Literaturgefluester

2015-02-08

Briefe zwischen Vater und Sohn

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:53

Den Briefwechsel, den der Nobelpreisträger von 2001 V. S. Naipaul in den Fünfzigerjahren an seine Familie aus Oxford, wo er studierte, in Trinidad geschrieben hat, habe mir ich vor zwei Jahren  in St. Pölten gekauft, als dort die „A.u.M Buchhandlung“ geschlossen wurde.

Es waren einige Bücher bei dem Abverkauf dabei, darunter die von Sarah Kuttner, die glaube ich ein paar Euro kostete, das von Naipaul, bei „Claasen“ 2002 erschienen, hat, glaube ich, einen Euro gekostet und war dann noch einmal auf siebzig Prozent verbilligt, jedenfalls kann ich mich erinnern, daß die Verkäuferin beim Eintippen mit Erstaunen sagte, daß es nur noch dreißig Cent kosten würde.

Das ist sehr spannend, sind die Briefe, es sind nicht nur die des Vaters an den Sohn, wie der Titel glauben macht, sondern auch einige, der um zwei Jahre älteren Schwester Kamla, die damals in Benares studierte, der Mutter, der anderen Schwestern, des kleinen Bruders, etc dabei,  interessant, geben  Einblick in die Jugend des Nobelpreisträgers und seine Lebensumstände und ich muß gestehen, daß ich bisher kaum etwas über den 1932 in Trinidad geborenen, der seit den Fünzigerjahren in England lebt, wußte.

Der Vater, in den Briefen hauptsächlich Pa genannt, war Redakteur bei verschiedenen Tageszeitungen und ebenfalls Schriftsteller, ein Roman ist von ihm, glaube ich, erschienen und wahrscheinlich auch Erzählungen.

Es gab  sechs Geschwister, zu Beginn des Briefwechsel waren fünf geboren, Kamla 1930, Vidia, wie er genannt wird, 1932, die Schwestern Sati, Mira und Savi immer jeweils zwei Jahre später, der Bruder Shiva 1945, 1952  wird dann noch der Nachzügler Nalini kommen und Vidia sowohl von Kamla als auch vom Vater angekündigt werden.

Die Familie lebte offenbar in ständigen Geldnöten und so drehen sich die Briefe sehr oft darum, wer wem ein paar Pfund schickt oder das gerade nicht kann.

Zeitungen und Bücher werden angefragt. Der Achtzehnjährige wünscht sich auch mehrmals Zigaretten, die Familie versichert, daß es verboten ist sie auszuführen, die Zollsätze sind auch sehr hoch. Sie versuchen sie dann in den Zuckerpäckchen zu schmuggeln, was der Sohn dann wieder bemängelt, die Zigaretten aber braucht, um seine Kommilitonen einzuladen, was in Oxford offenbar üblich ist.

Sonst geht es in den Briefen auch sehr viel um das Schreiben, was sowohl der Vater, als auch der Sohn intensiv betreiben.

Vidia Naipaul schreibt schom mit Neunzehn seinen ersten Roman, der wird aber abgelehnt.

Er arbeitet auch als Redakteur und versucht trotz seiner Geldnöte in den Ferien herumzureisen, während der Vater, der bedauert seiner Frau keine Waschmaschine kaufen zu können, sich für verhältnismäßig viel Geld malen läßt.

Vater und Sohn versichern sich gegenseitig sehr talentiert zu sein und der Vater gibt auch viele Ratschläge, wie man ein guter Schriftsteller wird: ehrlich, authentisch und auch flüßig soll man schreiben und Skizzen machen.

Ein Schreibbuch wird erwähnt, während der Sohn, dem Vater  die Wortmengen empfiehlt, die er täglich schreiben soll.

Die Schwester schreibt dem Bruder von ihrem Studium, in dem es mehr, um das Auswendiglernen, als um die Kreativität geht, ist dann auf den Vater beleidigt, schreibt dem länger nicht, worüber der sich dann bei Vidia beklagt, der das wieder an Kamla weitergibt.

Der Vater ist auch um seine anderen Töchter besorgt, will wissen, ob sie den Schulabschluß schaffen und ärgert sich über zwei liderliche Cousinen, die bei der Familie wohnen, sich aber mit andersrassigen Männern herumtreiben und nie zu Hause sind.

Die Mutter fleht den Sohn auch an, sich nie für ein weißes Mädchen zu entscheiden, dem Vater ist das egal, schreibt aber auch von den Schwierigkeiten un Vorurteilen an denen Mischehen oft scheitern.

Vidia oder Vida hat sich dann für eine Patricia Hale entschieden, die ihm während einer Nervenkrise unterstützte, denn Naipaul litt auch unter Depressionen, die, wie ihm ein Psychologe erklärte, entstanden waren,  weil er sich als Versager fühlte.

Der Leistungsdruck scheint in seinem Leben und in den Briefen auch eine große Rolle zu haben, denn der Vater mahnt, sowohl zu Selbstvertrauen und Gelassenheit, als auch, daß es wichtig ist, immer der Beste zu sein oder sein Bestes zu geben und  ärgert sich auch sehr, als ihm ein anderer Schriftsteller die Idee wegnimmt, der Sohn schreibt dann zurück, daß der Vater ein besserer Schriftsteller, als er ist und der verspricht ihm, ihn nach Abschluß seines Studiums zu ermöglichen fortan als freier Schriftsteller seinen Weg zu gehen.

Sehr interessant von den Anfangsjahren eines späteren Nobelpreisträgers zu erfahren, ich könnte da ja  wieder spekulieren, daß es mit meiner Karriere deshalb nichts wurde, weil sich niemand für mich interessierte. Die Mutter nach ihrer Arbeit zu müde war, um mir 1973, als ich meine erste Erzählung als „Schriftstellerin“ schrieb, zuzuhören, Gerhard K. und Monika Jensen, 1978, über die „Einladung zum Tee“ ein vernichtendes Urteil abgaben, etc.

Jedenfalls sehr interessant zu verfolgen, wie es Vidiadhar Surajprasd  schaffte,  Seepersad Naipaul ist jedenfalls 1953 gestorben, die Briefe enden nach der Familientragödie, 1957, da ist das Kapitel dann schon mit dem Zusatz „Schriftsteller“ bezeichnet, die älteste Schwester ist Lehrerin und muß gemeinsam mit dem Bruder die Mutter und die jüngeren Geschwister, von denen ihnen vor allem der Bruder Shiva Sorgen macht unterstützen, der Vater hat Vido noch angefleht nach Trinidad zu kommen, der das aber wegen der engstirnigen Verhältnisse, die er dort zu erwarten glaubte, ablehnte, er schreibt dagegen von einer Stelle in Westindien, die er anzunehmen plante, aber nicht bekommen hat. Dann erschienen die ersten Romane und Erzähltbände und wahrscheinlich die Karriere, die dann zu der höchsten Auszeichnung führte.

Einen Anhang und einen Stammbaum um die Familienbeziehungen zu verstehen gibt es auch und einen Roman auf meinen Regal bzw. Leseliste, so daß ich den Nobelpreisträger auch literarisch lesen kann, habe ich jetzt auch entdeckt.

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