Literaturgefluester

2015-03-03

Abend der Zivilcourage

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:40
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Heute hat der „Septime-Verlag“ im Literaturhaus sein Frühjahrsverlagsprogramm vorgestellt und darauf auf einen  Folder schon lange hingewiesen und ich dachte, natürliche gehe ich hin, hat mich doch  Sabrina Gmeiner einmal angeschrieben und mir ihre Bücher, die auf die Alpha Short List gekommen sind, angeboten und ich habe sie auf der darauffolgenden „Buch-Wien“ kennengelernt.

Es kommt dann manchmal alles anders, nämlich eine Einladung  zu der Verleihung des „Ute Bock Preises für Zivilcourage“ ins Rathaus zu gehen, der von „SOS-Mitmensch“ veranstaltet wird. Eine Organisation, die ich neben „Caritas“, „Volkshilfe“, „Integrationshaus“, etc, regelmäßíg mit fünf Euro untersütze und deren Projekte mir auch sehr angenehm sind und einmal bin ich auch schon bei einer Preisverleihung gewesen.

Dann kam nie mehr eine Einladung, nur einmal ein Kuvert mit einer Aufforderung doch mein „Momente-Abo“ zu bezahlen, das ich allerdings nie extra bestellt habe und heuer war es wieder so weit. Ich wurde eingeladen und da man ja erstens über den Tellerrand schauen und die Veranstaltung zweites sehr literarisch war, habe ich umdiponiert, weiß jetzt als nicht, was als nächstes bei „Septime“ erscheint, „Der Teufel und  Gott“ habe ich als letztes von dort gelesen, aber wer heuer den „Ute Bock Preis für Zivilcourage  bekommen hat und das ist auch sehr interessant und wichtig.

Die Stadträtin für Frauenfragen und Integration Sandra Frauenberger, hat die Veranstaltung, die im Wappensaal, in dem ich mich ja auch öfter befinde, eingeleitet und Wien als eine Integrationsstadt vorgestellt. Dann kam der SOS-Mitmensch Sprecher Alexander Pollak und danach der Hauptredner Ari Rath, den ich glaube ich  bei der letzten Sommerakademie kennengelernt habe und der kürlich neunzig geworden ist, vor siebenundsiebzig Jahren im März 1933 war er dreizehn, saß in der Porzellangasse und hörte Radio, die berühmte Schuschnigg Rede „Gott schütze Österreich“ dann den neuen Bundeskanzler Seis-Inquart, das Horst Wessel Lied und wußte, er muß weg. Er ist dann mit seinem Bruder nach Israel in eine Jugendorganisation, wo man am Vormittag vier Stunden hart im Kibbuzz arbeiten mjußte und am Nachmittag unterrichtet wurde, davon hat er im Sommer auch in der WU gesprochen, jetzt hat er und das ist sehr interessant, er hat seine Rede aus dem Computer vorgetragen, an seine Flucht erinnert und daß man vor siebenundsiebzig Jahren aus Österreich geflüchtet ist. Jetzt kommen die Syrier, die Teschetschenen, die Afghanen, etc nach Österreich und erleben mehr oder minder angenehme Sachen während ihres Asylantragens, ich habe ja auch einige Zeit lang Asylwerberdiagnostik gemacht und da ein bißchen Einblick in die Situation bekommen, bzw. einige Tschetschenen kennengelertn.

Damit habe ich mich auch in der „Radiosonate“ beschäftigt und die Figur des Tschetschenen Boris Alkemirov entwickelt, der aus Grosny flüchtet und eine Mozart-Sonate nach Österreich bringt und mit Teschetschenen hat sich auch der erste Preisträger, der Kärtner Psychologe und Traumatherapeut Siegfried Stupnig sehr beschäftigt. Julya Rabinovich, die ja glaube ich, gelegentlich dolmetscht, hat die Laudatio gehalten und dann kam noch ein musikalischer Beitrag von Aslambek Ozdamirov, nämlich ein tschetschenisches Liebeslied.

Ute Bock, die inzwischen im Rollstuhl sitzt, hat gemeisam mit Max Koch, dem ehrenamtlichen Vorsitzenden den Preis übergeben und die zweite Laudatio für die zweiten Preisträger hielt die junge Filmemacherin Nina Kusturica, die aus Bosnien Herzegowina nach Österreich gekommen ist.

