuchen, den die alte Bekannte aus der „Absturzgefahr“, die Schreibtrainerin Fritzi Jelinek hält und die ist wieder in Wien, hat mit Janus Warszinski eine problemlose platonische Beziehung und die Thekla liest vielleicht ein Buch pro Tag, tut es dann nachher in ein Einkaufswagerl, vielleicht einmal in der Woche alle sieben, damit das nicht zu leer ist und gibt sie den Bücherschränken wieder zurück, danach geht sie ins Kino, da hatte ich, diesen Dienstag, glaube ich, ein Erlebnis mit meiner Hauptschulkollegin Christa U. die ich gelegentlich auf Veranstaltungen sehe und die gerade etwas Ähnliches macht oder in einen Park und da trifft sie die fünfzehnjährige Yasmin, in Österreich geboren mit bosnischer Abstammung und ziemlich hoffnungslos, vom Schulsystem angefressen, der Stiefvater will sie nicht haben, die Mutter hat keine Zeit, weil ein paar kleine Kinder und muß ihrem Mann im Restaurant helfen, die Großmutter ist auch nicht freundlich, sondern schimpft ständig, da kommt die Idee vielleicht nach Syrien als Kriegerbraut zu gehen und dort zu helfen, ja meine Ideen sind immer von der Tagespolitik gespeichert und da bekomme ich derzeit viel Stoff und natürlich ist wieder die Gefahr dabei mich zu verrennen, wie damals 1989, als ich über den Aufbruch Ungarns schreiben wollte und nicht wirklich eine Ahnung hatte, wie das gehen könnte, oder wie das vor drei Jahren mit der „Paula Nebel“ war.

Ich müßte mir also Zeitlassen und wirklich genau recherchieren, etc, das habe ich schon öfter so geschrieben, kann man in meinen Blog nachlesen, ich weiß und ich habe das auch ein bißchen mit Klaus Khittl diskutiert, den ich ja um eine Rezension der „Anna“ gebeten habe.

Jetzt hat er mir eine „Nichtrezension“ der „Dreizehn Kapitel“ geschickt, die eigentlich ein paar persönliche Worte, aber sehr treffend und scharfsinnig sind und die man bald auf meinen Blog lesen können wird.

Sonst hat er bei meinen Schreibproblemen wieder mal ins Schwarze getroffen und ich war erstaunt, wie oft mir die Leute das Gleiche sagen, ja keiner kann aus seiner Haut heraus und ich bin nicht einmal sicher, ob ich das überhaupt will und komme immer mehr darauf, daß ich wahrscheinlich meinen eigenen Schreibstil habe, der halt vom offiziellen Literaturbetrieb nicht als literarisch anerkannt wird und so wurschtle ich trotzig und eigensinnig dahin und habe in den letzten vierzig Jahren sicher mehr geschrieben, als mancher Nobelpreisträger.

Aber ich weiß schon,  Quantität alleine zählt nicht und auch das Frau sein ist als solches kein Programm, das Bloggen darüber hat aber zumindest mir geholfen, mit Kritik lockerer umzugehen und auch meinen Status quo, wie ich meine, klarer zu sehen und da gibt es auch eine Neuigkeit, nämlich Leipzig öffnet sich den Bloggern oder es macht eine eigene Bloggerlounge, in die man nur darf, wenn man sich vorher akkreditieren läßt und das kann man, wenn man ein Jahr regelmäßig über brachenspezifische Themen bloggt, nun glaube ich zwar, daß ich nicht branchenspezifisch bin, aber trotzdem über das schreibe, was Leipzig sich darunter vorstellt und wir fahren heuer  nach Leipzig und in diese Lounge hinein zu können und dort vielleicht „Buzzaldrin“, die „Klappentexterin“ und all die anderen Blogger kennenzulernen, die ich regelmäßig lese und manchmal auch zitiere, wäre fein.

Dann gibt es noch etwas anderes, nämlich die Aktion „Bücherpate“, da werden von einer fünfköpfigen Jury, fünfzehn Blogger ausgewählt, die je ein für den Leipziger Buchpreis nominiertes Biuch besprechen und dafür sowohl zur Erföffnung, als auch durch die Sperre am Donnerstag, wenn der dann vergeben wird, dürfen.

Nun da mein Blog ja nicht so fehlerfrei ist, ich habe Klaus Khittl, das gestern auch geschrieben, daß ich neben Praxis, Schreiben, Familie, Bücherberge und Veranstaltungen und auch ein bißchen Schlaf nur täglich eine Stunde bloggen will und da bleiben dann halt noch Fehler drinnen und meine scharfen ß, die sowieso, die gebe ich nicht her, habe ich mal geschrieben, aber die Jury wird wohl als erstes darauf schauen und dann von mangelnder Qualität sprechen und schon bin ich weg vom Fenster, Bücherpate werden dann wohl die anderen und ich werde wahrscheinlich wieder hinter der Absperrung stehen und wenn dann drinnen der Sekt geöffnet wird, hinauf ins Österreichcafe gehen, wo es vielleicht wieder das Glas Rotwein gibt und da brauche ich keine Akkreditierung, beziehungsweise kennt mich dort wahrscheinlich ohnehin jeder und wer es nicht tut, merkt gleich, sobald ich den Mund auftue und nach einem „Sackerl“ verlange, daß ich aus Österreich komme.

