Literaturgefluester

2015-03-01

Wohin du mich führst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:54
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Wenn man wissen will, wie man einen spannenden Roman schreibt, da kamen in der letzten Zeit einige diesbezügliche Informationen auf mich zu, die „Schule des Schreibens“ hat ein Webinar zu diesem Thema veranstaltet und bei „Cupido-Books“ kann man sich Schreibtips für Fiction-Fans hinunterladen, damit die besser schreiben und da wird auch  auf dieses Thema eingegangen, sollte man vielleicht David Grossmanns Jugendbuch „Wohin du mich führst“ lesen, denn da wird das meiner Meinung nach Schritt für Schritt durchgeführt.

Man kann natürlich ein bißchen darüber unken oder nachdenken, ob es wirklich so gut ist, den Jugendlichen nur die allergrößte Spannung zu präsentieren, dann sitzen sie vielleicht ein paar Jahre später im Germanistikseminar, wollen alle Autoren worden, träumen vom großen Reichtum und der großen Verkaufszahl, lesen aber keine „Limbus-Bücher“ mehr und Liesl Ujvary schimpft in der „Alten Schmiede“ über den realistischen Roman.

Auch, daß die spannende Handlung in dem Roman, des 1954 in Jerusalem geborenen Autors, der 2010 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels in Frankfurt bekommen hat, vielleicht nicht immer so ganz, im Sinne der Spannung logisch ist, würde ich mal unken.  Da wird  dann vielleicht auf manches Detail vergessen, wenn man es nicht mehr braucht.

Das heißt im Klartext, zuerst ist eine Situation sehr gefährlich, sind die Helden darüber hinaus, gibt es das Problem nicht mehr, denn es naht ja schon ein anderes und, wie es der alten Frau, die von den Gangstern zusammengeschlagen wurde, die nach fünfzig Jahren zum ersten Mal ihr Haus verläßt, fragt da beispielsweise niemand mehr, wenn Assaf, Tamar gefunden hat, denn „The show goes on!“, das steht, glaube ich, auch irgendwo in dem Buch, das ich im Bücherschrank gefunden habe, aber wieder schön der Reihe nach, damit man alles auch versteht, wenn ich vorher schon ein paar sehr lange Schachtelsätze verwendet habe.

Es beginnt gleich mit voller Spannung, da jagt ein fünfzehnjähriger Junge, die Leine eines Hundes haltend, durch Jerusalem,  gerät außer Atem und man erfährt, daß seine Eltern in Amerika sind, die Schwester zu besuchen, während er in den Sommerferien einen Job in der Stadtverwaltung hat, da soll er einen entlaufenden Hund zu seinem  Besitzer führen, um die Verwaltungsgebühr zu kassieren.

Der Hund rast also, Assaf hetzt hinter ihm her und wird bei einer Pizzeria angehalten, erfährt etwas von einem Mädchen und bekommt eine Pizza, die er zu der Nonne Theodora bringt, die in einem Turm wohnt und ein Gelübde abgelegt hat, nie mehr in ihrem Leben das Haus zu verlassen, wie romantisch. Die erzählt dem Jungen von Tamar, das ist die Hundebesitzerin, ein starkes schönes Mädchen mit dunklen Haaren, das gut singen kann und die eigentlich jede Woche der Nonne die Pizza bringt.

Szenenwechsel, ein Mädchen mit einem großen Rucksack bringt Konserven in eine Höhle, läßt sich dann die Haare abschneiden, zieht eine Latzhose an, nimmt ein Abschiedsessen bei einer Freundin und stellt sich dann als Lockvogel auf die Straße, um zu singen, während Assaf mit der Hündin Dinka weiterhetzt. Die führt ihm gezielt ihren Weg, vielleicht hat David Grossmann auch die „Schneeflockenmethode“ angewandt und das Ganze auf dem Reißbrett skizziert und man erfährt Stück für Stück, vom drogensüchtigen Bruder Schaj, der so gut Gitarre spielt, der verschwunden ist und eines Tages Tamar anrief, daß er in Gefahr ist und sie ihn retten soll.

Richtig, daß Assaf mit seiner Hündin von der Polizei geschnappt wurde, weil die sich erinnern konnte, daß ein Mädchen mit diesem Hund einmal Drogen kaufte, hätte ich jetzt fast vergessen und füge hinzu, daß es mich ein bißchen wundert, daß man in Israel mit Fünfzehn gleich Handschellen bekommt, wenn man für einen Drogenkäufer oder Dealer gehalten wird, aber auf den öffentlichen Plätzen frei singen kann, in Wien ist das Letzere, glaube ich, nicht so.  Denn Tamar tut das ein paar Tage, wird dann von einem alten Paar angesprochen und zu einem Typen namens Pessach gebracht, der in einem alten Spital ein „Heim für Künstlerkinder“ unterhält, man muß unterschreiben, daß man freiwillig dort ist, bekommt zweimal am Tag was zu essen und wird am Morgen von Fahrer an irgendwelche Orte gebracht, wo man singen, tanzen, Gitarre spielen, Feuer schlucken, etc muß. Das Geld, das man bekommt muß man abgeben und die Fahrer rauben inzwischen die staunenden Passanten aus.

Nach ein paar Tagen trifft Tamar, die inzwischen unterschrieben hat, auf ihren Bruder, der ist high und wird extra überwacht, weil er sehr gut ist, trotz Heroin, ist er das immer noch und schon ein paar Fluchtversuche hinter sich hat.

Tamar hat alles vorbereitet, riskiert einen Anruf, arrangiert, daß man sie am nächsten Donnerstag gemeinsam auftreten läßt. Die Flucht gelingt, nur Dinka bleibt zurück und die Bande ist jetzt auch hinter Assaf her.

Dem gelingt es aber mit Hilfe einiger Freunde Tamar zu finden und sie bei dem Entzug ihres Bruders zu unterstützen. Er darf auch bei ihren Eltern vermitteln. Am Schluß taucht noch die Bande auf, bietet Schaj fünf Päckchen des weißen Pulvers an, der widersteht und als sie ihm die Finger brechen wollen, kommt die Polizei, alles ist gut und wir haben einen spannenden Roman gelesen, der die Jugendlichen, die wahrscheinlich die Zielgruppe sind, hoffentlich vom Drogenkonsum abhalten und nicht noch neugieriger darauf machen und sie später trotzdem zum Lesen von Lyrik und experimenteller Literatur bringt, die ja auf dem ersten Blick vielleicht nicht ganz so spannend ist.

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