Literaturgefluester

2015-02-23

Von Nathalie Sarraute zu Elfriede Czurda

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:03
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Von der „Kinderbuch und Phantasymesse“ ging es gleich in die Gefilde der „Alten Schmiede“ beziehungsweise in die „literarische Erleuchtung“.

Größer kann ein Kontrast nicht sein und wahrscheinlich auch die Entfernungen von der einen zu der anderen Seite, aber ich halte mich für eine literarische Brückenbauerin, auch wenn das niemand merkt und war auch einen Moment lang versucht den nouveau roman und die experimentelle Prosa auszulassen, denn „Literaturen“ der Blog der fünfundzwanzigjährigen Buchhändlerin Sophie Weigand, den ich ja ganz gern verfolge, verloste ein Buch.

Ayelet Gundar-Goshen“Löwen wecken“, eine israelische Autorin von der ich noch nie etwas hörte, aus den Kommentaren ging aber hervor, sie liest heute im jüdischen Museum und da mich das Buch, das auch beim „Blauen Sofa“ vorgestellt wurde, interessierte, war ich eine Weile schwankend und bin dann doch in die „Alte Schmiede“ marschiert.

Was ich im jüdischen Museum versäumt habe, weiß ich nicht, in der „Alten Schmiede“ war ich aber richtig, denn zumindest der erste Teil, wo Herbert J. Wimmer, ein literarischer Stammerleuchter „Die goldenen Früchte“ der französisch russischen Autorin Nathalie Sarraute, auch noch nie etwas gehört, vorstellte, war für mich wahrscheinlich das erste Mal seit ich zu den diesbezüglichen Veranstaltungen gehe, eine wirkliche Erleuchtung und ein Aha-Erlebnis, das zu der Erkenntnis „Will haben und lesen!“ führte, leider gibt es die Autorin zum größten Teil nur mehr antiquarisch, aber vielleicht finde ich sie einmal im Bücherschrank.

Zuerst traf ich aber den Chemiker, den ich meistens in der Wien-Bibliothek sehe und den ich, glaube ich, einmal im Literaturhaus kennenlernte und der mir einmal sagte, er würde nicht in die „Alte Schmiede“ gehen.

„Aber das ist ja der literarische Ort Wiens!“, fragte ich erstaunt zurück. Jetzt scheine ich ihn bekehrt zu haben, er sagte mir gleich, daß er die Autorin kenne, weil sie im Kreis von Nobelpreisträgern erwähnt wird und Herbert j. Wimmer hatte auch einige der vergriffenen Bücher am Leseplatz aufgestellt.

Da dachte ich noch „Eine Experiment- oder Surrealistin, also wahrscheinlich nicht sehr verständlich!“ und habe auch Kurt Neumann, daß  bei dem Buch,  eine soziale Maschinerie in Gang gesetzt wurde, nicht ganz verstanden.

Herbert J. Wimmer nickte aber sehr energisch und leitete seinerseits ein, daß das eine Autorin wäre, die ihn durch sein Schreiben begleiten würde, eine die „in“ und nicht bloß „mit der Sprache“ arbeite und ich dachte, „Aha, eh schon wissen, das ist wieder eine, die das Plotten haßt und die Handlung ablehnt“, was tue ich eigentlich da?“

Dann ging es los mit den Wörtern  und ich hörte wahrscheinlich noch nicht richtig zu, bis es dann zu dem kam, was auch mich und mein Schreiben wahrscheinlich schon die letzten dreißig bis vierzig Jahre stark beschäftigt, nämlich um ein Gespräch über die Kulturbetrieb und ich verstand noch immer nicht recht, ob Herbert J. Wimmer jetzt aus oder über den Roman las, denn es ging im wesentlichen um die Frage „ob die goldenen Früchte jetzt ein Buch sei, das man lesen müße und eines, das ein bißchen die alten Stile imitiert, aber das müße man wohl und die anderen Autoren täten das auch“, ecetera, ecetera.

Herbert J. Wimmer erzählte dann noch ein bißchen was über das Leben der Autorin und las auch etwas aus ihren anderen Büchern vor und Kurt Neumann verwies auf den Büchertisch und, daß es gar nicht so leicht gewesen wäre, diesen zu bestücken und ich erzählte Herbert J. Wimmer, dem Chemiker und wahrscheinlich noch einigen anderen, daß ich eine Bücherschrankbesucherin wäre und hoffe nur, daß ich das Buch bisher nicht zu oft übersehen habe, hat mir der Name ja bisher nicht sehr viel gesagt.