Zu lesen gibt es natürlich auch sehr viel, sehr bald kommt O.P.Ziers neues Buch an die Reihe, das wahrscheinlich noch nicht für die Belletristik nominiert ist, vor zwei Jahren war das aber Anna Weidenholzer und da hatte ich das Buch auch ohne Patin zu sein, schon besprochen, vielleicht geht es mir diesmal auch so…

Das Harlander Wochenende hat jedenfalls so seine Rituale, die mir auch sehr wichtig sind, das Treffen am Markt am Samstag, wo ich immer mit dem Rad hinfahre, der Alfred mit dem Auto und diesmal gleich Robert Eglhofer getroffen habe, der mir von der Schreibgruppe berichten konnte und mir wahrscheinlich die „Rezension“ für die „Anna“ schreibt, der Spaziergang auf die Rudolfshöhe am Sonntag, um dort Mittag zu essen und das Bücherregal, das ich mir im Sommer kaufte, muß auch endlich aufgestellt werden, denn in Wien stapeln sich schon die gelesenen Bücher am Boden und das mit dem nur ein Buch pro Woche, das sage ich vielleicht auch gleich hinzu, werde ich wahrscheinlich auch heuer nicht schaffen, kann wohl keiner aus seiner Haut hinaus und wenn ich am Sonntag blogge, daß ich gerne „Tojstoi und der lila Sessel“ lesen will und dann finde ich das Buch am Dienstag bei „Morava“ mit fünf schönen anderen in der Abverkaufskiste, lasse ich es nicht liegen und zu einer Veranstaltung „Wir wollen nicht nach Amazonien“ mit Petra Hartlieb, habe ich mich vor ein paar Tagen auch angemeldet.

Es war also eine durchaus produktive Woche mit der ich endgültig im neuen Jahr angekommen bin.

2015-01-17

Die Römerin

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

Alberto Moravias 1947 geschriebene „Die Römerin“, die, glaube ich, auf dem Pornographieindex stand, ist einerseits der beeindruckenste  Roman Moravias, den ich gelesen habe, andererseits hat er eine wirklich an den Haaren herbeigezogene Handlung, das Denken der Heldin ist sehr widersprüchig und zu lang ist das Ganze, glaube ich, auch.

Also auch eine sich sehr widersprechende Aussage, mit der ich darstellen will, daß mir die Darstellung der Adriana, der römischen Unterschichtsfrau, im faschistischen Italien sehr gefallen hat, ist sie ja teilweise sehr selbstbewußt und  durchaus nicht unterwürfig und dadurch wird ein sehr klares Bild der Ausbeutung, der Armut, des Hungers, der Bigotterie des Vor-oder Nachkriegsrom gezeichnet, dann würde ich fast sagen, ist dem Moravia auch ein „Handlungsbuch“ in die Hände gefallen und er hat alle Register des Kitschs gezogen, um die Leser anzuziehen, teilweise liest es sich sehr packend, dann wieder eher unerträglich und der Pornographiefalle ist er wohl auch erlegen, obwohl heute das wohl keinen mehr rühren würde, höchstwahrscheinlich, aber der Roman ist  auch, soviel ich weiß vergriffen und ich habe ihn wieder aus dem Bücherschrank gezogen.

Da ist also die Ich-Erzählerin, Adriana, die von sich sagt „Mit sechzehn Jahren war ich wirklich eine Schönheit!“

Sie ist die Tochter einer Eisenbahnwitwe, wohnt mit der Mutter, die den ganzen Tag lang Hemden näht und sich ihr Leben anders vorgestellt hat, in einem schäbigen Haus in einem schäbigen Viertel und hört von ihr den ganzen Tag, nichts anderes, als daß sie sich gut verkaufen soll.

Aber wie macht man das im römischen Unterschichtviertel eines faschistischen Landes. Die Mutter, die vor der Ehe Malern Modell gestanden ist, packt ihre Tochter und bringt sie auch in die Ateliers, damit sie etwas verdienen kann. Die Maler haben aber auch nicht sehr viel Geld und sind keine reichen Herren und eines Tages lernt Adriana, den Chauffeur Gino kennen, der bei einer reichen Familie angestellt ist.

Sie befreundet sich mit ihm, denn sie will heiraten, einen Haushalt, Kinder haben, das Gegenteil von den Vorstellungen ihrer Mutter, die auch tobt, als Adriana ihn ihr vorstellt. Sie bringt sie auch zum Doktor, der feststellen soll, ob sie noch Jungfrau ist, sie ist es nicht, denn sie hat sich von selbst von ihm entjungfern lassen, als er sie einmal in das Haus seiner Herrschaft führte.

