Literaturgefluester

2015-03-14

Albors Asche

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06
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Ich muß gestehen, Marlen Schachingers neues Buch „Albors Asche“ mit lodernden Flamme am Cover, hat mich zu Beginn ein wenig ratlos gemacht.

Denn kann man Anfangs des Einundzwanzigsten Jahrhunderts noch, wie im neunzehnten, zu Zeiten E.T.A. Hofmanns oder einer Betty Paoli, erzählen? Weitschweifend, gelehrig, mit lateinischischen Zahlen in den langen Kapitelüberschriften, wie beispielsweise „I Meterologie, altgriechisch, ……Untersuchung der überirdischen Dinge und Himmelskörper“, die griechischen Buchstaben habe ich jetzt in Ermangelung meiner Altgriechischkenntnisse ausgelassen, den Lesern mag es vielleicht ähnlich gehen und auch das, was da erzählt wird und, wie ich dem Klappentext entnehme, gegen Ausgrenzung und Fremdenhaß, alles also sehr aktuelle Themen, geht, kommt am Anfang sehr behäbig und umständlich daher und wenn nicht ab und zu das Wort „Computer“ oder andere Neuheiten unserer Gesellschaft erwähnt werden, würde man meinen, man wäre im neunzehnten Jahrhundert, wo uns E T. A Hoffmann von Nixen, Teufeln und anderen Dämonen erzählt.

Da gibt es Valerian, ein wahrscheinlich nicht mehr so junger Mann, der seit einundzwanzig Jahren sein Zimmer nicht mehr verlassen hat, denn damals ist in dem Städtchen Albor etwas Entsetzliches geschehen, daß ihn seine Mutter Maria nahm, seither sitzt er am Schreibtisch oder steht am Fenster und schreibt, wie ein Chronist alles, was sich so ereignet auf.

Seine Halbschwester, die Lehrerin Lucia, versorgt ihn mit Essen und eines Tages beobachtet er, daß in der verfallenen Kirche gegenüber, die damals auch zerstört wurde, man kommt erst ganz langsam in das Geschehen, Marlen Schachinger, die Sprachschullehrerin, versteht es, spannend zu erzählen, eine seltsame Frau mit einem seltsamen Kleid und bodenlangen roten Haar einzieht, in dem Städtchen gehen seit dem damaligen Geschehen alle im chinesischen Einheitsdrill, wahrscheinlich eine Anspielung auf das Zeitggeschichte, daher.

Und diese Frau, Pastora, Valerian nennt sie Tithorea, nach einem Schmetterling „III Tithorea Tarricina, eine der Nymphalidaen, auch Tarricina Langflügel oder Creme-Getrupfter Tigerflügel genannt“ und  zählt ihre Sommersprossen, die, scheint, wie auch etwas langatmig erzählt wird, aus dem Fluß Ebro gekommen zu sein. Ist sie eine Nixe?, habe ich Anfangs gedacht, denn sie hat, wie sie dem Wasser entstiegen ist, alle sich in ihren langen Haaren befindlichen Fischchen langsam herausgeschüttet.

Sie scheint aber mit ihrem Vater, der sich mit Platon beschäftigt, dort gelebt zu haben und kommunziert auch ständig mit ihm, während sie sich in der verfallenen Kirche einrichtet.

Richtig, einen Koffer hatte sie auch noch in der Hand und der interessiert die Jungfrauen im Dorf, so daß sie Lucia mit einer Heckenschere zu ihr schicken und die Männer, der Apotheker, der Bürgermeister, der Polizist, der Journalist und dann noch die Gemeinen, sind von der Schönen derart angezogen, daß sie sich Tag und Nacht auf dem Hauptplatz gegenüber der Kirche aufhalten, um sie, wenn möglich, anzustarren.

Die Bäckerin profitiert davon und eröffnet schnell ein Bistro, die Frauen werden eifersüchtig und schmieden Intrigen und so kommt es, wie es kommen muß. Pastora wird zu einer öffentlichen Versammlung vorgeladen, die Haare werden ihr abgeschnitten und es wird ihr auch aufgetragen, die verfallene Kirche zu reparieren.

