Literaturgefluester

2015-02-28

Traumfänger

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:17

Nun kommt ein Buch, das ich zuerst einmal im Bücherschrank stehen habe lassen, interessiere ich mich ja eher für Belletristik und nicht so sehr für Ratgeber, Sachbücher oder esoterische Literatur, dann habe ich es doch genommen, irgendwo muß ich das Cover schon gesehen haben, nachgegooglet, erfahren, daß  Marlo Morgans „Traumfänger- Reise einer Frau in die Welt der Aborigines“, sehr umstritten ist, dann das Buch wegen eines Ungarnaufenthalts noch einmal von meiner Leseliste genommen und jetzt gelesen und es war zumindest am Anfang sehr interessant, obwohl ich mich ja für das Esoterische nicht so sehr interessieren, aber in einer Zeit psychotherapeutisch ausgebildet wurde, wo meine Trainer, das zum Teil taten und einen Teil der Geschichte kann ich als Metapher, ganz egal, ob sie jetzt erlebt oder erfunden ist, auch ganz gut nachvollziehen, wo es dann zu esoterisch wird, setzte ich aus, verweise aber auf die vielen Überlebenscamps und Wirtschaftsseminare, wo man vielleicht lernt mit nackten Füßen über glühende Kohlen zu laufen und als Geschichte zum Nachdenken lohnt es sich wahrscheinlich allendhalben.

Es gibt zwei Vorworte und wohl auch zwei Auflagen, im ersten wird das Buch, als wahre Geschichte beschrieben, aus der man sich nehmen kann, was man will, als Erfahrungsbericht, der nur als Roman verlegt wurde, um anderen nicht zu schaden.

Im zweiten steht dann, daß das Ganze frei erfunden ist,  sich die geschilderten Ereignisse überall abspielen hätten können, den Reim sollen sich die Leser aus der Geschichte selber machen.

Nun denn, Marlo Morgan, 1937 geboren, ist Amerikanerin, Ärztin, die im Gesundheitssystem gearbeitet hat und nach Australien kam, um dort ihre Gesundheitsprogramme umzusetzen.

Da kam sie  mit den Aborigines, den Ureinwohnern in Berührung, machte für sie ein Hilfsprogramm und wurde eines Tages von einem Stamm eingeladen eine persönliche Botschaft zu empfangen.

So beginnt das Buch, die Ich Erzählerin steht in einem feinen Kostümchen, spitzen Schuhen, geschminkt und mit viel Make up versehen, vor ihrem Hotel, um in einen Jeep zu steigen und an den Ort des Geschehens zu fahren.

Sie fragt sich, was es zu Essen geben wird, macht ihre Überlegungen, beginnt zu schwitzen und fährt immer weiter in die Wüste hinein.

Irgenwann kommt sie ziemlich zerfranst an, denkt, sie braucht zwanzig Minuten, um sich wieder zurechtzumachen, bevor es zu der Feier geht. Der Fahrer sagt ihr, daß er der einzige ist, der hier Englisch versteht, zieht sich dann seine Jeans und Turnschuhe aus, die er getragen hat, sie soll das auch tun, man reicht ihr ein Wickelkleid, verbrennt  ihre Kleider, Schmuck und Papiere und führt sie in eine Hütte, um ihr in einem Ritual zu erklären, daß sie ausgewählt wurde, den Stamm drei Monate durch die Wüste zu begleiten.

Sie will nicht, aber muß, wie soll sie denn sonst zu ihrem Hotel zurückkommen?

So rennt sie mit nackten Füßen durch die Wüste, am Abend werden ihre Füße von einer Heilerin versorgt, der Stamm nimmt sich auch nichts zu essen mit, sondern verzehrt am Abend, was er in der Wüste findet, Heuschrecken, Krokodile, Pflanzen, etc. Wasser gibt es in Höhlen, ihre Haut schabt an. Sie beginnt irgendwann zu stinken und wird in ein Sandbad gesteckt, lernt aber viel von dem Stamm, der sich „Die wahren Menschen“ nennen, sieht zu, wie sie Menschen heilen, ohne Medizin studiert zu haben und freundlich miteinander umgehen.

Das ist sehr spannend und sehr nachvollziehbar. Ist unsere Zivilisation wirklich nötig? Wahrscheinlich nicht, man kann auch mit viel weniger überleben.

Über Kanibalismus geht es an einer Stelle auch, sie wird aber belehrt, daß das nicht schlechter ist, als Menschen zu töten und sie dann liegen zu lassen, wie das die „Veränderten“ machen. Irgendwann muß sie dann auch zu führen lernen und wird, weil sie alle Prüfungen bestanden hat, ausgewählt auch die „Zeitüberschreitung“ kennenzulernen.

Sie bekommt einige Botschaften von den „Wahren Menschen“ und findet irgenwann wieder in die Zivilisation zurück. Verabschiedet sich von ihnen und fragt den ersten Mann, der die stinkende Pennerin sieht, um eine Münze zu telefonieren. Er gibt sie ihr, so läßt sie sich von ihrem Büro Geld anweisen, fährt mit einem Taxi einkaufen, badet ein paar Stunden in einem Hotel und fliegt am nächsten Tag, wie sie das ohne Papiere schafft, kommt nicht heraus, nach Amerika zurück, um verändert weiterzuleben, beziehungsweise, die Botschaft der wahren Menschen, daß sich sie sich verändern müßen, weiterzugeben.

Es gibt ein Nachwort von Elisabeth Kübler Ross, der Sterbeforscherin, von der ich in meiner Ausbildung sehr viel lernte und die irgenwie auch eine esoterische Verwandlung erlebt haben muß und im Internet sehr viele Rezensionen, die auf die Enttäuschung hinwiesen, die das Buch in ihnen auslöste.

Von „Humbug“, etc wird da geschrieben, trotzdem scheint das 1991 erschienene Buch noch am Markt zu sein und aufgelegt zu werden.

Von einigen Rezensenten wird es auch als Lieblingsbuch genannt und verteidigt.

In Wikipedia  davon geschrieben, daß es verfilmt werden sollte,  was aber die Aborigines verhindert hätten.

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