Er verspricht ihr trotzdem die Ehe und sie spart auch ihren Hausstand an, bestellt billige Möbel, beginnt zu nähen und lernt bei den Malern eine Freundin kennen, die, wie die Mutter gegen Gino ist, denn die ist ein lockeres Mädchen, läßt sich von einem Herrn aushalten, will auch Adriana dazu verführen und einmal nimmt sie sie auf eine Autofahrt mit und da wird sie von Herrn Astarita, einem Polizeibeamten, der sich in sie verliebt hat und ihr später hörig wird zum Sex gezwungen, in dem er ihr droht, sie sonst Gino zu verraten, auch nicht sehr logisch kommt mir vor.

Sie tut es also, geht beichten und stellt, weil der Priester das so will, ihre vorehelichen Beziehungen zu Gino ein. Die Hochzeit wird aber verschoben und schließlich verrät ihr Astarita, der sie dazu in sein Büro ins Ministerium bestellt, daß er schon verheiratet ist und Kinder hat. Da geht sie dann wieder zu ihm in die Herrschaftsvilla, zwingt ihn mit ihm im Bett der Herrschaft zu schlafen, nimmt auch ein Bad und läßt dann einfach so, eine wertvolle Puderdose mitgehen.

Dann geht sie zu ihrer Mutter und verkündet ihr, daß sie sich fortan prostituieren und Herren in das Zimmer, in dem sie eigentlich mit Gino leben wollte, nehmen will. Die Mutter sitzt inzwischen in der Küche und stellt ihr nachher das Essen auf den Tisch. Das Geld kommt in eine Schachtel, es ist aber nicht sehr viel, da Adriana sich nicht gut verkaufen kann.

Das geht eine Weile gut, bis sie den Studenten Mino kennenlernt, in den sie sich verliebt, er zunächst aber nichts von ihr  wissen will.

Gino ist inzwischen zu ihr genommen und hat ihr die Puderdose wieder abgenommen, er gibt sie aber nicht zurück und sondern läßt sie von dem Gewalttäter Sonzogno verkaufen, der ist auch von Adriana begeistert und gesteht ihr in ihrem Zimmer, daß er den Juweilier, dem er sie verkaufen wollte, ermordet hat und schenkt ihr die Puderdose. Adriana ist entsetzt, wurde doch inzwischen ein Zimmermädchen des Diebstahls verdächtigt und verhaftet, sie bittet Astariita um Hilfe, der ihr rät, die Dose durch ihren Beichtvater zurückbringen zu lassen.

Seltsamerweise verrät sie Sonzogno, der recht rutal zu ihr ist, nicht, ist es Angst oder Liebe, logisch ist das nicht.

Die Beziehung zu Gino hat sie inzwischen abgebrochen, Mino läuft sie eine Weile nach und ist recht demütig zu ihm, will ihm das Essen bezahlen und ein Taschentuch für ihre Mutter hat sie inzwischen auch gestohlen. Mino ist aber ohnehin reich und aus guten Haus und versucht sich politisch zu betätigen, wovon Adriana, die ungebildete nichts versteht.

Er wird aber ausgerechnet an dem Tag verhaftet, als Sonzogno wieder in Adrianas Zimmer kommt und sie heiraten will, sie läuft davon, erfährt von Minos Verhaftung, läuft zu Astarita, der ihr erzählt, daß Sonzogno in ihrem Zimmer verhaftet wurde, aber entḱam, weil er einen Polistinen an oder erschoß. Sie verrät ihn noch immer nicht, obwohl sie Todesangst hat, sie wird dann auch noch schwanger und ist sich sicher, daß ihr Sohn, wie kann sie das wissen, das Kind von Sonzogno ist.

Mino wird dank Astarita wieder freigelassen, hat sich bei den Verhören aber nicht sehr heldenhaft benommen, deshalb bringt er sich um, Astarita wird von Sonzogno ermordet und Adriana beschließt wieder Hemden zu nähen und ihr Kind von Minos Eltern gut versogen zu lassen.

Eine wahrhafte Räubersgeschichte, trotzdem spannender als die „Gleichgültigen“, „Eheliche Liebe“ und der „Konformist“, verfilmt mit Gina Lolobrigida wurde es, glaube ich auch und ich habe am Schluß zwar öfter wegen der haarsträubenden Handlung den Kopf geschüttelt, daß die Adriana aber die Fäden in der Hand hält, hat mir gefallen, auch wenn das nur die Männerphantasien des 1907 geborenen und 1990 gestorbenen Moravias, der eigentlich Alberto Pincherle hieß, sein werden.

Die Italiener des frühen zwanzigsten Jahrhunderts haben es wahrscheinlich auch mit ihren Frauenbildern, die zwischen Heilige, Mutter und Hure, dahinschwanken.

Habe ich auch „Erica und ihre Geschwister“ gelesen und kann mich erinnern, daß ich die anderen Moravia-Frauen eher als farblos in Erinnerung habe, was die Adriana, auch wenn sie manchmal unlogisch wirkt, nicht ist.