Das erscheint mir jetzt ein wenig unlogisch, denn ist in dem ersten Kapitel nicht gestanden, daß sich niemand, um die Kirche kümmern will?

Pastoria tut es aber, hält sich Haustiere, legt Kräuter an, deshalb wird sie auch für eine Hexe gehalten und die Stadtverwaltung verlanlaßt,  seltsame Verodnungen, was nun alles in der Stadt verboten ist, was auch extra zuerst in ganzen dann nur noch halben Inseraten, in dem Buch angekündigt wird.

„Der Verzehr von Mäuseohren, eingelegt oder nicht, ist aus gesundheitlichen Gründen untersagt. (Dekret der Stadtverwaltung Albor erlassen am 5. 11. anno domini).“ in etwa.

Trotzdem tut sich etwas in dem Städtchen. Pastora beginnt mit Valerian brieflichen Kontakt aufzunehmen und geht mit der Apothekersfrau in das Bordell, ja das gibt es auch und dort finden sich nächtlich die Honoratoren ein.

Sie bringt aber einige Gänse, die die Apothekerfrau den Mädchen zubereitet und dadurch selbst eine Verwandlung erlebt. So finden sich nach und nach die Mädchen und auch Jakob mit der Hupe, ist das eine literarische Anspielung auf Erich Kästner?, in Pastoras Kirche ein.

Es geschieht zwar auch einiges Unheil, Tote werden in dem Städtchen aufgefunden, die Unliebsamen verschwinden und der Stadtrat bestreitet, wieder bei Stafe, daß in dem Städtchen gemordet wird. Am Ende brechen dann, wenn ich es richtig verstanden habe, leicht ist das Buch nicht zu lesen und ob das in einer Zeit des wachsenden Analphabetismus und der zunehmenden Ungeduld und abnehmenden Konzentrationsfähigkeit gut sein kann, weiß ich nicht, die Guten Richtung Ebro auf, aber das steht auch im Klappentext „man steigt keineswegs zweimal in denselben Fluß“, auch Valerian ist wahrscheinlich dabei, der jetzt „Mian“ heißt und Albor fängt wieder zu brennen an und ich füge an, daß ich das was derzeit bei uns geschieht, bezüglich IS Terror, Anschlägen und Radikalisierungen, mir dem Geschehen in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts, nicht so unähnlich scheint.

Spannend, spannend, sage ich am Ende trotzdem, denn ich bin ja neugierig und blicke gern über den Tellerrand und kann so Marlen Schachinger, die ich ich  durch Ruths Verlag kennenlernte, ihren Erstling „Morgen vielleicht“, dann ihren Krimi und zuletzt „Denn ihre Werke folgen Ihnen nach“, das mich deshalb faszinierte, weil es da ja auch um literarische Plagiate und um den Literaturbetrieb geht, gelesen habe, als eine Meisterin der verschiedenen Schreibstile bezeichen.

Sie ist  auch eine, deren literarische Karriere ich vom Lesetheater bis hin zu ihrem eigenen narrativen Institut verfolgen konnte und da habe ich jetzt ein Video über eine Sommerakademie, die sie in NÖ, anbietet, gesehen, wo sie „Zu literarischen Mut und literarischen Flunkern“ auffordert.

„Es muß nicht alles realistisch nachzuvollziehen sein“, dieses Buch ist wohl das Beweisstück für diese These und natürlich muß es nicht und natürlich finde ich es spannend, das Ergebnis dieses literarischen Muts zu lesen, hätte vielleicht nur nicht gedacht, daß sich Verlage über solche Experimente darübertrauen und bin jetzt auf die Rezeption, des kürzlich erschienen Romanes sehr gespannt und natürlich auch, was und in welchen Stil ich Marlen Schachinger  noch lesen werde?

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