Literaturgefluester

2015-02-17

Wiener Verhältnisse

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:45
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So heißt nicht nur mein erstes selbstgemachtes „Digi-Buch“, die Geschichte der Hanna die den Spuren Jakob Mandelbaums nach New York folgt, sondern auch der zweite Abend der „Textvorstellungswoche“ in der „Alten Schmiede“, wo unter der Moderation Renata Zunigas zwei neue Bücher, die Wien zum Gegenstand haben, vorgestellt wurden.

„Ein wienerischer Abend!“, wie Renata Zuniga einleitete, nachdem sie den 1949 in Graz geborenen Günther Geiger vorstellte und ihn gleich aufs Podium holte,  denn der Herausgeber der „Wienzeile“, den ich hauptsächlich von seinem Russlandroman „Ulica Marata“ kenne, hat einen Roman über den „Karl Marx Hof“- Wiens berühmtesten Gemeindebau, wo 1934 geschossen wurde und er selbst auch lebt, geschrieben und erklärte auf Renata Zunigas Frage, daß er über eine Russin zu der Wohnadresse gekommen wäre, jetzt schon zehn Jahre dort lebe und die Veränderungen des Baus beschrieben habe, in dem seit sechs Jahren gebaut wurde und sich dadurch die Höfe und Infrastruktur sehr veränderten.

Ich habe ja auch ich ein bißchen über den berühmten Hof geschrieben, zum Beispiel 1987 oder 1988 in der Novelle „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“, wo es auch um das U-Bahnfahren geht, da habe ich auch Milieustudien betrieben und den Hof immer wieder durchschritten, in dessen Waschsalon es auch ein Museum über die Geschichte, bzw. wahrscheinlich auch der Februarkämpfe gibt.

Da habe ich einmal eine Führung gemacht und mir  alles von einem alten Herrn erklären lassen. In Günther Geigers Buch, der im Sommer einen Schlaganfall hatte und deshalb nicht selbst gelesen hat, kommt das auch ein bißchen vor und die Vergangenheit, so habe ich mich auch in der Diskussion erkundigt, wird auch mit der Gegenwart der derzeitigen Bewohner verknüpft.

Der zweite Leser war mir ebenfalls kein unbekannter, habe ich doch mit Roman Ludwig Fleischer einmal in der „Alten Schmiede“ gelesen, als ich dort meine „Kerstin“ vorstellte und bei der „Mann Frau Lesung“ im Republikanischen Klub, war er, glaube ich, auch dabei.

Dann war ich bei mehreren seiner Lesungen und habe auch schon einige seiner zahlreichen Bücher gelesen, ein paar stehen auch noch auf der Leseliste, scheint der 1952 in Wien ge borene, ja ein ähnlicher Vielschreiber wie ich zu sein, er hat aber auch einmal in Klagenfurt etwas gewonnen, war lange Lehrer und ist auch glaube ich Mitherausgeber oder Leiter des „Sisyphus-Verlages“.

Jetzt hat er die österreichische Geschichte in seinem „Rattenfänger von Wien“ sozusagen neu entdeckt und neugeschrieben und wieder in seiner unschlagbaren Art daraus vorgelesen.

Da geht es um die Familie Schabenberg, die in Wien des neunzehnten Jahrhunderts bis in die Gegenwart ein Schädlingsbekämpfungsinstitut betreibt, aber eigentlich stammt sie von den Babenbergern ab, so erzählt es jedenfalls der Vater dem Sohn, oder der Großvater denselben, als dieser sich beklagt, daß er in der Schule als „Ratzenprinz“ gehänselt wird.

So kommt die Maria Theresia vor und der Papa Haydn, der die Symphonie mit dem Paukenschlag natürlich nur geschrieben hat, weil ihm während des Komponieren eine Ratte aufs Klavier gehuscht ist.

Der letzte Schabenberg, ein Poldlpoldl war dann sowohl ein Nazi, als auch ein Widerstandskämpfer.

„Typisch österreichisch halt!“, wie Ludwig Roman Fleischer Renata Zuniga im Gespräch erklärte und auch erzählte, wie er zu dem Stoff und der Geschichte gekommen ist.

Sein inzwischen neunzigjähriger Schwiegervater hat ihn auf die Idee gebracht, er hat schon in den Neunzigerjahren  zu schreiben angefangen, das Buch aber  liegen lassen und erst vor zwei Jahren weitergeschrieben, bzw. überarbeitet.

Er war auch zum Recherchieren in der Nationalbibliothek, da gibt es richtige Rattengiftrezepte und wahrscheinlich auch anderes und so kann man jetzt einen richtig Wienerischen Roman Ludwig Fleischer lesen und die Geschichte Wiens sozusagen als Schwank wiederentdecken.  Interessant, interessant, ich wußte ja gar nicht, das Ludwig Roman Fleischer ein Wiener ist, sondern hätte ihn eher für einen Kärntner gehalten.

Also wieder etwas gelernt und Dorothea Macheiner habe ich im Publikum auch getroffen.

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