2015-01-16

Graphic Novel nach Karl Kraus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:39

„Die letzten Tage der Menschheit“, ein Comic aus dem „Holzbaum-Verlag“ von Daniel Jokesch, darauf habe ich mich, glaube ich schon gefreut, als ich im Sommer im Hof des Gemeindebaus saß, wo der Allgemeinmediziner seine Praxis hat, bei dem ich meine Patientenverfügung erneuerte und während ich auf den Termin wartete, im „Unnützen Habsburgerwissen“ blätterte, denn da war eine Ankündigung auf das Buch, das dann im Winter zu mir kam und bei dessen Präsentation ich im „Museumsquartier“ war.

Als ich dann darüber bloggte, habe ich nach gegooglet und bin auf die gleichnamioge Graphic Novel von Reinhard Pietsch und David Boller gestoßen, die am Mittwoch von der „Wien- Bibliothek“ diesmal im MUSA präsentiert wurde.

Im Gedenkjahr bezüglich des ersten Weltkrieges, das zwar schon vorbei ist, aber der World War I hat ja bekanntlich bis 1918 gedauert, kann man nie genug von Karl Kraus bekommen und Graphic Novels sind auch sehr interessant, wie ich erst kürzlich feststellen konnte und Daniel Jokesch Karl Kraus Buch ist ja auch mehr ein Comic, wo er sich einige Kapitel aus dem imposanten Werk aussuchte und dazu seine Zeichnungen machte.

Also in das MUSA marschiert und das war  sehr interessant und  ganz anders als die im Museumsquartier, wo der Autor mit einem anderen, interessante Textstellen vorlas und die entsprechenden Bilder dazu projiziert wurden.

Diesmal gab es auch zwei Autoren, nämlich wahrscheinlich einen deutschen Germanisten, Reinhard Pietsch, der auch kurz den Unterschied zwischen Comic und Graphic Novel erläuterte.

Comics meint er, sei mehr etwas für Kinder, Asterix und Mickey Mouse, was die meisten gelesen hätten, dann kam Art Spiegelberg mit dem Holocaust und das sei etwas für Erwachsene und er hat einige Erfahrungen mit der Graphic Novel gemacht und ist dann im Gedenkjahr oder auch schon früher auf Karl Kraus gestoßen.

Haben die beiden doch schon 2012 mit dem Projekt begonnen und Reinhard Pietsch hat das monumentale Werk auf zweihundert Seiten reduziert, die ausgewählten Kapitel zu dem Schweizer Zeichner geschickt, der dann seine erste Rohfassung mit Bleistift machte, zu ihm zurückschickte und dann wurde mit einem Historiker überprüft, ob alles thematisch stimmt und dann begann David Boller mit der Federzeichnung.

Eine Seite mit den ausgewählten Kapitel und Karl Kraus war im Musa präsentiert, als Marcel Atze das Podium erklomm und begrüßte und sich als erstes auf den kleinen buckligen Karl Kraus bezog, der da mit seiner Brille stand und nicht viel fehlte, als daß man sich ihm als Superman mit dem Fackelsymbol vorstellen könnte, da der Zeichner ein Superman Fan ist und Joseph Goebbels 1942 eine Rede gehalten hat, wo er Superman als Juden outete.

„Die letzten Tage der Menschheit“ gehen aber auf „Worl War  I“ zurück und das Buch von dem ich erst nach dem Jokesch-Comic etwas erfahren habe, wurde schon auf dem „Blauen Sofa“ in Frankfurt vorgestellt und das habe ich mir im Oktober zwar in mein Wohnzimmer geholt aber meistens umgeswitscht, wenn ich die Autorennamen nicht kannte, jetzt lese ich im Programm, daß man die Entstehung des Werkes wöchentlich im Internet verfolgen hätte können.

Was mir da alles entgangen ist, aber jetzt war ich bei der Präsentation und der Deutsche Reinhard Pietsch brachte den Wienern auch ihren Karl Kraus näher, beziehungsweise betonte er immer den aktuellen Gegenwartsbezug.

David Boller erläuterte, wie die Zeichnungen entstanden sind, er zeichnet mit der Hand und ich hätte gedacht, daß Graphic Novels hauptsächlich im Computer entstehen, weil sie sonst zuviel Arbeit machen würden.

Er hob auch einige Beispiele hoch und dann wurden vier ausgewählte Kapitel erläutert, nämlich, „Der Krieg als Technoromantik“, „Die Rolle der Presse“, „Die Frage wem nützt der Krieg“ und „Die Rolle der Intellekutellen“.

Ein bißchen von allem klingt ja noch in meinem Ohr, von den wöchentlichen Hörspielen aus den Siebzigerjahren, nämlich die Lieblingsfeindin von Karl Kraus die Kriegsberichterstatterin Alice Schalek, die bis an die Front vorgestoßen ist und dafür sogar eine Tapferkeitsmedaille erhielt, während die Redakteure der „Neuen freien Presse“ und auch Stefan Zweig und Hugo von Hoffmannsthal euphorisch über den Krieg berichteten, obwohl sie nie dort gewesen sind.

Nachher gab es viele interessierte Fragen aus dem Publikum und natürlich auch Brot und Wein und ich habe wieder etwas gelernt, bzw. mein erstes Weltkriegwissen aufgefrischt und Reinhard Pietsch riet allen Karl Kraus im Original zu lesen, wozu ich sobald wahrscheinlich nicht kommen werde.