Der Preis geht an einen Verein von jungen Leuten, die offenbar mit jungen Flüchtlingen ins Kino, etc gehen und wahrscheinlich auch die eine oder andere Muttersprache beherrschen, dann gabs noch einmal Musik von Milos Todorovski und  ein Buffet, wo man sich unter der Prominenz umsehen konnte.

Susanne Scholl war da und Vera Albert, mit der ich mich sehr intensiv unterhalten habe und es ist in Zeiten, wie diesen, wo sich so viel radikalisiert und sich negativ entwickelt, sehr schön, daß es auch so viel Zivilcourage in Wien und anderswo gibt und ich bin heute auch sehr aktiv gewesen und habe an meiner „Veränderten Bilbliophilin“ zwei Szenen weitergebracht.

Die siebente, wo die Fritzi Jelinek ihr Verhältnis zu Janusz Warszinski klarstellt, die achte, wo die Yasmin, der Selma im Beserlpark um die Ecke von ihrem Haus ein SMS schicken will und dabei die Thekla kennenlernt.

Drei sind noch geplant, je eine mit der Thekla und der Yasminund die zehnte wird dann der Selma gewidmet sein, die das SMS bekommt und sich dabei vielleicht noch in einer Wiener Moschee befindet oder schon auf dem Weg nach Damaskus und vielleicht wird der junge schöne Integrationsminister, der von Yasmin ja Mails für tausend und eine Nacht bekommt, auch einen eigenen Handlungsstrang bekommen.

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2 Kommentare »

  1. Liebe Frau Jancak!
    Sehr geehrte Frau Dr. Jancak! wäre wahrscheinlich korrekter, kommt mir aber, nachdem ich mich ziemlich intensiv in Ihren Blog eingelesen habe, schon zu distanziert vor, also nochmals:

    Liebe Frau Jancak!
    Wir haben uns neulich ganz flüchtig gesehen, bei der Vorstellung der Ausgabe der Niederösterreichischen Literaturedition zum Werk von Bruno Weinhals, aber ich bin Ihnen und Ihrem Treiben im Sinne der Literaturvermittlung etwas abseits des Mainstreams auf die Spur gekommen und habe festgestellt, dass wir einen gemeinsamen Bekannten haben:
    Robert Eglhofer war etliche Jahre lang mein Kollege an der Pädagogischen Akademie in Krems (ich wohne in Krems). Und da trifft es sich gut, dass am kommenden Freitag die Lesung im Amerlinghaus stattfindet, denn da kann ich gleich zwei Fliegen auf einen Schlag erlegen: 1. Robert wieder treffen und mich mit ihm etwas austauschen und
    2. hoffentlich interessante Texte aus Ihrer Schreibgruppe hören.
    Ganz besonders interessiert mich Ihr Beitrag. Einerseits muss ich mich, was Ihre Texte betrifft, zu einem guten Teil den kritischen Stimmen anschließen, andrerseits aber auch anerkennen, dass die, auf gut Wienerisch gesagt, „was haben“: bemerkenswerte Figuren in interessanten Konstellationen, die sich in einem Milieu bewegen, das von „arrivierten“ Autoren gerne ausgespart wird, nachvollziehbare Probleme und vor allem einen ganz eigenen Ton, der meines Erachtens danach verlangt, dass sie laut vorgetragen werden (der Ursprung der Literatur ist mündlich!). Dann stören auch die Redundanzen, die monotonen Satzmuster etc. nicht mehr, weil sie als Stilmittel dazugehören. Ihre Vorliebe für die erlebte Rede (vgl. James Wood) kommt da auch zu ihrem Recht. Aber vielleicht können wir uns darüber noch unterhalten.
    Ich habe mir von Ihren Digibooks zwei auserkoren, die ich gerne lesen möchte:
    1. Brüderschaft (das Gruftie-Mädchen hat mich angesprungen, weil es mich an eine ehe-
    malige Schülerin erinnert hat: ein von der Mama dressiertes Prinzesschen in der
    Unterstufe, in der Oberstufe zum Gruftie mutiert und mit 20 den Drogentod gestorben)
    2. Zwillingswelten – interessiert mich einfach, wenngleich die Deutschlehrerin, die ich
    auch war (ich habe mich immer in erster Linie als Anglistin verstanden) über ihren Schatten wird springen müssen (der Text schreit nach einem kompetenten Lektorat – aber das tut sich heute kaum ein Verlag mehr an).