Ich habe vorhin auch in meinen Katalog nachgesehen, denn manchmal nehme ich etwas, das ich noch nicht sehr kenne, aber leider keine Nathalie Sarraute im Archiv.

Also Ohren auf, vielleicht finde ich etwas, am letzten Wochenende hat ohnehin jemand seine Bücher aus den Achtzigerjahren in den „Wortschatz“ geräumt, ein paar frühe Roseis, einen H.C. Artmann,ect.

Ich habe mich bedient und hoffentlich nichts versäumt, blätterte auch ein bißchen in den antiquarischen Büchern, unterhielt mich mit den Stammbesuchern, Dine Petrik gehört auch dazu, begrüßte Bodo Hell, sah Christian Steinbacher erscheinen.

Das Schöne ist ja, daß man in der „Alten Schmiede“ manchmal die ganze heimische Dichterelite treffen kann, weil die gegenseitig zu den Lesungen kommen und Elfriede Czurda, die um halb acht folgte, es gibt zwischen den Veranstaltungen jetzt nur mehr eine halbe Stunde Pause, wie angenehmund ihr neues „Buch vom Fließen und Stehen“ vorstellte, habe ich öfter schon in der „Alten Schmiede“ getroffen. Ich habe auch einige noch nicht gelesene Bücher von ihr auf meiner Liste und da stelle ich mir das Lesen wirklich schwierig vor. Ist sie ja, glaube ich, eine Hardcore Experimentalistin, wenn es sowas gibt, ansonsten erfinde ich mal diesen Ausdruck und vorgestellt wurde sie von Florian Huber, der erklärte, daß es sich bei dem in der „Edition Korrespondenzen“ erschienenen Band um Überschreibungen von   Laotse „Das Buch vom Lauf des Lebens handelte“, also auch etwas, was wahrscheinlich nicht sehr leicht zu verstehen ist.

Ich habe zwar meine ersten Gehschritte in die chinesische Literatur schon unternommen und dabei auch eine Entdeckung gemacht, die mich literarisch erleuchtete und Elfriede Czurda erklärte auf Florian Hubers Frage, wie sie dazu gekommen wäre, diese Fließtexte zu schreiben, auch, daß sie das Buch zu Hause liegen hatte, dachte, das müßte sie jetzt endlich lesen und dann kam es zu ihren Überschreibungen, wo mir der Satz „durch den Fluß waten im Winter braucht es dicke Socken“ hängen geblieben ist.

Elfriede Czurda ließ dann auch ein paar Textbeispiele austeilen, an denen man ihre Arbeitsweise nachvollziehen konnte und erzählte, daß sie ein Jahr lang in Japan gelebt hätte und offenbar auch Grundkenntnisse in Japanisch und Chinesisch hat.

Also doch sehr interessant, mich hat die chinesische Literatur ja auch schon ein bißchen zu faszinieren begonnen, obwohl ich mich da natürlich eher an die realistische halte und die auch eifrig sammle.

Herbert J. Wimmer hat aber, um wieder den großen Sprung an den Anfang zurückzumachen von Nathalie Sarraute auch eine DDR-Ausgabe erwähnt, aus der er gelesen hat.

Interessant, interessant von der anderen Buchmesse und meiner Entäuischung dort nicht gelesen zu haben, obwohl es gar keinen Slam mehr gegeben hat, wieder zu der „richtigen“ Literatur zurückzukommen und da war der Tag sehr literarisch, weil er mir drei Neuerscheinungen, zwei von „Residenz“ und eines von „Otto Müller“, nämlich Marlen Schachingers neues Buch brachte, sonst habe ich gerade mit Anna Kims, die eine Koreanerin ist, „Der sichtbare Feind“ begonnen, die zweieinhalb Seiten, die es von „Den Verwandlungen einer Bibliophilin“ schon gibt. korrigiert und Robert Eglhofer, der gute und schnelle, hat mir schon die Rezension der Anna geschickt, die man hoffentlich bald auf meinen Blog nachlesen kann, was mich wieder einmal darin verstärkte, daß man, wenn man will, auch meine Bücher rezensieren kann, ohne gleich vom Selbstgemachten, Rechtschreibfehlern und mangelnden Lektorat“ zu sprechen, der Wille macht das Werk, der war diesmal  da.

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