2015-01-15

Die Beschissenheit der Dinge

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:02

Den 1972 geborenen Belgier Dimitri Verhulst, habe ich durch den „Wortschatz“ kennengelernt. Denn da lag einmal „Die Beschissenheit der Dinge“, inzwischen habe ich noch „Die letzte Liebe meiner Mutter“ aus dem Thalia 3.99 Stoß gezogen und mir vom Alfred kaufen lassen und auf meine Leseliste gesetzt.

Als ich im Frühjahr an der „Anna“ gearbeitet habe, ist sein „Der Bibliothekar, der lieber dement war, als zu Hause bei seiner Frau“, bei „Luchterhand“ erschienen. Ich habe es angefragt, aber nicht bekommen und so ist mir wahrscheinlich eine rotzfreche Abhandlung des Themas Alzheimer erspart geblieben und in „Der Beschießenheit der Dinge“, 2006 erschienen, hat Dimitri Verhulst, wie ich am Klappentext lesen kann, sein Leben erzählt.

Roman steht auf dem Buch, es ist aber keiner, sondern wieder mal ein Memoir, ein Begriff, den es im Deutschen noch immer nicht wirklich zu geben scheint und das ist auch nicht in Romanform geschrieben, sondern in zwölf Kapiteln, wo rotzfrech und manchmal politisch eher unkorrekt, das Leben in der Unterschicht im reichen Belgien erzählt wird.

Frank Mc Courth hat das in der „Asche meiner Mutter“ in Romanform geschrieben und ist damit berühmt geworden, Dimitri Verhulst wahrscheinlich auch, das Buch wird am Umschlag jedenfalls sehr gelobt, stand offenbar lang auf Platz 1 der niederländischen Bestenliste, wurde auch verfilmt und ist wohl nicht ganz wirklich das Meine, obwohl der rotzfreche Ton, in dem da das Aufwachsen eines Kindes, bei seiner Großmutter, den besoffenen Onkeln, etc, erzählt wird, manchmal auch für mich überraschend war, ansonsten war er mir  zu rau und ganz so authentisch, wie den McCourth, habe ich es, auch nicht empfunden, aber vielleicht irre ich mich da.

Verhulst springt mit der ersten Geschichte „Ein schönes Kind“ jedenfalls gleich in Medias res, es wird das Aufwachsen in den belgischen Slums nicht chronologisch erzählt, sondern eben in zwölf Geschichten und da kommt eines Tages Tante Rosie mit ihrer Tochter Sylvie zu Oma Marie, Pierre, Hermann, Potrel und wie die Onkel des dreizehnjährigen Dimmetrieken heißen, um kurz bei ihnen zu wohnen.

Sie kommt mit einem Luxusauto und Sylvie ist auch eine verzogene Göre, die in dem Wirtshaus, wo der Vater und die Onkel sie mitnehmen, zuerst ein Cola light verlangt, dann wird sie aber ausgespottet und kippt entschlossen ein Bier hinunter, verlangt ein zweitens, wird betrunken nach Hause geschleppt, muß mal pissen, etc…

„Eine ebenso rührende wie groteske, eine grausame und doch poetische Familiengeschichte“, steht am Buchrücken, wie schon geschrieben, bin ich mit den Saufgelagen der Onkel, die eine Radralley veranstalten, wo nicht ganz klar ist, ob da der Record im Radeln oder Saufen besteht und wo die Großmutter, die Polizisten, die ihr dann von den kritischen Zuständen den Komas und den Delir tremens erzählen wollen, hinausschmeißt, nicht ganz warm geworden, aber die Geschichte, wo eines Tages eine schöne geile Biene namens Nele Fockdey, auftaucht, für die Freundin des Vaters gehalten wird und sich dann als Fürsorgerin vom Sozial entpuppt, die nach dem Jungen sehen soll und ihn dann auf Anraten der Großmutter endlich ins Heim und zu Pflegefamilien bringt, was man erst später erfährt, hat auch mich zum Schmuzeln gebracht.

Die, wo der Fernseher verpfändet wird und die Onkel, weil sie unbedingt eine Show sehen wollen, eine iranische Familie aufsuchen, die sie dann mit „Du Roy Orbinson kennen?“, begrüßen und zu der Hausfrau „We want Mehti for a streptease on the floor!“, sagen, finde ich wie ebenfalls schon erwähnt, politisch inkorrekt, auch wenn sie ironisch gemeint ist.

Dann erzählt Dimmetrieken, noch vom „Pinkelpaß“ seiner Mutter, die sich bei seiner Geburt eine Inkontenenz, wahrscheinlich, weil die Ärzte pfuschten, zugezogen hat, was ich auch nicht so lustig fand.

Dann kommen die Kapitel, wo der Vater in eine psychiatrische Klinik auf Entzug geht, nach drei Monaten, auf ein Probewochenende gut erholt nach Hause kommt, viel ißt, seinem Kkleinen ein paar Sportschuhe kauft und ihm verspricht mit ihm am Sonntag zu trainieren, nur leider schleppen ihn die Onkels in die Kneipen ab und er kommt mit ihnen nicht zurück.