    Ich freue mich auf Freitag!
    Ihre Brigitte Dobes

    P:S: Mail Delivery System hat sich gerade geweigert, meine Mail an bestellung@jancak weiter zu leiten, darum also hier kein Kommentar, sondern eine Nachricht.
    B.D.

    Kommentar von Mag. Brigitte Dobes — 2015-03-04 @ 22:51 | Antwort

  2. Fein, freue mich, habe gemerkt, daß da in den letzten Tagen einiges angesehen wurde, ja, den Deutschlehrern schreibe ich vielleicht nicht so ganz grammatikalisch korrekt, mit ein paar Rechtschreibfehlern und literarisch nicht so abgehoben.
    Was soll ich machen? Wenn ich es ändern könnte, hätte ich es wahrscheinlich schon getan, freut mich aber trotzdem, daß Sie sich dafür interessieren.
    Auf meiner Website gibt es Leseproben, die Sie sich wahrscheinlich schon angesehen haben, ein paar You Tube Videos von Lesungen gibt es auch.
    Zur Lesung bringe ich ein paar meiner Bücher mit, Robert Eglhofer hat mir für mein letzten Buch eine sehr schöne Rezension geschrieben, die ich ich aber noch einstellen muß.
    Über Ihren Schatten müssen und sollen Sie natürlich nicht springen, wenn es Ihnen zu sehr widerstrebt, lassen Sie es ruhig.
    Obwohl ich, die ich ja keine unbedingte Freundin des Experimentellen bin, immer wieder zu Lesungen von solchen Autoren, wie beispielsweise von Bruno Weinhals gehe und mir dann, obwohl ich nicht so schreiben will, mir immer wieder etwas mitnehme,demnächst das „Fenster“ von Richard Obermayr lesen möchte und mir dabei schon vorstelle, daß ich über die „Sprachräusche“, die ich dort finden werde, stöhne und am Ende, die ich ja so sehr an der Handlung hänge, vielleicht nichts verstanden habe und vor kurzem habe ich ein Buch von einer aufstrebenden Literaturwissenschaftlerin gelesen, über dessen Stil ich sehr sehr erstaunt war und mich nicht trauen würde, so etwas dem „Otto Müller Verlag“ anzubieten.
    Das alles gibt es und macht wahrscheinlich die literarische Vielfalt aus. Ich schreibe vielleicht sehr realististisch und nehme das vielleicht zu ernst, was Adalbert Stifter schon in seinen „bunten Steinen“ lobte, die Psychologin in mir, denkt und wünscht sich auch, daß jeder schreiben, lesen, denken sollte und nicht nur die, die sich an elaborierte Regeln halten und ich habe ja auch studiert und vorher meine Deutschleherin in der „Knödelakademie“ der Straßergasse zur „Verzweiflung“ gebracht.
    Sie hat es aber ausgehalten und das wünsche ich mir für meine Literatur, die wahrscheinlich nicht wirklich so viel anders ist und allmählich so wird, wie sie mir gefällt und wozu ich stehen kann.
    Ich habe jetzt kein Lektorat, das heißt kein anderes, als, das meines Mannes, könnte mir aber vorstellen, daß ich mit den Lektorinnen, wenn ich welche hätte, zu streiten anfangen würde und dort, wo ich einmal welche hatte, zum Beispiel bei der „Güler“ beim „Jugend und Volk-Verlag“ waren die Kritiker dann auch nicht zufrieden, obwohl das Buch 1982 den „Kinderbuchpreis der Stadt Wien“ bekommen hat.
    Kommen Sie übrigens auch am 20. nach Krems Stein zur Buchpräsentation von Robert Streibels „April im Stein“?
    Die Mails kommen übrigens trotz gegenteiliger Meldung an.

    Kommentar von jancak — 2015-03-04 @ 23:14 | Antwort


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