Von den Leuten, die in den teuren Einfamilienhäuschen wohnen, wird die Familie Verhulst verachtet und der kleine Franky darf nicht mit Dimmetriken spielen. Jahre später trifft er ihn auf einen Flohmarkt wieder, kauft sich einen kleinen Schlumpf, erfährt, daß Frankie inzwischen Judaika sammelt und gibt ihm wieder Willen seine Telefonnummer. Oh Triumph, daß der ihn ein paar Wochen später anruft, denn seine Frau hat ihn wegen seines Onkel Zwaren verlassen.

Später besucht Dimmetrieken dann die dementkranke Oma im Altersheim und will sich von ihr verabschieden, was nicht geht, denn jetzt sind Wissenschaftler auf die Spur der Verhulst gekommen und wollen Sauflieder sammeln.

Die Onkel können aber nur mehr die erste Strophe von „Ich mag so gerne Fläumkes sehen, am Stängel stecken ist so schön!“  und kommen auf die Idee, das Fernsehteam in das Altersheim zu schleppen, denn das demenzkranke Mariechen lebt doch in der Vergangenheit. Sie setzten der Oma Kopfhörer auf, unterschreiben, daß sie auf die Rechte der Aufnahmen verzichten, betrinken sich auf Kosten der Aufnahmeleiter, denn ohne Bier kann man keine Sauflieder singen und nichts passiert, die Oma schweigt und erst als alle weg sind und es zum Abendessengeht, sagt sie mit klar verständlicher Sprache „Doch weiß der kleine Pullermann: Man Fläumkes nicht nur essen kann!“

Es wird ihm auch ein Sohn geboren, von der Frau die er nicht mag und so steht er rauchend vor dem Krankenhaus und will sein Kind nicht sehen. Später kommt der Sohn Jury dann zum Wochenende und Dimmetricken nimmt ihn in die Kneipe zu den noch lebenden Onkel mit. Weiß aber, was sich gehört, kein Geld für den Spielautomaten, Onkel Hermann tut es dann und der Kleine gewinnt fünfzehnhundert Euro, wie bringt man das nur der Mutter bei und, daß er nach Rauch riecht?  Bier mit Cola gemischt geben ihn die Onkels auch zu trinken: „Hab dich nicht so, Cola ist viel ungesünder als Alkohol und Krebs bekommt jeder!“ und der Kleine steht dann selig am Tankstellenklo und singt, während er pisst, was er auch nicht sagen darf, fröhlich das Lied vom Kleinen Entchen vor sich hin!

Irgenwo steht, daß es den Ich Erzähler stört, wenn die Wissenschaftler zum Volk kommen um von ihnen die Sauflieder abzuhören und am Klappentext steht was, daß „Literatur für den Autor die einzige Mäglichkeit war, wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen.“

Das scheint gelungen, mich würde das sich Ergötzen am tatsächlichen oder vermeintlichen Elend der anderen trotzdem ein bißchen stören, weiß nicht, wie es wirklich in Verhulst Kindheit war, freue mich auf das Lesen seines anderen Buches und erinner mich an Ana Zidnar, die bei den offenen Tagen des Writersstudios öfter sagte, daß man an das Schlimmste was man erlebt hat, beim Schreiben denken, soll, weil es das ist, was die anderen interessieren wird, was mich auch ein bißchen störte.

 

2015-01-14

Das vierte Opfer

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:35

Jetzt kommt ein Krimi, das heißt auf meiner Leseliste stehen derzeit einige solche und der erste kommt gleich im Doppelpack.

Habe ich doch von dem berühmten schwedischen Krimiautor Hakan Nesser  „Das vierte Opfer“ und „Das falsche Urteil“, mit einem schönen roten schwedischen Holzhäuschen mit Meeresblick am Cover einmal im Schrank gefunden.

„Und das falsche Urteil“ habe ich mir, glaube ich, auch einmal gekauft und im August 2008 gelesen, damals habe ich schon gebloggt, aber noch nicht Buch für Buch beprochen, so kann ich mich nur daran erinnern, daß ich gar nicht so besonders beeindruckt war und die Handlung etwas bedächtig und langsam empfunden habe.

Da es mit meiner Bücherhortei nicht ganz so arg ist, habe ich das erste Büchlein, von dem ich gar nicht mehr so genau weiß, wie es zu mir gekommen ist, wahrscheinlich lag es auf einem „Thalia-Abverkauf-Stoß“, denn vom Stattersdorfer Flohmarkt, wie ich zuerst dachte, kann es nicht stammen, in den Schrank gelegt, aus meinem Katalog ausgetragen und kann mir jetzt die Hälfte des Buches sparen, obwohl ich Anfangs gar nicht so sicher war, welches Buch ich schon gelesen habe, denn wie beschrieben, sehr genau, kann ich mich an das „Falsche Urteil“, das sogar verfilmt wurde, nicht erinnern.

Mit dem „Vierten Opfer“ ist es mir anfangs ähnlich gegangen. Wenn man bei Hakan Nesser nachgooglet, wird der 1950 geborene „als einer der besten und aufregnsten schwedischen Krimiautoren“, gelobt, da denkt man gleich an Hennig Mankell, Stieg Larsson, etc, die ja sehr eindringlich schreiben. Hakan Nesser ist wahrscheinlich anders, bedächtiger, langsam und man muß erst einige Dutzend Seiten lesen, bis man in die Spannung findet.

So war ich nach dem ersten Drittel gar nicht so begeistert und habe bei „Wikipedia“, was man ja angeblich gar nicht soll, nachgelesen, um was es geht und wer der Mörder ist und dann war es spannend und psychologisch, wie ich schon im August 2008 geschrieben, habe, ist es auch.

Spannend auch, daß man bei „Wikipedia“, den Mörder findet, dachte ich doch, das heißt „Spoiler“ und ist streng verboten, so was zu tun und wenn man das auf „Amazon“ stellt, wird man gesperrt und hinausgestrichen und es haben sich auch schon bei mir Leute gemeldet und „die spoilert!“, gesagt.

Ja, tue ich, denn ich betrachte meine Rezensionen  als Gedächtnishilfe, was, wie ich am Beispiel des „Falschen Urteil“ sehe, gut wäre, auch da die Handlung nachlesen zu können.

Beim „Vierten Opfer“ kann man es und ich füge hinzu, daß es der zweite Nesser Roman mit dem Kommissar van Veeteren ist. Der macht irgendwo am Meer Ulaub und wird dann zu einem Kriminalfall gerufen, denn in dem beschaulichen Städtchen Kaalbringen, läuft einer mit einer Axt herum und trennt damit drei Männern fast den Kopf vom Leib. In der Presse wird er als der „Henker“ bezeichnet, was ich als die falsche Bezeichnung finde, aber vielleicht ist es ein Übersetzungsfehler und das macht denn Männern in dem Örtchen so Angst, daß sie zum Teil nicht mehr aus dem Haus gehen und in Gefahr sind ihre Arbeit zu verlieren.

Ist das also Zufall oder gibt es Zusammenhänge zwischen Opfern? Auf dem ersten Blick haben aber der Immobilienmakler Ernst Simmel, der Drogenjunkie Heinz Eggers, interessant die vielen deutschen Namen und der junge Arzt Maurice Rühme, nicht so viel gemein oder doch, sie sind von außen in das Städtchen gekommen oder dorthin wieder zurück, so war der Makler einige Zeit in Spanien und der junge Arzt ist der Sohn eines in dem Ort ordinierenden bekannten Arztes.

Simmel besuchte einige Prostituierte und Maurice Rühme war auch schon mal drogenabhängig und sein Vater ist nicht gut zu sprechen auf ihn.

Das sind nicht sehr viele Hinweise, eine Polizeiinspektorin namens Beate Moerk gibt es auch, die ist eine kinderlose Frau, die sich gerne in Fötusstellung zusammenrollt und sich vorstellt, sie läge in einer Fruchtwasserblase, sie geht aber auch gern joggen und hat bald eine heiße Spur, so daß sie verschwindet und Komissar van Veeteren, Kommissar Münster mit dem örtlichen Polizeichef Bausen, der bald seine Pension antreten soll und derzeit mit van Veeteren Schach spielt und einigen Assistenten und Polizeianwärtern, den Fall alleine lösen lassen muß.

Es gibt auch einige heiße Spuren, so einen Querkopf, der den jungen Arzt einmal zusammengeschlagen hat und auch bei den anderen Fällen am Tatort war und einen reiligiös Verwirrten, der sich meldet,  aber nicht der Täter ist, denn der wahre Täter taucht immer wieder in den Kapiteln auf und reflektiert über seine Tat und seine Vergangenheit, beziehungsweise über seine Tochter Brigitte, eine talentierte junge Frau, die leider von Maurice Rühme auf Kokain und die schiefe Bahn gebracht und dann hinausgeworfen wurde, so daß sie sich später mit Simmel prostituierte und Heinz Egger hat sie auch in seinem „Stall“ gehabt.

Da hat der hilflose Vater nicht mehr länger zugesehen und das vierte Opfer gibt es nicht mehr oder vielmehr ist es Brigitte Bausen, die schon lange vorher starb und der Polizeichef, der die Inspektorin verschleppte, will ihr das erzählen, dann geht er auf den Friedhof zum Grab der Tochter und seiner Frau und wartet, das Kommissar van Veeteren kommt.

Ein paar Reflexionen über den Sinn des Bösen gibt es, in dem vielleicht sehr philosophischen Buch auch und das ist eine Frage, die ich mir, die es mir mit Krimis ja etwas ambivalent geht, auch öfter stelle.

2015-01-13

Von Richard Schuberth zu Gerhard Jaschke

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:42

Und wieder in die „Alte Schmiede“, diesmal zu einer Doppelveranstaltung, die zeitlich etwas günstiger koordiniert war, stellte doch um 19 Uhr im literarischen Quartier Richard Schuberth, sein  aphoristisches Lexikon „Das neue Wörterbuch des Teufels“ vor, das ich teilweise schon im Literaturcafe bei der letzten „Buch-Wien“ hörte und Kurt Neumann erklärte einleitend, daß Richard Schuberth, den ich, glaube ich, ursprünglich von einem der Volksstimmefest kenne und der mir seither regelmäßig die Einladungen zu seinen Veranstaltungen schickt, sein Wörterbuch basierend auf dem des Aufklärungsjournalisten Ambroise Bierce,  geschrieben hat.

Karl Kraus ist sein zweites Vorbild und die Texte sind ursprünglich im „Augustin“ erschienen. Dann gibt es noch Theaterstücke, wie „Wie Branca sich nach oben putzte“, von dem ich eine Lesung bei dem „Augustin Bücherflohmarkt“ vor zwei Jahren hörte. Der 1969 in Ybbs an der Donau geborene Richard Schuberth ist auch Essayist und sein neuer Roman wird demnächst bei „Zsolnay“ erscheinen.

Dann gab es Kostproben von A bis Z, vorher las Richard Schuberth einen Aphorismus, in dem er das Wesen des solchen erklärte und gab zwischendurch Beispiele von den zwei Essays, die es in dem Buch auch noch gibt.

Der eine handelte von „Strebern und Störenfrieden“, die gibt es sowohl in der Schule, die Streber werden später Bankdirektoren oder Univ Profs, die Störefriede sind die „normalen Menschen“, als auch bei den Aphorimen und in der anschließenden Diskussion erzählte er ein bißchen was darüber, wie die Texte entstanden sind, die meisten in einem Lokal am Donaukanal nach einigen Getränken, dann floßen die Gedanken und es entstanden oft mehrere Stücke auf einmal

Sehr viel Prominenz im Publikum, Gerhard Jaschke, Herbert J. Wimmer, Lisa Fritsch, Lukas Cejpek, Karin Jahn, etc, dann ging es in den „Schmiede Raum“ hinauf, ich sage immer die Doppel- Veranstaltungen in der „Alten Schmie“ regen zu sportlicher Betätigung an, denn da stellte Gerhard Jaschke sein neues, bei „Sonderzahl“ erschienenes Buch vor „KURUMBA“ oder die nicht geschriebenen Sätzen“ das zu dem ersten, wie Kurt Neumann noch betonte, mehrere Parallelen hat.

Die sollte dann Lukas Cejpek erklären und wie bei den meisten Jaschke Büchern geht es sehr viel Sprache.

Einerseits eine Art Biografie, das Springen von Hundertsten ins tausenste, ähnlich wie bei Karin Struck, die ich vor kurzem gelesen habe und Namen kommen in dem Buch vor, sehr viele von lebenden und toten.

Kurumba ist eine Insel in den Maladiven und da ist 1977 mit dreiunddreißig Jahren der Objektkünstler Blinky Palermo gestorben.

Der Name ist ein Pseudonym für Peter Heisterkamp, aber eigentlich hatte er mehrere Namen und auch einen Zwillingsbruder und sein Tod ist auch nicht ganz geklärt.

Darum rankte sich der Jascke-Text, der seine Aphorimen manchmal sogar in Reimform wiedergab und manchesmal auch Stephan Eibl Erzberg erinnerte „Steck ihn rein bin dich dein nein“, etc.

Dann gab es auch ein Gespräch das vom Hundertsten ins Tausenste führte, von Karl Kraus, dessen letztes Wort in der „Fackel“ „Trottl“ lauten würde, zu Robert Musil und dann zur Grazer Autoren Versammlung, die ja ihr Büro in dem Haus, nicht in der Wohnung, wo Robert Musil wohnte, hat.

Gerhard Jaschke ist auch, was ich nicht wußte, ein Sammler und so bekam er von Lukas Cejpek und Margit Kreidl anschließend auch ein Geschenk, nämlich einen großen Knochen mit einem kleinen Hund, Lukas Cejpek präsentierte auch das letzte „Feribord“ und trug ein T-Shirt, das ihm Gerhard Jascke einmal schenkte.

Jetzt noch mehr Prominenz und Autorenschaft, Buchhändler, bildende Künstler aber auch der Verleger, GAV und vielleicht auch PEN Autoren und ich schleppte, trotz aller meiner guten Vorsätze, wieder einen großen Büchersack mit mir.

Denn bei „Morava“ gab es wieder einen Abverkauf und im Gegensatz zu denen im letzten und vorletzten Jahr, war er heuer richtig fein, obwohl der Herr vor mir, glaube ich, auch sehr fündig geworden ist, gab es doch, man möchte es kaum glauben, Nina Sankovitsch „Tolstoi und der lila Sessel“, ein Buch über das ich am Sonntag noch einmal geschrieben und ich mir sehr gewünscht habe, dort und dann Olga Martynova „Von Tschwirik und Tschwirka“, Katharina Tiwalds „Die Wahrheit ist ein Heer“, Sonja Henisch „Die Wogen der Drina“, das ich einmal anfragte, um mich für die GAV-GV darüber zu informieren, etc.

Ob ich das alles lesen werde, weiß ich nicht, freue mich aber trotzdem darüber und Büchertische gab es in der „Alten Schmiede“ natürlich auch.

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